Frauke Petry (* 1. Juni 1975 in Dresden als Frauke Marquardt) ist eine deutsche Politikerin (Team Freiheit, vormals AfD, Die blaue Partei). Vor ihrer politischen Tätigkeit war die Chemikerin auch als Unternehmerin tätig.
2013 wurde Petry einer von drei Parteisprechern der AfD und Vorsitzende der AfD Sachsen. Im Juli 2015 wurde Petry nach einem innerparteilichen Machtkampf gegen Bernd Lucke als eine von zwei Bundessprechern wiedergewählt. Mit der Landtagswahl in Sachsen 2014 wurde sie Mitglied des Sächsischen Landtags.
Bei der Bundestagswahl 2017 errang sie für die AfD das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge. Einen Tag nach der Bundestagswahl 2017 teilte sie zu Beginn der Bundespressekonferenz überraschend mit, sie werde der AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören. Ende September 2017 trat sie aus der AfD aus, nachdem sie bereits vor der Bundestagswahl die Gründung einer neuen Partei (Die blaue Partei) initiiert hatte. Nach ihrem AfD-Parteiaustritt nahm sie – nunmehr als fraktionslose Abgeordnete – zunächst beide Mandate und nach der Landtagswahl in Sachsen 2019 nur noch ihr Bundestagsmandat wahr. Mit Ablauf der 19. Legislaturperiode schied sie 2021 aus dem Deutschen Bundestag aus.
Petry wurde als Tochter einer Chemikerin und eines Ingenieurs in Dresden geboren und wuchs bis 1989 in Schwarzheide, Kreis Senftenberg im Bezirk Cottbus auf. Ihr Vater musste als Kind aus Schlesien flüchten. Er blieb Anfang 1989 anlässlich eines Besuchs in der Bundesrepublik; ihre Mutter und sie zogen noch vor dem Fall der Mauer 1989 nach Bergkamen (bei Dortmund) nach.
Bis Mitte 2015 war sie mit dem evangelischen Pfarrer Sven Petry in Tautenhain verheiratet, mit dem sie vier Kinder hat. Im Dezember 2016 heiratete Petry den damaligen nordrhein-westfälischen AfD-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell. Sie haben seit Mai 2017 einen gemeinsamen Sohn und seit Mai 2019 eine gemeinsame Tochter. Sie lebt mit ihrer Familie im sächsischen Delitzsch.
Ausbildung, Studium und wissenschaftliche Tätigkeit
Petry legte 1995 das Abitur am Städtischen Gymnasium von Bergkamen ab, wo einer ihrer Lehrer der Schriftsteller Heinrich Peuckmann war. Danach studierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes von 1995 bis 1998 Chemie an der englischen University of Reading bis zum Bachelor of Science und anschließend von 1998 bis 2000 an der Georg-August-Universität Göttingen bis zum Diplom. Während des Studiums arbeitete sie als Werkstudentin bei der Schering AG und der Bayer AG.
Von 1998 bis 2001 war Petry Vorstandsmitglied des Jungchemikerforums der Gesellschaft Deutscher Chemiker, von 1998 bis 1999 dessen Bundessprecherin.
2004 wurde Petry bei Georg-Friedrich Kahl und Karen Hirsch-Ernst am Göttinger Institut für Pharmakologie und Toxikologie mit der Dissertation Charakterisierung eines neuen ATP-binding-cassette-Transporters aus der ABCA-Subfamilie mit magna cum laude promoviert. Danach war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungseinrichtung und Postdoktorandin am Institut für Humangenetik. In dieser Zeit veröffentlichte sie mehrere Aufsätze in Fachzeitschriften.
Petry ließ sich zur nebenberuflichen Organistin und Chorleiterin ausbilden. Sie war von 2008 bis 2014 Mitglied des Leipziger Vocalensembles.
Petry gründete im März 2007 das Unternehmen PURinvent GmbH in Leipzig-Plagwitz, das einen neuartigen Polyurethan-Kunststoff (HydroPUR) als Reifendichtmittel herstellte. Das Unternehmen hatte zeitweise zehn Mitarbeiter. Die Idee ging auf ihre Mutter zurück, die zusammen mit Petry Erfinderin ist: „Neuartige hoch wasserhaltige Polyurethane, Verfahren zu ihrer Herstellung und Anwendung“ (EP 2 057 233). Petry erhielt für ihre innovative Unternehmensgründung einige Auszeichnungen, unter anderem im November 2009 den Darboven IDEE-Förderpreis (dotiert mit 75.000 Euro) und im Herbst 2012 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Petry investierte etwa eine Million Euro in das Unternehmen: eigenes Geld, Preisgelder von Auszeichnungen und Kredite.
Ende 2013 musste Petry für das Unternehmen Insolvenz beantragen und anschließend in die Privatinsolvenz gehen, weil sie persönlich bei dem PURinvent finanzierenden Kreditinstitut gebürgt hatte und deswegen für die Unternehmensverbindlichkeiten in Anspruch genommen wurde. Das Unternehmen wurde 2014 von einem süddeutschen Investorenkonsortium erworben und in Bindur GmbH umbenannt. Der Geschäftsbetrieb wurde aufrechterhalten. Petry war im neuen Unternehmen bis Anfang 2016 Geschäftsführerin. Als Begründung für ihren Ausstieg gab sie an, mit Politik, Familie und Firma überlastet zu sein. Auf der Website der PURinvent hieß es dazu, dass sich das Unternehmen „bereits Anfang 2016 von Petry getrennt“ habe, „keinerlei Verbindung zur AfD hält und auch nicht deren Standpunkte befürwortet“.
Drei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen 2014 wurden durch Presseberichte Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Leipzig wegen Insolvenzverschleppung gegen Petry bekannt. Petry selbst vermutete hinter der Anzeige und dem Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens kurz vor der Landtagswahl politische Motive. Sie sagte, der Insolvenzverwalter habe keine verspätete Anmeldung erkennen können. Die Staatsanwaltschaft fand keine Anhaltspunkte für eine Insolvenzverschleppung und stellte die Ermittlungen nach kurzer Zeit ein.
Petry war anfangs Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013 um ehemalige CDU-Mitglieder. Seit der Gründung der Alternative für Deutschland (AfD) im Februar 2013 in Oberursel war sie deren stellvertretende Sprecherin.
Beim Gründungsparteitag der AfD am 14. April 2013 in Berlin wurde sie neben Bernd Lucke und Konrad Adam als eine von drei Bundessprechern in den Bundesvorstand gewählt, wobei Lucke und Petry in der Öffentlichkeit nach Meinung von Beobachtern am präsentesten waren.
Nach einem vorangegangenen innerparteilichen Machtkampf zwischen nationalkonservativen und wirtschaftsliberalen Kräften wurde sie im Juli 2015 auf dem außerordentlichen Bundesparteitag in Essen mit ca. 60 Prozent der Stimmen neben Jörg Meuthen als Bundessprecherin wiedergewählt.
Im April 2017 erklärte sie kurz vor dem Bundesparteitag in Köln ihren Verzicht auf eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2017. Nach dem Parteitag beendeten die Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel ihre Kommunikation mit Petry; diese bekundete im August 2017 ihre Gesprächsbereitschaft mit Weidel und Gauland. In der Woche vor der Bundestagswahl 2017 ging sie zu Gauland und Weidel auf Distanz und bekundete ihr Verständnis für Wähler, die über deren Äußerungen „entsetzt“ seien.
Politikwissenschaftler wie Lars Geiges, Stine Marg, Franz Walter, Gudrun Hentges, Jürgen W. Falter und Frank Decker verorteten sie spätestens seit 2015 als führende Protagonistin im nationalkonservativen Parteiflügel der AfD. Durch ihren Austritt aus der AfD Ende September 2017 verlor sie ihren Posten als AfD-Sprecherin des Bundesvorstandes, sodass Jörg Meuthen zu dessen alleinigem Sprecher wurde.