An diesem Tag

Flinders Petrie

Ägyptologe

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Sir William Matthew Flinders Petrie (* 3. Juni 1853 in Charlton bei London; † 28. Juli 1942 in Jerusalem) war ein bekannter britischer Ägyptologe. Der üblicherweise verwendete Name ist Flinders Petrie.

Flinders Petrie war der Sohn des Landvermessers und Ingenieurs William Petrie und dessen Frau Anne, der Tochter von Captain Matthew Flinders, der die Küsten Australiens erforscht hatte. Flinders Petrie besuchte nie eine reguläre Schule, sondern wurde von seinem Vater, seiner Mutter und einer Großtante unterrichtet, da er als gesundheitlich anfällig galt. Mit acht Jahren erlitt er einen Nervenzusammenbruch, in dessen Folge jeder weitere Unterricht für zwei Jahre unterblieb. Flinders war jedoch schon längst zum gierigen Leser geworden und erweiterte in der Folge seine vielseitige, wenn auch unsystematische Ausbildung, indem er seinen zahlreichen Interessen folgte.

Bereits als Jugendlicher beschäftigte er sich mit der Untersuchung und Vermessung römischer und vorgeschichtlicher Funde in England. Im Alter von 19 Jahren nahm er zusammen mit seinem Vater die bis dahin genaueste Vermessung von Stonehenge vor. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er 1877 unter dem Titel Inductive Metrology or the Recovery of Ancient Measurements from the Monuments.

Petries Vater hing der Theorie von Charles Piazzi Smyth an, dass Zoll und Fuß ursprünglich ägyptische Maßeinheiten waren. Petrie wollte den Beweis antreten und reiste 1880 nach Ägypten. Dort vermaß er die Pyramiden von Gizeh. Mit seiner sehr genauen Vermessung konnte er die Theorie allerdings nur widerlegen.

Zu Petries Zeiten gab es noch keine Gelder von der Regierung für Ausgrabungen. Ein Archäologe benötigte jedoch erhebliche finanzielle Mittel für Reisen, Unterkunft und Verpflegung, Bezahlung der Arbeiter, Fotografen und Zeichner, für Verpackung und Transport und schließlich für die Veröffentlichung der Ergebnisse. Petrie musste also nach einem Geldgeber suchen.

Amelia Edwards, die 1882 in London den „Egypt Exploration Fund“ (EEF) gegründet hatte, entdeckte Petrie 1883 durch Vermittlung von Reginald Stuart Poole, dem Leiter der Abteilung für Medaillen und Münzen beim Britischen Museum und engen Mitarbeiter von Edwards beim „Egypt Exploration Fund“. Beeindruckt von seinem Book of the Dead entschloss sich Edwards, den jungen Archäologen zu fördern, worauf sich zwischen Edwards, Petrie und dessen Familie eine lebenslange Freundschaft entspann. Bereits in der zweiten Saison des „Egypt Exploration Fund“ 1883–1884 wurde Flinders Petrie nach Tanis entsandt, einem Gelände, das mit der biblischen Stadt Zoan in Verbindung gebracht wurde. Auguste Mariette hatte dort den großen Amun-Tempel zwischen 1859 und 1864 freigelegt. Diese Ausgrabungen Mariettes waren Anlass zu der später widerlegten Annahme, Tanis sei die Heimatstadt Ramses II. (Pi-Ramesse). Petrie führte auf dem Gelände dann fünf Monate lang Ausgrabungen durch. Am Ende dieser Saison brachte er eine beträchtliche Anzahl von Objekten mit, die nach Beschluss des Komitees an verschiedene Museen gingen und neue Mittel einbrachten.

Im dritten Jahr (Saison 1884/85) konnte der „Egypt Exploration Fund“ sowohl Édouard Naville als auch Petrie nach Ägypten in das Nildelta senden. Der junge Ägyptologe Francis Llewellyn Griffith, der offiziell zum Studenten der Stiftung ernannt worden war, wurde Petrie zugeteilt. Edwards präsentierte Petries Arbeit in Tanis 1884 dem Orientalisten-Kongress in Leiden. 1885 entdeckte Petrie Naukratis.

1885 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Petrie und Naville. Petrie kritisierte dessen Ausgrabungsmethoden in aller Öffentlichkeit. Das brachte auch das Komitee des „Egypt Exploration Fund“ in eine schwierige Situation, so dass es vorübergehend zum Bruch mit Petrie kam.

Nach seinem Ärger mit der Administration des „Egypt Exploration Fund“ im Herbst zuvor hatte Petrie 1886 einen kleinen Betrag von der British Association erhalten, um Erkenntnisse über ethnische Gruppen in Oberägypten zu sammeln. Er selbst musste für Reisekosten und Unterkunft aufkommen. Auf seiner Reise nach Assuan traf er Francis Llewellyn Griffith, der das gleiche Ziel hatte. Sie einigten sich darauf, dass Griffith die Felsinschriften kopieren und studieren würde, während Petrie sich mit den Grabinschriften befasste. Petrie lobte die Zusammenarbeit mit Griffith und dessen wissenschaftliche Ausbildung in den höchsten Tönen.

Anschließend waren für Flinders Petrie keine Ausgrabungsprojekte in Sicht und seine Karriere schien ein frühzeitiges Ende zu nehmen. Wieder half Amelia Edwards. Sie stellte ihm Haworth vor, ein Textilfabrikant aus Manchester, den Ägypten interessierte, seitdem er 1882 die von Edwards beschriebene Reise A Thousand Miles up the Nile gemacht und spontan den Egypt Exploration Fund unterstützt hatte. Edwards informierte Petrie, dass Haworth keine Plünderei wünsche und im Hintergrund bleiben wolle, so dass sein Name nirgends in Erscheinung träte. Ein weiterer Sponsor fand sich mit Henry Martyn Kennard, einem Kunstsammler. Petrie schreibt dazu:

dass er „trotzdem nicht wünschte, seine Zeit völlig in den Dienst von irgendjemand zu stellen. Der Plan, den ich meinen Freunden vorlegte und der sehr glatt lief, sah so aus, dass sie für alle Arbeits- und Transportkosten aufkamen, während ich alle meine Ausgaben selbst trug. Als Gegenleistung teilten wir alle Objekte, die nach England kamen. Es war in meinem Interesse, soviel wie möglich beizusteuern.“

Ab 1887 begannen die beiden Männer, Petries Ausgrabungen zu unterstützen, und zwar in Illahun/Kahun, Gurob und Hawara.

Petrie hatte Schwierigkeiten, eine Grabungslizenz für Amarna von Eugène Grébaut, dem Leiter des Antikendienstes von 1886 bis 1892, zu erhalten. Er erhielt sie mit der Auflage, dass die Felsengräber ausgeschlossen waren. Petrie akzeptierte die Verpflichtung. Alessandro Barsanti, ein Angestellter des Antikendienstes, begann im Dezember 1891 damit, das Grab des Königs Echnaton auszuräumen, dessen Mumie später in Grab KV55 im Tal der Könige entdeckt wurde. Das Königsgrab (Amarna Grab 26) soll den Ortsansässigen bereits seit 1880 bekannt gewesen sein. Petrie warf Grébaut später vor, den Fund verheimlicht zu haben.

Am 17. November 1891 traf Petrie in Amarna ein. Früh am Morgen und am Spätnachmittag, wenn die Sonnenstrahlen schräg einfielen, konnte er unter dem Sand von Jahrtausenden den Verlauf von Straßen und Gebäuden erkennen. Er begann nach fünf Tagen systematisch mit seiner Arbeit und hatte innerhalb von drei Tagen den Palast ausgegraben, wo er einen wundervollen bemalten Fußboden fand, mit Vögeln im Schilfrohr und exotischen Blumen. In der Mitte befand sich ein Teich mit vielen Fischen. Der Regierungsbeamte, der seine Arbeit überwachte, meldete den Fund nach Kairo und zwei Wochen später ordnete diese an, eine Schutzwand um den 3000-jährigen Fußboden zu bauen. Petrie hatte bereits Holzbretter darüber gelegt, damit er nicht direkt betreten wurde, und nun ließ er auch noch ein Dach errichten. Später fand er einen zweiten Fußboden und ließ diesen ebenfalls schützen.

Petrie grub hauptsächlich in der Stadt mit dem Großen Aton-Tempel, dem Palast, den Privatgemächern des Königs, dem Raum mit der Korrespondenz des Pharaos und einigen Privathäusern. Obwohl es oftmals nicht mehr als eine archäologische Sondage (Test) war, fand er weitere Tontafeln, die Überreste einiger Glaswerkstätten sowie eine große Anzahl an Fayence-, Glas- und Keramikscherben (einschließlich mykenischer Tonscherben), indem er die Schutthaufen des Palastes durchkämmte.

Anfang 1892 besuchte Archibald Henry Sayce Petrie in Amarna. Petrie hatte 22 Tontafeln gefunden, zu denen Sayce einen Beitrag in dessen Buch schrieb. Sie befinden sich im Ashmolean Museum in Oxford und gehören zu den entdeckten ca. 300 Briefen und Schriftstücken der Amarnatafeln.

William Tyssen-Amherst zeigte Interesse an Petries Arbeit in Amarna und schlug über den Egypt Exploration Fund vor, Mittel für die Ausgrabung beizusteuern in der Erwartung, dafür Antiquitäten für seine Sammlung zu erhalten. Es wird vermutet, dass Percy Newberry, der die Sammlung Amherst kannte, Howard Carter vorschlug, der in Swaffham aufgewachsen war und über seinen Vater ebenfalls Amherst kennengelernt hatte. Newberry und Carter arbeiteten zu der Zeit in Dair al-Berscha und hatten Petrie bereits besucht. Nachdem Petrie die Summe von 200 Pfund erhalten hatte, zeigte er sich einverstanden, dass Howard Carter als agent für Amherst unter seiner Konzession arbeiten sollte, vorausgesetzt, dass er, Petrie, die Arbeit kontrolliere und das Recht zur Ausstellung und Veröffentlichung von dem, was gefunden würde, behalte.

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