An diesem Tag

Franz Stollwerck

Deutscher Schokoladenfabrikant

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Franz Stollwerck (* 5. Juni 1815 in Köln; † 10. März 1876 ebenda) war ein deutscher Industrieller, dessen Konzern mit Schokoladenprodukten Weltgeltung erlangte. Zur Familiendynastie gehörten seine fünf Söhne, die das Unternehmen weiter ausbauten.

Franz wurde 1815 als vierter Sohn des Wollspinners Nikolaus Stollwerck (1787–1851) und der Brauertochter Christina Boden (1784–1837) in Köln geboren. Er wuchs im Haus der Eltern in der Wallonengasse Nr. 53 auf, einer Straße, die nach 1813 wieder den alten (seit 1268) Namen Löhrgasse führte und später als Agrippastraße ihren heutigen Namen erhielt.

Franz ging beim Kölner Konditor Franz Josef Kreuer in die Lehre und begab sich nach alter Handwerkertradition schon früh auf die Wanderschaft zu fremden Lehrstätten. Die hohen Schulen der Zuckerwarenfabrikation besuchte er in Württemberg, der Schweiz und schließlich in Paris, wo der junge Stollwerck als wandernder Gesell sein Handwerk erlernte. Mit Wissen und neuen Kenntnissen kehrte er um 1838 nach Köln zurück.

Am 3. Juli 1839 heiratete er Anna Sophia Müller. Aus der Ehe gingen 13 Kinder hervor, wovon er zunächst seine drei Söhne Albert Nicolaus (1840–1883), Peter-Josef (1842–1906) und Heinrich (1843–1915) in sein Unternehmen aufnahm. Später folgten ihnen Ludwig (1857–1922) und Carl Franz (1859–1932).

Der gelernte Bäcker und Konditormeister Stollwerck gründete im Juli 1839 eine „Mürbebäckerei“ in der Kölner Blindgasse 37 (heute: Cäcilienstraße), deren Produktpalette er kontinuierlich auf Konfekt, Christbaumbehang, Marzipan und Schokoladen erweiterte. Drei Jahre später kaufte er das Grundstück und Haus Blindgasse 12, wo er auf 120 m² Grundfläche seine „Conditorei und Bonbonfabrik“ aufbaute. Berühmt wurde er zunächst allerdings nicht mit diesen Produkten, sondern ab Juli 1843 mit der Herstellung von Hustenbonbons. Seine Verkaufserfolge führten zu einem Rechtsstreit mit den Apothekern, die sich die Produktion von Hustenbonbons als Arzneien und Heilmittel vorbehielten. Nach zahlreichen Prozessen erreichte er den Ministerialerlass vom 2. Januar 1846, wonach es „den Konditoren des ganzen preußischen Staates nicht verwehrt sei, Karamellen, Bonbons und andere Waren herzustellen und zu verkaufen.“ Der Verkaufsschlager „Brustbonbons“ (Eigenwerbung: „Fabrikant der rühmlichst bekannten Stollwerck’schen Brustbonbons“) machte ihn so berühmt und wohlhabend, dass man im Rheinland liebevoll vom „Kamelle-Napoleon“ sprach. Er warb intensiv in Zeitungen und Ärzteblättern und baute ein weitläufiges Vertriebsnetz auf. 1845 besaß Stollwerck bereits 44 Verkaufsstellen in Deutschland; im Januar 1847 erhielt er den Titel „Hoflieferant des Prinzen Friedrich von Preußen“. Im Dezember 1847 gründete er das Café Royal (Schildergasse 49), das seine Schokoladen- und Süßwaren verkaufte und am 1. April 1848 im Zuge der Märzrevolution in Deutsches Kaffeehaus umbenannt wurde. Es war eine Mischung aus Kaffeehaus, Konditorei und Weinlokal mit Ballsaal.

Ende April suchte er in der Leipziger Zeitung Künstler für sein Lokal: „Für das erste Kaffeehaus in Köln wird unter günstigen Bedingungen eine eingespielte Musik-Gesellschaft, für komische Gesangesvorträge, […], am liebsten im Tyroler Nationalkostüm Auftretende, gesucht.“ Seine Geschäfte liefen danach jedoch schlecht, denn im Mai 1853 bestätigte ihm das Kölner Handelsgericht mit „fallit“ seinen Konkurs.

Mindestens seit September 1854 betrieb Stollwerck in Köln erneut ein „Deutsches Kaffeehaus (verbunden mit dem Vaudeville-Theater)“, das er als „eines der größten und elegantesten Etablissements am Rheinstrome“ bewarb. 1856 eröffnete er mit der „Königshalle“ (2.400 Plätze; Bayenstraße) das größte Kölner Lokal.

Zur Weltausstellung Paris 1855 bekam er für seine Brustbonbons als einziger deutscher Aussteller eine Medaille. 1864 waren seine Bonbons so berühmt, dass sie in 900 Geschäften in deutschen und vielen europäischen Städten zu kaufen waren. Die Schokoladen-Produktion trat erst ab 1860 in den Vordergrund. Die Schokolade wurde industriell in der 1866 erweiterten Fabrik in der Hochstraße 9a und 164 (später Hohe Straße) gefertigt. 1863 bot Franz Stollwerck die Königshalle der Stadt Köln zum Kauf an, aber der Stadtrat lehnte am 24. September 1863 den Kauf in geheimer Sitzung ab. In den Räumen des Ballhauses wurde danach die Bonbon- und Likörfabrikation in erweitertem Umfang aufgenommen. Seine fünf Söhne drängten nach ihrer technischen oder kaufmännischen Ausbildung und glücklicher Rückkehr aus dem Deutschen Krieg von 1866 auf eine Beteiligung an seinen florierenden Unternehmen. Am 16. Dezember 1868 legalisierte ein Gesellschaftsvertrag die Beteiligung der drei Söhne Albert Nikolaus, Peter Joseph und Heinrich. Deren Beteiligung führte zur Umfirmierung in „Franz Stollwerck & Söhne GmbH“. Die Produktpalette umfasste inzwischen 375 Schokoladensorten. Alsbald kam es zu Konflikten zwischen dem Vater und seinen Söhnen. Am 7. Mai 1870 verließ der älteste, Albert Nikolaus (genannt Nicolas) Stollwerck, die Firma und gründete die Zuckerverarbeitungsfabrik „Dampf-, Zucker, Schneide-, Glasur- und Poudre Raffinade“ in der Corneliusstraße 12. Knapp zwei Jahre später folgten ihm seine Brüder Heinrich und Peter Joseph, und am 1. Januar 1872 wurde die Firma „Gebrüder Stollwerck“ als offene Handelsgesellschaft ins Kölner Handelsregister eingetragen, der einige Jahre später auch die jüngeren Brüder Ludwig und Carl beitraten. Den Firmensitz legte man in die Brückenstraße 12, während die Fabrikation in der Cornelius- und Annostraße lag. Die große Fabrikanlage auf über 55.000 Quadratmetern Fläche wurde in Köln „Kamelle-Dom“ genannt. Kurz vor dem Tod des Vaters 1876 wurden beide Stollwerck-Firmen zu einer vereinigt, die seit dem 1. Mai 1874 unter dem Namen „Kaiserlich-Königliche Hof-Chocoladen-Fabrik Gebr. Stollwerck“ firmierte. Am 29. November 1887 wurde die Firma Geb. Stollwerck zum Hoflieferanten der Königin ernannt. Die Zahl der Beschäftigten der Gebrüder Stollwerck stieg von 325 Mitarbeitern (1876) auf 2.000 im Jahre 1890.

Seine fünf Söhne (Albert Nicolaus, Peter Joseph, Heinrich, Ludwig und Carl) waren alle im Schokoladengeschäft engagiert. Albert Nikolaus (* 28. November 1840 in Köln; † 4. April 1883 in Jerusalem) leitete in der väterlichen Fabrik die Finanzen und die Organisation. Er betrieb daneben eigene Maschinen-Vertretungen, befasste sich mit dem Zucker-Großhandel, der Herstellung von Würfel-, Puder- und Glasurzucker sowie der Fabrikation von Emser und Kissinger Pastillen. Er erhielt später Prokura und übernahm Einkauf, Kalkulation, Korrespondenz und die allgemeine Vertriebsorganisation. Er war Initiator und Mitbegründer des Verbandes deutscher Schokoladenfabrikanten und Erfinder des ersten Gütesiegels für Schokolade.

Peter-Joseph (* 22. März 1842 in Köln; † 17. März 1906 in Bonn) war anfangs Reisender der väterlichen Firma und leitete danach den ins Einzelne gehenden Außendienst. Später führte er ein modernes Buchhaltungs- und Rechnungswesen ein und übernahm die Leitung der Finanzen und des Personals.

Heinrich (* 27. Oktober 1843 in Köln; † 9. Mai 1915 in Köln) absolvierte seine technische Ausbildung gegen den ausdrücklichen Willen des Vaters und mit finanzieller Unterstützung seines Bruders Albert Nikolaus. Er übernahm die Betriebsleitung der neuen Fabrik in der Hohestraße und konstruierte dort zahlreiche neue Anlagen. 1872 baute er im Unternehmen eine eigene Konstruktionsabteilung auf, die bereits 1875 den Großteil des eigenen Betriebsbedarfs deckte und deren Maschinen weltweit verkauft wurden. Der geniale Techniker und Tüftler steigerte beispielsweise mit seiner Erfindung des 1873 patentierten 5-Walzenstuhls die Produktionskapazitäten von Schokolade auf das Doppelte. Er fiel 1915 einem klassischen Betriebsunfall zum Opfer, als er in eine von ihm erfundene Mischmaschine geriet und seinen Verletzungen erlag.

Ludwig Stollwerck (* 22. Januar 1857 in Köln; † 12. März 1922 in Köln) wurde 1879 von seinem Bruder Albert Nikolaus in den Außendienst des Familienunternehmens eingearbeitet. Er war neuen Entwicklungen gegenüber sehr aufgeschlossen, die er zur Vermarktung der Produkte einsetzen konnte. Schon um 1879 stellte er den Wiederverkäufern für Läden, Buffets und andere Standorte eigene Vitrinen, Schaudosen und Präsentationsmittel zur Verfügung und richtete die „Stollwerck Kisten und Kartonagefabriken“ ein, die Hunderte von Verpackungsformen produzierte. Nach dem Unfalltod von Nikolaus Stollwerck während einer Pilgerreise übernahm er im Jahre 1883 die Leitung des Vertriebs. Von einer Studienreise nach Amerika inspiriert setzte er 1887 die Idee um, Verkaufsautomaten mit Warenproben und Schokolade zu befüllen. 1893 waren bereits 15.000 Automaten in Deutschland aufgestellt, 1894 standen 4.000 Stück alleine in New York. Damit geht der Ursprung der Verkaufsautomaten in Deutschland auf Stollwerck zurück. Er gründete 1895 eigens dafür die Firma Deutsche Automaten-Gesellschaft Stollwerck & Co. Das Automatengeschäft im Schokoladesektor lief gut, denn bis 1914 waren die Schoko-Automaten in den USA Marktführer. Dies ermutigte Ludwig, auch mit Branchenfremden Verträge abzuschließen, so zum Beispiel mit einer französischen Parfumfirma. Duftspendende Automaten wurden nachfolgend auch in Deutschland sehr beliebt.

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