An diesem Tag

Friedrich Accum

Deutscher Chemiker, Aufdecker von Lebensmittelverfälschungen (1769–1838)

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Friedrich Christian Accum (* 29. März 1769 in Bückeburg; † 28. Juni 1838 in Berlin) war ein deutscher Chemiker, dessen Hauptverdienste in der Förderung der Leuchtgaserzeugung, dem Kampf gegen Lebensmittelverfälschungen und der Popularisierung der Chemie liegen.

Zwischen 1793 und 1821 lebte Accum in London, wo er ein eigenes Labor betrieb, Chemikalien und Laborgeräte verkaufte, Lehrstunden in praktischer Chemie abhielt und an mehreren naturwissenschaftlichen Forschungsinstituten arbeitete. Angeregt durch Friedrich Albert Winsor (1763–1830) und dessen langjährige Werbekampagne für die Gasbeleuchtung, begann Accum sich mit dem Thema der Leuchtgasproduktion zu beschäftigen. Im Auftrag der 1810 gegründeten Gaslight and Coke Company führte er zahlreiche Versuche durch und wurde 1812 in ihren ersten Vorstand berufen. Mit der von Accum geleiteten Errichtung der ersten Londoner Gasanstalt wurde die Nutzung der Gasbeleuchtung vom industriellen auf den öffentlichen und privaten Raum ausgeweitet.

Accums 1820 erschienenes Werk Treatise on Adulteration of Food, in dem er den Einsatz von giftigen Lebensmittelzusatzstoffen anprangerte, markiert den Beginn eines bewussten Umgangs mit Nahrungsmitteln. Accum war der erste, der sich dieses Themas annahm und zugleich eine breite Öffentlichkeitswirkung erzielte. Während seine Bücher beim Publikum reißenden Absatz fanden, brachte ihm seine Aufklärungsarbeit unter den Londoner Lebensmittelproduzenten zahlreiche Feinde ein. Nach einem gegen ihn angestrengten Gerichtsprozess verließ Accum England und verbrachte den Rest seines Lebens als Lehrer am Gewerbeinstitut und an der Bauakademie in Berlin.

Seine vornehmlich in englischer Sprache publizierten Schriften zeichnen sich durch ein besonderes Maß an Allgemeinverständlichkeit aus. Auf diese Weise trug Accum maßgeblich zur Popularisierung des Faches Chemie bei.

Friedrich Accum wurde am 29. März 1769 in Bückeburg, etwa 50 km westlich von Hannover, geboren. Sein Vater stammte aus Vlotho an der Weser und hatte zunächst in einem Infanterieregiment des Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe gedient. Im Jahr 1755 konvertierte Accums Vater vom Judentum zum evangelisch-reformierten Glauben und heiratete kurze Zeit später in Bückeburg Judith Berth dit La Motte, die Tochter eines Hutfabrikanten aus der französischen Kolonie Berlins und Enkelin eines hugenottischen Religionsflüchtlings. Bei seiner Taufe änderte er seinen Geburtsnamen Markus Herz in Christian Accum. Sowohl der Vorname Christian, der dem Wortsinn nach „Anhänger Christi“ bedeutet, als auch der aus dem hebräischen Wort „Akum“ für „Nicht-Jude“ abgeleitete Nachname unterstrichen den Religionswechsel auf besonders nachdrückliche Art und Weise. Unbekannt ist, ob dies auf Drängen der Familie seiner Braut oder aus eigenem Antrieb geschah. Auf jeden Fall begann Christian Accum nach der Hochzeit in einem ursprünglich den Eltern seiner Frau gehörenden Haus in der Bückeburger Schulstraße 141 eine selbständige Tätigkeit als Kaufmann und Seifenfabrikant und erwarb neun Jahre nach seiner Hochzeit das Bürgerrecht der Stadt. Bereits drei Jahre nach Friedrichs Taufe am 2. April 1769 starb Christian Accum im Alter von fünfundvierzig Jahren und hinterließ neben Friedrich und seiner Mutter noch die älteren Geschwister Philipp Ernst, Henriette Charlotte und die achtmonatige Ernestine, die aber bereits im Alter von fünf Jahren starb.

Friedrich Accum besuchte das Bückeburger Gymnasium Adolfinum und erhielt darüber hinaus Privatunterricht in Französisch und Englisch. Nach der Schulausbildung absolvierte er eine Lehre in der Apotheke der mit den Accums befreundeten Familie Brande in Hannover. Die Brandes betrieben auch eine Filiale in London und waren die Apotheker des englisch-hannoverschen Königs Georg III. Da London als Zentrum der Technologie zum Ende des 18. Jahrhunderts große Anziehungskraft auf junge, naturwissenschaftlich interessierte Menschen aus ganz Europa ausübte, ging auch Friedrich Accum im Jahr 1793 dorthin und arbeitete als Assistent in der Apotheke Brande in der Arlington Street.

Neben seiner Tätigkeit in der Apotheke der Brandes betrieb Accum zunächst naturwissenschaftliche Studien und besuchte medizinische Vorlesungen in der School of Anatomy in der Great Windmill Street. Er hatte Kontakt zu dem Chirurgen Anthony Carlisle (1768–1840) und zu dem Londoner Chemiker William Nicholson (1753–1815), in dessen Zeitschrift Nicholson’s Journal er 1798 – im Alter von neunundzwanzig Jahren – seinen ersten Fachaufsatz veröffentlichte.

Am 10. Mai 1798 heiratete Accum, der seinen Namen inzwischen zu „Frederick Accum“ anglisiert hatte, die Engländerin Mary Ann Simpson (* 6. März 1777; † 1. März 1816 in London). Mit ihr hatte er insgesamt acht Kinder, von denen aber sechs schon tot auf die Welt kamen oder im Kindesalter starben. Sein ältestes Kind, die Tochter Flora Eliza (* 17. Mai 1799), heiratete Ernst Müller, mit dem sie drei Kinder hatte. Sein Sohn Friedrich Ernst Accum (* 3. April 1801; † 28. Januar 1869) hatte mit seiner Frau Charlotte Wilhelmina Johanna Henkel vier Kinder, deren im Jahr 2006 noch lebende Nachfahren aber nicht mehr den Namen Accum trugen.

Im Herbst des Jahres 1799 erschien in Nicholson’s Journal eine Übersetzung von Franz Carl Achards richtungsweisender Arbeit zur Zuckergewinnung aus Runkelrüben. Bis zu diesem Zeitpunkt war das in Übersee angebaute Zuckerrohr die einzige Nutzpflanze, aus der Zucker gewonnen wurde. Entsprechend wurde die Möglichkeit einer einheimischen Zuckererzeugung mit großem Interesse aufgenommen. Schon kurze Zeit nach der Veröffentlichung ließ Accum sich aus Berlin Proben des Rübenzuckers nach London schicken und präsentierte sie William Nicholson. Es war das erste Mal, dass Rübenzucker nach England gelangte, und Nicholson veröffentlichte in seiner Zeitschrift im Januar 1800 einen detaillierten Bericht über die von ihm angestellten Untersuchungen, bei denen er keine Geschmackseinbußen gegenüber dem Rohrzucker feststellte.

Laborbetreiber, Kaufmann und Privatlehrer

Im Jahr 1800 zog Accum mit seiner Familie vom Haymarket 17 in die Old Compton Street 11. Hier lebte er die nächsten zwanzig Jahre und nutzte sein Haus sowohl für den Unterricht von Schülern als auch für Experimente und zum Verkauf chemischer Stoffe und Apparaturen. Auf seinen aus jener Zeit erhaltenen professional cards, mit denen Accum seine Dienste anbot, beschrieb er selbst seine Tätigkeit in der Old Compton Street wie folgt:

An seine Kunden in London verteilte Accum in der Old Compton Street Kataloge seiner Waren und verschickte diese auf Nachfrage auch in andere Städte Englands und ins Ausland.

Accums Labor in der Old Compton Street war für lange Jahre die einzige bedeutendere Einrichtung in Großbritannien, an der ergänzend zu den theoretischen Vorlesungen zur Chemie auch praktische Laborübungen veranstaltet wurden. Accums Unterricht zog ein zum Teil prominentes Publikum an. Zu seinen Zuhörern gehörten so bekannte Londoner Politiker wie der spätere Premierminister Lord Palmerston, der Duke of Bedford oder der Duke of Northumberland. Gleichzeitig war Accums Labor die erste europäische Lehranstalt für Chemie, die auch von Studenten und Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten besucht wurde, unter ihnen so berühmte Namen wie Benjamin Silliman und William Dandridge Peck. Als Silliman später Professor für Chemie am Yale College (der heutigen Yale University) in New Haven wurde, bestellte er die erste Laborausstattung bei Accum in London. Accums Biograph Charles Albert Browne vermutete in einer 1925 erschienenen Lebensskizze, dass sich an einigen der älteren US-amerikanischen Colleges noch Belege für Lieferungen aus Accums Londoner Geschäft finden ließen.

Bei der Entwicklung neuer Laborgeräte standen für Accum Praktikabilität und geringe Anschaffungskosten im Mittelpunkt. Auch Laien sollten in die Lage versetzt werden, einfache chemische Untersuchungen durchzuführen. So entwickelte Accum tragbare Laborkisten zur Analyse von Boden- und Gesteinsproben für Landwirte, bei denen auch im Falle des Umkippens keine Reagenzien auslaufen konnten. Die zu Preisen zwischen drei und achtzig Pfund Sterling angebotenen Truhen waren die ersten tragbaren Chemielabore.

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