Florian Köhler (* 28. Januar 1935 in Frankfurt am Main; † 7. August 2013 in Hamburg) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker. Er war in München Mitbegründer der Künstlergruppen WIR (1959–1965), SPUR (1965–1966) und GEFLECHT (1966–1968) und zählt zu den Repräsentanten neofigurativer Formensprache deutscher Nachkriegskunst zwischen Abstraktion und Figuration.
Florian Köhler war der Sohn von Georg Johann Köhler (1890–1944), Gebrauchsgrafiker und freier Künstler, der vor seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg an der Kunstakademie in München bei Professor Carl Johann Becker-Gundahl studiert hatte. Georg Johann Köhler war früh in französische Gefangenschaft geraten mit langen Aufenthalten in südwestfranzösischen (Le Château-d’Oléron), nordafrikanischen, portugiesischen und spanischen Lagern. In einem marokkanischen Steinbruch hatte er zeitweilig schwere gesundheitsschädigende Zwangsarbeit zu leisten. Aus dieser Zeit ist ein Konvolut von Zeichnungen erhalten geblieben. Erst weit nach Kriegsende war Georg Johann Köhler nach Deutschland zurückgekehrt (1922) und hatte, zunächst in Darmstadt, dann in Frankfurt am Main grafische Aufträge vornehmlich von Automobilfirmen (Adlerwerke, Opel) zur Illustration für Werbebroschüren, Anzeigen und Plakate bekommen. Die Mutter von Florian Köhler, Ruth Gennes aus Darmstadt (1904–1991; geb. Blecher, verheiratet in erster Ehe mit Georg Johann Köhler) heiratete 1950 Walter Gennes, Marineleutnant d. R. im Zweiten Weltkrieg.
Malunterricht erhielt Florian Köhler schon vor Einschulung bei der Kunstlehrerin Frau von Jöden. Er besuchte die Diesterwegschule in Frankfurt am Main, danach die Volksschule in Motten, 1945 die Volksschule in Burgsinn, dort erlebte er das Kriegsende mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen. Zurück in Frankfurt am Main wohnte er bei der Familie in der Klaus-Groth-Str. 2 und besuchte das humanistische Heinrich-von-Gagern-Gymnasium (ehemals Kaiser-Friedrichs-Gymnasium) bis zum Abitur im März 1955. 1959 zogen die Eltern Gennes nach Niederhöchstadt, Schöne Aussicht 3, wo dem Sohn Florian ein Zimmer zur Verfügung stand, das er später als Atelier nutzen konnte.
1955 besuchte Köhler die Abendkurse des Max-Beckmann-Schülers Theo Garve (Offenbach a. M. 1902–1987 Hamburg) an der Städelschule in Frankfurt am Main, absolvierte ein Volontariat in der Schriftgießerei Gebr. Klingspor, Offenbach am Main, und nahm an Gesprächsrunden im renommierten Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath teil. 1956 begann er das Studium der bildenden Kunst an der Städelschule, u. a. bei dem Zeichner und Maler Heinz Battke (Berlin 1900–1966 Frankfurt a. M.).
1957 zog Köhler nach München und setzte das Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München, hauptsächlich bei Erich Glette (Wiesbaden 1896–1980 Prien am Chiemsee) fort. Er mietete ein Atelierzimmer in der Kobellstr. 15. 1958 verbrachte Köhler mit Kollegen einen dreimonatigen Studienaufenthalt auf der italienischen Insel Giglio. Anschließend nahm Köhler zusammen mit dem Studienfreund Heino Naujoks teil an der von Oskar Kokoschka in Salzburg veranstalteten Internationalen Sommerakademie „Schule des Sehens“, einschließlich einer Reise mit Kokoschka und den Studierenden nach Wien. 1963 schloss Köhler sein Studium erfolgreich ab.
Noch während des Studiums in München bei Erich Glette gründeten 1959 Florian Köhler, Heino Naujoks und Helmut Rieger die Gruppe WIR. Ein Besuch der documenta II in Kassel 1959 war von fundamentaler Auswirkung auf den künstlerischen Ansatz von WIR unter den Eindrücken der Bilder von Robert Delaunay, Max Beckmann, Henri Matisse, Pablo Picasso, Willem de Kooning und der Sonderpräsentation des Werks von Jackson Pollock. Auch der in München lebende Maler und Autor Hans Platschek war in Kassel künstlerisch vertreten und erregte zudem die Aufmerksamkeit der Gruppenmitglieder durch sein kritisches Buch zum internationalen Tachismus und durch seine Forderung nach neuen Figurationen. Zur Gruppe WIR stießen 1961 der Bildhauer Hans Matthäus Bachmayer und 1962 der Maler Reinhold Heller, der selbst 1955 die Gruppe QUADROCENTO gegründet hatte. Nach ersten öffentlichen Ausstellungsbeteiligungen seit 1959, u. a. im Kunstverein München, waren 1961 Mitglieder von WIR (Heller, Köhler, Naujoks und Rieger) anlässlich der Gruppenschau des Vereins „Freie Münchner und Deutsche Künstlerschaft“ im Haus der Kunst mit Einzelarbeiten vertreten. Dort nahmen WIR ab 1962 regelmäßig an dem jährlich stattfindenden „Herbstsalon“ teil. Nach Abschluss des Akademie-Studiums 1963 der Mitglieder Bachmayer, Köhler, Naujoks und Rieger intensivierten WIR Ausstellungsaktivitäten und vernetzen sich in der Münchner Kunstszene. Es wurden Kontakte aufgebaut etwa zum Galeristen Otto van de Loo, der seit 1957 zeitgenössische junge Kunst vertrat (u. a. Asger Jorn, K.R.H. Sonderborg, Emil Schumacher, Antonio Saura, Henri Michaux, Roberto Matta, Hans Platschek, Wols).
1965 kam es zu kollegialen Begegnungen zwischen WIR und Mitgliedern der seit 1957 bestehenden Gruppe SPUR (Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm, HP Zimmer), als sie gemeinsam in Augsburg am „Frühjahrssalon“ teilnahmen. Bald danach probten die Künstler in München kollektives Arbeiten an einem gemeinsam beschlossenen Rahmenthema (Auto-Motor-Verkehr). Eine programmatische Plattform wurde im Mai 1965 schriftlich formuliert für die anstehende Ausgabe der SPUR-Zeitschrift. Im August 1965 bot eine Fahrt der Mitglieder von SPUR und WIR zu den Völkerkundemuseen in Freiburg, Basel und Stuttgart mit den geschnitzten und bemalten Holzobjekten aus der Südsee und Neuirland (Papua-Neuguinea), den sog. Malangganen, sowie zur Schau „Signale“ mit aktuellen Arbeiten von u. a. Ellsworth Kelly, Kenneth Noland und Georg Karl Pfahler in Basel den Gruppen Anschauungsmaterial zur intensiven Diskussion über eine neue Ästhetik. In der Praxis entstanden daraus später die sog. Antiobjekte und im Oktober 1965 ein weiteres künstlerisches Manifest. Eine eigene Zeitschrift „SPUR WIR Nr. 1“ erschien im Dezember 1965 mit den bereits erarbeiteten Texten vom Mai und Oktober, sowie einem aktuellen Statement unter dem Motto „Raum und Geflecht“.
Im Winter 1965/66 wurde intensiv an der Realisierung von Antiobjekten in wechselnden Konstellationen von einzelnen Gruppenmitgliedern gearbeitet, dabei wurden gebogene und fächerartige Elemente aus Pappe, Holz und Metalldraht verwendet. Durch farbige Bemalung der Teile entstanden dynamisch wirkende Geflechte, die zugleich titelgebend wurden für den neuen Gruppennamen GEFLECHT. Unter diesem Signet stellten Bachmayer, Heller, Köhler, Naujoks, Rieger, Sturm und Zimmer im September 1966 ihre Antiobjekte in der Galerie Van de Loo aus, worauf weitere Präsentationen von GEFLECHT in München („Herbstsalon“), in der Akademie der Künste (Berlin), der Kunsthalle Baden-Baden, der Kunsthalle Nürnberg („Labyrinthe“), der Kunsthalle zu Kiel und dem Kunstverein Freiburg folgten.
Im Januar 1967 reisten GEFLECHT nach Paris und besuchten Jacqueline de Jong, Malerin und wichtige Vertreterin der Künstlervereinigung Situationistische Internationale. In München erhielt die Gruppe einen produktiven Schub durch die Bereitstellung eines Atelierkellers in der Herzogstraße seitens des Galeristen Van de Loo. Der Keller wurde zunehmend Treffpunkt der linken Szene, künstlerische Arbeit verlagerte sich in die privaten Ateliers. Letztlich führten kontroverse Debatten um die gesellschaftliche Stellung des Künstlers zwischen Produktion und Aktion, zwischen Kunstmarkt und Kunstverweigerung zum Zerbröckeln der Gruppe, deren gemeinschaftliche und individuelle Arbeiten von Van de Loo in München Anfang 1968 und im Herbst auf dem Kölner Kunstmarkt gezeigt wurden. Die Auflösung der Gruppe GEFLECHT war spätestens im Oktober 1968 vollzogen.
Nach dem Ende von GEFLECHT in München ließ sich Köhler weiterhin von den Erfahrungen der Arbeit in Künstlergruppen bis Ende der 1970er Jahre inspirieren, zunächst als Mitglied der kurzlebigen „Gruppe Montag“ (Adam Jankowski, Florian Köhler, Tomislav Laux, Dieter Rühmann) in Hamburg und anschließend in der „Gruppe Werkstatt“ (u. a. Jürgen Hockauf, Anne Köhler, Christoph Krämer, Manfred Pixa); bei wechselnden Konstellationen wurden gemeinsame Projekte wie Ausstellungen, Kalender und Kunst im öffentlichen Raum. realisiert.