Fokker Eindecker waren verspannte Kampfeindecker mit Verwindungssteuerung, die vor und im Ersten Weltkrieg von Anthony Fokker entwickelt und in seiner Schweriner Firma Fokker Aeroplanbau produziert wurden. Die 1915 entwickelte Fokker E.I gilt heute als erstes in Serie gebautes Jagdflugzeug. Ein starr eingebautes und durch den Propellerkreis schießendes Maschinengewehr ermöglichte es dem Piloten mit dem gesamten Flugzeug zu zielen und mit voller Feuerkraft zu schießen.
Die Flugzeuge wurden aus dem Basistyp Fokker M.5 von 1914 über mehrere Typen weiterentwickelt und unter den Bezeichnungen Fokker E.I bis E.IV bis Mitte 1916 hergestellt. Zunächst verwendeten die deutsche Fliegertruppe und die deutschen Marineflieger die Eindecker, später wurden sie auch bei den k.u.k.-Seefliegern, der bulgarischen und der osmanischen Fliegertruppe eingesetzt.
Die leichten Eindecker der Typen M.1 und M.2, die Fokker bis Ende 1913 an das preußische Kriegsministerium lieferte, hatten sich zwar als sichere Flugzeuge bewährt, entsprachen aber hinsichtlich der Fluggeschwindigkeiten und Steigleistungen nicht mehr den militärischen Anforderungen. Um weiter Militäraufträge akquirieren zu können, entwickelte Fokker auf eigenes Risiko einen neuen, einsitzigen Mitteldecker mit der Werksbezeichnung M.5, von dem zwei Spannweiten-Varianten M.5K und M.5L („K“ für „kurz“, „L“ für „lang“ in Bezug auf die Spannweite) gebaut wurden.
Diese Ende April 1914 fertiggestellten Maschinen basierten auf der Morane-Saulnier H, von der Fokker im Januar 1914 ein beschädigtes Exemplar in Frankreich erworben hatte und das ihn nach vollständiger Reparatur mit seinen Flugleistungen beeindruckte. Doch im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Bruno Hanuschke, Gustav Otto und den Brüdern Eversbusch kopierte Fokker die Maschine nicht einfach. Offensichtlich strukturierten Fokker und sein Ingenieur Martin Kreutzer das französische Vorbild nach ihren Erfahrungen um und so hatte die Schweriner Entwicklung mit der originalen Morane bis auf die markante Rumpfform nur noch wenig gemeinsam. Der einmotorige Mitteldecker M.5 besaß im Gegensatz zur Morane-Saulnier einen Rumpf aus bespanntem Stahlrohr, auch das Fahrwerk und der Motoreinbau waren modifiziert worden, der Motor wurde durch einen Schwerkrafttank und einen Haupttank mit Kraftstoff versorgt. Mit der Quersteuerung durch Flügelverwindung und durch voll bewegliche Seiten- und Höhenruder reagierte das Flugzeug sehr sensibel auf Steuerbewegungen; das war ein Vorteil für einen geübten Flugzeugführer, aber auch ein Risiko in der Hand unerfahrener Piloten.
Ab Mai 1914 präsentierte Fokker sein neues Flugzeug auf deutschen Flugplätzen – mit sehr gutem Echo in der Fachpresse – und am 18. Juni 1914 in Johannisthal vor Heeres-Offizieren und dem preußischen Kriegsminister Falkenhayn, der unmittelbar eine Kleinserie der Maschine zur Heereserprobung bestellte.
Noch während die Fokker Aeroplanbau ihre M.5-Bestellungen abwickelte, wurde vom Militär ein zweisitziges Artillerie-Beobachtungsflugzeug mit denselben Flugleistungen bestellt. Fokker setzte diese Anforderung mit dem von der M.5L abgeleiteten Typ M.8 um. Er verbreiterte den Rumpf der M.5, so dass zwei Sitze nebeneinander angeordnet werden konnten. Zur Verbesserung der Bodensicht setzte er die Tragflächen höher an und baute in die darunter liegenden Rumpfseiten Fenster ein. Gemäß der Klassifikation der IdFlieg (Inspektion der Fliegertruppen) erhielten die ab Oktober 1914 ausgelieferten zweisitzigen M.8-Eindecker die Bezeichnung Fokker A.I. Die beiden einsitzigen M.5-Typen (mit einem Notsitz hinter dem Piloten) wurden unter der Heeresklassifikation Fokker A.II für die M.5L und Fokker A.III für die M.5K geführt. Von den Halberstädter Flugzeugwerken wurden dieser Eindecker als Halberstadt A.I in Lizenz gefertigt, allerdings mit einem Holzrumpf. Das Problem der A-Typen war der unzuverlässige Motor, der deutsche Flieger wiederholt zwang, hinter den feindlichen Linien notzulanden.
Am 18. April 1915 war der bekannte französische Flieger Roland Garros mit einem Morane-Saulnier-L-Einsitzer auf deutscher Seite notgelandet und sein Flugzeug unbeschädigt erbeutet worden. Seine Maschine wies eine Besonderheit auf: Sie war mit einem durch den Propellerkreis feuernden Maschinengewehr ausgerüstet.
Kurze Zeit später erhielt Anthony Fokker von der IdFlieg den Auftrag, diese Vorrichtung zu kopieren oder nachzubauen. Erste Versuche der deutschen Fliegertruppe, Ablenkbleche wie bei der Morane an einem deutschen Flugzeugpropeller anzubringen, hatten sich wegen der Durchschlagskraft der deutschen Stahlmantelgeschosse als untauglich erwiesen. Fokkers Techniker Heinrich Lübbe, Fritz Heber und Carl Leimberger griffen auf ein Patent von August Euler und eine 1913 patentierte „Abfeuerungsvorrichtung für Schusswaffen auf Flugzeugen“ zurück, die Franz Schneider für die Luftverkehrsgesellschaft (LVG) entwickelt hatte. Sie entwarfen ein von der Motorwelle gesteuertes Unterbrechergetriebe, das den MG-Abzug des bereitgestellten Parabellum MG nur dann freigab, wenn der Propeller nicht getroffen werden konnte. Fokker ließ eine gerade produzierte M.5K (A.III, Werksnr. 216), die über einen 80 PS starken Umlaufmotor Typ U 0 der Motorenfabrik Oberursel verfügte, mit dem synchronisierten MG ausrüsten. Nach ein paar erfolgreichen Tests hängte Fokker das Flugzeug an seinen Sportwagen, fuhr vom Flugplatz Schwerin-Görries zum Flugplatz Döberitz und führte die Entwicklung dem Generalstab der Kaiserlichen Luftstreitkräfte am 19. oder 20. Mai 1915 persönlich vor.
Wenige Tage später hatte Fokker einen Produktionsauftrag in der Tasche. In Mannheim übernahmen die Frontflieger Kurt Wintgens und Waldemar von Buttlar die ersten Fokker M.5K/MG zur Erprobung. Fokker begab sich, unterstützt von Oberleutnant Otto Parschau, mit dem Kampfeinsitzer auf Front-Tournee: Erste Station war am 13. Juni 1915 das Hauptquartier des deutschen Kronprinzen (5. Armee) bei Stenay, am 23. und 24. Juni folgte die 6. Armee, wo Fokker im Beisein des bayerischen Kronprinzen die Maschine vorführte. Die beiden Frontflieger Max Immelmann und Oswald Boelcke von der Feldfliegerabteilung 62 in Douai führten Testflüge durch und waren begeistert: Das starr eingebaute und durch den Propellerkreis schießende Maschinengewehr ermöglichte es dem Flugzeugführer, den Gegner genau im Auge zu behalten, ihn zu verfolgen, mit dem gesamten Flugzeug auf ihn zu zielen und dann mit voller Feuerkraft zu schießen – eine Technik, die den Kampfflugzeugbau revolutionierte.
Das Flugzeug, nun als Fokker E.I bezeichnet, gilt heute als erstes in Serie gebautes Jagdflugzeug. Mit den mit Unterbrechergetriebe ausgestatteten Fokker-Flugzeugen begann eine mehrmonatige Phase der deutschen Luftüberlegenheit, die im In- und Ausland teilweise als „Fokker-Plage“ bezeichnet wurde.
Die E.I konnte nur eine Notlösung sein, denn das Basismodell der Fokker A.III war mit dem zusätzlichen Gewicht des MGs deutlich überlastet. Um die Leistungsfähigkeit der Maschine hinreichend zu erhöhen, wurde ein 100 PS leistender 9-Zylinder-Umlaufmotor U.I von Oberursel eingebaut. Diese leistungsgesteigerte Maschine wurde als Fokker E.II (M.14) bezeichnet; sie wurde parallel zur E.I hergestellt, da die neuen Motoren noch nicht hinreichend verfügbar waren – die Motorenfabrik Oberursel litt unter Fertigungsengpässen – und Versuche mit alternativen Motortypen wie Siemens & Halske oder Goebel nicht zufriedenstellend verliefen.
Auch die E.II blieb eine Übergangslösung: Die meistgebaute Variante war die Fokker E.III mit gleichem Motor, aber größerer Spannweite. Ein größerer Benzintank erhöhte die Flugdauer um eine Stunde. Noch während der laufenden Fertigung wurden einige E.II zur E.III umgebaut oder später bei Reparaturarbeiten nachträglich aufgerüstet. Die erfolgreiche E.III wurde in kleinen Stückzahlen an die Marine und an Verbündete geliefert: drei wurden an die bulgarischen, 22 an die osmanischen und 18 an die österreichisch-ungarischen Luftstreitkräfte geliefert; letztere bewaffneten ihn mit 8-mm-Schwarzlose-MG.