Frankenstein ist die erste Tonverfilmung des Romans von Mary Shelley. Der Schwarzweißfilm aus dem Jahr 1931 verwendet nur einige Motive und Personen aus Shelleys Roman und beruht eigentlich auf dem gleichnamigen Bühnenstück (1927) von Peggy Webling. James Whale schuf mit Frankenstein einen Klassiker des Horrorfilms, dem zahlreiche weitere Verfilmungen folgten. Boris Karloff, der das Monster spielte, gelang mit Frankenstein der Durchbruch als Schauspieler. In Deutschland wurde der Film ein Jahr später, am 18. Mai 1932, erstaufgeführt, in Österreich dann einen Monat später.
Der junge Wissenschaftler Dr. Henry Frankenstein versucht abseits der anerkannten Wissenschaft, Leben aus toter Materie zu erschaffen. Auf Grund von Meinungsverschiedenheiten mit seinem Professor hat er die Universität verlassen. Professor Waldmann steht den Forschungen des jungen Frankenstein über den Ursprung des Lebens mit großem Misstrauen gegenüber.
In einem entlegenen alten Wachturm treibt Frankenstein seine Forschungen voran. Die einzige Person, die er in seiner Nähe zulässt, ist sein Gehilfe Fritz. Nachdem es ihm gelungen ist, ein vormals totes Herz drei Wochen lang schlagen zu lassen, beginnt Frankenstein damit, mit Hilfe seines Assistenten aus Leichenteilen einen Körper zu erschaffen. Diese Leichenteile besorgt er sich auf Friedhöfen oder von frisch gehenkten Verbrechern an deren Hinrichtungsstätten. Die moralischen Aspekte sind ihm dabei egal. Diesem Körper will er mit den von ihm entdeckten, aber nicht näher bezeichneten Strahlen Leben einhauchen. Zur Vollendung seines Werkes fehlt ihm nur noch ein Gehirn und er beauftragt Fritz, ein solches aus der Präparatensammlung des Professors zu stehlen. Fritz unterläuft dabei allerdings ein folgenschwerer Fehler. Statt des Gehirns eines gesunden Menschen entwendet er das Präparat eines Mörders.
Frankenstein hält selbst zu seiner zukünftigen Frau nur per Brief Kontakt. In diesen Briefen berichtet er seiner Braut Elisabeth nur sehr vage von seinen Experimenten. Elisabeth wird zunehmend beunruhigt und bittet ihren Bekannten Victor und Professor Waldmann um Hilfe, um Henry Frankenstein zur Vernunft zu bringen.
Ein aufziehendes Gewitter erscheint Frankenstein für das Gelingen seines Experimentes hilfreich. Während Frankenstein die letzten Vorbereitungen trifft, wird er von Elisabeth und ihren beiden Begleitern gestört. Er kann sie nicht abweisen und so setzen sie durch, an dem Experiment teilzunehmen. Durch einen Blitzeinschlag gelingt es Frankenstein tatsächlich, das Geschöpf zum Leben zu erwecken. Hierfür hat er eine komplizierte Apparatur auf dem Dach des Wachturms konstruiert, um die Blitze des Unwetters „einfangen“ zu können. Als das Monster wirklich zum Leben erwacht, ist Frankenstein außer sich und fühlt sich gottgleich.
Elisabeth und Victor sind erschüttert und verlassen den Turm, während Professor Waldmann fasziniert ist und Frankenstein bei der Beobachtung des Geschöpfes unterstützt. Dabei erfährt Waldmann, dass das Gehirn des Geschöpfes aus seinem Labor stammt. Voller Entsetzen erzählt er Frankenstein, dass es sich dabei um das Gehirn eines Mörders handelt. Frankenstein ist aber so begeistert von seiner Schöpfung, dass er alle Warnungen des Professors ignoriert. Als wenig später sein Gehilfe Fritz, der das Ungeheuer mit einer Peitsche und einer Fackel gequält hat, ermordet aufgefunden wird, stimmt Frankenstein Waldmann zu, dass das Monster getötet werden muss. Bevor es aber dazu kommt, taucht Elisabeth wieder auf. Dieses Mal ist sie in Begleitung des Vaters von Dr. Frankenstein. Auch er ist in Sorge um seinen Sohn und möchte ihn ebenfalls von seinem Tun abbringen und nach Hause holen. Dr. Frankenstein bricht nach den Anstrengungen der letzten Zeit zusammen. Sein Vater nimmt ihn daraufhin mit zu sich nach Hause.
Professor Waldmann hingegen konnte das Geschöpf vor den ungebetenen Besuchern verstecken. Er bleibt mit diesem im Turm zurück, um es zu sezieren. Trotz der hohen Morphiumdosen, die Waldmann ihm verabreicht hat, erwacht das Monster und greift den Professor an. An seinem Hochzeitstag mit Elisabeth erfährt Frankenstein, dass sein Geschöpf Professor Waldmann umgebracht hat und nun in der Gegend um den Turm sein Unwesen treiben soll. Ein kleines Mädchen wird von dem Monster beim Spielen versehentlich getötet.
Das Monster taucht plötzlich bei Elisabeth auf, kann aber fliehen, bevor es gefasst wird. Die Dorfbewohner der Gegend werden immer aufgebrachter und machen sich auf die Suche nach dem Geschöpf, um es zu töten. Unter der Leitung von Frankenstein machen sie sich auf in Richtung Turm, doch schon bald werden sie getrennt, und plötzlich steht Frankenstein seinem Geschöpf alleine gegenüber. Das Monster schlägt ihn nieder und bringt ihn in eine nahegelegene Windmühle. Dort verschanzt es sich mit Frankenstein. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem Kampf zwischen Frankenstein und dem Geschöpf, wobei Frankenstein aus dem zweiten Stockwerk der Mühle geworfen wird. Der Wissenschaftler überlebt den Sturz schwerverletzt und wird ins Dorf getragen.
Das Geschöpf versucht, Frankenstein zu folgen, doch die zwischenzeitlich herbeigeeilten Dorfbewohner setzen die Mühle in Brand. Das in Panik geratene Geschöpf versucht, sich aus der brennenden Mühle zu befreien, wird aber unter einem herabfallenden Balken eingeklemmt. Während die Mühle abbrennt, hören die umstehenden Dorfbewohner das Monster schreien.
In der Schlussszene trinkt Baron Frankenstein vor der Tür des Zimmers, in dem sein genesender Sohn liegt, auf ihn und das Haus Frankenstein.
Für Frankenstein war zunächst Robert Florey, der auch das Drehbuch nach Peggy Weblings Bühnenstück adaptierte, als Regisseur vorgesehen. Florey präferierte Bela Lugosi in der Rolle des Ungeheuers, Lugosi lehnte die Rolle aber ab, da er befürchtete, durch die Make-up-Effekte seien seine Gesichtszüge kaum zu erkennen. Schließlich übernahm der Theaterregisseur James Whale die Regie und der bis dahin nahezu unbekannte Darsteller Boris Karloff erhielt die Rolle des Monsters.
Seither wird mit dem Begriff Frankenstein nicht der Schöpfer des Monsters, sondern das Monster selbst assoziiert. Daran hatte nicht zuletzt Maskenbildner Jack P. Pierce einen großen Anteil, denn er schuf das charakteristische, kantige Aussehen des Ungeheuers. Viele Filmhistoriker sind der Meinung, dass Pierce sich an die von James Whale geschaffenen Vorlagen hielt, der viele Skizzen zum Aussehen des Monsters zeichnete und sich dabei an Karloffs markanten Gesichtszügen orientierte.
Karloff selbst musste sich an jedem Drehtag einer vierstündigen Prozedur unterziehen, um in die Rolle des Monsters zu schlüpfen. Dabei brachte er auch eigene Ideen ein, so zum einen die herunterhängenden Augenlider, die mit Wachs verlängert wurden und dem Monster einen schläfrigen Ausdruck verleihen. Zum anderen nahm er eine Brücke seines Gebisses heraus, was dem Gesicht den typisch leichenhaften, hohlen Ausdruck verleiht.
Edward van Sloan (Professor Waldman) und Dwight Frye (Fritz) spielten zuvor schon in einer Dracula-Verfilmung mit, Sloan als Dr. Van Helsing und Frye als Renfield. Mit Colin Clive, der als schwierig galt, hatte Whale schon in Journey’s End zusammengearbeitet. Whale setzte durch, dass Clive die Rolle des Henry Frankenstein bekam und nicht der von Universal eigentlich vorgesehene Leslie Howard.
In der ursprünglichen Fassung stirbt Frankenstein bei seinem Sturz von der Mühle. Testvorführungen des Films ergaben jedoch, dass die Zuschauer mit diesem Ende nicht einverstanden waren, weshalb das bekannte Ende mit dem schwerverletzten, aber noch lebenden Frankenstein nachgedreht wurde.
Die Idee des „abnormalen Gehirns“, das Fritz aus der Universität entwendet, nachdem er das Glas mit dem „normalen“ Gehirn fallen ließ und es damit unbrauchbar machte, geht auf eine Idee Floreys zurück, der damit eine Erklärung für das mörderische Verhalten des Monsters schaffen wollte.
Außergewöhnlich ist die Kameraarbeit von Arthur Edesons. Der Film erhält einen Großteil seiner Dynamik durch Zooms, Schwenks und Kamerafahrten aus für die damalige Zeit ungewöhnlichen Perspektiven. Edeson, der schon bei Im Westen nichts Neues die Kamera führte und mit Whale bei der Produktion von Waterloo Bridge zusammenarbeitete, verließ das zu dieser Zeit in amerikanischen Produktionen genutzte Verfahren der statischen Kamera und experimentierte mit Licht und Schatten, um die typisch gruselig-klaustrophobische Atmosphäre zu schaffen.