Franz Raveaux (* 29. April 1810 in Köln als François Raveaux; † 13. September 1851 in Laeken bei Brüssel) war ein deutscher Publizist und Karnevalist, der als Vertreter der Demokratiebewegung an der Revolution von 1848 und der Reichsverfassungskampagne teilnahm. Er war Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, des Fünfzigerausschusses und der Reichsregentschaft 1849.
Franz Raveaux stammt aus einem republikanischen Elternhaus. Sein Vater Pierre Raveaux (* 1774 in Autun/Burgund, † 1851 in Köln) war als Berufssoldat und Magazinverwalter mit den französischen Revolutionstruppen über Mainz und Bonn 1794 nach Köln gekommen. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Anne Maria Maaß (* 1776 in Köln, † 1849) kennen, die er 1797 in Bonn heiratete. Franz Raveaux kam als viertes von sechs Kindern in der Kölner Severinstraße Nr. 6938 ½ (ehemaliges Karmeliterkloster) zur Welt und opponierte schon als Jugendlicher gegen despotische Schulformen, als er ab Oktober 1820 das Kölner Karmelitergymnasium besuchte. Im Juli 1823 wurde er wegen der Verwicklung in eine Schlägerei mit einer Gruppe Kölner Handwerksgesellen und dem Abfeuern einer Schlüsselbüchse von der Schule verwiesen und scheiterte auch bei dem anschließenden Versuch, ab 1825 die Düsseldorfer Malerschule zu absolvieren. Er verließ sie noch im Dezember 1825.
Schließlich trat Raveaux 1829 in den Dienst der preußischen Armee, wo er zu einem Dragonerregiment kam. Hier legte er sich mit Vorgesetzten an, was zu einem Ermittlungsverfahren gegen ihn führte. Um sich der drohenden Verurteilung zu entziehen, desertierte Raveaux aus einer siebenmonatigen Untersuchungshaft in der Deutzer Militärfestung nach Belgien, wo er sich im September 1830 der Belgischen Revolution gegen das Königreich Holland anschloss und in Brüssel für die Befreiung Belgiens von niederländischer Vorherrschaft kämpfte. Im Jahre 1831 ging er nach Paris und trat der neu gegründeten französischen Fremdenlegion bei.
Für diese zog er nach Spanien, um dort ab 1833 am Ersten Carlistenkrieg teilzunehmen. In dessen Verlauf geriet er 1835 in Gefangenschaft. Im Spätherbst 1836 kehrte er nach Köln zurück, worüber ein Polizeispitzel für den Berliner Staatsschutz einen Bericht verfasste. Diesem Bericht zufolge kam Raveaux am 21. November 1836 mit dem Dampfschiff von Mainz nach Köln im Besitz eines spanischen Passes.
Zunächst verbüßte er hier einen dreiwöchigen Arrest, weil er 1830 desertiert war. Danach heiratete er am 5. Oktober 1837 die Deutzer Porzellanhändlerstochter Brigitta Neukirchen (* 28. Dezember 1818 in Köln-Deutz, † 3. Oktober 1879 in Wiesbaden-Biebrich). Unklar ist die Art, Dauer und Reihenfolge der beruflichen Tätigkeiten von Raveaux in den nächsten Jahren. Offenbar versuchte er „mit Hilfe seines Schwiegervaters ... (den) Einstieg in den Handel mit Porzellanöfen ... ohne Erfolg“. Neukirchen gibt seinem Schwiegersohn schließlich 1837 Geld für ein Zigarrengeschäft auf der Kölner Hohe Straße 78 (damals Hochstraße), das zunächst erfolgreich beginnt, aber 1838 doch in Konkurs geht. Danach arbeitet Raveaux wohl ab 1840 als Schriftleiter und als Redakteur im Greven Verlag. Er zog Ende 1839 nach Blankenheim (Ahr) und gründete dort ein Modegeschäft, das 1841 ebenfalls in Konkurs geriet. Sein anhaltender Streit mit dem örtlichen Bürgertum veranlasste Raveaux zu seiner ersten, 1842 anonym erschienenen und in Knittelversen verfassten Broschüre Die Bürgermeisterwahl zu Blankenheim.
Seit dem Sommer 1841 war Raveaux als Auswanderungsmakler in der Eifel und in Antwerpen tätig, wobei er den verarmten Ahrwinzern die Ausreise in die USA vermittelte. Die zunächst in der zeitgenössischen Literatur kritisierte Tätigkeit wird durch die Aktenlage im Landeshauptarchiv Koblenz relativiert. Vielmehr hatten Raveaux (und Partner Peter Josef Wichterich) in der Eifel recht erfolgreich für die Amerika-Auswanderung deutscher Bürger geworben. Am 13. Juni 1842 ließen die beiden Flugblätter drucken, auf denen zahlreiche Auswanderer die gute Qualität der Vermittlungsarbeit von Raveaux und Wichterich bestätigten. Am 26. Juni 1842 wurden die „Zettel“ von den Behörden entdeckt und gegen beide Unterzeichner Ermittlungen eingeleitet. Eine am 30. Juni 1842 erstattete Anzeige gegen Raveaux und Wichterich, die von jetzt ab behördlich streng überwacht wurden, um ihnen Straftaten nachweisen zu können, wurde verworfen. Insgesamt erbrachten die polizeilichen Ermittlungen keine brauchbaren Erkenntnisse, so dass die Behörden (intern) den beiden auch nicht mehr vorwarfen, zur Auswanderung „zu verleiten“. Am 16. März 1843 schreibt Oberpräsident Eduard von Schaper an die königliche Regierung in Koblenz, dass man Gesetzesübertretungen durch Raveaux und Wichterich nicht nachweisen könne.
Im Jahre 1843 zog Raveaux verarmt zurück nach Köln. Hier übernahm er den Posten als Chefredakteur des im Greven-Verlag erscheinenden „Cölnischen Anzeigers“. Im Januar 1844 gelang es ihm, mit einem elterlichen Kredit von 800 Thalern sich als Tabakhändler und Grundstücksspekulant in der Kölner Gesellschaft zu etablieren und auch finanzielle Erfolge zu verbuchen. Der Laden befand sich 1845 an bester Adresse, der Kölner Hohe Straße. Raveaux führte den Laden bis Februar 1849. Die behördlichen Instanzen hatten Raveaux zu diesem Zeitpunkt längst als Staatsfeind identifiziert und mit Diskriminierungen begonnen; doch konnte dies seine Popularität nicht schmälern. 1844 erlangte er erstmals öffentliche Aufmerksamkeit, als er bei der Wahl des Vorstands zum Verein der Dombaufreunde den dortigen Kölner Klüngel bei der Vergabe der Vorstandsposten beendete. Zu den Oppositionellen gehörte er am 1. Januar 1844 auch in der Großen Karnevalsgesellschaft, als er zur Wahl des Vorstands die Stimmenmehrheit forderte und dadurch selbst in den „kleinen Rath“ gelangte. Dort war er Widerpart des konservativen Präsidenten Peter Leven. Zunächst Mitglied des älteren „Hanswurstlichen Parlaments“, warf der aktive Büttenredner Raveaux seiner Gesellschaft Klüngel, die Bevorzugung Reicher und Despotie vor, verließ sie im Streit und gründete gemeinsam mit den „Eisenrittern“ im Jahre 1844 die neue Gesellschaft „Die jüngere Gesellschaft“, auch „Die Allgemeine Karnevalsgesellschaft“ genannt. In der klüngelfreien Allgemeinen Carnevalsgesellschaft gab es einen niedrigeren Mitgliederbeitrag als in der etablierten. Nach der Trennung in zwei Karnevalsgesellschaften hatte es in Köln zwei Jahre lang zwei Rosenmontagszüge gegeben. Ein einheitlicher Rosenmontagszug ging 1846 unter dem Motto „Zug der Allgemeinen Karnevalsgesellschaft“.
Am 10. November 1844 wird Raveaux in das vorbereitende Komitee des Kölner Allgemeinen Hülfs- und Bildungsvereins gewählt, der das Wohl der „arbeitenden Klassen“ fördern soll. Raveaux tritt erst am 2. August 1846 wieder in Erscheinung, als man in Köln die traditionelle Martinskirmes feierte. Das war eine alljährlich in der Kölner Altstadt veranstaltete Kirmes, die im August 1846 Anlass für Konflikte zwischen Staat, wohlhabendem Bürgertum und katholischer Kirche auf der einen und der ärmeren Bevölkerungsschicht auf der anderen Seite gab. Ruhig heimkehrende und an den Ausschreitungen unbeteiligte Bürger wurden von Polizei und preußischen Soldaten verfolgt und attackiert. Auslöser waren verbotene Feuerwerkskörper und Steinwürfe Jugendlicher. Sieben Personen werden zum Teil schwer verletzt, ein unbeteiligter Fassbindergeselle wird getötet und später am 6. August 1846 in Begleitung von 5.000 Menschen auf dem Melaten-Friedhof zu Grabe getragen. Raveaux sorgte bei der Stadtregierung dafür, dass die Soldaten in ihren Kasernen blieben. Unter der Führung von Franz Raveaux wird am 5. August 1846 zum Schutz der Bürger die Bildung einer unbewaffneten Bürgerwehr durchgesetzt.
Raveaux fasst unter dem 26. August 1846 die Ereignisse in der Stadt in einer 88-seitigen Schrift zusammen. Hierin schildert er, wie die Ordnungskräfte versuchten, den Umzug am zweiten Kirmestag, dem 3. August 1846, auf dem Alter Markt zu unterdrücken. Diese Eingriffe der Ordnungshüter waren Raveaux’ Ansicht nach die Ursache für die schweren Ausschreitungen am 4. August 1846, als gegen 18 Uhr Polizei und Soldaten den Alter Markt besetzten. Als Steine flogen, wurde das Volk mit Waffengewalt zurückgetrieben. In der Folge wurden Häuser von Soldaten in zahlreichen Straßen durchsucht und Wohnungsimmobiliar von Unbeteiligten demoliert. Raveaux gehörte der Berichterstattungskommission an, die die Vorkommnisse aufarbeiten sollte und wurde zu deren Präsidenten ernannt. Doch wurde die Arbeit der Kommission durch eine von „General-Procurator“ (heute: Staatsanwalt) Heinrich Karl Wilhelm Berghaus veranlasste Hausdurchsuchung bei den Mitgliedern am 25. August 1846 behindert, wobei gesammeltes Beweismaterial beschlagnahmt wurde. Die von der Kommission vorgenommenen Vernehmungen von etwa 150 Zeugen wurden als Ausübung richterlicher Funktionen ausgelegt.