Die Freie Universität Berlin (kurz FU Berlin) wurde 1948 gegründet und hat ihren zentralen Campus in Berlin-Dahlem im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Gemessen an der Zahl der Studenten gehört sie zu den 20 größten Hochschulen in Deutschland.
Im Zuge der Exzellenzinitiative 2007 und 2012 wurde die Freie Universität als erste „Exzellenzuniversität“ Berlins ausgezeichnet. Als Einrichtung des Verbunds der Berlin University Alliance wurde die FU Berlin 2019 im Rahmen der Exzellenzstrategie in die zweite Förderlinie aufgenommen. In weltweiten Universitätsrankings rangierte die FU in den Jahren 2014, 2023 und 2024 jeweils auf den ersten hundert Plätzen. Im Jahre 2026 befanden sich in einem weltweiten Ranking 16 Fächer an der FU Berlin unter den ersten einhundert.
Die Universität ist nach Erkenntnissen der Alexander-von-Humboldt-Stiftung der in Deutschland am häufigsten bevorzugte Studienort für internationale Spitzenwissenschaftler und Jungakademiker. Insgesamt 18 Leibnizpreisträger hat sie bis zum Jahr 2020 hervorgebracht.
Die Gründung erfolgte am 4. Dezember 1948 und steht in engem Zusammenhang mit dem beginnenden Ost-West-Konflikt, der durch die verschiedenen politischen Ideologien der Alliierten entstand und eine gemeinsame Nachkriegsbehandlung Deutschlands scheitern ließ.
Die Berliner Universität, ab 1949 Humboldt-Universität, lag im sowjetischen Sektor der Viersektorenstadt Berlin und erhielt von der Militäradministration (SMAD) die Erlaubnis, ihren Lehrbetrieb ab 1946 wieder aufzunehmen. Sie unterstand der SED-dominierten Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung. Die Universität wurde so zum Schauplatz der politischen Auseinandersetzungen um die zunehmende kommunistische Einflussnahme auf das Bildungswesen. Dies war umstritten und erregte starke Proteste innerhalb der Studentenschaft und von Teilen des Lehrkörpers. Eine der Reaktionen darauf war die Verhaftung mehrerer Studenten durch die sowjetische Geheimpolizei aus dem Innenministerium der UdSSR (MWD) im März 1947. Die Urteile des sowjetischen Militärtribunals lauteten jeweils fünfundzwanzig Jahre Zwangsarbeit. 18 weitere Studenten und Dozenten wurden zwischen 1945 und 1948 verhaftet oder verschleppt, viele blieben wochenlang verschwunden. Einige brachte man in die Sowjetunion und richtete sie dort hin.
Ende 1947 gab es die Forderung zur Neugründung einer freien Universität, die frei und unabhängig von politischem Einfluss Wissenschaft und Lehre gewährleisten kann. Der Magistrat unter Oberbürgermeisterin Louise Schroeder (SPD), in dem nichtkommunistische Kräfte dominierten, reagierte am 15. Januar 1948 auf die Situation an der alten Universität mit einem Beschluss und ordnete als Gegenmaßnahme die Wiedererrichtung der Deutschen Hochschule für Politik außerhalb der Berliner Universität an. Die Proteste gegen die politische Einflussnahme auf die Berliner Universität hielten an und erreichten am 23. April 1948 ihren Höhepunkt in einer Studentendemonstration. Ende April ließ der amerikanische Militärgouverneur Lucius D. Clay die Errichtung einer Universität im Amerikanischen Sektor von Berlin prüfen.
Eine der Keimzellen dieser „Freien Universität“ war die 1947 von Kurt Rüdiger von Roques und Franz Joseph Misgeld gegründete Akademie für ärztliche Fortbildung im amerikanischen Sektor Westberlins, welche bis 1951 von amerikanischen Stellen finanziert wurde.
Am 19. Juni 1948 konstituierte sich der studentische Vorbereitende Ausschuss zur Gründung einer freien Universität, an dem Politiker, Professoren, Dozenten, Verwaltungsmitarbeiter und Studenten gleichermaßen beteiligt waren. In einem Manifest mit dem Titel Aufruf zur Gründung einer freien Universität Berlin wendete sich der Ausschuss an die Öffentlichkeit mit Bitte um Unterstützung.
Vor dem Hintergrund der Berliner Blockade stimmte der Magistrat von Groß-Berlin der Errichtung einer freien Universität zu und wünschte die Aufnahme des Lehrbetriebs zum Wintersemester 1948/1949, die Stadtverordnetenversammlung genehmigte die Satzung der neuen Universität am 4. November 1948. Die Gründung der Freien Universität trug mit dazu bei, dass der Entwicklung der Deutschen Forschungshochschule die Arbeitsgrundlage entzogen wurde.
Unter dem Schlagwort Berliner Modell erlangte die Satzung Bekanntheit. Zum einen wurde die Freie Universität als Körperschaft des öffentlichen Rechts errichtet und mit einer starken Selbstverwaltung nicht direkt dem Staat, sondern einem Kuratorium unterstellt. Sechs Vertreter des Landes Berlin, sowie drei Vertreter der Universität gehörten dem Aufsichtsorgan damals an. Außerdem hatten auch die Studenten einen Sitz im Kuratorium, sowie in allen anderen Gremien der akademischen Selbstverwaltung. Staatsferne und die Unabhängigkeit akademischer Lehre und Forschung sollten so gesichert werden. Die studentische Beteiligung an den Universitätsgremien wurde schrittweise bis 1951 fast vollständig zurückgenommen.
Der Lehrbetrieb wurde am 15. November 1948 in Gebäuden der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Dahlem aufgenommen. Erst am 4. Dezember 1948 fand die Gründungsveranstaltung im Titania-Palast statt. Gründungsrektor wurde der Historiker Friedrich Meinecke.
Neben Wissenschaftlern, Studenten und Politikern, wie dem gewählten Oberbürgermeister von Berlin und Vorsitzenden des Gründungsausschusses Ernst Reuter, der amtierenden Oberbürgermeisterin Louise Schroeder und dem Kommandanten des amerikanischen Sektors Frank L. Howley, waren auch Vertreter US-amerikanischer Universitäten anwesend, so etwa die Repräsentanten der Princeton University und der Yale University. Ihre Gründungsziele hat die Freie Universität Berlin auch in ihrem lateinischen Wahlspruch ausgedrückt: Veritas – Iustitia – Libertas, also die Werte der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Freiheit. Sie finden sich auch im bis heute verwendeten Siegel der FU Berlin wieder, das der Kunsthistoriker und spätere Rektor Edwin Redslob entworfen hatte. Diese Grundwerte bestimmen bis heute das wissenschaftliche Ethos der Hochschule.
Bereits im ersten Semester nach der Gründung gab es an der FU Berlin 2140 Studenten; 1949 hatte sich diese Zahl bereits auf 4946 erhöht. Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 kamen viele Studenten aus dem Ostteil Berlins, viele gefördert mit einem Währungsstipendium des Berliner Senats.
1956 führte die Freie Universität Berlin als erste deutsche Universität eine Magisterprüfungsordnung ein.
In den späten 1960er Jahren war die Freie Universität eines der Zentren der 68er-Bewegung und der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Deutschland, zu der beispielsweise die FU-Studenten Rudi Dutschke und Benno Ohnesorg gehörten. Für die Universitäten ergaben die Proteste 1969 beispielsweise die Abschaffung des traditionellen Ordinariensystems, welches die alleinige Kontrolle der Universität durch die Professoren vorsah. An verschiedenen Instituten wurden Reformsatzungen eingeführt.
Durch die Bildungsexpansion in den 1970er Jahren begann die Entwicklung zur Massenuniversität. 1973 wurde die seit 1967 gebaute Rostlaube als Institutsgebäude für einen Großteil der Geistes- und Sozialwissenschaften eröffnet. 1978 wurden die ersten Abschnitte der Silberlaube eröffnet; weitere Abschnitte wurden 1982 bezogen.
Im Wintersemester 1976/77 kam es an der FU zum Berufsverbotestreik und neben universitären Belangen (HRG) vor allem die Bedrohung einiger Dozenten durch den Radikalenerlass und die eigenen Perspektiven thematisierte. Der Streik wurde im Audimax von 4000 Studenten beschlossen und sofort umgesetzt. Im Innenverhältnis gelang es der Neuen Studentenbewegung, die Vorherrschaft der maoistischen K-Gruppen und der DDR-orientierten Studentenverbände, die aus der 68er-Bewegung stammten, zu brechen.
Das Gelände der Pädagogischen Hochschule (PH) in Berlin-Lankwitz wurde 1980 in die FU Berlin integriert. Etwa die Hälfte der rund 5000 PH-Studenten und der Professoren wechselten an die Freie Universität. Auf dem Gelände wurden die Geologie, die Geophysik und die Paläontologie sowie die Kommunikationswissenschaften und die Zentraleinrichtung für audiovisuelle Medien (ZEAM) untergebracht.