Florian Graf (* 5. Oktober 1973 in Berlin) ist ein deutscher Politiker (CDU). Er ist seit 2023 Chef der Berliner Senatskanzlei und Staatssekretär für Medien und die Metropolregion. Davor war er von 2006 bis 2020 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und in dieser Zeit von 2011 bis 2018 Vorsitzender der CDU-Fraktion.
Graf wuchs in Berlin-Tempelhof auf. 1993 legte er das Abitur am Luise-Henriette-Gymnasium ab. Von 1993 bis 1996 erfolgte ein Fachhochschulstudium der Verwaltungswirtschaft an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin. 1996 beendete er das Studium als Diplom-Verwaltungswirt (FH).
1997 leistete er den Wehrdienst ab. Anschließend war er von 1997 bis 2000 in der Senatsverwaltung für Inneres tätig. Von 2000 bis 2001 war er Persönlicher Referent des Staatssekretärs in der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie. Von 2001 bis 2006 war er Leiter des Büros und Chef des Stabes der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin.
2004 absolvierte er an der Universität Potsdam eine Promotionseignungsprüfung, zur Kompensation des Fachhochschulabschlusses.
2010 wurde er von der Universität Potsdam zum Dr. rer. pol. promoviert. Am 27. April 2012 ließ er verlauten, den Doktorgrad zurückgeben zu wollen. Nach Darstellung der Universität hatten sich „Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität sowie der Plagiatsverdacht ergeben“. Am 2. Mai 2012 entzog ihm die Universität den Doktorgrad, da er „an mehreren Stellen in seiner Dissertation abgeschrieben“ habe. Der Promotionsausschuss der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät bescheinigte Graf in seiner Sitzung, die Universität getäuscht zu haben. Zuvor hatte er selbst den Entzug seines 2010 erworbenen Doktorgrades beantragt. Er räumte gegenüber seiner Hochschule schwere Fehler in seiner Doktorarbeit ein.
Graf trat 1995 der Jungen Union und der CDU bei und ist seit 1997 ununterbrochen Delegierter für den Landesparteitag der CDU Berlin. Zudem ist er auch Delegierter des Bundesparteitages.
Von 1999 bis 2003 war er stellvertretender Landesvorsitzender der JU Berlin und von 2003 bis 2012 Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Neu-Tempelhof. Bereits 2002 wurde er erstmals Mitglied des Vorstands des CDU-Kreisverbandes Tempelhof-Schöneberg.
Vom 10. März 2007 bis zum 13. November 2021 war Graf Vorsitzender des Kreisverbandes der CDU Tempelhof-Schöneberg. Am 13. November 2021 wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzenden der CDU Tempelhof-Schöneberg gewählt.
Zudem ist er seit dem 10. Januar 2013 Vorsitzender des neu gegründeten Ortsverbandes Mariendorf-Marienfelde. Darüber hinaus war er seit 2008 Mitglied im Bundesfachausschuss „Finanzen, Wirtschaft und Energie“ der CDU Deutschlands.
Seit dem 19. Juni 2021 ist Graf Beisitzer im Landesvorstand der CDU Berlin, dem er bereits als Kreisvorsitzender qua Amt angehörte.
2012 war er einer von sieben Wahlmännern und Wahlfrauen der CDU Berlin in der Bundesversammlung.
Abgeordnetenhaus von Berlin (2006–2020)
2006 zog er über die Bezirksliste im Wahlkreis 5 von Tempelhof-Schöneberg in das Abgeordnetenhaus von Berlin ein (2006: 33,0 Prozent). Von 2006 bis 2011 war er Leiter des Arbeitskreises 'Haushalt und Finanzen' der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin. Darüber hinaus war er Stellvertretender Vorsitzender des Hauptausschusses sowie Sprecher im Vermögensausschuss und im 1. Untersuchungsausschuss „Spreedreieck“ und 2. Untersuchungsausschuss „HoWoGe“. Von Januar 2009 bis November 2011 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion Berlin.
Im Jahr 2009 machte Graf auf sich aufmerksam, als er vor dem Berliner Verfassungsgerichtshof auf Akteneinsicht in den Mietvertrag zwischen dem Land Berlin und der Modemesse Bread & Butter klagte. Zuvor hatte der Senat den Parlamentariern die Akteneinsicht verwehrt. Der CDU-Fraktion Berlin wurde schließlich Akteneinsicht gewährt.
2011 erlangte Graf mit 43,7 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg 6 und zog erneut ins Abgeordnetenhaus ein.
Fraktionsvorsitzender (2011–2018) und Oppositionsführer (2016–2018)
Am 1. Dezember 2011 wurde er als Nachfolger von Frank Henkel, der als Innensenator in den rot-schwarzen Senat des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit wechselte, mit 95 Prozent zum neuen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus gewählt.
Nach der Erklärung einer „freiwilligen Rückgabe seines Doktortitels“ am 27. April 2012 kündigte Graf an, am 3. Mai 2012 bei einer Sonderfraktionssitzung der CDU in geheimer Abstimmung die Vertrauensfrage über seinen weiteren Verbleib im Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden stellen zu wollen. Bei dieser Abstimmung sprachen sich 30 der 34 anwesenden Abgeordneten dafür aus, dass er im Amt bleibt; drei votierten dagegen, einer enthielt sich.