An diesem Tag

Friedrich Griese (Schriftsteller)

Deutscher Schriftsteller

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Friedrich August Heinrich Griese (* 2. Oktober 1890 in Lehsten; † 1. Juni 1975 in Lübeck) war ein deutscher Schriftsteller. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt er zeitweise als der bedeutendste Autor mecklenburgischer Heimatliteratur.

Im Nationalsozialismus wurde er als Blut-und-Boden-Dichter hoch geehrt. Als ein solcher wird er heute auch von der Literaturgeschichte gewertet.

Friedrich Griese wurde als Sohn eines Bauern und späteren Tagelöhners in Lehsten (Dominalamt Stavenhagen/Mecklenburg) geboren. Er besuchte – nachdem er zweimal die Aufnahmeprüfung nicht bestand – die Lehrerseminare in Neukloster und Lübtheen und arbeitete ab 1913 als Volksschullehrer in Stralendorf bei Parchim. Im Ersten Weltkrieg meldete Griese sich freiwillig als Soldat. Nach einer Verwundung fast taub, wurde er 1916 aus dem Kriegsdienst entlassen und arbeitete bis 1926 wieder in Stralendorf als Lehrer. Im Oktober 1916 heiratete er die aus Marne (Holstein) stammende Agnes Mathilde Friederike Rommelé (* 1897), Tochter eines Hamburger Kaufmanns.

Von Herbst 1926 bis Frühjahr 1931 war Griese Lehrer an einer Knaben-Volksschule in Kiel. Zur Förderung seiner dichterischen Tätigkeit wurde Griese 1931 zum Rektor ernannt und mit vollen Bezügen vom Schuldienst beurlaubt. Ein erstes Buch publizierte er 1921 (Feuer).

Er war beeinflusst von skandinavischen (zeitgenössisch-völkisch: „nordischen“) Autoren wie Knut Hamsun, Selma Lagerlöf und Jens Peter Jacobsen und – nach eigener Aussage – von Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts des deutsch-englischen rassistischen Schriftstellers Houston Stewart Chamberlain. In seinem ersten Roman Feuer (1921) behandelte er mit autobiographischem Einschlag das Thema „Kriegsheimkehrer“. Schon hier ist Grieses literarisches Hauptthema zu finden, die Mystifizierung des bäuerlichen Lebens und die Verklärung einer agrarisch-vorindustriellen Mecklenburger Welt. Weitere Romane wie „Ur“ (1922), „Das Korn rauscht“ (1923) und „Alte Glocken“ (1925) sowie Theaterstücke folgten. Sein erster großer Romanerfolg war Winter (1927), für den er zwei Auszeichnungen erhielt und der auch nach 1945 mehrfach wieder aufgelegt wurde. Das Buch schildert den Untergang eines mecklenburgischen Dorfes, dem nur ein junges Paar entgeht. „Erdnähe wie kein anderer unter den deutschen Dichtern“ attestierte dem Roman und dessen Verfasser ein zeitgenössischer Rezensent. Das Drama Mensch, aus Erde gemacht wurde im November 1932 im Landestheater Stuttgart uraufgeführt, es hatte in der Spielzeit 1933/34 eine spektakuläre Aufführung am Staatlichen Schauspielhaus Berlin. Von 1921 bis 1933 publizierte Griese fünfzehn Bücher. Griese sah sich mit seiner Literatur in einem „Kampf der deutschen Welt mit der fremdländischen, vor allem der östlichen“ (1932), für die in der Vorstellungswelt der Weimarer Völkischen Bewegung typischerweise „Ostjuden“ standen.

Grieses Erfolgszeit als Autor begann mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und ihre Bündnispartner. „Nach 1933“ wurde er „offiziell empfohlen“. Die von ihm propagierte „Einheit zwischen dem Blut und dem Boden“ als nationale Lebensgrundlage machte ihn zu einem wichtigen Vertreter der NS-Literatur. 1933 unterzeichnete er mit weiteren 87 deutschen Schriftstellern das an Adolf Hitler gerichtete Gelöbnis treuester Gefolgschaft. Nach der Umwandlung der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste zur „gesäuberten“ Deutschen Akademie der Dichtung wurde Griese im Mai 1933 als neues Akademie-Mitglied berufen. Er leitete dort den Ausschuss für Fragen des Schul- und Hochschulwesens.

In der Folge erhielt und akzeptierte er nach Meinung des Literaturwissenschaftlers Karl Otto Conrady mehr Preise als jeder andere Schriftsteller im Dritten Reich. Für 1937 und 1939 sind Beiträge Grieses auf Tagungen des NS-„Amts für Schrifttumspflege“ im Amt Rosenberg belegt. Am 15. September 1941 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Oktober desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.835.491).

1934 erhielt er gemeinsam mit Konrad Beste den Lessingpreis, was damit begründet wurde, er stelle die „Doppelgestalt des deutschen Schicksals, das Schicksal 'Blut und Boden' und das Schicksal 'Krieg'“ weltanschaulich wie künstlerisch auf einem Niveau „hoch über dem Durchschnitt der allgemeinen Heimat- oder Kriegsschriftstellerei“ dar. Mit ihm werde ein Dichter ausgezeichnet, „der aus Blut und Boden schafft“. Dabei sei Griese „wegweisend“. Unter den neuesten mecklenburgischen Autoren – so 1938 – sei er derjenige, der „die Ureigenschaft des Bauern“, nämlich dessen „Sesshaftigkeit und größte Liebe zur Scholle“ am kraftvollsten gestalte. Es trete dem Leser bei ihm überall der mecklenburgische Bauer „in seiner Liebe zu Grund und Boden“ entgegen. Vielleicht sei er „der bedeutendste deutsche Bauerndichter der Gegenwart“ (1939).

1935 wurde er in die überarbeitete Auflage des „Deutschen Führerlexikons“ aufgenommen.

Nach Mecklenburg kehrte Griese 1935 zurück. Der Reichsstatthalter und spätere Gauleiter Friedrich Hildebrandt veranlasste, dass ihm die mecklenburgische Landesregierung die Markower Wassermühle bei Parchim schenkte. Zuvor hatte Griese im Juli 1934 Hildebrandt durch den Schweriner Forstgeometer Willy Bolland ein von seiner Frau Agnes handgebundenes Exemplar seines Buches „Der Herzog“ überreichen lassen, begleitet von einem vom 5. Juli datierenden vierseitigen Handschreiben. Darin Griese: „Ich selbst habe nur den einen Wunsch, einmal wieder nach Mecklenburg zu-rückkehren zu können, dort ein wenig Land und ein Häuschen zu haben, irgendwo an einem kleinen See mit Wald in der Nähe.“ Am 7. August 1934 schrieb Hildebrandt dem Parchimer Rechtsanwalt Fritz Tiedemann von seiner Absicht, „für Herrn Friedrich Griese die Parchimer Markower Mühle zu kaufen“ und dafür „aus dem mir zur Verfügung stehenden Kulturfond den notwendig werdenden Betrag zur Verfügung zu stellen“. Er bat Tiedemann, im Zusammenwirken mit dem Parchimer Bürgermeister Rudolf Prestien die dafür notwendigen Verhandlungen mit Ministerpräsident Friedrich Scharf zu führen. Auf dem ihm geschenkten Grundstück ließ Griese auf eigene Kosten sein Wohnhaus „Reth-Hus“ errichten.

Die Auflagenzahlen seiner Bücher stiegen in den 1930er Jahren auf mehrere hunderttausend, woran auch Sonderausgaben für die Wehrmacht einen großen Anteil hatten. In dem Aufsatz Unsere Arbeit ist Glaube äußerte er sich nicht erzählerisch, sondern weltanschaulich im Sinne der Volksgemeinschaftspropaganda. Er unterschied zwischen „wertvollen Völkern“ und „wertvollen Menschen“ und solchen anderer Kategorie, sah bei der Kriegsniederlage und der Revolution 1918 „fremde und fast tödlich wirkende Gifte“ am Werk, die den deutschen Volkskörper „zermürbt“ hätten. Die Weimarer Republik habe beinahe in den drohenden „Volksuntergang“ geführt. Zum Glück „(griff) einer an der entscheidenden Stelle an“, nämlich so dass „alle Mithelfer wurden, einig in dem Willen, den Einzelnen, Volk und Menschheit weiterzubringen.“ Dieser eine habe die Sammlung aller Kräfte gegen die ausbeuterischen Feinde erreicht. Damit sei dieser nicht beim Namen genannte Führer „in den Blutstrom der Vergangenheit“ eingetaucht. Dafür, dass mit dem Untergang Weimars in der „deutschen Jugend“ wieder der starke Sinn für lebendige Zucht und Ordnung hätte geweckt werden können, sei „der straff geschulterte Spaten“ des Reichsarbeitsdiensts „der sinnfällige Beweis unserer Zeit“. Nun sei „Freiheit wieder Freiheit“, Treue und Ehre seien wieder hohe Güter, Pflicht und Verantwortlichkeit in der Gemeinschaft des Volkes wiederhergestellt: „Die Volkheit wuchs“. Die Schrift Unsere Arbeit ist Glaube erschien in der „Schriftenreihe der NSDAP“. Dabei handelte es sich um in Millionenauflage publiziertes Schulungsmaterial der NSDAP. Zudem trat Griese mit eindeutig propagandistischen Beiträgen auch für Tageszeitungen hervor. Griese war 1936/37 Herausgeber der Mecklenburgischen Monatshefte. Die von Will Vesper herausgegebene führende NS-Literaturzeitschrift Die Neue Literatur lobte ihn 1938 als „Dichter des ewigen Bauerntums, nordischen Schicksalsgefühls und nordischer Formgebung“.

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