Die Frankfurter Rundschau (FR) ist eine Tageszeitung, die seit dem 1. August 1945 in Frankfurt am Main erscheint. Bis zum 28. Februar 2013 wurde sie verlegt, gedruckt und vertrieben von der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, die am 13. November 2012 Insolvenz anmeldete. Seit dem 1. März 2013 erscheint sie in der Frankfurter Rundschau GmbH, die seit 2018 zu 90 % der Zeitungsholding Hessen von Dirk Ippen gehört.
Die Frankfurter Rundschau GmbH gehört zu 90 % der Zeitungsholding Hessen und zu 10 % der Karl-Gerold-Stiftung.
Die Zeitung wurde bis zu deren Schließung am 31. Dezember 2024 in der Frankfurter Societäts-Druckerei in Mörfelden-Walldorf gedruckt. Die Anzeigen werden von der RheinMainMedia vertrieben, und Auslieferung und Abonnementsverwaltung liegen in den Händen der Medienservice GmbH & Go KG, beides Firmen aus dem Firmenverbund von FAZ und Frankfurter Societät.
Im Gesellschaftervertrag der Frankfurter Rundschau GmbH ist als § 2 „Unternehmensgegenstand“ festgelegt:
Die FR erscheint in einer Stadt- und in einer Deutschlandausgabe sowie in drei Regionalausgaben. Darüber hinaus veröffentlicht sie eine Online-Ausgabe und ein E-Paper sowie eine Ausgabe für Tablet-Computer.
Zu den regionalen Hauptkonkurrenten zählen die konservativ-liberale Frankfurter Allgemeine Zeitung und die konservative Frankfurter Neue Presse (FNP), aber auch die Regionalausgabe der Bild-Zeitung. Die FNP gehört allerdings ebenso wie die FR der Zeitungsholding Hessen.
Die Frankfurter Rundschau gehört zu den deutschen Tageszeitungen mit den größten Auflagenverlusten der vergangenen Jahre. Die verkaufte Auflage sank von 192.499 Exemplaren im ersten Quartal 1998 auf 87.136 Exemplare im ersten Quartal 2013, ein Minus von 54,7 %. Nach dem ersten Quartal 2013 wurde die gesonderte Meldung der Auflagenzahlen an die IVW eingestellt.
Seit dem zweiten Quartal 2013 wird die Auflage gemeinsam mit der Rhein-Main-Zeitung (Frankfurter Regionalausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) und der Frankfurter Neuen Presse sowie deren Kopfblättern ausgewiesen. Die verkaufte Auflage lag im zweiten Quartal 2013 bei 210.334 Exemplaren sank 2024 auf 120.517 Exemplare, ein Minus von 42,7 Prozent. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 74,2 Prozent.
1998 bis 2013 Rhein-Main-Zeitung und Frankfurter Neue Presse; seit 2013 zusätzlich mit Frankfurter Rundschau
Die Rhein-Main-Zeitung, die Frankfurter Neue Presse mit ihren Kopfblättern und die Frankfurter Rundschau hatten 2018 gemeinsam eine Reichweite von 593.000 Lesern.
Die Redaktion der Frankfurter Rundschau hatte ihren Sitz mehr als 51 Jahre lang im Rundschau-Haus am Eschenheimer Tor, mitten in der Frankfurter Innenstadt. Das in der Stadtmitte gelegene Rundschau-Haus wurde 2006 abgerissen. Anschließend diente das Grundstück der Baustellenlogistik für das benachbarte Großbauprojekt Palaisquartier. Es folgten mehrere Umzüge, zunächst ins Bürogebäude Colosseo am Walther-von-Cronberg-Platz im linksmainischen Stadtteil Sachsenhausen vom 16. Juli 2005 bis 2009, dann in die westliche Halle des bis dahin umgebauten Sachsenhäuser Depots in der Nähe des Südbahnhofes vom 15. Februar 2009 bis September 2013 und danach ins Bürogebäude Mainzer Landstraße 205 im Gallusviertel. Von Juli 2019 bis Dezember 2022 befand sich der Redaktionssitz der Frankfurter Rundschau im Gebäude Frankenallee 71–81, in dem auch die Redaktionsräume der Frankfurter Neuen Presse lagen und die Mediengruppe Frankfurt ihren Sitz hatte. Mit Aufgabe dieses Verlagsstandortes wechselte der Sitz der Frankfurter Rundschau zurück nach Sachsenhausen in die unmittelbare Nähe zum Südbahnhof in die Hedderichstraße 49.
1945: Gründung mit OMGUS-Lizenz
Die Frankfurter Rundschau ist nach den Aachener Nachrichten und der Berliner Zeitung die dritte deutsche Tageszeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Im amerikanischen Sektor war sie die erste Tageszeitung, der die Information Control Division der OMGUS (US-Militärregierung) eine Gruppenlizenz zusprach, die Zeitung löste die Frankfurter Presse ab, das Nachrichtenblatt der US-amerikanischen 12. Heeresgruppe. Die Zeitung wurde am 1. August 1945 auf Veranlassung der US-amerikanischen Besatzungsmacht und durch die Überreichung der Zulassungsurkunden durch General Robert McClure, Kommandant der Abteilung für die Nachrichtenkontrolle der US-Armee, gegründet, um den freiheitlich-parlamentarischen Gedanken zu verbreiten. Sie war somit eines der ersten Blätter der Lizenzpresse. Die Frankfurter Rundschau nahm die Arbeit in den Räumen der 1943 von den Nationalsozialisten verbotenen Frankfurter Zeitung auf. Die Lizenz wurde an Emil Carlebach, Hans Etzkorn, Wilhelm Karl Gerst, Otto Grossmann, Wilhelm Knothe, Paul Rodemann und Arno Rudert vergeben; alle außer Rudert schieden schnell wieder aus. Das Gremium setzte sich aus Sozialdemokraten, Kommunisten und einem sozialistischen Vertreter des politischen Katholizismus (Gerst) zusammen. Paul Rodemann wechselte bald mitsamt seiner Lizenz zum Darmstädter Echo.
Das OMGUS entzog Ende Oktober 1946 Wilhelm Karl Gerst die Lizenz, nachdem er wegen angeblicher Parteinahme für den Nationalsozialismus in den Jahren 1933/1934 in ein Spruchkammerverfahren verwickelt worden war. Später setzte sich Gerst für die gesamtdeutsche Existenz der SED ein (der von den Westmächten der Name SED verboten wurde) und schrieb von Bonn aus für die Berliner Zeitung in dann Ost-Berlin.
Im selben Jahr stieß der Sozialdemokrat Karl Gerold zu den Lizenznehmern. Anfang 1947 wurden die beiden anderen Sozialdemokraten von der US-Militärregierung entlassen. Großmann nahm seine Lizenz mit zur Gründung einer Sportzeitung. Emil Carlebach wurde im September von der Militärregierung die Lizenz entzogen, zunächst ohne Begründung, nach Carlebachs Widerspruch wegen einer „offensichtliche[n] Unfähigkeit, die Grundprinzipien der Demokratie zu verstehen“, wie sich James Newman, der Direktor der amerikanischen Militärregierung in Hessen, in seiner Rückantwort ausdrückte. Arno Rudert wurde im November 1947 aus der KPD ausgeschlossen. Es blieben Arno Rudert und Karl Gerold übrig, Gerold trat 1949 aus der SPD aus, um damit parteipolitische Unabhängigkeit zu demonstrieren.
In der Endphase der Lizenzpflicht 1949 gab es Bestrebungen, den Verlag zu einer gemeinnützigen Stiftung zu machen, was aber auf Druck der Amerikaner unterblieb.
Ab dem 1. August 1945 erschien die Frankfurter Rundschau aufgrund von Papiermangel zunächst nur mittwochs und samstags. Vom 1. Oktober 1946 an kam die Frankfurter Rundschau dann dreimal wöchentlich heraus. Im dritten Jahrgang (ab Ausgabe 89, 2. August 1947) wurde eine Deutschland-Ausgabe ins Leben gerufen. Dabei handelte es sich um eine Abendausgabe mit dem Datum des folgenden Tages, bestimmt für den Versand außerhalb Frankfurts und ins Ausland. Vom 21. Juli 1948 an konnte das Blatt täglich erscheinen, jetzt bereits in Konkurrenz zur konservativen Frankfurter Neuen Presse (seit 15. April 1946).
Die 1949 aus der Mainzer Allgemeine Zeitung hervorgegangene Frankfurter Allgemeine Zeitung wurde nach deren Umzug im Jahre 1950 von Mainz nach Frankfurt zuerst in der Druckerei der FR produziert.