Francesco Donà, auch Donato (* 1468 in Venedig; † 23. Mai 1553 ebenda), war von seiner Wahl am 24. November 1545 bis zu seinem Tod – wenn man der Zählweise der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der Republik Venedig folgt – der 79. Doge.
Wie die meisten Dogen dieser Epoche kam Donà erst in hohem Alter in dieses Amt. Dementsprechend lang waren im Allgemeinen ihre Karrieren im sich immer mehr ausdifferenzierenden staatlichen Apparat Venedigs.
Francesco Donà erhielt bereits mit 18 die ersten Aufgaben, lehnte allerdings auch einige Male Wahlen, etwa zum Gesandten, ab. Dennoch hielt er sich 1504 am spanischen Hof auf, 1512 in Mailand, vor allem aber war er auf der Terraferma tätig, dem Herrschaftsgebiet Venedigs in Oberitalien. Neben anderen Posten füllte er dabei das Amt des Podestà aus, etwa in Rovigo, Udine oder Padua. Vor allem aber war er im Arsenal, der venezianischen Flottenbasis tätig und stieg in den Rat der Zehn auf, der zu dieser Zeit ein gewichtiges Machtzentrum darstellte. Schließlich war er einer der einflussreichsten Senatoren und auf Lebenszeit Prokurator von San Marco.
Seine Amtszeit als Doge war durch eine Politik der Neutralität gegenüber den Großmächten der Epoche, nämlich gegenüber Frankreich, dem Habsburger- und dem Osmanenreich gekennzeichnet. Innenpolitisch sorgte er für eine Fortsetzung der Städtebaupolitik seines Vorgängers. Er förderte ab 1547 die Bekämpfung der Reformation durch die Inquisition.
Die Donà gehörten zu den angesehensten „neuen“ Familien. Zwischen dem 16. und dem 17. Jahrhundert stellte die Familie drei Dogen, außer Francesco waren diese Leonardo Donà und Nicolò Donà, außerdem acht Prokuratoren von San Marco und einen Kardinal.
Geboren wurde Francesco Donà in einem Haus am Rio Terrà in Cannaregio. Sein Vater war Alvise, Sohn des Doktors und Ritters Andrea, und zugleich Angehöriger des Familienzweigs „dalle Rose“, seine Mutter Camilla Lion di Marino di Andrea. Trotz des frühen Todes seines Vaters erhielt Francesco eine solide humanistische Ausbildung, wie sie inzwischen als unabdingbar galt, um sich im politischen Rahmen Venedigs bewähren zu können. Dabei kümmerte sich wahrscheinlich sein Onkel Antonio um den Jungen, auch wenn er, im Gegensatz zu seinem Cousin Girolamo, nicht den Doktortitel erlangte. So verkehrte er nicht nur in entsprechenden Kreisen und gewann dort Freunde, wie etwa Pietro Bembo, sondern er galt auch als eleganter Redner, wie die Quellen übereinstimmend berichten.
1494 heiratete er, wie Marco Barbaro berichtet, eine Tochter des Alvise Da Mula di Alessandro. Doch in den offiziellen Dokumenten findet sich darauf kein Hinweis. Sicher ist nur, dass er 1496 Maria Giustinian di Antonio di Nicolò heiratete, die ihm eine Tochter schenkte. Diese, getauft auf den Namen Vittoria wurde Nonne. Ihr zweites Kind, ein Sohn, erhielt den Namen Alvise. Dieser strebte jedoch keinerlei weltliche Karriere an, sondern strebte danach „cum tutto el spirito a salvare l’anima sua e fa vita da heremito“, also seine Seele zu retten und als Eremit zu leben. Dementsprechend erschien Alvise mit keinem Wort im väterlichen Testament. Stattdessen verteilte der Doge sein beträchtliches Erbe unter seine Enkel Domenico, Francesco und Piero; auch die drei Enkelinnen wurden, entsprechend der gewohnten Heiratspolitik, standesgemäß verehelicht.
In der zweiten Jahreshälfte 1492 wurde er bereits, kaum dass er die per Gesetz vorgegebene Altersgrenze erreicht hatte, zu einem der Savi agli Ordini gewählt, 1496 wurde er erneut in dieses Amt gewählt. Zwei Jahre später war er Auditor vecchio und weiterhin Savio agli Ordini zwischen Oktober 1500 und März 1501. In dieser Position setzte er effizient einen Vorschlag des Savio del Consiglio, des Dogenrats, Nicolò Trevisan um, eine Sonderabgabe von fünf Soldi pro campo zur Finanzierung des Krieges gegen die Osmanen einzuführen. Dieser Eifer sollte womöglich überdecken, dass der Podestà von Piove di Sacco ihn und einen seiner Brüder der Übergriffe und des Wuchers gegen Landleute bezichtigt hatte, wie Marin Sanudo berichtet („fá manzarie contra villani et usure“). Allerdings ist der Historiker und Tagebuchschreiber Marin Sanudo gegenüber Donà sehr reserviert, der ihm missfiel, weil er pro-französisch und anti-spanisch war, und weil er sich gegen den Papst stellte. Andererseits ist Sanudo die wichtigste Quelle zu Donà, zumindest bis 1536 – die Edition seiner Diarien, einer Art politisch-gesellschaftlicher Tagebücher, die die Zeit von 1496 bis 1533 umfassen, füllt 58 Bände.
Gesandter nach Spanien (1504): Portugiesen in Indien, Römisch-deutsches Reich und Frankreich
Donà lehnte es mehrfach ab, Gesandtschaftsreisen anzutreten, obwohl er im Senat in diese Positionen gewählt worden war. Dabei handelte es sich um entsprechende Reisen an die Höfe von Frankreich (23. Juni 1500), Portugal (11. April 1501), Ungarn (19. August 1501) und nochmals Paris (20. November 1501). Nachdem er nochmals das Amt des Auditor vecchio übernommen hatte, akzeptierte er am 18. März 1504 die Nominierung zu einer Legation nach Spanien, wo er nach einer Reise über Mailand und Savoyen am 15. Dezember 1504 ankam.
Sein Bericht (relazione), den Donà am 24. September 1506 nach seiner Rückkehr im Senat verlas, ist nicht erhalten geblieben. Wieder berichtet nur Sanudo. Nach ihm hatte Donà im Wesentlichen zwei Aufgaben, nämlich Erleichterungen für den venezianischen Gewürzhandel, der von den neuen Kontakten Portugals nach Calicut (Indien) bedroht wurde, zu erreichen. Außerdem sollte er die Risiken abstellen, die aus den (ersten beiden) Verträgen von Blois zwischen Ludwig XII. von Frankreich und dem Römisch-deutschen Reich womöglich erwachsen konnten. Zwar erreichte er die besagten Handelsvorteile, doch konnte er nicht verhindern, dass es am 10. November zum Abschluss eines Bündnisses mit Frankreich kam. Während König Ferdinand Venedig wohlgesonnen sei, so berichtet Sanudo, sei Königin Isabella „bruta e zota“. Maliziös flicht Sanudo ein, Donà habe weder über seine Ausgaben geredet, noch habe er sich für sein Versagen entschuldigt, er sei, dem Brauch gemäß, vom Dogen gelobt worden.
Podestà von Vicenza (1508–1509), Provveditore sopra i beni dei ribelli (1510–1512)
Noch am Hof Ferdinands wurde Donà, kaum in Neapel angekommen, am 6. April 1507 zum Orator, zum Redner bestimmt, doch eilte er ins Collegio und entschuldigte sich dafür, dass er die Wahl nicht annehmen könne, weil er sich um seine Privatangelegenheiten kümmern müsse. Zwar erhielt er für dieses Mal Dispens, doch am 23. Juli 1508 wurde er zum Podestà von Vicenza gewählt. So wurde er Rettore in Terraferma im Frühjahr 1509, während sich die Republik auf die Verbündeten von Cambrai vorbereitete. Im März war der Condottiere Bartolomeo d’Alviano (um 1455 – 1515) in Vicenza, der für die Verbesserung der Verteidigungsanlagen Sorge trug. Doch alle Vorbereitungen auf eine Belagerung, die die Rettori nach Kräften unterstützten, waren am Ende umsonst, nachdem Venedig am 14. Mai 1509 in der Schlacht bei Agnadello unterlegen war. Venedig verlor die Terraferma. Am 3. Juni wurden Donà und sein Amtskollege Gabriele Moro angewiesen, die Stadt an die Kaiserlichen zu übergeben. Am 6. Juni kehrten die beiden Männer nach Venedig zurück. Nun erhielt der militärisch wenig begabte Donà mehrere Monate lang keine Ämter mehr.
Dies änderte sich ab Oktober 1510, als er in die Zonta des Rates der Zehn berufen wurde, am 9. Oktober fiel ihm als Provveditore sopra i beni dei ribelli die Aufgabe zu, die Güter derjenigen zwangsweise zu versteigern, die sich auf die Seite der Gegner Venedigs geschlagen hatten. So verbrachte er den Sommer 1512 damit, die Besitztümer des „Rebellen“ Antonio Savorgnan zu inspizieren, auf den der Senat ein Kopfgeld ausgesetzt hatte, und der 1512 ermordet wurde.
Gesandter nach Mailand, Podestà von Rovigo (1517), Rat der Zehn (1518)
Nach Venedig zurückgekehrt, wurde er im Oktober 1512 zum Gesandten in Mailand ernannt, der den Medici zur Rückgewinnung ihrer Herrschaft gratulieren sollte. Im Mai 1513 wurde er wieder zum Avogador di Comun gewählt. Donà scheint sich eine Weile aus der Politik zurückgezogen zu haben, im Oktober 1513 gehörte er zu einer Gruppe von Adligen, die sich weigerten, die Verteidigung von Treviso und Padua zu finanzieren. Am 5. September 1514 entzog er sich erneut einem Amt, nämlich dem eines Consigliere auf der Insel Zypern, die zu Venedigs Kolonialreich gehörte. Er zog es vor, als Botschafter nach England zu gehen, doch auch hiervon ließ er sich dispensieren – wohl aus gesundheitlichen Gründen.