An diesem Tag

Franz Six

Deutscher Zeitungswissenschaftler, SS-General, NS-Funktionär und Kriegsverbrecher

Anúncio

Franz Alfred Six (* 12. August 1909 in Mannheim; † 9. Juli 1975 in Bozen) war ein deutscher NS-Funktionär, Zeitungswissenschaftler und SS-Führer (zuletzt Brigadeführer).

Er leitete ab 1935 die Presseabteilung im Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, ab 1937 auch das Amt für „Weltanschauliche Forschung und Auswertung“, wo er für „Gegnerforschung“ zuständig war. Als Professor an der Universität Königsberg leitete er das Institut für Zeitungswissenschaft, von 1940 bis 1943 war er Dekan der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität. Während des Überfalls auf die Sowjetunion kommandierte er 1941 eine Einheit der Einsatzgruppe B der Sicherheitspolizei und des SD. Danach leitete er von 1943 bis 1945 die Kulturpolitische Abteilung im Auswärtigen Amt.

Nach dem Krieg wurde er 1957 Werbechef der Porsche-Diesel Motorenbau GmbH.

Six war Sohn eines Mannheimer Dekorateurs, Polsterers und Möbelhändlers. 1930 wurde er als Student wegen nationalsozialistischer Betätigung aus dem Jugendbund Deutsche Freischar ausgeschlossen. Er studierte an der Universität Heidelberg Jura und Zeitungswissenschaft, war Aktivist im Heidelberger Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund und machte eine Blitzkarriere.

Er promovierte 1934 bei Arnold Bergstraesser mit einer Arbeit zum Thema Die politische Propaganda der NSDAP im Kampf um die Macht. Die Dissertation war erstaunlich schnell fertig, obwohl Six wegen seiner vielfältigen politischen Aktivitäten eigentlich nur wenig Zeit investieren konnte. Trotz ihres geringen wissenschaftlichen Gehaltes wurde die Arbeit gut bewertet. Six wurde nach der Promotion Assistent am Institut für Zeitungswissenschaften in Berlin und habilitierte sich 1936 mit einer Arbeit, die das Thema Die Presse der nationalen Minderheiten im Deutschen Reich hatte. Ab 1935 baute er ein Institut für Zeitungswissenschaften an der Albertus-Universität Königsberg auf, wo er 1936 zum Dozenten und 1938 zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. Dort widmete er sich insbesondere der Erforschung der Presse der östlichen Nachbarländer. 1939 wurde er ordentlicher Professor und im Jahr darauf Dekan an der Berliner Auslandswissenschaftlichen Fakultät, die im Zuge der Integration der Deutschen Hochschule für Politik in die damalige Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin geschaffen wurde. Zugleich war er Leiter des auch personell eng mit dieser Fakultät verbundenen Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts (DAWI). Dabei befasste er sich wissenschaftlich mit den Gegnern des NS-Regimes.

Presseleiter im SD-Hauptamt (1935–1939) und Amtschef im RSHA (1939–1942)

Neben seiner wissenschaftlichen Laufbahn machte Franz Six innerhalb der NS-Hierarchie rasch Karriere. So war er bereits zum 1. März 1930 in die NSDAP eingetreten (Mitgliedsnummer 245.670) und 1932 Mitglied in der SA geworden. 1933 wurde er für den Sicherheitsdienst der NSDAP aktiv (SS-Nummer 107.480). Auf der Suche nach Personal für die einzelnen Aufgabenbereiche warb er in Kiel Herbert Hagen an. Im Jahr 1935 kam Six als Chef des Presseamtes zum SD-Hauptamt nach Berlin und prägte seither die wissenschaftliche und konzeptionelle Ausrichtung des Sicherheitsdienstes der NSDAP. Er sorgte dabei für eine systematische, nachrichtendienstlich orientierte Informationsbeschaffung und Schrifttumauswertung sowie kontinuierliche Lageberichterstattung. In den ihm unterstellten Sachgebieten des SD-Inland kam es nun zur konsequenten und strategischen Beobachtung des „Gegners“ sowie Bereitstellung des Wissens, das den Exekutivapparat von Gestapo und Kriminalpolizei in allen gesellschaftlichen Bereichen handlungsfähig machte. So wurde er ab 1937 de facto Inlands-Chef des Sicherheitsdienstes der NSDAP (SD). Vor der deutschen Okkupation Österreichs wurde ihm zur Führung das dort eingesetzte Sonderkommando der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes übertragen. Zeitgleich mit der militärischen Besetzung des Nachbarlandes am 12. März 1938 begaben sich die im Vorfeld der noch getarnt agierenden Einsatzkräfte an ihre vorgesehenen Handlungsorte in Österreich. Ihre Aufgabe war die Suche, Verhaftung und Terrorisierung der Gegner des von Deutschland aus erzwungenen „Zusammenschlusses“. 1939 wurde er zum SS-Standartenführer befördert.

Von 1939 bis 1942 war Six Amtschef im Reichssicherheitshauptamt (RSHA), zunächst des Amtes II („Gegnererforschung“), ab 1941 des Amtes VII („Weltanschauliche Forschung“). Er war zuständig für weltanschauliche „Forschung“ und Auswertung. Mit dem Ziel eines „wissenschaftlichen Nationalsozialismus“ entwickelte er ab 1937/1938 eine NS-orientierte Geschichtswissenschaft und Germanistik. Dazu gründete er dem Sicherheitsdienst zugeordnete Institutionen, dem verschiedene NS-Wissenschaftler im Sold des SD angehörten oder zuarbeiteten. Dazu zählte auch das 1936 gegründete Wannsee-Institut. Er war einer der sieben ranghöchsten Führer im gesamten SD-Hauptamt und trotzte durch seine inhaltliche Konsequenz viele Jahre den inneren Machenschaften. Vor allem förderte Six die Monopolstellung des SD in der Juden- und Rassenpolitik des NS-Staates. Er war auch an der Entwicklung der Logistik für die Judenverfolgung mitbeteiligt.

Six war zusammen mit Gestapo-Chef Heinrich Müller auch mit der Durchführung der „staatspolizeilichen Vorbereitungen“ des Überfalls auf Polen beauftragt und war als Mitglied des „Stabs Heydrich“ umfassend in die Pläne Hitlers, Himmlers und Heydrichs zur Liquidierung der gesamten polnischen Führungsschicht eingeweiht. Six war zudem 1940 als SD-Befehlshaber in Großbritannien vorgesehen, im Falle einer deutschen Invasion („Unternehmen Seelöwe“). Am 22. Juni 1941 übertrug ihm Heydrich die Leitung des Vorkommandos Moskau (VK Moskau / SK 7c) in der von Arthur Nebe geführten Einsatzgruppe B. Deren Aufgabe war es, „Partisanen, Saboteure, kommunistische Funktionäre im rückwärtigen Heeresgebiet“ zu erfassen. Doch war das von Six geleitete Vorkommando Moskau neben der Beschlagnahme von Material des NKWD und dessen Versendung nach Berlin im Juli und August 1941 auch an Erschießungsaktionen im Raum Smolensk beteiligt. Nach Lutz Hachmeister belegt die Ereignismeldung Nr. 73 vom 4. September 1941, dass Mitglieder des „Gruppenstabs“ der Einsatzgruppe B „und [des] Vorkommando[s] Moskau in der Zeit vom 22. Juni bis 20. August 144 Personen erschossen hätten, außerdem habe das V[or]K[ommando]M[oskau] allein 48 Personen liquidiert, darunter 38 intellektuelle Juden, die versucht hätten, im neu errichteten Ghetto von Smolensk Unzufriedenheit und Unruhe hervorzurufen“.

Leiter der „Kulturpolitischen Abteilung“ im Auswärtigen Amt (1942/43–1945)

Auf Empfehlung des Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amt, Martin Luther, und unter ausdrücklicher Befürwortung von Reichsführer SS Heinrich Himmler wie auch Außenminister Joachim von Ribbentrop wechselte Six im September 1942 zum Auswärtigen Amt, um dort zunächst eine nicht offizielle „Schlüsselfunktion bei der Diplomatenschulung“ im Sinne der SS zu übernehmen, eine Maßnahme, die Historiker wie Hans-Jürgen Döscher und auch Six-Biograph Lutz Hachmeister als wichtigen Schritt zur Vernetzung von Auswärtigem Amt, SS und RSHA ansehen. 1943 wurde er Gesandter erster Klasse im Auswärtigen Amt und Leiter der „Kulturpolitischen Abteilung“, einer Propaganda-Abteilung, unter Joachim Ribbentrop im Range eines Ministerialdirigenten. Insbesondere bei der Verschleierung und Rechtfertigung der Judenverfolgungsmaßnahmen arbeitete er eng mit der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes unter Leitung von „Paul Karl Schmidt“ alias Paul Carell sowie Ribbentrops Propagandabeauftragtem Karl Megerle zusammen.

Als Leiter der „Kulturpolitischen Abteilung“ des Auswärtigen Amtes ließ er unter anderem im April 1943 als scheinbar neutrale Schriften getarnte Materialien für „eine breit angelegte antibolschewistische Propaganda-Aktion“ im Ausland verbreiten, die der Botschafter in Spanien Hans-Heinrich Dieckhoff euphorisch als „einen unserer größten propagandistischen Erfolge“ beschrieb, die 50.000 Exemplare seien blitzschnell vergriffen gewesen, er brauche dringend neue. Six, der „offenkundig als Verbindungsmann zum RSHA“ gefragt war, entwickelte Pläne, um den 22. Juni 1943 zur Erinnerung an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 als „Jahrestag des europäischen Freiheitskampfes gegen die Überflutung Europas durch den Bolschewismus“ zu propagieren.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken