An diesem Tag

François Fénelon

Französischer Erzbischof und Schriftsteller

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François de Salignac de La Mothe-Fénelon (* 6. August 1651 auf Schloss Fénelon im Périgord; † 7. Januar 1715 in Cambrai) war ein französischer Erzbischof, Theologe, Philosoph, Pädagoge und Staatsethiker.

Fénelon entstammte einer alten Adelsfamilie des Périgord (genau des Quercy im Grenzgebiet zum Périgord an der Dordogne). In der sehr katholischen Familie, die schon mehrere Bischöfe hervorgebracht hatte, und wo bereits ein Bruder und eine Schwester die geistliche Laufbahn eingeschlagen hatten, lag es für das zweitjüngste von 14 Kindern zweier Ehen nahe, ebenfalls die kirchliche Laufbahn zu wählen, nach dem frühen Tod seines Vaters von seinen Onkeln entsprechend gefördert. Über seine frühen Studien ist nichts Sicheres bekannt. Die Annahme seiner ersten Biographen, dass er zunächst in Cahors, und später in Paris bei den Jesuiten zur Schule gegangen ist und Theologie studiert hat, ist nicht belegt. Gesichert ist nur sein Studium am Pariser Kolleg von Plessis. Zu dem von den Sulpizianern geleiteten und zuvor von Jean Jacques Olier gegründeten Pariser Priesterseminar St-Sulpice hatte er enge Beziehungen und begann dort seine Priesterlaufbahn.

Auf Empfehlung seiner Förderer im Klerus und im Adel, die auf seine beeindruckenden Predigten verweisen konnten, wurde Fénelon 1679 zum Superior des Hauses der Nouvelles Catholiques ernannt, einer Pariser Erziehungseinrichtung, in der junge Mädchen aus angesehenen hugenottischen Familien zum Katholizismus geführt werden sollten. Seine Rolle in dieser mit Gewissenszwang arbeitenden Einrichtung ist umstritten. Soweit man heute weiß, beschränkten sich seine Aufgaben darauf, die Abschwörung der Insassinnen vom Calvinismus entgegenzunehmen, von Zeit zu Zeit die Predigt zu halten und allgemeine Verwaltungsaufgaben wahrzunehmen. Er selbst war gegen jede Art der Zwangsmissionierung, die nur in Heuchelei führe, hatte aber wenig Einfluss auf die alltägliche Führung des Hauses.

1683 war der junge Priester regelmäßig Gast bei den Treffen des hochrangigen Freundeskreis von Jacques Bénigne Bossuet, des Bischofs von Meaux, im bischöflichen Landschloss in Germigny. Auf Wunsch des Ehepaares de Beauvillier, das er geistlich begleitete, schrieb er eine pädagogische Anleitung für die Erziehung der Töchter des Paares, die er 1686 zu seinem Buch De l’éducation des filles („Über die Mädchenerziehung“, publiziert 1687) ausarbeitete. 1685/86 und erneut 1687, nach dem Edikt von Fontainebleau, womit das 1598 von Heinrich IV. erlassene Edikt von Nantes zur freien Ausübung des Protestantismus in Frankreich aufgehoben worden war, leitete er Missionskampagnen in der Saintogne und im Aunis, den damals calvinistischen Regionen Südwestfrankreichs, die aber nur mäßig erfolgreich waren. Zwar hatte er selbst jegliche Zwangsmissionierung für seine Kampagnen ausgeschlossen und durch Zugeständnisse an die religiösen Gewohnheiten der Hugenotten ein freundliches Klima zu schaffen versucht, aber der Groll der Einwohner der Gegend, die harte Straf- und Zwangsmaßnahmen erlebt hatten, saß tief. Seine gewinnende Persönlichkeit und seine Überzeugungskraft hatten zumindest eine erste Grundlage geschaffen für die Weiterarbeit der dann dauerhaft in der Gegend tätigen Orden und Priester. Auf seine Aufgaben als Priester hatte Fénelon sich unter anderem mit seiner 1679 verfassten Schrift Dialogues sur l’éloquence („Dialoge über die Redekunst“) vorbereitet, die eine Selbstreflexion über gutes und vor allem überzeugendes Predigen war, aber unveröffentlicht blieb.

Im Winter 1687/88 hat Fénelon auf Anregung Bossuets die erst nach seinem Tod veröffentlichte philosophisch-theologische Schrift Traité de l’existence de Dieu et de la réfutation du système de Malebranche sur la nature et sur la Grâce („Traktat über die Existenz Gottes zwecks Widerlegung von Malebranches System der Natur und der Gnade“) verfasst, die sich kritisch mit der Philosophie Malebranches auseinandersetzt. Parallel dazu begann er seine Schrift Démonstration de l'existence de Dieu („Beweis der Existenz Gottes“), die sich apologetisch gegen den aufkommenden Atheismus richtete. Das Werk wurde erst 1713 vollendet. Ein populärer, an ein breites Publikum gerichteter erster Teil erschien 1713, vollständig wurde das Werk mit dem zweiten metaphysischen Teil erst posthum 1718 herausgegeben. Der katholische Priester Jean Meslier, der insgeheim an einem atheistischen Werk arbeitete, hat sein Exemplar der Démonstration mit kritischen Randbemerkungen versehen, die später als Schrift herausgegeben wurden.

Fénelon hatte in diesen Jahren Zugang zu einem tief religiösen Kreis bei Hof gefunden, insbesondere zu der einflussreichen Colbert-Familie. 1689 wurde er über diesen Kreis auch mit Madame de Maintenon persönlich bekannt, der morganatisch angetrauten zweiten Gattin von Ludwig XIV. Diese verkehrte zu jener Zeit noch mit der mystisch-frommen Madame de Guyon und sympathisierte mit dem von ihr propagierten Gebetsweg, der bald unter den Verdacht geriet, „Quietismus“ zu sein, in dem viele Franzosen einen Weg zu einer vertieften Religiosität suchten. Auch Fénelon war von Madame Guyon tief beeindruckt, als er sie im Winter 1688 bei einem Treffen religiöser Damen auf Schloss Beynes kennenlernte. Durch sie wurde er in die christliche Mystik eingeführt und erhielt den Anstoß zur Ausarbeitung seiner eigenen mystischen Theologie der Reinen Liebe, des „amour pur“.

Im Sommer 1689 wurde er auf Vorschlag des Duc de Beauviller aus der Colbert-Familie, dessen geistlicher Berater er bereits länger war, von Ludwig XIV. zum Hauslehrer seines siebenjährigen Enkels, des Duc de Bourgogne, berufen. Dies verschaffte ihm eine einflussreiche Position am Hof und war sicherlich ausschlaggebend für seine Aufnahme in die Académie française (1693) sowie für seine Ernennung zum Erzbischof von Cambrai (1695). Die Berufung auf den Bischofsstuhl in einer weit entfernten Diözese wurde allerdings von seinem Freundeskreis als eine Art Exil angesehen, denn inzwischen war er durch seine Freundschaft zu Madame de Guyon in den Verdacht geraten, dem „Quietismus“ anzuhängen. Bossuet und Madame de Maintenon hatten sich im Streit um den Quietismus, der inzwischen als schwere Häresie verfolgt wurde, von ihm abgewandt. Der einflussreiche erzbischöfliche Stuhl von Paris wäre für ihn ansonsten möglicherweise greifbar gewesen, da das Ableben des schwer erkrankten Amtsinhabers jederzeit erwartet wurde.

Für seinen fürstlichen Schüler schrieb Fénelon (wie schon so häufig Fürstenerzieher vor ihm, beispielsweise auch Bossuet) mehrere unterhaltende und zugleich belehrende Werke: zunächst eine Sammlung von Fabeln, dann für den älteren Schüler die Dialogues de morts („Totengespräche“), vor allem aber den ab 1692 verfassten Abenteuer-, Reise- und Bildungsroman Les Aventures de Télémaque (Deutsch in erster Übersetzung von August Bohse unter dem Titel Staats-Roman, welcher unter der denckwürdigen Lebens-Beschreibung Telemachi Königl. Printzens aus Ithaca, und Sohns des Ulyssis vorstellet, wie die Königl. und Fürstlichen Printzen vermittelst eines anmuthigen Weges zur Staats-Kunst und Sitten-Lehre anzuführen durch| Franciscum de Salinac de la Mothe-Fenelon Ertz-Bischoffen zu Cambray. Chr. Bauch, Breslau 1700).

In diesem pseudo-historischen und zugleich utopischen Roman führt der Autor den jungen Odysseus-Sohn Telemachos und dessen Lehrer Mentor (in dem sich Athene, die Göttin der Weisheit, verbirgt und der sichtlich Sprachrohr Fénelons ist) durch diverse antike Staaten, die meist durch Schuld ihrer von Schmeichlern und falschen Ratgebern umgebenen Herrscher ähnliche Probleme haben wie das ständig Kriege führende und dadurch verarmende Frankreich der 1690er Jahre. Er zeigt aber am fiktiven Stadtstaat Salent, wie sich diese Probleme dank der Ratschläge Mentors lösen ließen durch friedlichen Ausgleich mit den Nachbarn und durch Reformen, insbesondere die Förderung der Landwirtschaft und die Zurückdrängung der Luxusgüterproduktion. Der Télémaque, der ab 1698 in Abschriften am Hof zirkulierte, wurde sofort interpretiert als kaum verschlüsselte Kritik am autoritären Regierungsstil Ludwigs XIV. und an seiner aggressiven, kriegerischen Außenpolitik und seiner exportorientierten merkantilistischen Wirtschaftslenkung, die die Produktion und den Export von Luxusgütern unterstützte und die Ressourcen des Landes in Kriegen und in ausuferndem höfischen Prunk und Prachtbauten verschwendete.

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