Franz Dahlem (* 14. Januar 1892 in Rohrbach, Reichsland Elsaß-Lothringen; † 17. Dezember 1981 in Ost-Berlin) war ein deutscher Politiker von KPD und SED. Er war Mitglied des Preußischen Landtages und des Reichstages in der Weimarer Republik sowie der Volkskammer in der DDR. Dahlem war Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees und Kaderchef der SED. Sein Partei-Pseudonym war Franz.
Franz Dahlem entstammte einer bäuerlichen Familie aus dem nördlichen Lothringen, das bis 1871 zu Frankreich gehört hatte. Die Eltern sprachen Lothringer Platt, teilten die landesübliche Unzufriedenheit mit der aufgezwungenen Zugehörigkeit zu Deutschland und gaben einem ihrer Söhne den Namen „François“ nach dem populären französischen Rivalen des deutschen Kaisers Karl V. Der Vorname wurde standesamtlich in „Franz“ korrigiert. Dahlem absolvierte von 1911 bis 1913 in Saarbrücken eine Ausbildung als Exportkaufmann und war von 1914 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg. Er war in der katholischen Jugendbewegung aktiv, bevor er ab 1913 Mitglied der SPD und ab 1917 der USPD wurde. 1919 bis 1921 war er Redakteur der von ihm mitbegründeten USPD-Zeitung Sozialistische Republik und Stadtverordneter von Köln. 1919 heiratete er Käthe Weber (* 20. März 1899 in Berlin; † 25. Dezember 1974 in Ost-Berlin).
Seit 1920 war er Mitglied der VKPD/KPD, in deren Zentralkomitee er verschiedene Funktionen hatte, u. a. war er auch Lehrer an der Reichsparteischule der KPD „Rosa Luxemburg“. Von Anfang November 1930 bis Juli 1932 übernahm Dahlem die Funktion des Reichsleiters der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO). 1921 bis 1924 war er Abgeordneter des Preußischen Landtages und 1928 bis 1933 des Reichstages. Dahlem nahm am 7. Februar 1933 an der illegalen Funktionärstagung der KPD im Sporthaus Ziegenhals bei Berlin teil.
1933 emigrierte Dahlem nach Paris (französischer Staatsbürger 1934–1941). Im Lutetia-Kreis (1935/36) wirkte er mit am Versuch, eine Volksfront gegen die Hitlerdiktatur zu schaffen. Er zählte zu den Unterzeichnern des Aufrufs an das deutsche Volk. In den folgenden Jahren arbeitete er illegal in Berlin und in Prag. Dahlem nahm 1935 an der Brüsseler Konferenz der KPD teil. Am 25. Juli 1936 wurde er aus dem Deutschen Reich ausgebürgert. Von Ende 1936 bis Dezember 1937 war er Leiter der Zentralen Politischen Kommission der Internationalen Brigaden in Spanien.
Von 1933 bis 1943 war Dahlem Kandidat des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale und von Februar 1937 bis 1939 Mitglied des Sekretariats des Zentralkomitees (der KPD-Auslandsleitung) in Paris, die er ab Juli 1938 gemeinsam mit Paul Merker leitete.
Von 1939 bis 1942 wurde Dahlem im Internierungslager Le Vernet in Frankreich interniert, von dort in das Geheimgefängnis Castres gebracht und dann an die Gestapo übergeben. Die Jahre bis 1945 im KZ Mauthausen überlebte er nur dank der Solidarität ehemaliger Spanienkämpfer zahlreicher Nationen. In Großbritannien hatten im Frühjahr 1942 350 Personen, davon 98 Parlamentsabgeordnete und 40 Mitglieder des Oberhauses, eine Petition für die Freilassung von Franz Dahlem, Luigi Longo und anderen in Castres inhaftieren Gegnern der Nationalsozialisten unterzeichnet.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland am 1. Juli 1945 gehörte Dahlem wieder dem Zentralkomitee und dem Sekretariat der KPD an. Seit Oktober 1945 leitete er deren Abteilung Kader und Organisation. Dahlem wirkte am organisatorischen und personellen Wiederaufbau der KPD und an ihrer Vereinigung mit der SPD zur SED mit. Als Vertreter der Parteiführung setzte er die Bodenreform in Mecklenburg durch und war für die Zusammenarbeit mit der KPD in den westlichen Besatzungszonen zuständig. Er wirkte am Aufbau der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes mit und erarbeitete mit Wilhelm Pieck die Resolution zur Gründung der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands. Seine Mitarbeit in der VVN dokumentiert auch seine gemeinsam mit Karl Raddatz veröffentlichte Schrift Die Aufgaben der VVN, die auf Referate für die Zonendelegiertenkonferenz der Organisation 1947 zurückgeht.
Nach dem Krieg war Dahlem Abgeordneter der Volkskammer und im Zentralkomitee und Politbüro des Zentralkomitees der SED aktiv, u. a. als Leiter der Abteilung Kader und Organisation und des Büros für „Parteiaufklärung“. Von 1946 bis 1948 gehörte er dem Zentralsekretariat des SED-Parteivorstands an und war dort paritätisch für Personalpolitik, internationale Zusammenarbeit und die Westabteilung zuständig. Von 1949 bis 1951 leitete er die Westkommission des ZK der SED. In dieser Funktion war er faktisch für die westdeutsche KPD verantwortlich. Von 1949 bis 1953 gehörte er der Volkskammer, von 1950 bis 1953 dem Politbüro des ZK der SED an. Als stellvertretender Leiter der Sonderkommission für die Aufstellung von Verteidigungskräften und die strategische Verteidigung der Volkspolizei war er maßgeblich an der Aufrüstung der DDR beteiligt. Ein zeitgenössischer Bericht der Wochenzeitung Die Zeit bezeichnete ihn 1953 als Kaderchef der SED und Leiter ihres Westbüros.
Dahlem galt innerhalb der SED als Rivale von Ulbricht. 1953 wurde im Zusammenhang mit dem Slánský-Prozess in Prag eine Untersuchung durch die Zentrale Parteikontrollkommission wegen seiner Kontakte zu Noel H. Field durchgeführt, in deren Ergebnis er als „Zionist“ aus dem ZK der SED ausgeschlossen und von allen Partei- und Staatsfunktionen entbunden wurde. Der bereits geplante Schauprozess, in dem er u. a. gemeinsam mit Paul Merker angeklagt werden sollte, fand dann jedoch nicht statt; nach dem Tod Stalins wurden alle Anschuldigungen als „zionistischer Agent“ fallengelassen. 1956 wurde er politisch rehabilitiert.
Ab 1955 arbeitete Dahlem im Staatssekretariat für Hochschulwesen, zunächst als Leiter der Hauptabteilung Forschung, seit 1957 als stellvertretender Staatssekretär. Im selben Jahr wurde er kooptiertes Mitglied des ZK der SED und des Forschungsrates der DDR und 1963 auch wieder Abgeordneter der Volkskammer. Außerdem war er seit 1964 Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft der DDR und Präsidiumsmitglied des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer.
Dahlem erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 1956 die Hans-Beimler-Medaille, 1962 die Artur-Becker-Medaille und den Karl-Marx-Orden, 1964 den Vaterländischen Verdienstorden (VVO) in Gold, 1967 die Ehrenspange zum VVO in Gold, 1965 und 1972 die Verdienstmedaille der NVA, 1970 den Stern der Völkerfreundschaft und 1977 den Großen Stern der Völkerfreundschaft. 1970 wurde er Ehrenbürger der Stadt Ivry-sur-Seine. 1984–1993 gab es in Berlin-Prenzlauer Berg die Franz-Dahlem-Straße.
Seine Urne ist in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt, die Urnen seiner Ehefrau und seines Sohnes Robert in der benachbarten Gräberanlage Pergolenweg.
Franz Dahlem heiratete am 20. März 1919 die spätere KPD-Funktionärin Käthe Weber. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Die Tochter Luise Dahlem (1919–1957) war bis zur Scheidung 1953 oder 1955 mit dem KPD- bzw. SED-Funktionär Karl Mewis verheiratet. Der Sohn Robert Dahlem wurde durch seine Rolle beim Aufstand vom 17. Juni 1953 in Rostock bekannt.
Darstellung in der bildenden Kunst der DDR
Doris Kahane: Franz Dahlem (Tafelbild, Öl, 1971)
Die Deutsche Post der DDR gab 1983 zu seinen Ehren eine Sondermarke in der Serie Persönlichkeiten der deutschen Arbeiterbewegung heraus.
Franz.: Die revolutionäre Organisation in Deutschland: Formen und Methoden der illegalen Massenarbeit. Prometheus-Verlag, Straßburg 1935.
(Walter Ulbricht; Franz Dahlem): Unser Kampf. Josef Altrichter, Prag 1936…