Franz von Suppè (Aussprache [zuˈpɛː] oder [suˈpɛː]) (* 18. April 1819 in Spalato (Split), Dalmatien; † 21. Mai 1895 in Wien) war ein österreichischer Komponist, der als Schöpfer der Wiener Operette gilt. Sein vollständiger bürgerlicher Name lautet gemäß dem Taufbucheintrag, der den Familiennamen Suppè irrtümlich ohne jeglichen Akzent wiedergibt: Francesco Ezechiele Ermenegildo de Suppe. Die weit verbreitete Schreibung Suppé mit Accent aigu statt mit Accent grave ist ebenso fehlerhaft wie jene ohne jeglichen Akzent.
Suppè hinterließ ein Œuvre mit über 200 Bühnenwerken, darunter drei aufgeführte Opern und 26 aufgeführte Operetten, von denen die Ouvertüren zu Dichter und Bauer und Leichte Kavallerie besonders bekannt sind. Seine Operette Boccaccio gehört bis heute zum Standard-Repertoire deutschsprachiger Bühnen.
Späte Korrektur der erfundenen Biografie
Im Jahr 2019 konnte der Literaturwissenschaftler Andreas Weigel durch die Ergebnisse seiner systematischen genealogisch-biografischen Recherchen nachweisen, dass wesentliche, bislang als gesichert angesehene Aspekte von Suppès Biografie und Genealogie über ein Jahrhundert lang fehlerhaft, fraglich und korrekturbedürftig waren. Beispielsweise hat Suppè seiner späteren Ehefrau Therese Merville (1816–1865) bereits 1838 seine Vertonung des Schiller-Gedichtes An Emma gewidmet, weshalb er sie nicht (wie bislang einhellig überliefert) erst 1841 kennengelernt haben kann. Über die erste Gattin war ebenso wenig Biografisches bekannt wie über ihre gemeinsamen Kinder (Anna (1842–1879), Peter (1844–1894), Ferdinand (1847–1847), Therese (1850–1899) und Franz (1851–1851)) und deren Verwandtschaft mit Adolf von Boog, Philippine von Edelsberg, Arthur Schnitzler bzw. Rosa und Karl Streitmann. Zudem wurde der Mädchenname von Suppès Mutter, Jandovsky, manchmal auch Jandowsky (laut der Wienbibliothek im Rathaus Jandofsky), in sämtlichen Biografien ein Jahrhundert lang falsch als Landovsky überliefert, weshalb die Herkunft von Suppès mütterlichen Vorfahren aus dem mährischen Brünn und bayerischen München verborgen blieb. Suppès angebliche Medizin- bzw. Jura-Studien (in Bologna, Padua bzw. Wien) sind Erfindungen. Seine angeblich aus Belgien bzw. den Österreichischen Niederlanden bzw. Cremona stammenden väterlichen Ahnen stammen in Wahrheit aus Fiume (Rijeka), Karlobag und Senj, und seine zweite Frau Sofie Strasser (1841–1926), die wahrscheinlich die Librettistin seiner Operette Pique Dame (1864) ist, lernte er bereits 1860 (nicht erst 1864) kennen. Ungeklärt bleibt die Frage, wieso sich Suppè – wie seine beiden Ehefrauen – (wider besseres Wissen) meist ein Jahr jünger gemacht hat, indem er als Basis für seine von der Öffentlichkeit gefeierten runden Geburtstage den 18. April 1820 angegeben hat, obwohl er nachweislich 1819 geboren wurde.
Schreibweise des Familiennamens
Die durch Robert Franz Müller, Vladimir Haklik und Andreas Weigel erfolgte Widerlegung der angeblich belgischen bzw. österreichisch-niederländischen Abstammung, der die französische Schreibweise „Suppé“ geschuldet war, hat zur erneuten Rückbesinnung auf die italienische Schreibweise des Familiennamens mit Gravis, „Suppè“, geführt. Sie ist so in Suppès Autografen, in amtlichen Dokumenten und Urkunden, wie beispielsweise 1847 im Sterbeeintrag von Suppès Sohn Ferdinand und 1887 in Suppès letztem amtlichen Meldezettel, zu lesen. Bereits Julius Kromer nannte 1941 in seiner Dissertation den Komponisten selbst als „Kronzeugen“ für die amtlich belegte italienische Schreibweise des Familiennamens: „In seinen Briefen und Notizbüchern, auf selbstgeschriebenen Notenblättern und Textbüchern steht überall nur ein Name und eine Unterschrift: Suppè. Das ist der eindeutig erklärte Wille des Komponisten, den allein wir zu beachten haben und den wir dokumentarisch hundertfach belegen konnten.“
Diese italienische Schreibweise ist die Art, wie bereits Suppès Vater den Familiennamen schrieb, wenn er als Kreisamts-Sekretär die im Amtsblatt von Zara (Zadar) veröffentlichten amtlichen Verlautbarungen offiziell unterzeichnete. Darüber hinaus verweist Vladimir Haklik auf historische Akten, die von Suppès Großvater eigenhändig mit „Suppè“ unterschrieben wurden. Auch der vom 9. Februar 1722 stammende Heiratseintrag von Franz von Suppès Ur-Ur-Großeltern Georg und Antonia Suppè belegt die italienische Schreibweise des Familiennamens, wodurch diese Schreibweise des Familiennamens weit über ein Jahrhundert lang amtlich verbürgt ist (Heiratseintrag von 1722, Meldezettel von 1887).
Demgemäß schrieb Suppè seinen Familiennamen nicht mit italienischem Akzent grave, um als Italiener zu gelten, sondern weil seine Vorfahren seit 1722 ihren Familiennamen nachweislich so verwendeten und er durch seinen um 1700 in Grobnik geborenen Ur-Ur-Großvater und seine um 1700 in Fiume (Rijeka) geborene Ur-Ur-Großmutter italienische Vorfahren hatte. Die Heimat der Familie Suppè war zumindest seit 1700 der adriatische Küstenstreifen zwischen Fiume (Rijeka) und Makarska. Dort war Italienisch Amtssprache, dies auch noch lange nach Suppès 1835 erfolgter Übersiedlung nach Wien, der Heimatstadt seiner Mutter. Die weit verbreitete Schreibung Suppé mit Accent Aigu ist also ebenso fehlerhaft wie die Schreibung ohne jeglichen Akzent.
Jugendjahre und musikalische Ausbildung
Anders als in den Suppè-Biografien von Otto Keller (1905), Julius Kromer (1941), Otto Schneidereit (1977), Ingrid Scherney (2005) und Hans-Dieter Roser (2007) kolportiert, kamen Suppès Vorfahren väterlicherseits weder aus Belgien bzw. den Österreichischen Niederlanden noch aus Cremona, sondern aus Fiume (Rijeka), Karlobag, Senj und Makarska. Suppè wuchs in Zara (dem heutigen Zadar) auf. Dort besuchte er bis zu seiner Übersiedlung nach Wien die erste von zwei Humanitätsklassen. Suppè soll bereits mit acht Jahren im Kirchenchor der Kathedrale von Zara gesungen haben, dessen späterer Chorleiter Giovanni Cigalla soll ihm erste musikalische Kenntnisse vermittelt haben. Flötenunterricht soll Suppè vom Kapellmeister Giuseppe Ferrari erhalten haben. Durch beide Lehrmeister soll sich Suppè bereits in jungen Jahren grundlegendes kompositorisches Wissen angeeignet haben. Mit sechzehn Jahren (1835) komponierte er sein erstes größeres Werk, eine Messe in F-Dur, die er vierzig Jahre später überarbeitet als Missa Dalmatica veröffentlichte.
Nach dem frühen Tod von Suppès Vater (1796–1835) übersiedelte Suppès Mutter (1787–1875), eine gebürtige Wienerin, im September bzw. Oktober 1835 gemeinsam mit ihrem sechzehnjährigen Sohn Franz zurück in ihre Heimatstadt, wo sie am Alsergrund wohnten. Suppès Biografen berichten, dass beide 1835 in Wieden beim Vater der Mutter gewohnt hätten, der entscheidenden Einfluss auf Suppès Ausbildung genommen habe, indem er sich vehement gegen dessen Musikvorliebe verwahrt habe. Andreas Weigel wies nach, dass Suppès Wiener Großvater bereits im Jahr 1803 verstorben war, weshalb er auf Suppès Bildungs- und Lebensweg keinen Einfluss nehmen konnte. In Wien war Suppè am „Polytechnischen Institut“ (heute: Technische Universität Wien) inskribiert; er brach diese Ausbildung schon im Mai 1836 ab. Das in der biografischen Literatur erwähnte Medizinstudium ist – wie die Nachfrage im Archiv der Universität Wien ergeben hat – frei erfunden. Dies erwähnte der Wiener Musikhistoriker Robert Franz Müller schon 1926; er wies zudem nach, dass Suppès Jus-Studien in Padua gleichfalls frei erfunden sind, aber Suppè 1837/38 kurzzeitig das Schottengymnasium besuchte, was 2019 anhand des „Kataloges vom Schuljahre 1837/38“ verifiziert wurde. Zur Finanzierung seines Musikstudiums gab er Italienisch-Unterricht.
1836 begann Suppè als Privatschüler beim Kapellmeister Ignaz von Seyfried zu studieren. Am 15. August 1836, Seyfrieds Geburtstag, vollendete der Kompositionsschüler Suppè eine weitere Messe. Anschließend arbeitete er an seiner ersten Oper, Virginia. Diese nach einem Libretto von Ludwig Holt geschaffene, fragmentarische Studentenarbeit legte er erneut am 15. August 1837 seinem Lehrer Seyfried als Klavierauszug zur Beurteilung vor.