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Françoise d’Aubigné, marquise de Maintenon

Mätresse und später heimliche Ehefrau Ludwigs XIV.

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Françoise d’Aubigné, verheiratete Madame Scarron, ab 1688 Marquise de Maintenon, genannt Madame de Maintenon (* 27. November 1635 in Niort; † 15. April 1719 in Saint-Cyr-l’École), gilt als letzte Mätresse Ludwigs XIV. von Frankreich, und war, wohl ab 1683 oder 1684, in einer stets geheimgehaltenen morganatischen Ehe seine zweite Gemahlin.

Françoise d’Aubigné kam im Gefängnis von Niort als Tochter des dort inhaftierten Hugenotten Constant d’Aubigné (1585–1647) und der Jeanne de Cardilhac zur Welt. Ihre Mutter war katholisch und stammte aus einer angesehenen Familie; Constant d’Aubigné galt als Abenteurer, Spieler und Trinker, er war ein Sohn des hugenottischen Heerführers und bekannten Autors Théodore Agrippa d’Aubigné.

Bis zum Alter von sieben Jahren wuchs Françoise, wie ihre beiden älteren Brüder, bei ihrer hugenottischen Tante Louise-Arthémise de Villette, einer Schwester ihres Vaters, auf; sie verbrachte dabei eine glückliche Kindheit auf Schloss Mursay (im heutigen Département Deux-Sèvres). Nachdem ihr Vater 1642 aus dem Gefängnis entlassen worden war, holte er seine drei Kinder nach Paris, wo Françoise von ihrer Mutter sehr streng behandelt wurde. 1645 beschloss der mittlerweile sechzigjährige Constant d’Aubigné, zu den Antillen (Westindischen Inseln) aufzubrechen; er machte sich Hoffnungen auf einen Gouverneursposten auf der Insel Marie-Galante. Als sich herausstellte, dass der Posten bereits besetzt war, ließ der Vater seine Familie auf Marie-Galante zurück, um sein Glück wieder in Europa zu versuchen; er starb 1647. Ihrer Mutter gelang es nur mit Hilfe der französischen Westindienkompanie zu überleben und sie kehrte mit ihren Kindern erst zwei Jahre später nach Frankreich zurück, wo Françoise wieder von ihrer geliebten hugenottischen Tante, Madame de Villette, aufgenommen wurde. In diesem Moment mischte sich jedoch Madame de Neuillant, eine Großtante mütterlicherseits, ein, die es nicht ertrug, dass die katholisch getaufte Françoise eine hugenottische Erziehung erhielt. Sie schickte sie zunächst zu den Ursulinen nach Niort, wollte dann jedoch das Schulgeld nicht bezahlen und nahm sie in ihrem eigenen Hause auf, wo Françoise „ein Aschenbrödel-Dasein“ geführt haben soll.

1652 ging sie zusammen mit Madame de Neuillant nach Paris, wo sie den 42-jährigen Komödienautor Paul Scarron kennenlernte. Dieser litt unter fortschreitender Muskellähmung, saß im Rollstuhl und sah nach eigenen Worten „wie ein Z“ aus; Françoise soll bei seinem Anblick vor Mitleid in Tränen ausgebrochen sein. Scarron fiel nicht nur die Schönheit, sondern auch die ungewöhnliche Intelligenz des zurückhaltenden Mädchens auf, und er machte ihr einen Heiratsantrag, den die Sechzehnjährige annahm. Scarron schulte ihre Wortgewandheit und ihren Esprit und lehrte sie Spanisch, Italienisch und etwas Latein. Als seine Frau fand sie über die vielen geistreichen Gäste, die in Scarrons Haus verkehrten, Zugang zu vornehmen Pariser Kreisen, in denen sie als interessante, angenehme Gesprächspartnerin wahrgenommen wurde. Man nannte sie wegen ihrer ungewöhnlichen und abenteuerlichen Vergangenheit in Westindien „la belle Indienne“ („die schöne Inderin“). In dieser Zeit lernte sie unter anderem die berühmte geistreiche Kurtisane Ninon de Lenclos kennen.

Nach dem Tode Scarrons 1660 geriet seine Witwe in finanzielle Bedrängnis. Da sie viele adlige Freunde hatte, die sich bei der Königinmutter Anne d’Autriche und dem König für sie einsetzten, gewährte dieser ihr aus seiner Schatulle eine Pension von 2000 Livres, von der sie immer noch „beengt“, aber immerhin mit einer Magd ausgestattet leben konnte. Madame Scarron übernahm zuweilen bei ihren adligen Freundinnen die Aufgaben einer Zofe und kümmerte sich um die Kinder der Marquise de Montchevreuil. Während dieser Zeit lernte sie auch die Marquise de Montespan kennen, die einige Jahre später die Mätresse des Königs wurde.

Als Madame Scarron später selbst Favoritin des Königs wurde, versuchten Montespan und andere ihr feindselig gesonnene Personen, sie zu verleumden, indem sie Gerüchte in die Welt setzten, die Witwe Scarron habe sich von mehreren Verehrern „aushalten“ lassen (das heißt, sie habe sich prostituiert). Dies wurde auch später von Saint-Simon behauptet, der sie hasste, aber zu jung war, um es aus erster Hand wissen zu können. Andere Personen versicherten dagegen, sie sei tugendhaft gewesen; einer ihrer ehemaligen Verehrer, der Marquis de Marsilly, meinte, sie „habe dreißigtausend Taler von dem Oberintendanten Lorme zurückgewiesen, obgleich sie arm gewesen sei“. Eine Liebesbeziehung Madame Scarrons mit dem Marquis de Villarceaux gilt dennoch als erwiesen, Zeugin ist Ninon de Lenclos:

Villarceaux soll sich geweigert haben, sie zu heiraten, weil er fürchtete, sich lächerlich zu machen, da sie „nur“ die Witwe des Dichters Scarron war; daher brach sie mit ihm im Jahr 1664.

Gouvernante und Vertraute des Königs

Die Lage der Madame Scarron besserte sich ab 1669, als sie auf Bitten der Montespan, die mittlerweile die Geliebte Ludwigs XIV. geworden war und heimlich ein Kind von ihm geboren hatte, zu dessen Erzieherin bestellt wurde. Von Mademoiselle de Scudéry wurde die Witwe Scarron zu dieser Zeit folgendermaßen beschrieben:

Ab 1670 wuchs die Schar ihrer kleinen königlichen Schützlinge regelmäßig; Madame Scarron lebte einige Jahre lang zusammen mit ihnen in einem Haus in Vaugirard am Rande von Paris und entwickelte eine aufrichtige mütterliche Zuneigung für sie. Besonders liebte sie den 1670 geborenen, leicht gehbehinderten Duc du Maine, den sie auch zu Badekuren nach Barèges begleitete (im Sommer 1675). Als Ludwig im Dezember 1673 seine bis dahin geborenen unehelichen Kinder legitimierte und an den Hof kommen ließ, erhielt auch ihre Gouvernante Zutritt bei Hofe. Sie gewann das Vertrauen des Königs, was zu Auseinandersetzungen mit Madame de Montespan führte, die immer mehr die Rolle der absoluten Maîtresse en titre, der offiziellen Geliebten des Königs, einnahm. Im Laufe der Jahre wurde für Ludwig der Kontakt zu der Erzieherin seiner Kinder unverzichtbar. Sie stieg in seiner Gunst und war schon 1674 in der Lage, sich von seiner Zuwendung von 25.000 Livres die Besitzung Schloss Maintenon im Westen von Paris zu kaufen, die für sie 1688 zum Marquisat mit Pairschaft (französisch marquisat-pairie) erhoben wurde. Madame Scarron ließ die heruntergekommene Anlage umfassend restaurieren. Madame de Montespan brachte dort am 4. Mai 1677 ihre Tochter Mademoiselle de Blois zur Welt.

Wurde Madame Scarron bei Hofe wegen ihrer untergeordneten Stellung und trotz ihrer Freundschaft mit Madame de Montespan zunächst wenig beachtet, so blieb ihr wachsender Einfluss auf den König den Höflingen nicht verborgen. Doch zu diesem Zeitpunkt schien sie über jeden Verdacht einer sexuellen Beziehung zu ihm erhaben. Languet de Gergy meinte, die Neigung des Königs zur Maintenon habe sich „immer nur auf Achtung“ beschränkt.

Madame de Maintenon galt als bescheiden, zurückhaltend, diskret und fromm – Tugenden, die laut Languet de Gergy „so selten bei den Hofleuten waren“. Sie versuchte stets, die religiösen Gefühle des Königs zu mobilisieren. Als der König ihr einige Jahre später anbot, sie in den Rang einer Herzogin zu erheben, lehnte sie ab. Ihre Persönlichkeit stand in einem besonderen Kontrast zum brillanten, aber spöttischen, reizbaren, hochfahrenden, kühl berechnenden und verschwendungssüchtigen Charakter der Montespan, von der Ludwig sich schließlich lossagte, da sie nach etlichen Skandalen, und insbesondere einer Verwicklung in die berüchtigte Giftaffäre, zu einer Belastung geworden war. Nach und nach wurde es dem König zur Gewohnheit, täglich mehrere Stunden bei Madame de Maintenon zu verbringen, um mit ihr „endlose Gespräche“ zu führen und „freundschaftlich und ganz ungezwungen und frei zu plaudern“. Madame de Sévigné konstatierte: „Er scheint davon bezaubert.“

Im Jahr 1680, anlässlich der Hochzeit des Grand Dauphin Louis mit Marie Anne Christine von Bayern, wurde Madame de Maintenon zur zweiten Dame d’atours der künftigen Dauphine ernannt. Dies war ein deutliches Zeichen der königlichen Gunst. Obwohl Ludwig XIV. zu dieser Zeit bereits „den größten Teil seiner Zeit in der Nähe Madame de Maintenons“ verbrachte, meinte Primi Visconti, „der gesamte Hof war erstaunt“, und nannte sie „eine Unbekannte, die Witwe des Dichters Scarron, für die das Amt einer Erzieherin der natürlichen Kinder des Königs der Gipfel des Glücks zu sein schien“. Visconti berichtet, wie man die Maintenon und ihre Beziehung zum König zu dieser Zeit bei Hofe wahrnahm:

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