An diesem Tag

Franz Adolf von Stürler

Schweizerisch-französischer Maler

Anúncio

Franz Adolf von Stürler, auch Adolf von Stürler (* 28. Februar 1802 in Paris; † 16. September 1881 in Versailles), war ein schweizerisch-französischer Maler.

Adolf von Stürler war der einzige Sohn des in Paris tätigen Schweizer Bildhauers Karl Emanuel von Stürler (* 16. Juli 1760 (Taufe); † 18. Dezember 1822), der einer der ältesten Berner Patrizierfamilien entstammte, und dessen Ehefrau in zweiter Ehe (18. März 1799) der Französin Louise-Françoise-Rosa (geb. Fléchaux, * 23. September 1779 in St. Laurent; † 14. März 1849 in Paris) verheiratet.

In erster Ehe war sein Vater mit Maria Margaretha (* 12. Dezember 1763 in Bern), die Tochter des Schiffmanns und Schwellenmeisters Abraham Emanuel Gryph (1731–1773) verheiratet. Aus dieser Ehe entstammte eine Halbschwester.

Nach mehr als zwei Dekaden in Florenz heiratete Franz Adolf von Stürler 1851 Matilda (geb. Jarmann), eine Engländerin und übersiedelte 1853 nach Versailles. Diese Eheschliessung markierte einen neuen Lebensabschnitt: das Paar verliess Italien und liess sich zunächst in Paris nieder, bevor es nach Versailles umsiedelte, wo Stürler seinen endgültigen Wohnsitz etablierte. In dieser zweiten Schaffensphase erreichte er die Vollendung seiner bedeutendsten Werke.

1859 war die Geburt des Sohnes Karl Emanuel von Stürler († 1901).

Adolf von Stürler muss trotz seiner familiären Berner Wurzeln mehr als Franzose und Wahlflorentiner denn als Schweizer verstanden werden. Im Alter hatte von Stürler verstärkten Kontakt zu seinen Berner Verwandten, was ihn wohl dazu bewogen hat, wie Jean-Auguste-Dominique Ingres den künstlerischen Nachlass und seine Kunstsammlung früher italienischer Tafelmalerei, unter anderem die Madonnen-Tafel Maestá von Duccio di Buoninsegna und Bilder von Ingres sowie seinen künstlerischen Nachlass dem Kunstmuseum Bern zu vermachen. Zudem hinterliess er ein Legat in Höhe von 3.000 Schweizer Franken für die Waisen der Gesellschaft zu Ober-Gerwern in Bern.

Seine Beisetzung erfolgte auf dem Cimetière du Père-Lachaise in Paris.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Adolf von Stürler in Paris, wo er schon früh ein grosses Interesse an der bildenden Kunst gezeigt hatte. Später trat er in das Atelier von Jean-Baptiste Regnault ein und erhielt Kurse in Anatomie, Perspektivlehre und Aktzeichnen, Studien, die für jeden ambitionierten Maler des 19. Jahrhunderts essenziell waren. Im Herbst 1825 wechselte er in das neu gegründete Atelier von Jean-Auguste-Dominique Ingres. Dieser war nach achtzehn Jahren vor kurzem aus Italien zurückgekehrt, hatte seinen ersten Salonerfolg im Salon de Paris mit Le Voeu de Louis XIII gefeiert, hatte das Kreuz der Ehrenlegion empfangen und war eben erst zum Membre de l'Institut gewählt worden. Damit war Ingres in der Pariser Kunstszene eine der meist diskutierten Persönlichkeiten des Jahres und als Lehrer für junge, ambitionierte Kunststudenten besonders attraktiv.

Zusammen mit Adolf von Stürler schrieben sich am selben Tag auch Charles Gleyre und Paul Chenavard bei Ingres ein. Bei ihm identifizierte sich von Stürler vollständig mit der Kunst seines Lehrers, und es entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden, das bis zum Tod des Meisters andauern sollte.

Er pflegte ebenfalls eine Freundschaft mit dem Maler Eugène Emmanuel Amaury-Duval. der auch bei Ingres ausgebildet worden war.

Ingres erkannte die begrenzten Fähigkeiten seines Schützlings und riet Adolf von Stürler deshalb 1828, dass eine Reise nach Rom die beste Lösung für seine künstlerischen Probleme sei. Die Italienreise gehörte seit Generationen zum Höhepunkt jeder künstlerischen Ausbildung. Wer es sich leisten konnte, ohne staatliches Stipendium den weiten und nicht ungefährlichen Weg nach Italien anzutreten, ist auf eigene Faust via Genf über den Simplon oder via Lyon über den Mont Cenis nach Süden gezogen, und so wird auch Adolf von Stürler auf eigene Kosten nach Italien gereist sein.

Es ist nicht bekannt, wann er aufgebrochen ist, aber seine früheste datierte Zeichnung aus Italien stammte vom 6. Februar 1829 und zeigte eine Ansicht von Florenz. Deshalb ist zu vermuten, dass er – wie damals üblich – noch vor Wintereinbruch den Weg angetreten hat. Im August 1829 liess er sich in Florenz einen Pass für Pisa und Lucca ausstellen, und im Oktober beantragte er einen weiteren für Siena.

In dieser Zeit entstanden von Stürlers erste Kopien nach Werken alter Meister, die nicht dem evolutionistischen Credo Giorgio Vasaris – und damit der vermeintlichen Überlegenheit raffaelesker Perfektion – entsprachen, sondern aus dem Trecento und Quattrocento stammten. Zu nennen sind Zeichnungen, die er in Pisa nach dem „Triumph des Todes“ von Francesco Traini im Camposanto Monumentale geschaffen hat; bemerkenswert sind auch die vierzehn Köpfe aus der Spanischen Kapelle von Santa Maria Novella in Florenz, die er direkt von Andrea da Firenzes grossem Fresko der Südwand durchgepaust hat.

Die Wahl dieser Stätten entsprach damals zwar nicht dem akademischen Kanon, war aber auch nicht derart aussergewöhnlich. Victor Orsel (1795–1850) war neben von Stürler bei weitem nicht der erste und einzige Franzose, der diese Orte besuchte und dort Werke des Trecento und Quattrocento kopierte. Längst ist auch von Hippolyte Flandrin und dessen Bruder Paul Flandrin (1811–1902) sowie vom Bildhauer Eugène André Oudiné (1810–1887) bekannt, dass sie 1835 in Pisa, Siena, Florenz und Assisi waren und zum Teil die gleichen Werke wie von Stürler kopiert haben.

Adolf von Stürler lernte in Florenz Antonio Marini und dessen Gattin Giulia Marini (1800–1867) kennen. Antonio Marini war unter anderem als „restauratore“ tätig und wurde damals für seine Arbeiten an Filippo Lippis (1406–1469) Freskenzyklus im Dom von Prato und an Werken Domenico Ghirlandaios (1449–1494) in Pisa gepriesen. So konnte man in ihm einen kundigen Vermittler früher italienischer Wand- und Tafelmalerei vermuten. Giulia Marini war hingegen die Muse eines Kreises Intellektueller, zu denen unter anderem auch der klassizistische Bildhauer und Ingres-Freund Lorenzo Bartolini, der damals führende toskanische Historienmaler Luigi Mussini (1813–1888), Napoleons Nichte Charlotte Napoléone Bonaparte sowie Eugène Emmanuel Amaury-Duval zählten.

Dieser Wahrnehmungshorizont war für Adolf von Stürlers Begegnung mit der Malerei der Nazarener bestimmend. Es sind Kräfte, die seine ästhetischen Kriterien direkt und indirekt beeinflussten. Es sind aber auch Hinweise auf ein gesellschaftliches Umfeld, das die restauratorischen Tendenzen der Zeit nicht bekämpfte, sondern versuchte, sich innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Existenz zu sichern und Freiräume zu schaffen.

Nichtsdestoweniger steht fest, dass der Künstler in Florenz bereits eine ausgeprägte Vorliebe für Malerei des Trecento und Quattrocento entwickelt hatte, bevor er sich im April 1830 auf den Weg nach Rom begab.

Während Rom für die meisten Fremden die Stadt der Superlative war, zeigte sich Adolf von Stürler deutlich skeptischer. In einem langen Brief an Antonio Marini drückte er seine Enttäuschung über die Ewige Stadt offen aus. Die Tibermetropole missfiel ihm bereits vom ersten Augenblick an, und er fand nicht den Enthusiasmus, den er durch die Berichte seiner Freunde erhofft hatte. Er listete alle Hässlichkeiten auf, denen er begegnete, und beklagte sich über die unzähligen Kirchen, die ihm alle vom schrecklichsten Geschmack erschienen. Nur die antiken Ruinen beim Campo Vaccino (siehe Forum Romanum) und das Pantheon schienen ihm wirklich bedeutende Monumente zu sein.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Franz Adolf von Stürler | World in Stories