French Painting Today – Peintres vivants de l’École de Paris, auch French Painting To-day, (deutsch Zeitgenössische französische Malerei lebender Künstler der Pariser Schule) war der Titel einer von den Regierungen Frankreichs und Australiens arrangierten Wanderausstellung mit zeitgenössischer Moderner Kunst der École de Paris, die 1953 in den Staatsgalerien sechs australischer Bundesstaaten gezeigt wurde.
Ausgestellt wurden 123 Exponate überwiegend aus Beständen des Pariser Musée National d’Art Moderne. Die Objekte tourten von Januar bis Oktober 1953 durch das Land und machten dabei Station in Hobart, Sydney, Brisbane, Melbourne, Adelaide und Perth. Eine Havarie beim Schiffstransport der Exponate verhinderte jedoch eine termingerechte Eröffnung der Ausstellung.
Die Veranstaltung sorgte als gesellschaftliches Ereignis landesweit für Furore und brach allerorts Besucherrekorde. Trotz kontroverser Rezeption mit oftmals harscher Kritik erwies sie sich als die einflussreichste Ausstellung internationaler Kunst, die in den 1950er Jahren in Australien gezeigt wurde.
Ausrichter und Veranstaltungsorte
Die Ausstellung war ein gemeinsames Projekt des Regierungen Australiens und Frankreichs und basierte auf einer Idee des australischen Geschäftsmanns und Kunstmäzens Charles Lloyd Jones. Als Schirmherren fungierten der Generalgouverneur Australiens William John McKell und der französische Botschafter Louis Roche.
Die Vorbereitung der Veranstaltung hatte vier Jahre in Anspruch genommen. Frankreich hatte einen großen Teil der Kosten für das Unterfangen übernommen. Ausstellungsorte zwischen Januar und Oktober 1953 waren Nationalgalerien in sechs Bundesstaaten Australiens. Die australische Hauptstadt Canberra war von der Wanderausstellung ausgenommen, da sie zu diesem Zeitpunkt nicht über einen adäquaten Veranstaltungsort verfügte.
Organisator auf der australischen Seite war der Direktor der Art Gallery of New South Wales in Sydney, Harold „Hal“ Missingham; als Beauftragter der französischen Regierung und der Association française d’action artistique (AFAA) betreute Claude Bonin-Pissarro das Projekt (ein Enkel des impressionistischen Malers Camille Pissarro); für die Dauer der Ausstellung begleitete er die Kunstwerke vor Ort in Australien. Die AFAA zeichnete für den Transport der Exponate von Frankreich nach Australien verantwortlich; während der Ausstellung befanden sich die Objekte in der Obhut des Commonwealth of Australia.
Die Ausstellungen in Hobart und Brisbane wurden von dem französischen Generalkonsul Jean Strauss eröffnet; in Sydney, Melbourne und Adelaide übernahm der französische Botschafter Louis Roche diese Aufgabe, in Perth nahm sich der französische Konsul Louis Gelle der Zeremonie an.
Vertretene Künstler und Exponate
Die ausgestellten 119 Gemälde und vier Bildteppiche stammten von 77 zum Veranstaltungsbeginn lebenden Künstlern, von denen etwa ein Fünftel nicht in Frankreich geboren war. Die Arbeiten datierten aus der Zeit zwischen 1900 und 1952.
Sie repräsentierten alle Stilrichtungen der bis dahin bekannten Modernen Malerei der Pariser Schule, darunter Abstrakte Malerei, Fauvismus, Kubismus, Naive Kunst, Primitive Kunst und Surrealismus. Ihre frische, zeitgenössische Ausrichtung stand im Kontrast zu den bereits 1939 in der Ausstellung zur Klassischen Moderne mit dem Titel Herald Exhibition of French and British Contemporary Art gezeigten Werken, die in jenen Tagen bereits als etabliert gegolten hatten.
Zu den Künstlern, deren Werke auf der Ausstellung von French Painting Today gezeigt wurden, gehörten:
Jean Lurçat (Tapisserie d’une grande peur, Toujours vit d’espoir sur terre), und
Die meisten Exponate waren Leihgaben des Pariser Musée National d’Art Moderne, sieben Stücke stammten von privaten Eigentümern. Es hatte Bonin-Pissarro große Mühe bereitet, besonders die Arbeiten von Picasso und Matisse als Leihgaben für die Ausstellung zu gewinnen.
Die gezeigten Werke waren zu dieser Zeit in Australien nahezu unbekannt. Viele der in der Ausstellung vertretenen Künstler befanden sich nicht auf der Wunschliste, die Australien ursprünglich der französischen Regierung übermittelt hatte. Auf australischer Seite gab es Unzufriedenheit mit der Qualität der Werke, die nun von weniger bekannten Künstlern zur Verfügung standen. Der Kunstkritiker Bernard Smith nannte sie zwar „die erlesenste Ausstellung seit der Schau der Klassischen Moderne von 1939“, stellte aber auch fest, dass ihre „Qualität extrem ungleichmäßig verteilt“ sei. Seine Kollegin Elizabeth Young bezeichnete die Veranstaltung eine insgesamt „erhebende Erfahrung“, die „keinesfalls versäumt“ werden sollte, kritisierte jedoch besonders die Auswahl der Bilder von Utrillo, Matisse, Derain, Picasso und Braque als schwach und den Künstlern nicht gerecht werdend. An anderer Stelle kamen Zweifel an der Qualität der Arbeiten von Le Corbusier auf, die nicht dem Standard der Ausstellung insgesamt entspreche.
Havarie und Bergung der Exponate
Die Gemälde kamen im Dezember 1952 verpackt in 13 Kisten in Sydney an. Claude Bonin-Pissarro, der per Flugzeug nach Australien gereist war, nahm die Lieferung in Empfang. Die weitere Verschiffung von Sydney nach Hobart erfolgte auf dem Frachter Merino. Als das Schiff am Weihnachtstag 1952 die Ostküste Tasmaniens erreichte, lief es in dichtem Nebel bei Bluestone Bay an der Freycinet-Halbinsel auf eine Sandbank und kam aus eigener Kraft nicht mehr frei. Hal Missingham von der Art Gallery of New South Wales reagierte bestürzt und bezeichnete die Werke als „unersetzlich“; Gordon Thomson, Direktor der National Gallery of Victoria in Melbourne sah in einem Verlust der Objekte ein „Disaster für die Kunstwelt“. Die vier Wandteppiche waren nicht Teil der Schiffsladung gewesen, sondern erreichten Tasmanien sicher auf dem Luftweg.
Der Kapitän der Merino setzte am Silvestertag einen Funkspruch an Bonin-Pissarro in Hobart ab und teilte mit, dass die Kunstwerke sich „sicher an Bord“ befinden würden. Bergungsexperten erwogen erst den Einsatz von Seilrutschen zum Entladen der Fracht, kamen jedoch dann zu dem Schluss, dass die Exponate im Bauch des Schiffes vorerst sicherer aufbewahrt seien. Das 549-Tonnen-Schiff konnte nach mehreren Schleppversuchen durch erst zwei, dann drei und letztendlich vier Schlepper am achten Tag nach der Strandung wieder flott gemacht werden und kam am 4. Januar in Hobart an.