Franz Ronneberger (* 15. März 1913 in Auma; † 30. März 1999 in Nürnberg) war ein deutscher Jurist und Sozialwissenschaftler mit Lehr- und Forschungsschwerpunkten in Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft und in der Südosteuropa-Forschung. Während des Nationalsozialismus arbeitete er in maßgeblicher Funktion nachrichtendienstlich. In der Bundesrepublik Deutschland begründete er die Kommunikationswissenschaft und entwickelte eine Theorie der Public Relations.
Ronnebergers Vater, der Installateur und Fabrikbesitzer Karl Konrad Ronneberger, fiel im August 1915 im Ersten Weltkrieg. Nach der Volksschule in Auma besuchte Ronneberger bis zur erneuten Heirat seiner Mutter das Gymnasium in Weimar, anschließend die Oberrealschule in Pößneck, wo er 1932 das Abitur ablegte. Als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes begann er anschließend ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Kiel. Er schloss sich noch im selben Jahr dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSStDB) an, in dem er sich schon bald für Volkstumspolitik engagierte. Ein Schulungslager der Deutschen Studentenschaft weckte sein Interesse an Südosteuropa, so dass er 1934 nach München wechselte, wo er sich bessere wissenschaftliche Möglichkeiten erhoffte.
1935 wurde Ronneberger wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen Südost-Institut und knüpfte enge Kontakte mit Fritz Valjavec. Zugleich übernahm Ronneberger das Außenamt der Studentenschaft der Universität München. Das Außenamt schulte Studenten vor und für Auslandsaufenthalte. In der „Außenstelle Süd/Ost“ etwa bereiteten Ronneberger und Valjavec Studenten darauf vor, im Rahmen sogenannter „Landdienste“ mit wissenschaftlicher Tarnung deutsche Minderheiten im Donauraum nationalsozialistisch zu indoktrinieren. Mit Valjavec baute Ronneberger außerdem 1936 einen „Süd-Ost-Pressebericht“ auf, bei dem es um die systematische Auswertung der Auslandspresse und der Publikationen der deutschstämmigen Minderheiten in Südosteuropa ging.
1937 wurde Ronneberger Leiter der „Außenstelle Südost“ der Reichsstudentenführung, am 27. Mai 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.152.299). Seit März 1933 hatte er bereits dem NSDStB und der SA angehört. 1938 übernahm er außerdem die Leitung der „Deutschen Akademischen Auslandsstelle“ in München, die dort studierende Ausländer kulturell betreute.
Wissenschaftlich widmete sich Ronneberger der Südosteuropaforschung unter nationalsozialistischen Vorzeichen. 1935/36 reichte er die gemeinsam mit vier Kommilitonen verfasste Studie Die ordnende Kraft der völkischen Idee im südosteuropäischen Raum beim 1. Reichsleistungskampf der Studenten ein. Dadurch entstand zugleich ein Kontakt zum Organisator des Wettbewerbs, Franz Six. 1935 legte er auch das Erste juristische Staatsexamen ab. 1938 promovierte er mit einer Arbeit über Südosteuropa im politischen Ordnungsbild Bismarcks, die 1941 in der Schriftenreihe des Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts erschien. Darin stellte er Otto von Bismarcks Außenpolitik als Vorwegnahme völkischer Großraumpolitik dar.
Ronneberger unterhielt enge persönliche Kontakte zu den nationalsozialistischen Bewegungen innerhalb der deutschen Volksgruppen in Rumänien, der Slowakei und Ungarn. Im Frühjahr 1939 berief ihn Reichsstatthalter Arthur Seyß-Inquart in seinen Wiener Mitarbeiterstab. Hier wurde Ronneberger mit dem „Aufbau einer Dienststelle zur Erforschung des Pressewesens in Südosteuropa und der laufenden Presse- und politischen Berichterstattung“ beauftragt, für das er ein Netz von Verbindungsleuten in Südosteuropa organisierte.
Im Laufe des Jahres 1940 wurde das „Büro Ronneberger“ auf Grund seiner langjährigen Verbindungen in Südosteuropa vom Auswärtigen Amt übernommen und im Rahmen eines neu aufgebauten Südost-Dienstes mit nachrichtendienstlichen Aufgaben und der Erstellung von Stimmungsberichten betraut. Für sein Netz von Verbindungs- und Vertrauensleuten unternahm Ronneberger auch zahlreiche Reisen, um persönliche Kontakte zu pflegen. Ronnebergers Korrespondenzstelle wertete Agentenberichte aus, erstellte Presseschauen südosteuropäischer Zeitungen mit Übersetzungsdienst, führte eine Personen- und Sachkartei von Institutionen und politischen Organisationen in Südosteuropa, unterhielt eine Spezialbibliothek und erstellte politische Wochenberichte über Südosteuropa und auf Anfrage Analysen für Ministerien, Geheimdienste und das Reichssicherheitshauptamt (RSHA). Ronnebergers Materialsammlungen dienten dem Auswärtigen Amt unter anderem bei den Verhandlungen zum Wiener Schiedsspruch und als Nachrichtenressource für den „Donausender“, einen Propagandasender in der Slowakei.
Für die Südosteuropa-Gesellschaft gab Ronneberger vertrauliche Wirtschaftsnachrichten heraus, die nicht zuletzt von deutschen Unternehmen bezogen wurden. Zu Tarnungszwecken war Ronneberger offiziell Leiter der Presse- und Informationsabteilung „im Grenzlandamt der NSDAP-Gauleitungen von Wien und Niederdonau“ unter Helmut Triska sowie Gauhauptstellenleiter der NSDAP. Bei der im Dezember 1941 gegründeten Union Nationaler Journalistenverbände (UNJ) arbeitete Ronneberger im „Institut zur Erforschung und Förderung des internationalen Pressewesens“ mit.
Im Mai 1944 wurde Ronnebergers Pressedienststelle mit der von Wilfried Krallert geleiteten Publikationsstelle Wien der Südostdeutschen Forschungsgemeinschaft vereinigt. Ronneberger wurde Krallerts Vertreter in Wien, der im November 1943 die Leitung der Gruppe VI G (wissenschaftlich-methodischer Forschungsdienst) im Amt VI (Auslandsnachrichtendienst) des RSHA übernommen hatte.
Seit April 1940 nahm Ronneberger außerdem einen Lehrauftrag der „Südost-Stiftung des Mitteleuropäischen Wirtschaftstages Berlin“ an der Hochschule für Welthandel in Wien wahr. Am 28. September 1944 habilitierte er sich an der Hochschule mit einer Arbeit Wege staatswissenschaftlicher Forschung in Südosteuropa bei Hellmut Georg Isele, Erich Preiser und Hermann Gross für Staatswissenschaften. Ursprünglich hatte er die Grundlagen eines neuen „Volksgruppenrechts“ erarbeiten wollen, davon aber abgesehen, weil ihm dies zu sehr an den Grundlagen des Völkerrechts zu rütteln schien.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war Ronneberger vom Referendariat freigestellt worden und arbeitete zunächst für die Dienststelle des Amtes Ausland/Abwehr beim Stellvertretenden Generalkommando des XVII. Armeekorps. Bereits 1939 hatte er die Aufnahme in die SS beantragt, die am 15. Januar 1942 im Rang eines SS-Untersturmführers erfolgte (SS-Nummer 415.905). Im April 1942 wurde er durch den SD-Leitabschnitt Wien als hauptamtlicher Mitarbeiter übernommen, für den er bereits mindestens seit 1940 inoffiziell gearbeitet hatte. Er gehörte zur „Akademischen Legion“ beim Höheren SS- und Polizeiführer Wiens und wurde am 20. Januar 1945 ins RSHA kommandiert.
Nach Berlin sollte Ronneberger aber nicht mehr gelangen. Er hatte gegen Kriegsende die Verlegung der Publikations-Stelle in die vorgesehene „Ausweichstelle“ im 1938 von der SS beschlagnahmten Benediktinerstift im steiermärkischen Sankt Lambrecht zu organisieren, wo Bücher und Materialien der Publikations-Stelle untergebracht werden sollten. In Sankt Lambrecht wurde Ronneberger am 30. Mai 1945 von britischen Soldaten verhaftet und später in Sandbostel bei Bremervörde interniert.
In seinem Entnazifizierungsverfahren 1947 gelang es Ronneberger, sich als unpolitischen Wissenschaftler darzustellen. Seinen Beitritt zur NSDAP stellte er als Überführung aus dem NSDStB dar, seine SS-Mitgliedschaft als rein formal. Nach einem Freispruch wurde er im Revisionsverfahren 1948 lediglich wegen „Zugehörigkeit zur SS in Kenntnis von deren Verbrechen“ zu einer Geldstrafe in Höhe von 5000,- RM verurteilt, die durch die Internierungszeit als verbüßt angesehen wurde. Er galt der Spruchkammer als „ein lediglich [in] seinen Forschungen und wissenschaftlichen Arbeiten lebender Mann, der zwar mit der Politik vom wissenschaftlichen Sektor her betrachtet nicht unerheblich in Berührung gekommen ist, der sich jedoch mit außerhalb seiner Forschungen liegenden Dingen nicht näher befasst hat.“ Allerdings entzog die Republik Österreich Ronneberger die Lehrberechtigung, die er an der Hochschule für Welthandel erworben hatte.