Franz I. (* 12. September 1494 auf Schloss Cognac; † 31. März 1547 auf Schloss Rambouillet), auch genannt der Ritterkönig, französisch François Ier, le Roi-Chevalier, war ein französischer König aus dem Haus Valois-Angoulême, einer Nebenlinie des Hauses Valois.
Er wurde am 25. Januar 1515 in der Kathedrale von Reims zum König von Frankreich gesalbt und regierte das Land bis zu seinem Tod 1547. Innenpolitisch legte die Regierungszeit des Königs das Fundament für die absolute Monarchie und die Hugenottenkriege. Außenpolitisch kämpfte Franz in den Italienischen Kriegen gegen die Universalmonarchie des Habsburgers Karl V. Franz I. gilt als bedeutender Renaissancefürst, der Künste und Wissenschaften großzügig förderte.
Leben bis zum Herrschaftsantritt
Franz I. entstammte der Dynastie der Valois. Er wurde am 12. September 1494 als einziger Sohn von Charles de Valois und Luise von Savoyen geboren. Seine ältere Schwester war Margarete, die in zweiter Ehe Heinrich II. von Navarra heiratete und damit Königin von Navarra wurde. Franz’ Thronanspruch ging auf seinen Urgroßvater, Louis de Valois, zurück, der wiederum ein Sohn von König Karl V. (Regierungszeit 1364–1380) war. Seine Mutter, Luise von Savoyen, hat Franz I. nicht nur erzogen, sondern sie fungierte auch später während seiner Abwesenheit von Frankreich als dessen Regentin. Sie glich Gegensätze zwischen verschiedenen Interessengruppen am Königshof aus und bestimmte die Politik ihres Sohnes entscheidend mit.
König Ludwig XII. (Regierungszeit 1498–1514), der letzte männliche Erbe des Hauses Valois-Orléans, zeigte sich enttäuscht von Franz, seinem Erben, der ihm zu sehr den Künsten und der feinen Lebensart zugeneigt schien. Um Franz’ Thronanspruch zu festigen, verheiratete Luise von Savoyen ihren Sohn früh mit der ältesten Tochter Ludwigs XII., Claude de France. Aufgrund der Feindschaft, die zwischen Luise und Claudes Mutter, Anne de Bretagne, herrschte, kam es erst am 18. Mai 1514 zur Heirat des Paares, nach dem Tode Annes am 9. Januar 1514. Als Ludwig XII. am 1. Januar 1515 sohnlos starb, erbte Franz I. den französischen Thron.
Teilnahme am italienischen Krieg (1515/1516)
Gleich nach seiner Königssalbung am 25. Januar 1515 stand der junge König vor seiner ersten (kriegerischen) Herausforderung: Er hatte von seinem Vorgänger Ludwig XII. den Streit mit den Eidgenossen um das Herzogtum Mailand geerbt. Als Enkel der mailändischen Prinzessin Valentina Visconti erhob Ludwig XII. Anspruch auf das Herzogtum Mailand. Allerdings ging nach dem Aussterben der Visconti die Herrschaft im Herzogtum Mailand nicht auf den französischen König, sondern auf die Sforza über. Nach der kurzzeitigen Eroberung von Mailand verlor Ludwig XII. seinen italienischen Besitz in der Schlacht bei Novara. Franz I. verfolgte daher das Ziel der Rückgewinnung der italienischen Position. Das Angebot von einer Million Kronen blieb ebenso erfolglos wie diplomatische Verhandlungen – ein bereits fertiger Vertrag wurde nur von den westlichen Schweizer Orten Bern, Freiburg und Solothurn sowie der Stadt Biel, nicht aber von den übrigen eidgenössischen Ständen anerkannt. Daraufhin kam es am 13. September 1515 zur Schlacht bei Marignano, in der der junge König dank seines taktischen Geschicks, der überlegenen Feuerkraft seiner Artillerie und mithilfe des deutschen Landsknechtsregiments, der „schwarzen Garde“ unter Führung des Asche von Cramm, einen glänzenden Sieg errang. Mailand ging in französischen Besitz über, Frankreich galt als der militärisch stärkste Staat Europas. Der „ewige Frieden“ vom 29. November 1516 versprach Franz I. dauerhaften Zugriff auf das Söldnerpotenzial der Eidgenossenschaft.
In der Kirchenpolitik schloss er am 19. Dezember 1516 mit Papst Leo X. das Konkordat von Bologna, wodurch die französische Krone fast unbegrenzte Kontrolle über die eigene Kirche und deren Besitz bekam. So war Franz I. die Einberufung von Synoden vorbehalten, ebenso konnte er über kirchliche Einkünfte, die Erhebung des geistlichen Zehnten und die Vergabe von Pfründen verfügen. Dadurch wurde endgültig eine vom König abhängige Staatskirche etabliert.
Ringen um die Kaiserwürde (1519)
Eine Chance zum weiteren Aufstieg ergab sich, als Maximilian, der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, am 12. Januar 1519 gestorben war. Mehrere Fürsten bewarben sich um die Nachfolge als römisch-deutscher König, die als Vorentscheidung zur Kaiserwürde galt: Maximilians Enkel Karl I. von Spanien, der spätere Karl V., der sächsische Kurfürst Friedrich III., Heinrich VIII. und eben Franz I., der als Inhaber der Mailänder Herzogswürde Fürst des Heiligen Römischen Reiches war. Die habsburgischen Propagandisten verbreiteten nun, Franz I. beabsichtige, die Reichsstände ihrer Freiheiten zu berauben, und sei doch nur ein „Fremdling“; Karl dagegen wurde als „edles deutsches Blut“ dargestellt. Dieses Argument war vorgeschoben, da Karl V. selbst in den Burgundischen Niederlanden aufgewachsen war und Flämisch, Französisch und Spanisch sprach, jedoch Deutsch nur schlecht verstand. Für Franz sollte die Kaiserwürde die rechtliche Unantastbarkeit seiner Position in Italien herbeiführen. Außerdem würde der Erwerb des römisch-deutschen Königtums durch Karl V. bedeuten, dass Frankreich geopolitisch im Westen (Königreich Spanien) und Osten (Heiliges Römisches Reich) umzingelt wäre. Die Franzosen nutzten die Idee eines Kreuzzuges gegen das Osmanische Reich, um ihrerseits um die Stimmen der Kurfürsten zu werben; nur die leistungsfähige Streitmacht Frankreichs könne den Vormarsch der Osmanen stoppen. In diesem Zusammenhang – der Demonstration der Leistungsfähigkeit Frankreichs – befahl Franz I. im Jahr 1519 den Bau von Schloss Chambord als Sinnbild des Fortschritts und der Stärke.
Da Franz I. 300.000 Gulden Bestechungssumme anbot, fühlte sich Karl V. genötigt, eine weit höhere Summe aufzubieten, um die Wahl des französischen Königs auf den deutschen Königsthron zu verhindern. Die Fugger finanzierten Karls Bestechungsgeld. Die sieben Kurfürsten entschieden sich bei der Königswahl in Frankfurt am Main am 28. Juni 1519 für den Habsburger. Die damit einsetzende Feindschaft zwischen Franz I. und Karl V. legte das Fundament für den französisch-habsburgischen Gegensatz, der bis zum Vertrag von Versailles (1756) die europäische Politik bestimmte.
Franz I. suchte nach Möglichkeiten, um die von ihm befürchtete „Habsburger Einkreisung“ seines Königreichs zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Königreich Spanien zu umgehen und durch ein denkbares Bündnis mit dem englischen König Heinrich VIII. als Gegengewicht diplomatisch zu erkunden. In diesem Zusammenhang trafen sich die beiden Monarchen vom 7. bis 24. Juni 1520 in der Nähe von Calais im Camp du Drap d’Or. Sie versuchten sich durch Entfaltung von Prunk und Pomp zu übertreffen, tauschten Geschenke aus und begegneten sich relativ misstrauisch. Politisch erreichte man kein politisches oder militärisches Bündnis, sondern bestätigte gerade einmal den bestehenden Vertrag von London, der aber zumindest vorübergehend die Gefahr für Franz I. reduzierte, dass Heinrich VIII. auf Seiten der Habsburger gegen ihn in einen Krieg einträte oder englische Ansprüche auf die Normandie oder Aquitanien wieder aufleben ließe.
Weil Kaiser Karl V., abgesehen von seinen österreichischen Erblanden, über viele an Frankreich angrenzende Territorien herrschte (namentlich Spanien, die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund), fühlte sich Franz eingekreist. Diese Einkreisung zu durchbrechen und die Macht seines Rivalen zu schwächen, war das zentrale Motiv seiner Außenpolitik. Er führte mehrere Kriege mit dem Ziel, das Herzogtum Mailand zu erobern und so die Oberhoheit über Norditalien zu gewinnen. Es begann eine Fortsetzung der Italienischen Kriege. Im Jahr 1521 erreichte Karl V. einen zu seinen Gunsten ausfallenden Bündniswechsel von Papst Leo X. Auf diese Weise gelang es Karl am 19. November 1521, den Franzosen Mailand zu entreißen. Die Sforza kehrten nach Mailand zurück. Ein persönliches Erscheinen des Königs in Italien wurde aus französischer Sicht immer dringender.