Franz Josef Friedrich Jung (* 5. März 1949 in Erbach) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CDU). Er war von 1983 bis 2006 Mitglied des Landtags in Hessen, von 1999 bis 2000 hessischer Landesminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Leiter der Hessischen Staatskanzlei, vom 22. November 2005 bis zum 28. Oktober 2009 Bundesverteidigungsminister und im Anschluss bis zum 30. November 2009 Bundesarbeitsminister.
Das Amt des Bundesarbeitsministers legte er nach dem Luftangriff bei Kundus während seiner Amtszeit als Bundesverteidigungsminister nach nur 33 Tagen im Amt nieder. Seine Amtszeit als Arbeitsminister war somit die bisher kürzeste eines Ministers in der Bundesrepublik Deutschland.
Jung war von 1998 bis 2014 stellvertretender Vorsitzender der CDU Hessen.
Nach dem Abitur an der Rheingauschule Geisenheim, einem Gymnasium, im Jahr 1968 leistete Franz Josef Jung zunächst seinen Wehrdienst als Reserveoffizieranwärter beim Pionierbataillon 5 in Lahnstein ab und wurde anschließend zum Flugabwehrbataillon 5 in Lorch im Rheingaukreis versetzt. Als Gefreiter (OA) des Flugabwehrbataillons 7 absolvierte er im Jahr 1969 die Unteroffizier-Vorausbildung an der Unteroffizierschule des Heeres in der Lützow-Kaserne in Münster-Handorf. Nach 15 Monaten, zuletzt in Rendsburg, wurde er aufgrund familiärer Verpflichtungen vorzeitig aus dem Dienst entlassen.
Anschließend begann er im Jahr 1970 ein Studium der Rechtswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das er vier Jahre später mit dem ersten und im Jahr 1976 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Im Jahr 1978 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur. bei Hans Heinrich Rupp am Fachbereich für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mainz mit der Arbeit Die Regionalplanung in Hessen, dargestellt am Beispiel der Regionalen Planungsgemeinschaft Rhein-Main-Taunus. Jung ist Rechtsanwalt und Notar in Eltville und wohnt in Eltville-Erbach. Von August 2000 bis zum 12. Dezember 2005 war er im Verwaltungsrat und ab Mai 2003 im Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt tätig.
Am 9. Mai 2017 wurde Jung noch während seines aktiven Bundestagsmandats in den Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns Rheinmetall gewählt.
Jung ist katholisch, verheiratet seit 1972 mit Beate Jung, geborene Spiegler, und hat drei Kinder (Meike, Anika und Marco Jung).
Jung engagierte sich zunächst in der Jungen Union (JU Deutschland), deren Bundesvorstand er von 1973 bis 1983 angehörte. Von 1981 bis 1983 war er stellvertretender JU-Bundesvorsitzender.
Von 1987 bis 1991 war er Generalsekretär der CDU in Hessen. Von 1998 bis 2014 war Jung stellvertretender CDU-Landesvorsitzender in Hessen und gehört seit 1998 dem CDU-Bundesvorstand an. Von 2014 bis 2017 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie Beauftragter der Fraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften.
Jung unterstützte Roland Koch bei seinen ersten politischen Aktivitäten und wurde zu seinem engen Vertrauten. So wie er war Jung Mitglied der sogenannten Tankstellen-Connection der hessischen Jungen Union und des sogenannten Andenpakts.
Von 1972 bis 1987 gehörte Jung dem Kreistag des Rheingau-Taunus-Kreises an.
Von 1983 bis 2005 war er Mitglied des Hessischen Landtages und wurde dabei stets im Wahlkreis Rheingau-Taunus I direkt gewählt. Hier war er von 1987 bis 1999 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Vom 5. April 2003 bis 2005 war er Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Er ist auch Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag.
2005 zog Jung über die Landesliste Hessen in den Bundestag ein. 2009 und 2013 gewann Jung das Direktmandat für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis Groß-Gerau.
Im 18. Bundestag war Jung stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Beauftragter für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie stellvertretendes Mitglied im Rechtsausschuss, im Petitionsausschuss, im Auswärtigen Ausschuss und im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages.
Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte Jung nicht wieder als Abgeordneter.
Jung hatte 2019 vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden auf ein höheres Ruhegehalt geklagt. So erhält ein Politiker Bezüge aus einem höheren Amt, wenn er dieses vor seiner Zeit als Landtagsabgeordneter innehatte, andernfalls werden die Bezüge aus den Ansprüchen als Landtagsabgeordneter ermittelt. Als Jung 2005 aus dem Landtag ausschied, galt diese Regelung noch nicht, wodurch ihm nach eigenen Angaben 2000 Euro zusätzlich zustünden. Das Verwaltungsgericht wies die Klage ab, da keine Ungleichbehandlung vorliegen würde.
Am 7. April 1999 wurde Jung als Hessischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Hessischen Staatskanzlei in die von Ministerpräsident Roland Koch geführte Landesregierung (Kabinett Koch I) berufen.
Im November 1999 begann die öffentliche Aufarbeitung der bundesweiten CDU-Spendenaffäre, wobei sich herausstellte, dass die CDU „Schattenkonten“ auch in Hessen besaß. Jung trug als Generalsekretär der hessischen CDU von 1987 bis 1991 Mitverantwortung für die Finanzierung von Wahlkämpfen und des Baus einer neuen Parteizentrale. Dabei wurden auch Schwarzgelder (deklariert als „jüdische Vermächtnisse“) verwendet. Insgesamt flossen während Jungs Amtszeit als CDU-Generalsekretär mehr als 1,5 Millionen DM Schwarzgeld in die Parteikasse.