Franziska Preuß (* 11. März 1994 in Wasserburg am Inn) ist eine ehemalige deutsche Biathletin, die von 2013 bis 2026 im Weltcup lief. Ihr größter Erfolg war der Sieg im Gesamtweltcup in der Saison 2024/25; zudem wurde sie Weltmeisterin 2015 mit der Frauenstaffel und 2025 in der Verfolgung. Insgesamt gewann sie elf WM-Medaillen und 2022 sowie 2026 zweimal Bronze mit Staffeln bei den Olympischen Winterspielen.
Franziska Preuß ist in Albaching im oberbayrischen Alpenvorland auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sie besuchte die Staatliche Fachoberschule in Wasserburg am Inn und legte dort 2012 das Fachabitur ab. Zum 1. August 2012 wurde sie in das Zoll-Ski-Team aufgenommen. Nach ihrem Karriereende schied sie im Sommer 2026 aus dem Dienst aus.
Franziska Preuß ist seit dem Winter 2015/16 mit Simon Schempp liiert. Das Paar lebt gemeinsam in Ruhpolding, wohin Preuß 2012 gezogen war.
Franziska Preuß betrieb in ihrer Jugend zunächst Leichtathletik. Zum Biathlon kam sie im Alter von 15 Jahren als Quereinsteigerin, nachdem sie im März 2009 von ihren Eltern einen Gutschein für das Programm „Biathlon erleben“ in Fritz Fischers Biathlon-Trainingscamp geschenkt bekommen hatte. In der Folge nahm sie auf Anraten Fischers am Stützpunkttraining in Ruhpolding teil und erlernte bei ihm und Andreas Stitzl die Skilanglauf-Technik.
In Ruhpolding trainierte Preuß von 2010 bis 2022 fast durchgehend bei Tobias Reiter. Danach betreute sie bis 2026 vor allem der Bundestrainer Kristian Mehringer.
Preuß startete während ihrer Karriere für den Ski-Club Haag aus der Nähe ihres Heimatorts Albaching.
In ihrer zweiten Biathlonsaison 2010/11 wurde Preuß aufgrund ihrer Leistungen im Deutschlandpokal vom Deutschen Skiverband (DSV) für ihre ersten internationalen Wettkämpfe beim Europäischen Olympischen Jugendfestival im Februar 2011 im tschechischen Liberec nominiert. Dort wurde sie Zehnte im Sprint und 31. in der Verfolgung. Kurz darauf gewann sie bei den deutschen Jugendmeisterschaften in der Altersklasse 17 den Titel im Sprint und erreichte darüber hinaus zweite Plätze sowohl im Einzel als auch mit der Staffel. Am Ende der Saison gewann sie die Gesamtwertung des Deutschlandpokals in ihrer Altersklasse.
Aufgrund der Leistungen aus der Vorsaison qualifizierte Preuß sich zur Sommervorbereitung 2011 erstmals für den Nachwuchskader des DSV. Im Januar 2012 wurde sie für die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele nominiert. Dort gewann sie in vier Wettkämpfen drei Gold- sowie eine Silbermedaille und wurde zur erfolgreichsten Athletin der Wettkämpfe. Mit diesen Leistungen erregte sie erstmals überregionale Aufmerksamkeit und wurde unter anderem von den Athleten der Deutschen Sporthilfe zur Sportlerin des Monats in Deutschland gewählt. Bei den Ende Februar folgenden Juniorenweltmeisterschaften im finnischen Kontiolahti startete Preuß als 17-Jährige erstmals bei den Rennen der Junioren (U21). Dort lief sie im Einzel auf den zehnten und mit der Staffel auf den sechsten Platz. Im Sprint erreichte sie Platz 36 und in der Verfolgung Rang 29. In der Gesamtwertung des Deutschlandpokals der Altersklasse Jugend 18/19 belegte sie punktgleich mit der Siegerin Laura Dahlmeier den zweiten Platz.
Im September 2012 erreichte Franziska Preuß bei den Deutschen Meisterschaften in Oberhof Platz sieben im Sprint der Frauen-Klasse. Nach guten Leistungen im Deutschlandpokal mit vier Siegen in vier Rennen ihrer Altersklasse wurde sie Ende Januar 2013 für die Juniorenweltmeisterschaften in Obertilliach nominiert. Zum Auftakt belegte sie beim Sieg ihrer Mannschaftskollegin Laura Dahlmeier Rang fünf im Sprint, danach erreichte in der anschließenden Verfolgung sowie im Einzelrennen jeweils die Bronzemedaille. Mit der Staffel an der Seite von Dahlmeier und Vanessa Hinz wurde sie Weltmeisterin und gewann so ihre insgesamt dritte Medaille. Nach diesen Erfolgen bestritt sie im Februar 2013 bei den Europameisterschaften in Bansko ihren ersten Start im internationalen Frauenbereich. Nach Platz 18 im Einzel erreichte sie im Sprint den fünften Platz und in der Verfolgung Platz zwei und somit die Silbermedaille. In der abschließenden Staffel wurde Preuß mit Nicole Wötzel, Hinz und Karolin Horchler vor Tschechien Europameisterin.
Debüt im Weltcup und Olympische Spiele (2013/14)
Bei den Deutschen Meisterschaften am Arber und in Ruhpolding im September 2013 gewann Franziska Preuß nach Platz fünf im Sprint in der Verfolgung, im Einzel und im Massenstart jeweils den Titel und war damit die erfolgreichste Athletin der Wettkämpfe.
Nach ihren Leistungen bei den Deutschen Meisterschaften wurde Preuß für den Auftakt des Weltcups 2013/14 in Östersund nominiert. Am 28. November 2013 gab sie im Alter von 19 Jahren im Einzel ihr Weltcupdebüt und belegte den 44. Platz. In den folgenden Rennen steigerte sie ihre Ergebnisse kontinuierlich. Nachdem sie in Hochfilzen mit der deutschen Staffel bereits ihren ersten Podiumsplatz erreicht hatte, gewann sie in der Folgewoche in Le Grand-Bornand als Startläuferin zusammen mit Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier ihren ersten Weltcupsieg. Im Sprint erzielte sie mit Platz sechs ihre erste Top-Ten-Platzierung und erreichte die Qualifikationsnorm für die Olympischen Spiele.
Nach schwächeren Ergebnissen beim ersten Weltcup im Januar 2014 in Oberhof gewann Preuß in Ruhpolding erneut mit der Staffel und lief in der Verfolgung mit einem Fehler vom 16. auf den vierten Platz zu einer neuen Karrierebestleistung vor. In Antholz erreichte sie mit Platz sieben im Sprint erneut die Top Ten.
Im Februar 2014 nahm Franziska Preuß in Sotschi an ihren ersten Olympischen Winterspielen teil. Nach einem 40. Platz im Sprint und einem 39. Platz in der Verfolgung wollte Preuß auf einen Start im Einzel verzichten. Auf Drängen der Trainer hin startete sie doch und wurde nach fünf Schießfehlern in der dritten Runde auf Platz 80 liegend unter Tränen aus dem Rennen genommen, um sich für die weiteren Einsätze zu schonen. In einem Fazit zu den Olympischen Spielen und der Situation in der deutschen Frauenmannschaft gab Magdalena Neuner an, Preuß hätte das Einzelrennen „mit einem Nervenzusammenbruch“ beendet und die Trainer hätten sie „dazu genötigt, dass sie da läuft“. Auf den folgenden Massenstart verzichtete sie. Vor der Staffel stand die deutsche Mannschaft unter dem Eindruck der positiven Dopingprobe von Evi Sachenbacher-Stehle. Franziska Preuß stürzte als Startläuferin in der ersten Runde des Rennens und verlor durch Verlust ihres Skistocks fast 50 Sekunden bis zum ersten Schießen. Zusätzlich geriet Schnee in die Visiereinrichtung ihrer Waffe, was am Schießstand weiteren Zeitverlust bedeutete. Nach drei Nachladern hatte sie nach dem ersten Schießen zwei Minuten Rückstand auf die Rennspitze. Sie übergab die Staffel erneut unter Tränen mit drei Minuten Rückstand auf dem letzten Platz liegend an Andrea Henkel. Weder sie noch Franziska Hildebrand oder Laura Dahlmeier waren in der Lage, das Ergebnis maßgeblich zu ändern. Am Ende erreichte die Mannschaft mit einem Gesamtrückstand von fast vier Minuten auf die Ukraine auf dem elften Rang das Ziel.
Beim ersten Weltcup nach den Olympischen Spielen auf der Pokljuka erreichte Preuß mit Platz 59 im Sprint und Platz 20 im Massenstart erneut schwache Ergebnisse. Auf die Rennen in Kontiolahti musste sie verzichten. Beim Weltcupfinale in Oslo belegte sie die Plätze elf, 24 und 15. Ihre erste Weltcupsaison beendete sie als 18. in der Gesamtwertung.
WM-Gold mit der Staffel und Sieg im Massenstartweltcup (2014/15)
Zur Saison 2014/15 wurde Franziska Preuß’ Heimtrainer Tobias Reiter Co-Trainer der Nationalmannschaft unter Gerald Hönig. Bei den Deutschen Meisterschaften im September 2014 gewann sie die Bronzemedaille im Sprint.
Beim Auftakt des Weltcups in Östersund startete Preuß mit den Plätzen 16, 21 und 12 in die Saison. Bei der nächsten Station in Hochfilzen erreichte sie als Zehnte im Sprint und Sechste in der Verfolgung ihre ersten Top-Ten-Platzierungen des Winters. Zudem gewann sie als Schlussläuferin zusammen mit Luise Kummer, Franziska Hildebrand und Vanessa Hinz ihr drittes Staffelrennen. Beim Weltcup auf der Pokljuka wurde sie Achte im Massenstart.