An diesem Tag

Friedrich Engelhorn

Deutscher Unternehmer; Gründer der BASF

Anúncio

Friedrich Engelhorn (* 17. Juli 1821 in Mannheim; † 11. März 1902 ebenda) war ein deutscher Unternehmer. Im Jahr 1865 gründete Engelhorn in Mannheim die Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG (BASF), deren Werksgelände im auf der anderen Rheinseite gelegenen pfälzischen Ludwigshafen am Rhein angesiedelt wurde.

Friedrich Engelhorn wurde in Mannheim als viertes Kind des Bierbraumeisters Johann Engelhorn (1793–1880) und seiner Ehefrau Christine geb. Schäffer (1798–1883) geboren. Die Familie Engelhorn war ursprünglich in Hockenheim beheimatet, sein Großvater Conrad Engelhorn ließ sich 1788 in Mannheim nieder. Sein Vater betrieb das an den Planken gelegene Gasthaus Stadt Augsburg in P 5,1. Ab 1830 besuchte Friedrich Engelhorn das Mannheimer Lyzeum (heute: Karl-Friedrich-Gymnasium). Nach vier Schuljahren verließ er 1834 die Schule vorzeitig und absolvierte anschließend eine dreijährige Ausbildung zum Gold- und Silberschmied. Danach begab er sich von 1837 bis 1846 auf Wanderschaft, die ihn nach Mainz, Frankfurt, München, Wien, Genf, Lyon und Paris führte.

Am 14. November 1846 legte Friedrich Engelhorn in Mannheim die Meister­prüfung als Goldschmied ab und wurde im März des folgenden Jahres in die örtliche Goldschmiedeinnung aufgenommen. Zunächst ging er dem Handwerk in seinem Elternhaus nach. Er spezialisierte sich auf die Herstellung von Schmuck und wurde in zeitgenössischen Dokumenten als „Bijouterie-Fabrikant“ und „Juwelier“ bezeichnet. Bald nach Eröffnung seines Geschäfts beschäftigte Engelhorn mehrere Mitarbeiter. Schließlich erwarb er 1847 das in den Mannheimer Stadtquadraten gelegene Haus C 4, 6, das er im Sommer 1848 bezog.

In den Jahren 1848 und 1849 war Friedrich Engelhorn während der Badischen Revolution auf vielfältige Weise politisch engagiert. Als Wahlmann nahm er an der Wahl des Mannheimer Abgeordneten für die Nationalversammlung teil, die sich im Mai 1848 erstmals in der Frankfurter Paulskirche versammelte. Ab Herbst 1848 war Friedrich Engelhorn als Offizier in der Mannheimer Bürgerwehr aktiv.

Als die Preußische Armee während ihres Feldzugs gegen die revolutionäre Erhebung im Großherzogtum Baden die Stadt Mannheim einzuschließen drohte, wurde Friedrich Engelhorn im Juni 1849 schließlich der Oberbefehl über die Bürgerwehr übertragen. Durch einen resoluten persönlichen Einsatz gelang es ihm, eine friedliche Übergabe der Stadt zu erreichen und eine unnötige Zerstörung Mannheims zu verhindern. Mit Hilfe zur Gegenrevolution übergelaufener Dragoner ließ Engelhorn die mit 80.000 Gulden reich gefüllte Kasse der Regierung des Unterrheinkreises sichern, mit der die Revolutionäre fliehen wollten. Auf Engelhorns Anweisung hin wurden umgehend strategisch wichtige Punkte in der Stadt besetzt. Durch eine geschickte Finte gelang es ihm, die Kanonen der Revolutionäre in die Hände der Gegenrevolutionäre zu spielen. Dass die Preußen wenige Stunden später die Stadt kampflos besetzen konnten, war im Wesentlichen das Verdienst Engelhorns. Sein couragiertes Auftreten wurde in einem Bericht im Mannheimer Stadtratsprotokoll festgehalten, der besagt, dass sich „Oberst Engelhorn [...] nach dem Zeugnis aller [...] an diesem Tage mit großer Energie benahm“ und durch seinen Einsatz „eine blutige Katastrophe“ verhindert werden konnte.

Da infolge der durch die Revolution ausgelösten Wirtschaftskrise Engelhorns Goldschmiedewerkstatt in Schwierigkeiten geriet, suchte er sich im Sommer 1848 ein anderes Betätigungsfeld. Mit zwei Partnern gründete er ein Gaswerk, das im Spätjahr 1848 die Produktion aufnahm.

Aufgrund seiner Erfahrung als Gasfabrikant wurde ihm 1851 zusammen mit Friedrich Sonntag aus Mainz und Nepomuk Spreng aus Karlsruhe der Bau des städtischen Gaswerks übertragen. Nach dessen Inbetriebnahme im Dezember desselben Jahres übernahm Friedrich Engelhorn die kaufmännische Leitung der Anlage.

Bei der Herstellung des Leuchtgases entstand Steinkohlenteer, ein lästiges Abfallprodukt. Engelhorn hörte von der Möglichkeit, Farbstoffe aus Steinkohlenteer-Destillaten herzustellen, denn dem Engländer William Henry Perkin (1838–1907) gelang es 1856 als Erstem, aus deutschen Steinkohlenteer-Destillaten Anilin-Violett (Mauvein) zu synthetisieren. Justus von Liebig hatte auch darauf hingewiesen, dass man mit diesem Steinkohlenteer roten Farbstoff oder Indigo herstellen könnte.

Engelhorn gründete eine Fabrik und sicherte sich die Mitarbeit des Chemikers Carl Clemm, der bei Justus von Liebig studiert hatte. Zusammen mit Carl Clemm, seinem langjährigen Partner Nepomuk Spreng und dem Mannheimer Kaufmann Otto Dyckerhoff gründete er am 19. Juni 1861 die Anilinfarbenfabrik Dyckerhoff, Clemm und Comp. Das Grundkapital der offenen Handelsgesellschaft betrug 100.000 Gulden. Bereits ein Jahr zuvor hatte Engelhorn im Juli 1860 ein ehemaliges Hüttenwerk im Mannheimer Stadtteil Jungbusch ersteigert, das als Produktionsstätte diente. Seine neuen Farbstoffe vertrieb er weltweit, auf dem europäischen Festland übernahm dies das Handelshaus Knosp in Stuttgart.

Zwei Jahre später schied Dyckerhoff aus dem Unternehmen aus und an seiner Stelle trat August Clemm – der jüngere Bruder von Carl Clemm – in die Gesellschaft ein. Der Firmenname wurde in Sonntag, Engelhorn und Clemm geändert.

Für die Produktion der Anilinfarben benötigte die Firma Sonntag, Engelhorn und Clemm verschiedene Säuren, die sie vom Verein Chemischer Fabriken in Mannheim bezog. Engelhorn erkannte, dass sich die Gewinne erheblich steigern ließen, wenn der gesamte Fertigungsprozess vom Rohstoff zum Endprodukt in einer Hand lag. Daher strebte er eine Zusammenarbeit mit dem Verein Chemischer Fabriken an. Im Frühjahr 1864 wurde ein Fusionsvertrag zwischen beiden Gesellschaften unterzeichnet. Doch lehnten die Aktionäre des Vereins das Angebot ab.

Nachdem die Zusammenarbeit mit dem Verein Chemischer Fabriken gescheitert war, entschied Engelhorn, die Produktion der Ausgangsstoffe in eigener Regie vorzunehmen. Zusammen mit acht Teilhabern gründete er im April 1865 die Badische Anilin- & Soda-Fabrik (BASF). In das Direktorium des Unternehmens wurden Friedrich Engelhorn, die beiden Chemiker Carl und August Clemm und der Techniker Julius Giese berufen. Engelhorn wurde zudem im Verwaltungsrat der Gesellschaft aktiv.

Da das bisherige Gelände nun zu klein war, wollte Engelhorn ein Grundstück am linken Neckarufer, südwärts der heutigen Ebertbrücke erwerben, das in der Nähe des Mannheimer Tattersalls lag. Im Auftrag der BASF verhandelte das Bankhaus W. H. Ladenburg & Söhne mit der Stadt Mannheim über den Verkauf von 40 Morgen Land. Der Stadtrat war einverstanden, doch das letzte Wort hatte der Bürgerausschuss. Nun zeigte auch der Verein Chemischer Fabriken zum Schein Interesse an dem Areal und gab ein um mehrere tausend Gulden höheres Angebot ab. In der Sitzung des Bürgerausschusses vom 12. April plädierten zahlreiche Mitglieder dafür, das Gelände öffentlich zu versteigern, um den bestmöglichen Preis erzielen zu können. Nach der Aussprache fiel die Entscheidung: 42 Stimmen waren für den Verkauf des Geländes an die BASF, 68 dagegen. Noch am Nachmittag des 12. April 1865 ging Friedrich Engelhorn zusammen mit Seligmann Ladenburg und Carl Ladenburg über die Schiffsbrücke zu den Bauern auf dem Hemshof und in Friesenheim, um dort die benötigten Grundstücke zu erwerben. Zur öffentlichen Versteigerung des Mannheimer Areals, die die Stadt Mannheim vierzehn Tage nach der Abstimmung des Bürgerausschusses durchführte, erschien kein Interessent.

Zügig machte sich Friedrich Engelhorn an den Aufbau der Fabrik. Unmittelbar nach Erhalt der Konzession erfolgte im Mai 1865 der erste Spatenstich. Erste Teile des Werks gingen bereits im Herbst desselben Jahres in Betrieb. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten nahm im Juni 1867 eine technische Kommission die Anlagen ab.

Als kaufmännischer Direktor der BASF hatte Friedrich Engelhorn maßgeblichen Anteil an deren raschem Aufstieg. Zwei Jahre nach der Firmengründung beschäftigte das Werk bereits 315 Arbeitnehmer. Mit Heinrich Caro, Heinrich Brunck und Carl Glaser stießen weitere junge Chemiker zu dem Unternehmen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Friedrich Engelhorn | World in Stories