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Fort Capuzzo

Festungsanlage in der Cyrenaika in Italienisch-Libyen

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Fort Capuzzo (italienisch Ridotta Capuzzo, auch Forte Capuzzo) war eine Festung in Italienisch-Libyen nahe der Grenze zu Ägypten. Das Fort wechselte während des Zweiten Weltkriegs mehrmals den Besitzer und symbolisiert wie kein anderer Ort die charakteristische Dynamik der Kämpfe in Nordafrika.

Libysch-ägyptische Grenzbefestigung

Im Zuge des Schacherns um die Kontrolle Marokkos erlaubten die Großmächte dem Königreich Italien, die Provinz Libyen in Besitz zu nehmen. Der junge italienische Staat gedachte sich mit Kolonien in dieselbe Liga zu spielen wie die älteren und mächtigeren europäischen Staaten. Wirtschaftlich nutzbar war allein das an Tunesien grenzende Tripolitanien. Die Italiener entfachten im September 1911 den Tripolitanienkrieg, der nach einem Jahr für die einheimischen und osmanischen Verbündeten mit einer Niederlage endete. Damit gehörte das libysche Territorium formell zu Italien.

Faktisch gelang es den Italienern aber nicht, die Macht im Land gegen örtliche Widerstandsgruppen zu halten. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden die Italiener von den Senussi mit türkischer Unterstützung wieder aus Libyen vertrieben. Da Italien ab 1915 ein Bündnispartner der Entente war, akzeptierten die Westmächte nach Beendigung des Krieges die Rückeroberung Libyens (1922–1932). Auch der Völkerbund erkannte 1934 die Kolonie Italienisch-Libyen offiziell als Bestandteil Italiens an.

Entlang der libysch-ägyptischen Grenze errichteten die Italiener vom Mittelmeerhafen Bardia bis zur Oase Giarabub einen 271 km langen Stacheldrahtzaun. Damit sollte das Gebiet vor Überfällen der Sanussi geschützt werden, die von Ägypten aus ihren Widerstandskampf fortsetzten. Der Bau der Befestigungsanlagen begann im April 1931 und wurde im September desselben Jahres abgeschlossen. Zeitgleich entstanden entlang des Grenzzauns sechs kleinere Kontrollposten und drei große Festungen: Fort Capuzzo, Fort Maddalena und Fort Giarabub. Der Grenzzaun wurde bis Juni 1940 überwiegend mit Fußtruppen, wenigen Panzerwagen, aber auch mit Flugzeugen patrouilliert.

Die Bewachung der Grenzbefestigung unterteilte sich bis Juni 1940 in zwei Sektoren:

Im Norden befand sich der Küstensektor, auch Zone Amseat genannt, mit der Garnison Bardia, dem Fort Capuzzo und der Garnison Sidi Omar.

Weiter südlich verlaufend befand sich der Innensektor, auch Zone Giarabub genannt, mit dem Fort Maddalena und der Festung Giarabub.

Benannt war die Befestigungsanlage in Amseat nach dem italienischen Flieger Ferruccio Capuzzo, der 1925 bei der Rückeroberung Libyens starb. Das Fort befand sich 13 km südlich von Bardia und lag 5 km vor dem Grenzzaun. Es diente auch als obligatorischer Kontrollpunkt für Personen und Fahrzeuge, die in diesem Abschnitt von Libyen nach Ägypten und umgekehrt wollten. Etwa 1 km vor Capuzzo endete die 1937 fertiggestellte Via Balbia abrupt in der offenen Wüste, genau dort, wo sich heute der Ort Musaid befindet. Anlässlich der Eröffnung dieser 1822 km langen Küstenstraße besuchte am 12. März 1937 Benito Mussolini das Fort und begann hier seine vielbeachtete zehntägige Propagandatour durch Libyen.

Parallel südlich der Via Balbia verlief der auch auf ägyptischer Seite so genannte Trigh Capuzzo Amseat, gebildet aus dem arabischen Wort trigh (oder tarigh), was Straße, Pfad, Weg bedeutet, und Amseat (heutige Transkription überwiegend Emsead, Musaid), der Name der Region zwischen Capuzzo in Libyen und Sollum in Ägypten. Der Trigh Capuzzo Amseat war eine Wüstenpiste, die ab Bardia scharf nach Osten schwenkte, bei Capuzzo einen Höhenrücken durchlief und abfallend in Sollum etwa 20 km hinter der Grenze endete. Ferner führte auf libyscher Seite ab Capuzzo eine weitere Wüstenpiste südlich verlaufend zum 97 km entfernten Fort Maddalena und weiter nach Giarabub.

Zu dem Fort zählte der etwa 25 km südlich gelegene kleine Außenposten Sidi Omar. Stationiert waren in Capuzzo bis Juni 1940 beständig rund 200 Soldaten, ab Mitte der 1930er-Jahre überwiegend Askaris der Regio corpo truppe coloniali della Libia. Ausgerüstet war die Fortbesatzung bis Juni 1940 mit alten Beretta M1918, einem einzigen Maschinengewehr und einer kleinen Haubitze. Neben der Festungsanlage befand sich ein Feldflugplatz (befestigte Sandpiste mit Tower), der bis Juni 1940 vom Luftwaffenstützpunkt El-Adem aus regelmäßig mit Doppeldeckern (CR.32 und CR.42) der Regia Aeronautica angeflogen wurde. Die Landebahn vor dem Fort nannten die Briten später Amseat Airfield II.

Etwa 10 km hinter der Grenze entstand nach Abschluss des Anglo-Ägyptischen Vertrags (1936) auf ägyptischer Seite rund 11 km südwestlich von Sollum als Pendant das Fort Musaid (auch Sollum Barracks genannt), ab 1937 ein Stützpunkt des britischen Panzerregiments 7th Queen’s Own Hussars. Bestandteil dieser Militärbasis war ebenfalls eine befestigte Landebahn, später von den Briten Amseat Airfield I genannt. Von 1940 bis 1942 wurden Amseat I und Amseat II von Jagdflugzeugen der britischen Royal Air Force (RAF), der italienischen Regia Aeronautica oder der deutschen Luftwaffe zum Auftanken und als Kurierstopp benutzt, je nachdem welche Streitkräfte Fort Capuzzo und/oder Fort Musaid besetzt hielten.

Eroberung im Zweiten Weltkrieg

Im Zuge des außergewöhnlich schnellen Frankreichfeldzugs der deutschen Wehrmacht erfolgte am 10. Juni 1940 Italiens Kriegserklärung an Frankreich und Großbritannien. Darauf bereits seit August 1939 vorbereitet, okkupierten britische Truppen das neutrale Ägypten und rückten sofort an die libysche Grenze vor. Bereits in der Nacht vom 10./11. Juni 1940 bombardierte die RAF den italienischen Luftwaffenstützpunkt El Adem südlich von Tobruk. Bei dem Angriff wurden 18 Flugzeuge der Regia Aeronautica zerstört und drei britische Bomber abgeschossen.

Einen Tag später flog die RAF ihren ersten Großangriff auf den Hafen Tobruk. Zeitgleich überschritten am 11. Juni 1940 britische Einheiten bei Giarabub die libysch-ägyptische Grenze. In Sidi Omar eröffneten sie das Feuer auf italienische Einheiten, die überhaupt noch nichts von der Kriegserklärung wussten. Am 14. Juni 1940 eroberte das 1st Royal Tank Regiment mit Unterstützung der RAF das Fort Capuzzo und nahm 220 italienische Soldaten in Gefangenschaft. Anschließend rückten britische gepanzerte Einheiten über Bardia auf Tobruk vor.

Am 16. Juni 1940 kam es in Nezuet Ghirba unweit von Fort Capuzzo zum ersten Gefecht zwischen britischen und italienischen Panzerstreitkräften. Bei dieser Schlacht von Nezuet Ghirba überfielen und besiegten britische Truppen, bestehend aus gemischten Panzer-, Artillerie- und motorisierten Infanterieeinheiten, einen italienischen Militärkonvoi, der mit 17 leichten L3/33-Panzern, vier Geschützen und 400 Infanteristen auf dem Weg zum Fort Capuzzo war. Weniger als 100 Italiener überlebten den Angriff und gingen in Gefangenschaft.

Bei dem Kampf fehlte es den italienischen Streitkräften nicht an Mut oder taktischem Geschick, sondern an Deckung und an panzerbrechender Munition. Während zwölf der 17 italienischen L3/33 völlig zerstört wurden, blieben die beiden einzig bei dem Gefecht involvierten britischen A9-Panzer unbeschädigt. Zwar gelang in den folgenden Tagen einer mobilen Schwarzhemdeneinheit die Rückeroberung von Fort Capuzzo, jedoch hatte die britische Armee bis dahin bereits eine Vormachtstellung im Grenzgebiet bis nach Tobruk gewonnen. Fortan überfielen jede Nacht britische Stoßtrupps das Fort, zerstörten italienische Fahrzeuge, Munitionsvorräte und nahmen Patrouillen unter Beschuss oder in Gefangenschaft.

Ab dem 26. Juni 1940 flog die RAF konzentrierte Luftangriffe auf Tobruk und Bardia. Zwei Tage später kam Italo Balbo, der Generalgouverneur Italienisch-Libyens, beim Anflug seiner Maschine auf Tobruk durch Eigenbeschuss ums Leben. Erst nach diesem Ereignis befahl Mussolini, der im Falle eines Krieges in Libyen in der Defensive bleiben wollte und bis dahin keine Pläne für eine Invasion Ägyptens hatte, eine Gegenoffensive vorzubereiten. Tatsächlich war die italienische Armee erst nach dem Waffenstillstand von Compiègne in der Lage, ihre Truppen in Libyen von der französisch-tunesischen Grenze im Westen an die bis dahin weniger besetzte libysch-ägyptische Grenze im Osten zu verlegen.

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