Franklin Pierce (* 23. November 1804 in Hillsborough, Hillsborough County, New Hampshire; † 8. Oktober 1869 in Concord, New Hampshire) war ein amerikanischer Politiker und von 1853 bis 1857 der 14. Präsident der Vereinigten Staaten.
Pierce stammte aus einer gutbürgerlichen Familie; sein Vater Benjamin Pierce wurde zwei Mal zum Gouverneur von New Hampshire gewählt. Er ging direkt nach dem Studium am Bowdoin College und seiner juristischen Ausbildung in die Politik. Pierce gehörte als Mitglied der Demokratischen Partei sowohl dem Abgeordnetenhaus von New Hampshire als auch dem Repräsentantenhaus sowie dem Senat der Vereinigten Staaten an. Im Kongress agierte er weitgehend unauffällig und tat sich lediglich beim Entwurf der Gag Rule („Diskussionsverbot“) hervor, die abolitionistischen Petitionen einen Riegel vorschob. Ab 1842 zog er sich aus der Bundespolitik zurück und konzentrierte sich auf seine Anwaltspraxis und Parteiarbeit in New Hampshire. Während des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs diente er als Freiwilliger in der United States Army und kehrte als Brigadegeneral aus dem Einsatz in Mexiko zurück. Im Jahr 1852 nominierte ihn seine Partei als Kompromisskandidaten für die anstehende Präsidentschaftswahl, die er dann gegen den Whig-Bewerber Winfield Scott klar gewann.
Pierce’ Amtszeit war von starken innenpolitischen Konflikten zwischen den freien und den Sklavenstaaten um die Sklaverei geprägt, die sich unter seiner den Südstaaten zuneigenden Einflussnahme immer weiter zuspitzten. Der von Pierce im Mai 1854 unterzeichnete Kansas-Nebraska Act legitimierte die Sklaverei in den Bundesterritorien nördlich der Linie des Missouri-Kompromisses von 1820, löste in den abolitionistisch geprägten Nordstaaten einen Sturm der Entrüstung aus und schadete den Demokraten dort erheblich. Eine unmittelbare Folge des Kansas-Nebraska Acts waren bürgerkriegsähnliche Verhältnisse im Kansas-Territorium (Bleeding Kansas). Das Gesetz bildete einen wichtigen Faktor in der Entwicklung hin zum Sezessionskrieg. Abgesehen vom Gadsden-Kauf, einem Erwerb von Gebieten Mexikos, konnte Pierce außenpolitisch keine Akzente setzen und die Spannungen mit Spanien und dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland kaum glätten. Weil es Pierce nicht gelang, die zunehmenden politischen Verwerfungen zu überwinden, kehrte die eigene Partei dem Präsidenten den Rücken. Für die Präsidentschaftswahl des Jahres 1856 stellten die Demokraten nicht mehr Pierce, sondern den früheren Außenminister James Buchanan auf, der die Wahl dann auch gewann.
Im März 1857 endete Pierce’ Amtszeit. Desillusioniert zog er sich vollständig ins Privatleben zurück. Während des Sezessionskriegs von 1861 bis 1865 behielt er seine Sympathie für die Südstaaten bei und lehnte die Politik Abraham Lincolns ab. Pierce, der vor allem nach dem Ende seiner Zeit im Weißen Haus unter Alkoholismus litt, starb 1869. Nach seinem Tode geriet er im öffentlichen Bewusstsein weitgehend in Vergessenheit, was sich bis heute kaum geändert hat. Pierce gilt unter Historikern als einer der schlechtesten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.
Leben bis zur Präsidentschaft (1804–1853)
Erziehung und Ausbildung (1804–1829)
Franklin Pierce war der Sohn von Benjamin Pierce, der im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft hatte und zwischen 1827 und 1830 zweimal zum Gouverneur von New Hampshire gewählt wurde. Die Pierce-Familie stammte aus England und war im Jahr 1634 in das spätere Massachusetts ausgewandert. Benjamin Pierce wurde 1757 in Lowell geboren und meldete sich nach den Gefechten von Lexington und Concord als Freiwilliger in der Kontinentalarmee. Mit George Washington zog er in das Winterlager von 1777/78 in Valley Forge. Er verließ die Armee 1784 mit einer Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet im Range eines Leutnants. Franklin Pierce nahm den Vater zum Vorbild und entwickelte eine Affinität zum Militär, was durch die spätere Teilnahme seiner älteren Brüder am Britisch-Amerikanischen Krieg verstärkt wurde. Benjamin Pierce ließ sich 1786 in Hillsborough, New Hampshire, nieder, das damals zum Grenzgebiet (Frontier) zählte. Er wurde bald zum einflussreichsten Mann im Hillsborough County. So wurde er zum General in der Miliz New Hampshires ernannt und mehrfach zum Sheriff sowie 1789 in das Repräsentantenhaus von New Hampshire gewählt. Im Februar 1790 nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er die lebhafte und dem Alkohol zugetane Anna Kendrick. Franklin Pierce beschrieb seine Mutter später als liebevoll und nachsichtig hinsichtlich seiner Jugendsünden. Er kam im November 1804 in einer Blockhütte am Contoocook River zur Welt und war das sechste Kind aus dieser Verbindung. Erst im Jahr darauf bezog die Familie ein repräsentableres Anwesen, die heutige Franklin Pierce Homestead. Sein Vater hatte erst die Föderalisten um George Washington unterstützt, aber enttäuscht von der Präsidentschaft von John Adams war er in das Lager der Demokratisch-Republikanischen Partei um Thomas Jefferson umgeschwenkt. Bezüglich der Föderalisten entwickelte er zunehmend Verachtung und schmähte sie als „elitäre Snobs“. Später half Benjamin Pierce dabei, den Bundesstaat für die Demokratischen-Republikaner zu gewinnen.
Schon früh zeigte sich bei Franklin Pierce der persönliche Charme, der ihn später auszeichnete und seinen politischen Aufstieg beförderte. Ab 1811 besuchte er eine Schule in Hillsborough. Im Jahr 1813 entließ die zu dieser Zeit föderalistisch kontrollierte State Legislature („Bundesstaat-Parlament“) seinen Vater als Sheriff wegen Betrugsvorwürfen. Als die Verdachtsmomente sich nicht erhärten ließen, wurde Benjamin Pierce 1814 in den Gouverneursrat gewählt. Im Jahr 1814 wechselte Pierce auf die Hancock Academy, die etwas über 20 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt lag. Ab 1818 besuchte er die Francestown Academy im gleichnamigen Ort und kam bei der Familie von Peter Woodbury unter, die mit seinem Vater befreundet war. Weil das renommierte Dartmouth College unter Kontrolle der Föderalisten stand, schickte Benjamin Pierce seinen Sohn ab September 1820 auf das Bowdoin College in Brunswick, Maine. Der Unterricht dort war religiös geprägt und schrieb Bibelstunden und Gebete vor, umfasste aber auch Latein, Medizin und Arithmetik. Obwohl das strenge Reglement es explizit untersagte, war Pierce regelmäßiger Gast einer nahegelegenen Taverne. Insgesamt schenkte er dem Studium in den ersten beiden Jahren nur wenig Beachtung und war häufiger beim Wandern und Angeln in den Wäldern anzutreffen als im Hörsaal. Der von seinen politischen Gegnern später regelmäßig erhobene Vorwurf, er sei Alkoholiker, fand in dieser Phase seine Anfänge. Michael F. Holt macht in seiner Biographie geltend, dass Pierce zum einen wahrscheinlich wenig Alkohol vertrug und schnell in die Trunkenheit abglitt und zum anderen eine derartige Diagnose aus heutiger Sicht nicht zu leisten sei. Der Rechtshistoriker Paul Finkelman beurteilt hingegen abweichend, dass Pierce am Bowdoin College verdientermaßen wegen seines exzessiven und gut dokumentierten Trinkverhaltens einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe.
Zu seinen Kommilitonen in Bowdoin gehörten die zukünftigen Politiker William Pitt Fessenden, James W. Bradbury, Jonathan Cilley und John P. Hale, der bei der Präsidentschaftswahl von 1852 gegen Pierce antrat, und die späteren Schriftsteller Henry Wadsworth Longfellow und Nathaniel Hawthorne. Insbesondere die Freundschaften zu Cilley und Hawthorne waren für sein weiteres Leben von Bedeutung. So schrieb Hawthorne 1852 die damals im Wahlkampf obligatorische Kandidatenbiographie zu Pierce. Wegen seiner schlechten Noten kurz vor dem Studienabbruch stehend, überredeten ihn seine Freunde zur Fortführung des Studiums, was er mit neuem Elan in Angriff nahm. Im Jahr 1823 gründete er auf dem Campus eine Kadettenkompanie und leitete als ihr Hauptmann den militärischen Drill. Angefacht durch die stark umkämpfte Präsidentschaftswahl von 1824 erwachte sein politisches Interesse, wobei sein Debattierclub auf der Seite Andrew Jacksons stand. Pierce blieb bis zu seinem Lebensende den Prinzipien des Jacksonianismus verpflichtet, die 1828 zur Gründung der modernen Demokraten und der Aufspaltung der Demokratischen-Republikaner führten. Am 1. September 1824 schloss Pierce sein Studium als fünftbester von den 14 Studenten seines Jahrgangs mit dem Bachelor of Arts ab; zurück in Hillsborough begann er im November die zu dieser Zeit in der Regel außeruniversitär erfolgende Anwaltslehre bei John Burnham.