Frauenwahlrecht bedeutet, dass Frauen eines Landes die Möglichkeit haben, an politischen Abstimmungen aktiv und passiv teilzunehmen. Der Begriff Frauenstimmrecht dagegen bezieht sich dabei nur auf das aktive Wahlrecht. Dem Erlangen des Frauenwahlrechts ging ein langer Kampf der Frauenbewegung voraus, der im 18. Jahrhundert begann.
Als erste „moderne“ Kämpferin für das Frauenwahlrecht gilt Olympe de Gouges. Sie verfasste im Laufe der Französischen Revolution unter anderem die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin (veröffentlicht September 1791), wurde zur Zeit der Terrorherrschaft im Sommer 1793 verhaftet wegen Feindschaft zu Robespierre und im Herbst nach kurzem Schauprozess hingerichtet.
Der Weg zum allgemeinen Frauenwahlrecht verlief parallel mit der heftig umkämpften Abschaffung des Zensuswahlrechts für Männer. Nur in wenigen Staaten wurde das allgemeine Wahlrecht für beide Geschlechter zum selben Zeitpunkt eingeführt; so zum Beispiel 1906 im damaligen zu Russland gehörenden Großherzogtum Finnland. Je eher die Männer das uneingeschränkte Wahlrecht bekamen, desto länger mussten die Frauen darum ringen. Frankreich und die Schweiz wurden zu Nachzüglerstaaten, weil sie die ältesten Männerdemokratien Europas waren; ähnlich sah es in Griechenland und Bulgarien aus.
In vielen Staaten sympathisierten die Liberalen mit dem Frauenwahlrecht. Entscheidend aber ist, dass liberale Politiker oft an einem Zensuswahlrecht festhielten und politische Partizipation vom sozialen Stand oder von der Bildung abhängig machten. Entsprechend verlangte die Mehrheit der bürgerlichen Frauen für ihr Geschlecht ebenfalls ein eingeschränktes Wahlrecht. Es ging ihnen in erster Linie um die Aufhebung der Geschlechterbarrieren, wobei ein Teil der Frauenrechtlerinnen dies nur als ersten Schritt ansah, dem das allgemeine Wahlrecht folgen würde.
Jede Seite des politischen Spektrums befürchtete für sich negative Konsequenzen. Sozialisten und Liberale glaubten vielfach, dass vom Stimmrecht der Frauen vor allem die Konservativen und Klerikalen profitieren würden, dagegen beschworen konservative Parteien die Gefahr, dass Frauen mit ihrer Stimme linke und liberale Parteien stärken würden. Zudem sahen sie im Frauenwahlrecht den ersten Schritt zur vollständigen Emanzipation. Dies war auch ein Grund, weshalb sich die Aufhebung der Klassenbarriere eher durchsetzte.
„Inseln haben oft eigene Regierungssysteme, und in einigen Fällen führte dies zu Systemen, die [Frauen] früher einbezogen als die Festlandgemeinden.“ Damit liegen wichtige Orte für die frühe Geschichte des Frauenwahlrechts in Regionen, die von der Geschichtsschreibung vernachlässigt wurden.
Auf den Pitcairninseln wurde 1838 vom britischen Kapitän Russel Elliot ein allgemeines Wahlrecht eingeführt, das die Wahlberechtigung einzig und allein an einen dauerhaften Aufenthalt auf den Inseln knüpfte. Großbritannien als übergeordnete Macht garantierte die Regelung. Schriftliche Informationen über die Gründe, die zu dieser fortschrittlichen Form von Demokratie führten, sind nicht überliefert. Man nimmt jedoch an, dass in der kleinen Gemeinschaft von 99 Inselbewohnern diese Form des Wahlrechts bereits vor dem Eintreffen von Elliot eine Rolle spielte. Damit sind die Pitcairninseln der erste Ort auf der Erde, an dem das Frauenwahlrecht denselben Regeln wie das Männerwahlrecht unterlag.
Die Besiedelung der Inseln und damit die Vorgeschichte dieses fortschrittlichen Wahlrechts hängt mit der Meuterei auf der Bounty auf Tahiti 1789 zusammen: Meuterer und ihre tahitianischen Gleichgesinnten brachten das Schiff zur unbewohnten Pitcairninsel. Neuankömmlinge, die mitunter ihren Weg auf die Inseln fanden, wurden integriert. Es ist davon auszugehen, dass die Gemeinschaft ohne Regierung lebte. In den 1830er Jahren hatten die Insulaner immer wieder unter meuternden Besatzungen von Walfangschiffen zu leiden, die mit der Vergewaltigung der Inselbewohnerinnen drohten. Daher waren die Männer gezwungen, zum Schutz ihrer Familien den Anbau von Lebensmitteln zu vernachlässigt.
Als nun 1838 der britische Kapitän Russel Elliot dort landete, sahen die Inselbewohner einen Vorteil darin, sich der britischen Krone als Schutzmacht zu unterstellen. Elliot reklamierte die Inseln daher für Großbritannien. Doch er wollte so wenig Verpflichtungen für die britische Regierung wie nur möglich und hinterließ daher Regeln für eine Selbstverwaltung. Er ordnete darin eine Regierung durch einen Magistrat an, „der mit Hilfe der freien Wählerstimmen aller auf der Insel Geborenen, Mann oder Frau, die mindestens 18 Jahre alt waren, gewählt werden sollte; zusätzlich von den Personen, die seit fünf Jahren auf der Insel lebten.“ Nach Meinung Elliots sollten die Insulaner „in regelmäßigen Abständen aus ihrer Mitte einen Richter wählen, der als Adressat für die Anweisungen der königlichen Regierung zur Verfügung stünde. Diesem würde [von der britischen Krone] die offizielle Anerkennung verliehen“.
Kolumbien und das Wyoming-Territorium
1853 führte Vélez in Kolumbien als erste Stadt der Welt das Frauenwahlrecht ein. Es folgte das Wyoming-Territorium, welches 1869 das Frauenwahlrecht einführte.
Auch die Cookinseln gehören zu den Pionierstaaten des allgemeinen Wahlrechts. Es wurde zwar erst drei Tage nach dem New Zealand Election Act formal garantiert, aber die Frauen von Rarotonga wählten bereits vor den Neuseeländerinnen, am 14. Oktober 1893. Es verstrichen jedoch Jahrzehnte, bevor eine Frau zur Abgeordneten gewählt wurde oder Teil der Exekutive wurde: 1965, noch unter kolonialer Herrschaft, wurde Marguerite (Margaret) Nora Kitimira Brown Story als erste Frau in das gesetzgebende Gremium (Legislative Assembly) gewählt und war von 1965 bis 1979 und dann wieder 1983 dessen Vorsitzende. 1983 wurde erstmals eine Frau Mitglied der Regierung: Ministerin für Inneres und das Postwesens wurde damals Fanaura Kingsone.
Frauen spielten in der Politik der Inseln schon vor der Festlegung des allgemeinen Wahlrechts eine Rolle im öffentlichen Leben. Das Kämpfen war zwar Männern vorbehalten, doch eine Zuweisung der häuslichen Sphäre zu Frauen und der öffentlichen und politischen Lebens an Männer gab es auf Rarotonga und vermutlich auf vielen anderen Inseln in der Südsee nicht. Frauen aus angesehenen Familien traten öffentlich auf. Kriegerische Auseinandersetzungen führten zu einem Frauenüberschuss, der auch das politische Leben der Gemeinschaften prägte. Dick Scott, der Geschichtsschreiber der Cookinseln, berichtet, wie sie bereits selbst den Titel Königin angenommen hatten; ihre Häuser nannten sie Paläste: „Die Häuptlinge von Raratonga trugen beim Kontakt mit anderen Mächten stolz nach außen, dass sie der britischen Krone unterstellt waren. Der Besuch des Oberhäuptlings Makea Takau in Neuseeland 1885 wurde nach den Regeln eines Staatsbesuchs gestaltet.“
Die Vorgeschichte des allgemeinen Wahlrechts auf den Inseln geht bis in die 1880er Jahre zurück. Damals gerieten die Cookinseln zunehmend unter Einfluss von außen. Sie wurden die Inseln von neuseeländischen Händlern und Missionaren besucht, es gab Angriffe peruanischer Sklavenhändler, und europäische Großmächte und die Māoris nahmen die Region zunehmend in den Fokus. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts geht wesentlich darauf zurück, dass die Inseln ab 1888 unter dem Schutz des Vereinigten Königreiches standen. Hierfür war Frederick Moss maßgeblich, ein ehemaliges Parlamentsmitglied aus Auckland, das von Neuseeland zum britischen Residenten ernannt worden war. Er machte die Inseln zu einem Teil des Britischen Weltreiches. Unter anderem führte Moss ein gesetzgebendes Gremium ein, das auch von Frauen gewählt wurde. Moss schrieb stolz: „Das Parlament der Cookinseln ist das einzige freie Maoriparlament, das man je versucht hat zu errichten.“ Allerdings war die Demokratie von Anfang an gefährdet: „Die utopische Inseldemokratie hätte nur funktionieren können, wenn die Häuptlinge ihre Macht abgegeben hätten; doch die Häuptlinge behielten ihre Macht über ihre Gemeinden und konnten die gewählten Volksvertreter beeinflussen, vor allem, weil Moss’ Pläne eines geheimen Wahlrechts unterlaufen wurden.“