Frederik Ruysch (* 23. März 1638 in Den Haag; † 22. Februar 1731 in Amsterdam) war ein niederländischer Anatom und Botaniker sowie Geburtshelfer und Gerichtsmediziner. Er entwickelte spezielle Injektionsverfahren für anatomische Präparate. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Ruysch“.
Frederik Ruysch war ein Sohn des Staatsbeamten Hendrik Ruysch († 1654) und dessen Frau Anna van Berchem. Er absolvierte eine Apothekerlehre. 1661 kaufte Ruysch in Den Haag eine Apotheke. Er stellte anatomische Untersuchungen an für ihn von Totengräbern beschafften Leichen an und entschloss sich, Mediziner zu werden.
Im Dezember 1661 heiratete Ruysch die 18-jährige Maria Post, eine Tochter des Architekten Pieter Post. Mit ihr hatte er zahlreiche Kinder darunter der Sohn Hendrik (1663–1727) sowie die Töchter Rachel und Anna.
Ruysch studierte dann Medizin an der Universität Leiden bei Jan van Horne (1621–1670), Franz de le Boë und Florentius Schuyl. Mit der Schrift De pleuritide wurde er am 28. Juli 1664 zum Doktor der Medizin promoviert. Er betrieb anschließend eine Arztpraxis in Den Haag, wo er zahlreiche an der Pest Erkrankte behandelte.
Von der Amsterdamer Chirurgenzunft wurde er 1666 zum „praelector anatomiae“ ernannt, unterrichtete in diesem Amt Chirurgen und führte öffentliche anatomische Leichenöffnungen durch. Von 1672 bis 1712 war er zudem als Stadtgeburtshelfer und ab 1679 als Gerichtsmediziner in Amsterdam tätig.
1685 wurde er Professor für Botanik am Athenaeum Illustre Amsterdam und damit erster Direktor des Hortus Medicus Amstelodamensis. Er hielt Vorlesungen für Chirurgen und Apotheker. Dem angehenden Wissenschaftler Lorenz Heister konnte Ruysch die für dessen Ausbildung in Anatomie und Chirurgie erforderlichen Leichen beschaffen.
Ruysch war Mitglied der Amsterdamer Chirurgen- und Barbierzunft, die ihr Zunfthaus in der De Waag hatte. Dort gab es ein Anatomischen Theater. Für das Sezieren wurde ein heller, kühler Raum mit guter Belüftung benötigt. Daher stockte die Chirurgenzunft von 1690 bis 1691 einen großen Saal mit einer Kuppel auf, der von einem achteckigen Turm gekrönt ist. Die treibende Kraft hinter dem Kuppelsaal war Frederik Ruysch. Der Kuppelsaal war zum Experimentieren, Beobachten, Lernen und als Hörsaal gedacht. Die Kuppeldecke ist mit den Wappen von Mitgliedern der Amsterdamer Chirurgenzunft. Ruyschs Wappen ist im Zentrum der Kuppel zu sehen.
Ruysch beschäftigte sich auch mit Fragen der Leichenkonservierung und der Herstellung anatomischer Präparate. Er injizierte eine Mischung von Talg, weißem Wachs und Zinnober ins Gefäßsystem und legte seine Präparate dann in Alkohol ein, dem schwarzer Pfeffer zugefügt wurde. Der durch Alkohol präparierte Körper war so lange vor Fäulnis geschützt, bis der Alkohol verdunstet war. Er machte sich auch um die Erforschung des Lymphsystems verdient und entdeckte die Klappen im Lymphsystem.
1699 wurde Ruysch korrespondierendes Mitglied der Académie des sciences und 1727 als Nachfolger von Isaac Newton auswärtiges Mitglied (associé étranger). Am 1. August 1705 wurde er mit dem akademischen Beinamen Philotimus zum Mitglied (Matrikel-Nr. 266) der Leopoldina gewählt. Auf Vorschlag von Richard Bradley wurde Ruysch am 9. Juni 1715 als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt.
Nikolaus Joseph von Jacquin benannte ihm zu Ehren die Gattung Ruyschia aus der Pflanzenfamilie der Marcgraviaceae. Auch der Nordische Drachenkopf (Dracocephalum ruyschiana) aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) trägt seinen Namen.
Disputatio medica inauguralis de pleuritide. Dissertation, Leiden 1664.
Dilucidatio valvularum in vasis lymphaticis, et lacteis. H. Gael, Den Haag 1665 (Digitalisat).
Jacob Moukee, Leiden 1687 (Digitalisat).
Jansoons van Waesberge, Amsterdam 1720 (Digitalisat).
Jansoons van Waesberge, Amsterdam 1727 (Digitalisat).
Jansoons van Waesberge, Amsterdam 1732 (Digitalisat).
Musaeum anatomicum Ruyschianum, sive Catalogus rariorum. Amsterdam 1691 (Digitalisat).
[2. Auflage] Jansoons van Waesberge, Amsterdam 1721 (Digitalisat).