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Flutkatastrophe in Spanien 2024

Überschwemmungen in Spanien ab 29. Oktober 2024 mc61

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Zur Flutkatastrophe in Spanien (in Spanien La gota fría bzw. DANA de 2024 en España) kam es Ende Oktober 2024. Großflächige Überschwemmungen, beginnend am 29. Oktober, richteten besonders in den Regionen Valencia, Andalusien und Murcia schwere Schäden an. Verursacht wurden die Überschwemmungen durch Starkregenfälle infolge eines als „Gota Fría“ bezeichneten und besonders zerstörerisch ausgefallenen Kaltlufttropfens. Dabei fielen binnen kurzer Zeit gewaltige Regenmengen von bis zu 422 mm (422 Liter/m²) in 8 Stunden, die Sturzfluten und Schlammlawinen auslösten und zahlreiche Menschen in Wohnungen oder Autos einschlossen. Mehr als 156 km² Land wurde überflutet, rund 190.000 Menschen waren direkt von der Flut betroffen.

Infolge der Überschwemmungen starben 236 Menschen. Damit handelte es sich um die opferreichste Flutkatastrophe in der modernen Geschichte Spaniens. In mindestens 78 Gemeinden kam es zu mindestens einem Todesfall. Gerechnet wurde mit Schäden in Milliardenhöhe. Schätzungen gingen von mehr als 60.000 zerstörten Wohnungen und 115.000 zerstörten Autos aus. Bis zum 7. November gingen bei Versicherungen etwa 116.000 Anträge auf Entschädigungsleistung ein. Die spanische Versicherungsbranche geht davon aus, dass die Summe an Entschädigungsleistungen die höchste in der spanischen Geschichte sein wird.

Fast 20.000 Soldaten und Polizisten waren im Einsatz. Für das spanische Militär war es der bislang größte Einsatz in Friedenszeiten.

Die Geschichte Valencias ist geprägt von wiederholten, verheerenden Überschwemmungen, die vom 14. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit dokumentiert sind. 1957 ereignete sich die Große Flut von Valencia, die als verheerendes Hochwasser des Rio Turia in die Geschichte einging. Diese Katastrophe forderte mindestens 81 Menschenleben und hinterließ große materielle Schäden. In der Folge wurde der Fluss in ein künstliches Bett umgeleitet. Im September 2019 kamen bei Überschwemmungen in Vega Baja del Segura sechs Menschen ums Leben. Die Katastrophe führte in der regionalen Regierung von Valencia zu Überlegungen zur besseren Koordinierung von Notfällen in der Autonomen Gemeinschaft.

Valencia liegt auf einer flachen Schwemmebene rund um ein Flussbett, was ein hohes Überschwemmungsrisiko mit sich bringt. Wenn starke Regenfälle mit einem konvektiven Sturm kombiniert werden, der häufig auch einen Anstieg des Meeresspiegels verursacht, wird der Fluss stark belastet. Zusätzlich können Seestürme auftreten, die den Abfluss des Flusswassers ins Meer erschweren. Der durch die Stürme erzeugte Wellengang blockiert den normalen Abfluss und führt zu einer Stauung im Flussbett. Besonders betroffen waren nicht die Gebiete mit den stärksten Niederschlägen, sondern die Randgemeinden, die anfälliger für Wasseransammlungen sind. Das Stadtzentrum blieb jedoch von Überschwemmungen verschont, da das alte Flussbett 1986 in den Turia-Garten umgestaltet wurde.

Auslöser für die extremen Regenfälle war eine ungewöhnlich starke Gota Fría (spanisch: „Kalter Tropfen“). Dabei handelt es sich um einen Kaltlufttropfen, der im September und Oktober in Spanien häufig vorkommt. Eine Gota Fría entsteht, wenn sich im Herbst die ersten atlantischen Tiefausläufer mit feuchtkalter Luft über das noch warme Mittelmeer schieben und somit starke Temperaturdifferenzen zwischen kalter Luft und warmem Meer herrschen. Bei solchen Bedingungen kann sich eine instabile Atmosphärenschichtung bilden, bei der warme, mit Wasserdampf gesättigte Luft rasch nach oben steigt, was wiederum zu starkem Regen und Gewittern führt.

Die Großwetterlage in Europa war wiederum von einer Blockadelage mit einem Tief über Spanien bestimmt. Dabei lag das Tief mehrere Tage lang weitgehend stationär über Südspanien und drückte von Osten vom ungewöhnlich warmen Mittelmeer mit Feuchtigkeit vollgesogene Mittelmeerluft gegen das Küstengebirge, wo diese sich stauten und es damit immer wieder neue Gewitter an den gleichen Orten gab.

Die Regenfälle begannen am Morgen des 29. Oktober. Gegen 13 Uhr maß die erste Station einen kumulierten Niederschlag von 100 mm. Am Nachmittag und Abend kam es dann zu einer massiven Intensivierung des Regens, wobei der Höhepunkt zwischen 18 und 19 Uhr erreicht wurde. Mehrere Wetterstationen in Buñol, Chera, Cheste, Turís und Chiva maßen binnen 24 Stunden mehr als 400 mm Regen. Lokal fiel binnen Stunden der Niederschlag von Monaten. In Turís regnete es vorläufigen Daten zufolge binnen 24 Stunden 619 mm, davon 179 mm in einer Stunde und 42 mm in zehn Minuten. In Chiva, nahe Valencia, fielen binnen acht Stunden 442 mm Niederschlag; binnen vier Stunden waren es 322 mm. Innerhalb von einer Stunde fielen dort 122 mm Regen. Damit fiel in Chiva in acht Stunden mehr Regen als in den vorangegangenen 20 Monaten zusammen.

Neben dem Starkregen kam es auch zu starken Winden und einem Tornado, dazu fiel stellenweise Hagel. Von Einwohnern wurde von Hagelkörnern in Golfballgröße berichtet.

Beobachter ordnen die Überschwemmungen als Jahrhundertereignis ein. Der spanische Wetterdienst AEMET erklärte, es sei das schlimmste Gota-Fría-Ereignis dieses Jahrhunderts gewesen und sprach von einem „historischen Unwetter“. Mancherorts habe es binnen 24 Stunden bis zu 490 mm Regen gegeben. Dies entspreche einem ganzen Jahresniederschlag.

Kritische Überlastung der Wasserwege durch Starkregen

Ebenfalls verstärkend wirkte sich eine annähernd zweijährige Dürre in Spanien aus, in deren Folge die Böden so stark austrockneten, dass sie kaum Wasser aufnehmen konnten. Die Niederschläge flossen zum Großteil an der Bodenoberfläche ab und akkumulierten zusammen mit dem abgespülten Bodenmaterial in den Fließgewässern, darunter u. a. die Flüsse Rambla del Poyo und Río Turia in der Region Valencia. Messdaten zur Fließgeschwindigkeit des Rambla del Poyo auf Höhe der Gemeinde Paiporta belegten, dass die Kapazität der lokalen Wasserwirtschaft kritisch überschritten wurde. Der kanalisierte Fluss führt als Trockenfluss in den meisten Monaten des Jahres wenig oder kein Wasser. Der aus der Fließgeschwindigkeit berechnete Volumenstrom ergab einen Extremwert von 2.300 m³/s gegen 19 Uhr, während der Kanal zwischen Paiporta und Catarroja nur für maximal 1.800 m³/s ausgelegt ist.

Eine Entlastung des Rambla del Poyo im Fall von Extremniederschlagsereignissen befindet sich seit 2007 durch den Spanischen Hydrographischen Verband Confederación Hidrográfica del Júcar (CHJ) in Planung. Sie umfasst u. a. den Bau eines Verbindungskanals mit Umleitungswehr (Vía verde) zum Río Turia durch die Gemeinden Picanya und Paiporta auf einer Länge von 2,1 Kilometern. Der Río Turia ist bis zu einem Volumenstrom von 5.000 m³/s ausgelegt und hätte während der Flutkatastrophe den Überschuss abführen können. Das 2012 durch die Regierung genehmigte Projekt wurde in sieben Bauprojekte aufgeteilt, jedoch mangels ausreichender Investitionen und zügiger Projektvergabe bis zum Zeitpunkt der Flutkatastrophe nicht realisiert. Das Projekt wird von Félix Francés, Professor für Wasserbau und Umwelt der Polytechnischen Universität Valencia, sowie Federico Bonet, ehemaliger technischer Direktor des CHJ, unterstützt.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Intensität der Regenfälle durch den menschengemachten Klimawandel verstärkt wurde, da die Luft mit steigenden Temperaturen mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, die später zum Abregnen zur Verfügung steht. Laut einer Studie der Polytechnischen Universität Kataloniens hat sich die Intensität der Regenfälle in den letzten 50 Jahren mehr als vervierfacht. Die Kaltlufttropfen im Mittelmeerraum hätten inzwischen das gleiche zerstörerische Potenzial wie Hurrikans in der Karibik, sagte Jorge Olcina, Direktor des Klima-Observatoriums an der Universität Alicante. Hauptgrund seien die steigenden Temperaturen durch die Klimakrise.

Die Zuordnungsforscherin Friederike Otto äußerte sich wie folgt zu den Überschwemmungen: „Kein Zweifel, diese explosiven Regenfälle wurden durch den Klimawandel verstärkt. Mit jedem Bruchteil eines Grades der Erwärmung durch fossile Brennstoffe kann die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu stärkeren Regenfällen führt.“ Die Meeresoberflächentemperatur auf der Nordhalbkugel lag 2024 auf oder nahe Rekordniveau; das Mittelmeer erreichte im August 2024 die höchste Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen. Bis zum Oktober 2024 kühlte es sich saisonbedingt etwas ab, seine Oberflächentemperatur lag aber abhängig vom Ort der Messung immer noch zwischen 1 und 3 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Insgesamt stieg die Temperatur des Mittelmeeres binnen 40 Jahren um etwa 1½ °C an.

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