Franz König, protokollarisch auch Franz Kardinal König (* 3. August 1905 in Warth bei Rabenstein; † 13. März 2004 in Wien) war ein österreichischer römisch-katholischer Geistlicher. Von 1956 bis 1985 war er Erzbischof von Wien.
Franz König stammte aus einer Bauernfamilie im niederösterreichischen Rabenstein an der Pielach. Sein Vater war Franz König (1867–1913), seine Mutter Maria König (geborene Fink, 1878–1967). Franz König war das zweite von sieben Kindern des ab 1903 verheirateten Paares. Am 5. August 1905 wurde er in der Pfarrkirche Rabenstein an der Pielach getauft.
König besuchte das Stiftsgymnasium Melk, das er mit einer Maturaarbeit in lateinischer Sprache mit ausgezeichnetem Erfolg abschloss. Er studierte in Wien, am Institut Catholique in Lille und dann in Rom, wo er Doktor der Philosophie wurde. Am 27. Oktober 1933 empfing er in Rom durch den Erzpriester der Lateranbasilika Kardinal Francesco Marchetti Selvaggiani die Priesterweihe.
Von 1934 bis 1937 war er in seiner Heimatdiözese als Kaplan in Altpölla, Neuhofen an der Ybbs, St. Valentin und Scheibbs in der praktischen Seelsorge an der Basis tätig. In dieser Zeit vollendete er auch seine theologischen Studien und wurde 1936 zum Dr. theol. promoviert. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Domkurator in St. Pölten, 1945 Religionsprofessor in Krems.
1948 erfolgte für vier Jahre die Berufung als außerordentlicher Professor für Moraltheologie an die Katholisch-theologische Fakultät in Salzburg. Während seiner Zeit in Salzburg unterrichtete König am erzbischöflichen Privatgymnasium Borromäum Englisch.
Am 31. Mai 1952 ernannte Papst Pius XII. König zum Titularbischof von Livias und zum Koadjutorbischof in St. Pölten.
Am 31. August 1952 spendete ihm im Dom zu St. Pölten Diözesanbischof Michael Memelauer die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren Weihbischof Leo Pietsch von Graz-Seckau und der damalige Koadjutorbischof von Linz, Franz Sales Zauner. Im September 1953 wurde von Franz König, damals Familienreferent der Österreichischen Bischofskonferenz, auf seine Initiative hin und unter seiner Schirmherrschaft der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) gegründet.
Erzbischof von Wien und Kardinal
1956 wurde König schließlich von Pius XII. als Nachfolger von Theodor Innitzer (1875–1955) statt des Wiener Koadjutorerzbischofs Franz Jachym zum Erzbischof von Wien berufen. Er leitete die Diözese fast drei Jahrzehnte, vom 17. Juni 1956 bis zum 16. September 1985. Am 4. August 1957 wurde Erzbischof Franz König in Wien als Großkreuzritter in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem investiert. Im Konsistorium vom 15. Dezember 1958 nahm ihn Papst Johannes XXIII. als Kardinalpriester in das Kardinalskollegium auf. Die Übergabe des roten Galero und die Übertragung der Titelkirche Sant’Eusebio folgten drei Tage später.
Am 21. Februar 1959 wurde König von Papst Johannes XXIII. per Dekret zum ersten Militärvikar (Vicarius castrensis) der Zweiten Republik bestellt. Bis zur Neuregelung der katholischen Militärseelsorge durch die Apostolische Konstitution „Spirituali militum curae“ am 21. April 1986 lagen die vollen bischöflichen Rechte für die katholische Militärseelsorge beim Papst. Die für die Militärseelsorge verantwortlichen Bischöfe waren daher als „päpstliche Vikare“ für diesen Bereich tätig. Ein besonderes Anliegen war König die seelsorgerische Betreuung des Heeresspitals in Stammersdorf in Wien. Weiters bemühte sich König um ein Zusammenwirken der katholischen und evangelischen Christen in der Militärseelsorge. 1968 ersuchte König Papst Paul VI., ihn wegen Arbeitsüberlastung von diesem Amt zu entheben; diesem Rücktrittsgesuch wurde 1969 stattgegeben.
Am 13. Februar 1960 erlitten König und sein Zeremoniär Helmut Krätzl auf der Fahrt nach Zagreb zum Begräbnis von Kardinal Königs Studienkollegen Kardinal Stepinac in der Nähe von Varaždin einen schweren Verkehrsunfall. Sein Chauffeur überholte einen Radfahrer. und dabei prallte sein schwerer Mercedes bei Glatteis und Nebel gegen einen LKW. Der Fahrer war auf der Stelle tot, die beiden Geistlichen wurden lebensgefährlich verletzt, Krätzl war danach lange Zeit gehbehindert. Im Krankenhaus sah König diesen Unfall als Zeichen, eine Kontaktaufnahme mit den Ostkirchen anzustreben. Infolgedessen wurde er einer der bedeutendsten Wegbereiter der Ökumene, vor allem im Hinblick auf die Orthodoxie.
Gemäß dem Wunsch Johannes XXIII. besuchte er den ungarischen Kardinal Mindszenty mehrmals, der in der amerikanischen Botschaft in Budapest isoliert war. In den 1960er Jahren pflegte er ebenfalls freundschaftlichen Kontakt zu Polens Primas Wyszyński und zum damaligen Krakauer Erzbischof Wojtyła, was angesichts des Eisernen Vorhangs seine diplomatische Umsicht verlangte.
Von 1962 bis 1965 nahm er am Zweiten Vatikanischen Konzil teil, das er zuvor maßgebend vorbereitet hatte. König galt dabei als moderater Vertreter des Reformflügels, sein von ihm gewählter theologischer Berater beim Konzil war der Jesuit Karl Rahner. Als Papst Johannes XXIII. im Jahr 1963 starb, galt König als papabile. Im Konklave gewählt wurde jedoch der Mailänder Erzbischof Gianbattista Montini. In der Folge übernahm König von 1965 bis 1981 den Vorsitz des päpstlichen Sekretariates für die Nichtglaubenden.
Weil er in Österreich auch maßgeblich zur Aussöhnung zwischen Sozialdemokratie und Kirche beitrug, wurde er zuweilen „der rote Kardinal“ genannt. Bereits 1968 wurde König zum Ehrenbürger von Wien ernannt; er wurde auch mit zahlreichen Ehrendoktorwürden ausgezeichnet.
Im Dreipäpstejahr nahm Franz Kardinal König nach dem Tod Pauls VI. am 6. August 1978 am Konklave August 1978 in Rom teil, aus dem Albino Luciani als Papst Johannes Paul I. hervorging, und nach dessen frühem Tod abermals am Konklave Oktober 1978, das Karol Wojtyla zum neuen Pontifex wählte, der sich den Namen Johannes Paul II. gab.
Papst Johannes Paul I. soll nach seiner Wahl im August 1978 zu König gesagt haben: „Eigentlich müssten jetzt Sie an meiner Position sein.“ Kardinal König hat selbst in einem Fernsehinterview bestätigt, dass er dazu beigetragen hat, dass im Oktober 1978 der ihm gut bekannte Krakauer Kardinal Wojtyła (der sich als Papst Johannes Paul II. nannte) zum Papst gewählt wurde.
Kardinal Franz König gehörte seit den 1950er Jahren zu den aktiven, wenn auch nicht unkritischen, Unterstützern der Vereinigung Opus Dei und kannte nach eigenen Angaben dessen Gründer persönlich. Am 15. August 1978 – nur eine gute Woche vor dem Konklave nach dem Tod Papst Pauls VI. – weihte er im spanischen Torreciudad 60 Mitglieder des Opus Dei zu Priestern, darunter den heutigen Erzbischof von Los Angeles José Horacio Gómez sowie den Bischof von Chur Joseph Bonnemain.
Seine ausdrückliche Unterstützung bekräftigte er auch in einem Interview mit dem Nachrichtendienst Zenit anlässlich der Heiligsprechung des Opus-Dei-Gründers Escrivá: „Ich freue mich über jeden neuen Heiligen. Die Heiligsprechung bedeutet, dass Escrivá keine fremdartige Gestalt ist, die am Rande steht, sondern dass er zum Schatz der Kirche und zur Schar der Heiligen gehört.“