Friedrich Herman Semmig (* 23. Juni 1820 in Döbeln; † 22. Juni 1897 in Leipzig) war ein deutscher Schriftsteller und Lehrer und Teilnehmer der Deutsche Revolution 1848/1849. Seine Pseudonyme waren Friedrich Schmidt und Ernst Naumann.
Friedrich Herman Semmig war Sohn des Sattlermeisters und Ackerbürgers Johann Gottfried Semmig. Sein Vater betrieb neben einem bürgerlichen Gewerbe etwas Landwirtschaft. Am 29. März 1833 wurde er in die Oberquarta der Königlichen Landesschule zu Grimma eingeschult. Als „primus omnium“ (aller bester) erhielt er am 9. März 1839 sein Abitur. An der Universität Leipzig studierte er Theologie bei Georg Benedikt Winer und Philologie, aber auch Geschichte und Philosophie bei Gustav Hartenstein. Als 1841 Hermann Kriege ihn mit Hegel bekannt machte, führte es dazu, dass er die Laufbahn eines Geistlichen aufgab. Dann studierte Semmig am historischen Seminar bei Wachsmuth. 1841 trat er in die Burschenschaft „Kochei“ ein. Er veröffentlichte Gedichte in Herloßsohns „Komet“ und Robert Hellers „Rosen“ sowie in den Hamburger „Jahreszeiten“.
Nach der Veröffentlichung der „Gedichte eines Lebendigen“ (1841) von Georg Herwegh, kam es zu einer großen Begeisterung für diesen Dichter und Herwegh reiste durch ganz Deutschland, um sich feiern zu lassen. Vom 22. bis zum 25. Oktober 1842 hielt er sich in Leipzig auf. Die „Kochei“ veranstaltete ein großes Bankett, Herwegh erhielt einen Lorbeerkranz und Herman Semmig hielt eine Rede auf dieser Feier.
Seit 1841 weilte auch der damalige Apotheker Theodor Fontane in Leipzig. In seinen Erinnerungen Von Zwanzig bis Dreißig schildert er im „Viertes Kapitel. Der Herwegh-Klub.“: „In diesen Klub sah ich mich natürlich alsbald eingeführt und machte da die Bekanntschaft von einem Dutzend anderer Studenten, meistens Burschenschafter, einige schon von älterem Datum. Es waren folgende: […] Semisch oder Semig, Dr. Wilhelm Wolfsohn, Max Müller. Alle haben in der kleinen oder großen Welt von sich reden gemacht.“
Am 6. Dezember 1843 wurde Herman Semmig vom Leipziger Universitätsgericht mit dem consilium abeundi und vier Wochen erschwertem Karzer wegen seiner burschenschaftlichen Aktivitäten verurteilt.
Der „Privatgelehrte“ Herman Semmig promovierte in Leipzig am 2. April 1845 an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig zum Dr. phil.
Vormärz und Revolution 1848/49
Sein erstes Buch „Schlesiens Reformirung und Katholisirung. Zur richtigen Beurtheilung der Gegenwart nach Dr. Wuttke’s schlesischer Geschichte“ zeigt, dass er mit der deutsch-katholischen Bewegung von Johannes Ronge sympathisierte. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Redakteur in Döbeln, Leipzig und Rochlitz.
Semmig schreibt Artikel für die damals erste sozialistische Zeitung in Deutschland, die von Karl Grün als Redakteur betreute Triersche Zeitung, die er gesammelt als Buch herausgab.
Im Oktober 1845 schrieb Semmig: „Vor kurzem ist ein Werk erschienen, das ihre Zustände mit umfassender Kenntniß schildert: Die Lage der arbeitenden Classe in England […] Wir aber wollen zeigen, wie kümmerlich es in England mit dem Rechte beschaffen ist, wo Tausende ungerächt verhungern, zu welchem fürchterlichen Elend es die unbegrenzte Ausdehnung der Industrie gebracht hat, Vielleicht zerstören wir dadurch die Illusionen von dem gepriesenen Rechtsstaate und halten das Vorwärtsschreiten Derer auf, die durch die Einführung von Schutzzöllen Deutschland an denselben Abgrund bringen wollen, dem es schon nahe genug steht“.
In einem Artikel der Zeitschrift Der Leuchtthurm schildert er die Not der kleinen Leute. Ein Gedicht namens „Kauft Veilchen!“ veröffentlichte er im März 1845 im Berliner Figaro, der Zeitung, in der Fontane debütiert hatte.
Semmig wurde, wie alle verdächtigen Demokraten, ein Opfer des metternichschen Überwachungssystems. Jacob Eduard Singer war der bekannte Geheimagent der Mainzer Zentraluntersuchungskommission des Fürsten Metternich, der ihn überwachte.
In einem Aufsatz in den Rheinischen Jahrbüchern von Hermann Püttmann entwickelte Semmig 1847 seine politischen Positionen zu Sozialismus, Kommunismus und dem feuerbachschem Humanismus, die Friedrich Engels in der „Deutschen Ideologie“ dem „wahren Sozialismus“ zuordnete.
Chr. Abt schreibt im Kapitel „Die sociale Frage. Ein offenes Sendschreiben an die Herausgeber der ‚Rheinischen Jahrbücher zur gesellschaftlichen Reform‘, von einem Anhänger der vernünftig organisirten Gesellschaft“: „Gesetzt aber Hr. Semmig hätte dem Sozialismus den Sieg errungen, so werde ich durch die Bemerkung des Herausgebers wieder in die vorige Ungewißheit zurückgeschleudert, denn er stürzt geradezu Alles wieder um, was Hr. Semmig aufgebaut hat, wenn er ihm, der den Sozialismus als ‚Schiboleth‘ empfiehlt, den Communismus wieder anräth, da ja in Wahrheit zwischen Communismus (dogmatisch-diktatorisch, despotisch, nach Semmig) und Sozialismus nur der Unterschied stattfinde, der Theorie und Praxis von einander trenne.“ Auch Arnold Ruge äußert sich kritisch zu den in den „Jahrbüchern“ vertretenen Thesen.
Der Wächter an der Ostsee berichtete, dass Semmig in Leipzig den General-Anzeiger mit Artikeln versorgt und dass er das Muldejournal in Döbeln redigiert.'
Im März 1848 gründete Semmig in Leipzig den „sozialistischen Verein“. Er wurde erster Vorsitzender und Redakteur der Zeitung Der Volksfreund. Emil Weller wurde zum Kassierer des Vereins gewählt. Ein zweiter Verein, der sich „Demokratischer Verein“ nannte, wurde auch von Semmig angeführt. Dieser Verein stand im Gegensatz zum „Vaterländischen Verein“ Robert Blums. Darüber schrieb Blum an seine Frau Eugenie am 9. Mai 1848: „Der Vaterländische Verein ist zugrunde gerichtet, ist eine Beute Semmigs geworden, weil man sich mit leerem Formenkram herumschlägt, selten sich bespricht, dann um halb 10 Uhr anfängt und sich nach Mitternacht um nichts streitet. […] Und hätte man nun noch den Verein aufgelöst oder gesprengt, so war’s doch ein ehrenvoller Tod; aber nein, man läßt ihn elendiglich an Auswüchsen und an der Schwindsucht sterben zum Hohn und Spott der Gegner.“
In seinem Buch Was thut Noth und was thut Blum spricht sich Semmig für die Notwendigkeit sozialer Reformen aus und stellt sich damit in Konkurrenz zu Blums Verein.
In der Sitzung des außerordentlichen sächsischen Landtages am 20. Juni 1848 sorgt der Abgeordnete Samuel Erdmann Tzschirner dafür, dass eine von Semmig im Namen von 448 Mitgliedern des demokratischen Vereins verfasste Petition verlesen wird.„Das Recht der freien Meinungsäußerung durch Presse und Versammlungen, dem deutschen Volk zustehend von Natur und Rechtswegen, hat sich das deutsche Volk doch erst wieder errungen durch die glorreiche Märzrevolution dieses Jahres. Das ist eine geschichtliche Thatsache und die Geschichte läßt sich nicht wegläugnen. […] Wir meinen ferner: die Freiheit der Meinungsäußerung müsse unbeschränkt sein und einzig und allein der Verleumder sei wegen seiner verleumderischen Meinungsäußerung straffällig. […] und die constitutionelle Monarchie dürfe keine andere Garantie für sich haben, als sich selbst und ihren Werth.“ Außerdem reichte Semmig diese Petition zur freien Meinungsäußerung auch an die Frankfurter Nationalversammlung durch den Abgeordneten Arnold Ruge ein.