Frederick Forsyth CBE (* 25. August 1938 in Ashford, Kent, England; † 9. Juni 2025 in Jordans bei Beaconsfield, Buckinghamshire) war ein britischer Schriftsteller und Bestsellerautor, dessen mehr als 20 Spionageromane in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach verfilmt wurden. Den Durchbruch erreichte er 1971 mit seinem Debütroman Der Schakal.
Als Reporter der britischen Nachrichtenagentur Reuters – Forsyth sprach fließend Französisch und Deutsch – war er in Paris und im damals noch geteilten Berlin tätig. In diesem Zusammenhang und noch später als Schriftsteller erledigte er auch Aufträge für den britischen Nachrichtendienst MI6, wie er in seiner Autobiographie Outsider beschreibt.
Nach einer Ausbildung zum Flugzeugführer (1956 bis 1958) bei der Royal Air Force (RAF) und darauf folgender Ausbildung zum Redakteur bei der Lokalzeitung Eastern Daily Express in Norfolk arbeitete Forsyth als Korrespondent für die Nachrichtenagentur Reuters und später BBC in Paris, Madrid und Ost-Berlin. Berichterstattungen aus Kriegsgebieten Afrikas als Fernsehreporter für die BBC weckten sein Interesse an geschichtlichen und politischen Hintergründen und motivierten ihn zu seinem Bericht The Biafra Story. Als Journalist und später auch als Schriftsteller nahm Forsyth für mehr als 20 Jahre Aufträge für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 an; Einsatzgebiete waren Afrika und die DDR.
Aus der journalistischen Erfahrung heraus begann er um 1970 seine literarische Laufbahn. Aufgrund seiner Reisen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie seiner Sprachkenntnisse (Französisch, Deutsch, Spanisch) gelang Forsyth eine lebendige und wirklichkeitsnahe Darstellung. Seine Romane sind hauptsächlich politische Thriller. Die beiden ersten Bücher (Der Schakal, Die Akte Odessa) waren gleich große Erfolge.
Der Autor verband in seinen Werken immer wieder tatsächliche mit fiktiven Ereignissen: Beim Schakal mit den Aktionen der OAS in ihrem Kampf gegen die Unabhängigkeit von Algerien, bei der Akte Odessa werden Netzwerke von untergetauchten Nationalsozialisten und deren Verbindungen zu den arabischen Staaten im Vorfeld des Sechstagekrieges mit Israel thematisiert. Das Buch Der Rächer knüpft an die kriegerischen Auseinandersetzungen im früheren Jugoslawien Anfang der neunziger Jahre an. In der Novelle Der Lotse brachte Frederick Forsyth seine Erfahrungen als Pilot in der britischen Luftwaffe ein.
Im Unterschied zu vielen anderen Thriller-Autoren baute Forsyth in seine Romane akkurat recherchierte Reportagen ein, was Hans-Peter Schwarz auf seine journalistische Vergangenheit zurückführt. Häufig gerühmt wurde die Präzision von Details, sowohl was technische Beschreibungen als auch minutiös geplante Kommandounternehmen angeht. Die Themen entnahm er dem Zeitgeschehen. In seinem ersten Roman Der Schakal beschrieb er schon 1971: „Wir leben in haarsträubenden Zeiten […] Neben der enormen Zunahme konventioneller Verbrechen haben wir jetzt außerdem noch das politische Verbrechen.“
Zwar treten in Forsyths Romanen auch Schurken, schäbige und verweichlichte Charaktere auf, doch seine Helden sind Soldaten, die professionell und wortkarg ihre Pflicht erledigen. Sie sind nüchtern, realistisch und zweckorientiert, reden nicht von Werten, aber an ihrem Patriotismus besteht kein Zweifel. Sie stehen häufig im Gegensatz zum trägen Bürokratieapparat, den ränkespielenden Politikern oder dem bequemen Establishment. Hans-Peter Schwarz macht drei Grundkategorien aus:
der perfekte Agent, der allerdings eigenwillig agiert und für Vorgesetzte nicht steuerbar ist
der patriotische Soldat, der den Einsatz nicht hinterfragt und als zuverlässige Kampfmaschine auftritt
der ältere Staatsmann oder Geheimdienstchef von patriotischer Gesinnung, der keine Skrupel kennt, Freiheit, Sicherheit und westliches Wertesystem zu verteidigen.
Forsyth bildete damit einen Gegenpol zu seinem nicht minder erfolgreichen Landsmann und Kollegen John le Carré und seinen betont politischen bis defätistischen Smiley-Thrillern. Schwarz spricht von einem „Anti-Le Carré“. Die beiden britischen Autoren verkörperten für ihn die gegensätzlichen politischen Ansichten im Großbritannien ihrer Zeit, sowohl was die Moral und den Nutzen der Geheimdienste angeht als auch die Entspannungspolitik, die britische Militärmacht und die Rolle der amerikanischen Verbündeten. Während le Carré zu all diesen Punkten linksliberale Positionen vertrat, ließ Forsyth stets eine entschieden konservative Haltung erkennen.
Im August 2015 gab Forsyth bekannt, dass er während des Biafra-Krieges 1968 vom britischen Nachrichtendienst MI6 gebeten worden sei, aus dem Kriegsgebiet über Menschenrechtsverletzungen zu berichten. Später habe er auch Aufträge in der DDR übernommen. In seiner später erschienenen Autobiografie Outsider beschrieb er Einzelheiten und Hintergründe ausführlich.
Forsyth lebte mit seiner Frau zuletzt in dem Dorf Waevers bei Beaconsfield, Buckinghamshire, wo er am 9. Juni 2025 nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie starb.
1972: Edgar Allan Poe Award – Kategorie Bester Roman für The Day of the Jackal (dt.: Der Schakal. Piper, München 1972)
1972: Schwedischer Krimipreis – Kategorie Bester ins Schwedische übersetzte Kriminalroman für Schakalen (Original: The Day of the Jackal; dt.: Der Schakal. Piper, München 1972)
1983: Edgar Allan Poe Award – Kategorie Beste Kurzgeschichte für There Are No Snakes in Ireland (dt.: In Irland gibt es keine Schlangen. Piper, München 1982)
1983: Grand prix de littérature policière – Kategorie International für Sans bavures (Original: No Comebacks; dt.: In Irland gibt es keine Schlangen. Piper, München 1982)
2012: Cartier Diamond Dagger lifetime achievement award, höchste Auszeichnung der britischen Crime Writers’ Association (CWA) für das bisherige Lebenswerk eines Autors