Ein Friedhof (auch Bestattungsplatz oder Begräbnisplatz, veraltet und landschaftlich Gottesacker, Leichenacker, Leichenhof, Totenacker, Totenhof oder Ruhestätte) ist ein Ort, an dem Verstorbene, in den meisten Fällen begleitet von einem religiösen oder weltlichen Ritus, bestattet werden. Anlagen aus vorchristlicher Zeit werden in der Archäologie meist als Gräberfelder oder Nekropolen bezeichnet, der Begriff Friedhof findet dennoch auch für antike Anlagen Verwendung.
Friedhof leitet sich ursprünglich vom althochdeutschen „frithof“ ab, der Bezeichnung für den eingefriedeten Bereich um eine Kirche. Der Bedeutungswandel zu einem „Hof des Friedens“ vollzog sich mit dem Verblassen der etymologischen Wurzel.
Friedhöfe erfüllen wichtige und in vielen Kulturen bestehende individuelle und kollektive Funktionen. Vor allem sind sie dazu bestimmt, den Angehörigen Verstorbener ein möglichst ungestörtes Totengedenken in einem Raum zu ermöglichen, der deutlich von dem der Lebenden abgetrennt ist. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle in der religiösen Praxis (vor allem im Zusammenhang mit Bestattungsriten) und erfüllen öffentliche Interessen.
Der Friedhof oder das Gräberfeld mit seinen Grabplätzen als letzte Ruhestätte der Verstorbenen oder als Traditionsplatz für Familien ist in vielen Kulturen ein Ort des Gedenkens, der Einkehr und der Trauer. Die Angehörigen des Toten übernehmen das Andenken an den Verstorbenen. Je nach Kulturkreis werden die Grabstellen ausgestattet, instand gehalten oder verfallen gelassen.
Für das Begräbnis und Gedenkrituale für die Toten sind Friedhöfe mit einer zweckgerichteten Infrastruktur ausgestattet. Je nach Kultur und Religion sind auf Friedhöfen neben den eigentlichen Grabplätzen Kapellen, Shintō-Schreine oder Heiligtümer und Totenhallen zur Aufbahrung der Toten vorhanden. Krematorien und Beinhäuser finden sich häufig direkt auf oder nahe dem Friedhofsgelände.
In vielen Religionen ist der Friedhof ein heiliger Ort. Im Christentum wird er traditionell vom zuständigen Geistlichen geweiht. Diese kultische Bedeutung des Friedhofs hat eine Vielzahl an Tabus, moralischen Pflichten und Gesetzen hervorgebracht. Die Verletzung der Regeln oder die Entweihung ist von der jeweiligen Gemeinschaft unter Strafe gestellt. Praktisch in allen Kulturen ist die Störung der Totenruhe, die Leichenschändung, die Grabschändung und der Grabraub strafbar. Derartige Handlungen werden nach deutschem Recht als Straftaten strafrechtlich verfolgt. Äußere Zeichen zum Schutz der Totenruhe sind Zutrittsbeschränkungen, Umfassungsmauern, verschließbare Zugänge.
Neben der kultisch-rituellen Funktion übernehmen Friedhöfe weitere Aufgaben: So dienen sie in vielen Gesellschaften der öffentlichen Hygiene, da die Beerdigung in öffentlich geregeltem Rahmen und an hierzu vorgesehenen Orten der Ausbreitung von Seuchen und der Belastung des Grundwassers vorbeugt. Aus diesem Grund hat sich in Deutschland der Friedhofszwang entwickelt. Durch die Vorschrift, Menschen nur auf Friedhöfen beizusetzen, wurden anfänglich hygienische Standards erfüllt. Eine Ausnahme hiervon bildete lange Zeit die Seebestattung von Urnen und Sonderregelungen in einigen Bundesländern. So finden sich zunehmend Alternativen zu Bestattungen auf gesondert eingerichteten Gebieten.
Aufgrund ihrer kulturell herausragenden Rolle stehen nicht wenige Friedhöfe unter Denkmalschutz und sind touristische Attraktionen. Dies liegt in ihrem kulturgeschichtlichen, architektonischen oder landschaftsarchitektonischen, oft künstlerischen Wert begründet, der sich in der Anlage oder einzelnen Grabstellen entfaltet hat. Zudem spielt das Gedenken an ausgewählte Verstorbene gesellschaftlich eine große Rolle: Manche Gräber und einige Friedhöfe haben sich zu regelrechten „Wallfahrtsorten“ entwickelt.
In jüngster Zeit sind Familien nicht mehr so ortsgebunden und die Nachfrage nach pflegefreien Gräbern nimmt zu. Gleichzeitig entsteht Nachfrage nach neuen nicht-kirchlichen Varianten der Bestattung, die den Lebensstil oder die Weltanschauung des Verstorbenen widerspiegeln. Dies sind speziellere Beisetzungen wie die am Weinstock, in Wäldern, in Themengräbern oder wie seit 2015 eröffnete Friedhöfe für die gemeinsame (Urnen-)Beisetzung von Mensch und Tier in einem Grab.
Für die Sarg- oder Urnenbestattung in Gemeinschaftsgräbern hat sich in jüngster Zeit der Begriff anonyme Bestattung durchgesetzt. Oft können der Name und die Lebensdaten des Verstorbenen gegen eine Gebühr auf einer kollektiven Namenstafel oder auf Grabstelen verewigt werden, so dass im strengen Sinn nicht von einer „namenlosen Beisetzung“ gesprochen werden kann. Nur das Einzelgrab bleibt unbenannt. Durch die sozioökonomische Entwicklung (zunehmende Verarmung, geringere familiäre Bindung, höhere Mobilität) und wachsende Säkularisierung der Bevölkerung ist diese Form der Beisetzung in manchen Gemeinden zur vorherrschenden Bestattungsform geworden.
Friedhöfe können durch Bauwerke auf ihnen (beispielsweise Mausoleen) oder durch die künstlerische Gestaltung von Gräbern oder der Anlage als Ganzer ästhetisch ansprechend sein. Im Jahr 2010 wurden sehenswerte, gehobenen künstlerischen Ansprüchen genügende Friedhöfe in Europa durch die Europäische Route der Friedhofskultur miteinander verbunden.
Friedhöfe wurden auch immer wieder als Schauplätze literarischer und bildender Kunstwerke verwendet. Sie sind in Volkssagen und Geistergeschichten verschiedener Kulturen wichtige Schauplätze. Große Beliebtheit erfuhren Friedhöfe als literarische Bezugswelt mit dem Aufkommen der Schauerliteratur und der Horrorliteratur im England des späten 18. Jahrhunderts. Johann Wolfgang von Goethes Ballade Der Totentanz spielt sich auf einem Friedhof ab. In der deutschen Romantik waren Friedhöfe im Zusammenhang mit dem Motiv der Todessehnsucht von Bedeutung. Dieser idyllische Blick steht im Widerspruch zu der verbreiteten Wahrnehmung des Friedhofs als schauerlicher Ort. Gemälde und Zeichnungen von Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus zeigen Friedhöfe – wie Kirchen, Klosterruinen und Hünengräber – meist in melancholischer Einsamkeit. In Wilhelm Müllers Zyklus Winterreise setzt sich das lyrische Ich im Gedicht Das Wirtshaus auf einem Friedhof mit der Todessehnsucht auseinander.
In der Horrorliteratur und dementsprechend im Horrorfilm gehören Friedhöfe zu beliebten Schauplätzen. Die Gothic-Subkultur bezieht sich in ihren künstlerischen Erzeugnissen häufig auf Friedhöfe. Einige Anhänger der Gothic-Kultur nutzen Friedhöfe für Veranstaltungen oder als alltäglichen, enttabuisierten Aufenthaltsort.
Städtische Friedhöfe bilden, sofern sie begrünt sind, einen Ausgleich zum verdichteten Umfeld und übernehmen neben Parkanlagen und Alleen wichtige klimatische und ökologische Funktionen. In einigen Fällen sind sie Sekundärbiotope, die seltenen Arten ein wichtiges Rückzugsgebiet bieten. Manche Friedhöfe übernehmen Teilfunktionen von Naherholungsgebieten.
Planung, Gestaltung, Infrastruktur und Abteilungen
Friedhöfe, besonders in dörflichen Gemeinden, sind mitunter seit Langem genutzte Kirchhöfe. In Städten oder Siedlungen mit größerem Einzugsgebiet sind es unter anderen Begräbnisgewohnheiten angelegte und geplante Areale. Manche neueren Flächen sind von vorneherein als Parkfriedhof gestaltet. Städtische Friedhöfe werden vor ihrer Inbetriebnahme mit der zugehörigen Infrastruktur geplant. Bei der Flächenplanung des Friedhofs wurde zur Zeit seiner Entstehung im Normalfall eine langfristige Bedarfsplanung zugrunde gelegt, die die Größe des Areals bestimmt. Viele Friedhöfe wurden schon vor über 100 Jahren geplant und eingerichtet. Die Erschließung und Gestaltung des Geländes erfolgte unter Rahmenbedingungen, als die Ästhetik und die Landschaftsarchitektur anderen Vorstellungen folgte. Die Einrichtung beinhaltet die Erschließung über Wege, die Parzellierung und die Geländeaufteilung nach verschiedenen Kriterien, die Bepflanzung sowie den Bau und die Einrichtung infrastruktureller Bestandteile. Neben dem Bau einer Leichenhalle, einer Feierhalle, von Verwaltungsgebäuden, eventuell einer Blumenhalle gehört die Zuführung von Gießwasser zu Brunnen dazu.