François Couperin (auch François II Couperin), Sieur de Crouilly, genannt „Le Grand“ („der Große“; * 10. November 1668 in Paris; † 11. September 1733 ebenda), war ein französischer Cembalist, Organist und Komponist. Er gilt als der bedeutendste Vertreter der französischen Organisten-, Clavecinisten- und Komponistenfamilie Couperin und war eine der einflussreichsten musikalischen Persönlichkeiten in Frankreich zwischen Lully und Rameau.
François war das einzige (die Kindheit überlebende) Kind von Charles (II) Couperin (1638–1679), Organist an der Kirche St-Gervais in Paris, und dessen Frau Marie Guérin. Den ersten Musikunterricht erhielt er vermutlich von seinem Vater und seinem gleichnamigen Onkel François; dabei dürfte er auch das Werk seines frühverstorbenen anderen Onkels Louis Couperin kennengelernt haben. Er war außerdem Schüler von Jacques-Denis Thomelin, der ihn in Orgel und Cembalo sowie Komposition unterrichtete und ihn wie einen eigenen Sohn behandelt haben soll.
Da er nach dem frühen Tod seines Vaters erst 10 Jahre alt war, ließ ihm seine Mutter vertraglich die Nachfolge für die Organistenstelle seines Vaters an St-Gervais zusichern, die bis zu seinem 18. Geburtstag übergangsweise Michel-Richard Delalande übernahm. François Couperin sprang jedoch sehr wahrscheinlich schon vorher (mindestens ab 1683) immer wieder für den vielbeschäftigten Delalande ein, bevor er die Stelle ab 1685, schon ein Jahr vor seinem 18. Geburtstag, zunächst für 300 Livres übernahm. Er blieb Organist an St-Gervais bis zu seinem Lebensende, übertrug die Nachfolge für die Stelle aber 1723 seinem Cousin Nicolas Couperin.
1689 heiratete François Couperin Marie Anne Ansault (um 1668–1747), die Tochter eines Weinhändlers, mit der er mindestens fünf Kinder hatte: Marie-Madeleine (11. März 1690–16. April 1742), die später Nonne und wahrscheinlich Organistin in Maubuisson wurde; François-Laurent († nach 1747), der von zuhause wegging und den Kontakt zu seinen Eltern abbrach; Marguerite-Antoinette (19. September 1705–um 1778), die nach ihrem Vater Cembalistin am Königlichen Hof wurde; außerdem einen früh verstorbenen Sohn François († 1692) und Nicolas-Louis (getauft 26. Juli 1707), der vermutlich ebenfalls früh verstarb.
Bereits 1690 bekam Couperin ein erstes königliches Privileg zum Druck und Verkauf von eigenen Kompositionen und veröffentlichte kurz darauf mit Unterstützung durch Delalande sein einziges Orgelbuch mit zwei Orgelmessen, darunter die Messe „à l'usage ordinaire des paroisses pour les festes solemnelles“. Es wurde jedoch nur das Titelblatt und das königliche privilège gedruckt, die Noten selber wurden handschriftlich kopiert und verbreitet, was auf eine eher begrenzte Auflage schließen lässt.
Schon um diese Zeit begann er sich für die zeitgenössische italienische Musik – ganz besonders für die Triosonaten Arcangelo Corellis – zu interessieren, die völlig anders war als die traditionelle französische Musik und auch von manchen Franzosen abgelehnt wurde. Jedenfalls komponierte er nach eigener Aussage als erster in Frankreich eine „italienische“ Triosonate, die er unter falschem Namen einem Kreis italophiler Musikliebhaber vorstellte, mit vollem Erfolg. Möglicherweise handelte es sich dabei um den musikalischen Salon von Nicolas Mathieu, dem Curé der Kirche St André-des-Arts in Paris (in der Nähe von St-Gervais), wo wöchentlich Konzerte mit italienischer Musik stattfanden. Bei der Musik könnte es sich um eine von sechs handschriftlich erhaltenen Triosonaten handeln, die Couperin wohl in den 1690er Jahren komponierte, und von denen er drei 1726 in überarbeiteter und ergänzter Form unter dem Titel Les Nations veröffentlichte.
1693 erhielt Couperin zusätzlich zu seiner Orgelstelle an St-Gervais eine der vier Organistenstellen an der Königlichen Kapelle in Versailles für das jeweils erste Quartal des Jahres (Januar bis März), als Nachfolger seines verstorbenen Lehrers und Mentors Thomelin. Seine drei Kollegen waren Jean-Baptiste Buterne, Guillaume-Gabriel Nivers und Nicolas Lebègue. Beim offiziellen Vorspielwettbewerb setzte sich Couperin gegen sieben andere Kandidaten durch; der König ließ ihn allerdings (wie üblich) drei Tage im Ungewissen.
Neben seinem Dienst als Organist schuf Couperin für die königliche Kapelle in den folgenden Jahren verschiedene kammermusikalisch besetzte petit motets, von denen einige, die er auf ausdrücklichen Wunsch des Königs komponiert hatte („composé de l’ordre du Roy“), zwischen 1703 und 1705 veröffentlicht wurden. Laut Titon du Tillet soll er auch zwölf Motetten „á grand choeur“ (für großen Chor) für die königliche Kapelle geschrieben haben, von denen jedoch bis heute (Stand 2024) jede Spur fehlt.
François Couperin war vor allem ein begnadeter Cembalist und ein gesuchter Lehrer für dieses Instrument. Laut eigener Aussage im Vorwort zu seinem ersten Buch mit Pièces de clavecin (1713) wurde er schon bald nach seiner Ernennung zum Königlichen Organisten auch Cembalolehrer des Dauphin Louis de Bourbon, duc de Bourgogne, und von sechs weiteren Prinzen und Prinzessinnen. Bei diesen illustren Schülern handelte es sich u. a. um mehrere uneheliche, legitimierte Kinder Ludwigs XIV. oder deren Nachkommen: Marie Anne de Bourbon, princesse de Conti; der Comte de Toulouse; sowie Louise-Elisabeth de Bourbon und ihre Schwester Louise Anne de Bourbon, genannt Mademoiselle de Charolais. Später unterrichtete er auch Maria Leszczyńska, die Gemahlin Ludwigs XV. Andere bekannte Schüler Couperins waren der Organist und Clavecinist Nicolas Siret und der Komponist François Chauvon.
Er nahm außerdem regelmäßig an den Hofkonzerten teil, wobei es seinen eigenen Talenten entgegenkam, dass Ludwig XIV. nach dem Tode Lullys (1687) und unter dem Einfluss seiner zweiten Gemahlin, Madame de Maintenon, sein Interesse mittlerweile in erster Linie auf Kirchen- und Kammermusik richtete. Couperins Mitwirkung an königlichen Konzerten wird 1701–1702 im Mercure galant erwähnt und der Komponist selber schrieb im Vorwort seiner 1722 veröffentlichten vier Concerts Royaux, er habe diese ausdrücklich für die kleinen Kammerkonzerte gemacht, „zu denen Ludwig XIV.“ ihn „beinahe jeden Sonntag des Jahres kommen ließ“ („… où Louis XIV me faisait venir presque tous les dimanches de l’année.“).
Nach neueren Erkenntnissen muss Couperin auch gute Beziehungen zum Hof des im Exil lebenden englischen Königs James II. Stuart in Saint-Germain-en-Laye gehabt haben, wo man eine besondere Vorliebe für italienische Musik hatte. Dies entsprach seinen eigenen Interessen u. a. für die Werke Corellis. Als Indizien für diese Verbindungen gilt u. a. die Tatsache, dass Couperin 1710 ein Haus in Saint-Germain-en-Laye mietete, und dass er 1713 im Premier livre des Pièces de clavecin zwei Stücke veröffentlichte, die sich ganz offensichtlich auf diese Kontakte beziehen (La Milordine und Les plaisirs de Saint Germain en Läye).
Obwohl François Couperin der bedeutendste Cembalist und Komponist von Cembalomusik seiner Zeit und als solcher auch allgemein anerkannt war, und trotz seiner bedeutenden musikalischen Stellung bei Hofe, war er lange Zeit nicht der offizielle königliche Cembalospieler oder „Ordinaire de la Chambre du roy pour le clavessin“. Denn dieses war ein Hofamt, das wie andere Hofämter einerseits käuflich und andererseits erblich war und das zu dieser Zeit durch Jean-Baptiste Henry D’Anglebert (1661–1735), dem Sohn Jean-Henry D’Angleberts, besetzt war. Erst nach dem Tode Ludwigs XIV., als D’Angleberts Gesundheit immer mehr abnahm, wurde Couperin 1717 die survivance auf die Stelle als königlicher Cembalist zugesichert, die er jedoch nicht mehr „im vollen Umfang“ ausgeübt haben soll und am 16. Februar 1730 an seine Tochter Marguerite-Antoinette Couperin übertrug.
Couperin konzentrierte sich in den 1720er Jahren verstärkt auf die Publikation seiner Werke, klagte aber auch in mehreren seiner Vorworte über seine fragile Gesundheit. Am 19. März 1730 übertrug er mit dem Einverständnis Ludwigs XV. die Nachfolge seiner Stelle als königlicher Organist an G. Marchand, den Organisten der Pfarre von Versailles. François Couperin starb drei Jahre später in seiner Pariser Wohnung in der Rue Neuve des Bons Enfants, gegenüber dem Hôtel de Toulouse, und wurde in der Kirche St-Joseph bestattet.