Filippo Franz Saverio Leutenegger (* 25. November 1952 in Rom; heimatberechtigt in Thundorf TG und seit 2017 in Zürich) ist ein Schweizer Politiker, Journalist und Ökonom. Er war von 2003 bis 2014 Nationalrat der FDP und von 2014 bis 2026 als Stadtrat Mitglied der Zürcher Stadtregierung. Seit 2023 ist er Präsident der FDP Kanton Zürich.
Frühe Jahre in Italien und Studium
Seine Kindheit und Jugend verbrachte Filippo Leutenegger in Italien. Sein Vater, Xaver Leutenegger, war in Rom als Funktionär bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) tätig. 1965 schickten ihn seine Eltern in die Schweiz ins Internat der Klosterschule Disentis, das bereits sein Vater besucht hatte.
Die Ausbildung im Kloster Disentis musste Leutenegger unfreiwillig abbrechen. Grund war ein gegen ihn ausgesprochenes consilium abeundi (lat. „Empfehlung zu gehen“), eine schulrechtliche Massnahme, die faktisch einem Schulverweis entspricht. Die Klosterschule wollte mit dem Verweis „ein Exempel statuieren“, da sich Leutenegger wiederholt nicht an die Regeln halten wollte. Um Leutenegger den weiteren Berufsweg jedoch nicht grundsätzlich zu verbauen, liess man ihn die Matura 1972 an der Klosterschule Altdorf ablegen. Rückblickend betrachtet beschreibt sich Leutenegger selbst als „aufmüpfig“.
Während seines Ökonomiestudiums an der Universität Zürich engagierte er sich aktiv in der Anti-Atomkraft-Bewegung und gehörte 1980 zu den Vordenkern der linksalternativen Wochenzeitung (WOZ). Nach dem Abschluss als lic. oec. publ. und einem begonnenen, aber nicht beendeten Zweitstudium der Rechtswissenschaft (cand. iur.), arbeitete er 1980/81 als Direktionssekretär und Betriebswirtschafter der Schweizerischen Kreditanstalt (später Credit Suisse) in Zürich, bevor er 1981 in den Journalismus wechselte.
Journalistische Laufbahn bei SF DRS und Entlassung
1981 trat Leutenegger eine Stelle als Wirtschaftsredaktor bei der Konsumentensendung Kassensturz von SF DRS (heute Schweizer Fernsehen) an. Zwischen 1984 und 1993 war er Italien- und Tessin-Korrespondent sowie Redaktor von DRS-aktuell. Parallel moderierte er von 1990 bis zu deren Einstellung 1993 die Wirtschaftssendung Netto und ab 1993 die Polit-Diskussionssendung Arena.
Das Konzept der Arena entstand Ende 1992 in einer Arbeitsgruppe um Anton Schaller, damals Leiter der Diskussionssendungen, und Regisseur Helmuth Heim. Deren Vorentwurf Freitagsring sah bereits das spätere Grundprinzip mit mehreren Gästen und einem aktiven Studiopublikum vor. Um das neue Format zu testen, wurden innerhalb der bestehenden Freitagsrunde mehrere Versuchssendungen mit unterschiedlichen Moderatoren ausgestrahlt. Darunter mit Schaller, Peter Studer und Leutenegger. Nachdem Schaller Mitte 1993 die Leitung der Tagesschau übernommen hatte, übertrug man Leutenegger die Leitung der Arena, die er von 1993 bis 1999 entscheidend mitprägte. Unter seiner Moderation wurde das ursprüngliche Arena-Konzept abgewandelt, indem polarisierende Zweierkonfrontationen ins Zentrum rückten, die durch Fachleute sowie das Publikum flankiert wurden.
1999 wurde Leutenegger zum Chefredaktor von SF DRS ernannt und übergab die Moderation der Arena an Patrick Rohr, der die Sendung wieder stärker an die ursprüngliche Mehrfachdiskussionsidee anlehnte.
Am 30. Januar 2002 gab der Regionalratsausschuss von SF DRS – damals das oberste Aufsichts- und Verwaltungsorgan – bekannt, dass Leutenegger per sofort von seinen Funktionen als Chefredaktor freigestellt wird. Als Gründe für die Entlassung wurden unterschiedliche Auffassungen über Führungsprinzipien und ein nicht mehr vorhandenes Vertrauensverhältnis genannt. Auslöser waren „unüberbrückbare Differenzen in strategischen und organisatorischen Fragen“ zwischen Leutenegger und Fernsehdirektor Peter Schellenberg, die durch Indiskretionen an die Öffentlichkeit gelangten. Die Konflikte betrafen dabei insbesondere geplante Sparmassnahmen, die Leutenegger als Chefredaktor vehement abgelehnt hatte.
Umstrittene Managerjahre bei Jean Frey
Nach seiner Freistellung als Chefredaktor wurde Leutenegger zum CEO der defizitären Jean Frey AG bestellt, zu deren Titeln u. a. Beobachter, Bilanz und Weltwoche gehörten. Unter seiner Führung setzte das Medienunternehmen ausgerechnet jene Massnahmen um, die Leutenegger zuvor beim Fernsehen kritisiert hatte: Sparprogramme, organisatorische Umstrukturierungen und strategische Neuausrichtungen. Zeitgenössische Medienberichte betonten jedoch, dass die Sanierung der Jean Frey AG nicht allein auf Leutenegger zurückzuführen sei, sondern auf das Zusammenspiel von Geschäftsleitung, Verwaltungsrat und Investoren.
2002 geriet Leutenegger wegen seiner zunehmend stärker werdenden politischen Ambitionen in Konflikt mit der Redaktion des Beobachters, damals Teil der Jean Frey Gruppe. In einem offenen Brief äusserten die Journalisten scharfe Kritik an der Unternehmensführung unter Leutenegger. Zeitgenössische Quellen berichten, dass Leuteneggers Streben nach einem politischen Amt innerhalb der Jean Frey AG „grundlegendes Unbehagen“ im Hinblick auf die publizistische Unabhängigkeit ausgelöst hätten. Grosse Vorbehalte gegenüber seinem gleichzeitigen Engagement als Politiker und CEO eines Medienunternehmens äusserte auch Charles von Graffenried, Verwaltungsrat der Jean Frey und Verleger der Berner Zeitung.
Leutenegger liess sich von der Kritik nicht beirren und kandidierte im Oktober 2003 erfolgreich für den Nationalrat. 2006 wurde die Jean Frey AG an die Axel Springer AG verkauft. Leutenegger, der bis dahin als CEO und Delegierter des Verwaltungsrats amtierte, schied Ende des Jahres aus dem Unternehmen aus und wandte sich stärker seiner politischen Laufbahn als Nationalrat zu.
Zwischen 2011 und 2014 gehörte Leutenegger als Präsident dem Verwaltungsrat der Basler Zeitung an. In dieser Zeit kam es zu einem Machtkampf zwischen ihm und dem damaligen CEO, den er für sich entschied. Mit seiner Wahl in die Zürcher Stadtregierung legte Leutenegger alle bis dahin verbliebenen privatwirtschaftlichen Engagements nieder.
Im Herbst 2002 gab Leutenegger seine Kandidatur für den Nationalrat bekannt. Bei den Wahlen im Oktober 2003 wurde er mit dem Slogan «Weniger Staat, mehr Schweiz» auf der Liste der Freisinnig-Demokratischen Partei (heute FDP) mit dem drittbesten Listenresultat ins Parlament gewählt. Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2007 sowie 2011 schaffte er jeweils die Wiederwahl in den Nationalrat. Er gehörte der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK-NR) an und war Mitglied der Geschäftsleitung und des Fraktionsvorstandes der FDP Schweiz.
2014 kandidierte er in der Stadt Zürich gleichzeitig als Stadtpräsident und als Mitglied der neunköpfigen Zürcher Stadtregierung. Bei der Wahl zum Stadtpräsidenten unterlag er der Amtsinhaberin Corine Mauch (SP) bereits im ersten Wahlgang. Hingegen schaffte er die Wahl in den Stadtrat auf dem achten von neun Plätzen. Er übernahm das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement der nicht mehr zur Wiederwahl angetretenen Grünen-Politikerin Ruth Genner. Damit sicherte sich die FDP den zweiten Sitz im Stadtrat, der bei einer Nachwahl im Jahre 2013 an Richard Wolff von der Alternativen Liste verloren gegangen war.
2018 wurde Leutenegger als Stadtrat wiedergewählt. Bei der Wahl fürs Stadtpräsidium unterlag Leutenegger erneut der amtierenden Stadtpräsidentin Mauch. Bei der Ressort-Verteilung innerhalb des Gremiums wurde Leutenegger als Folge der ERZ-Affäre gegen seinen Willen mit der Leitung des Schul- und Sportdepartements betraut (siehe Kritik). 2022 wurde Leutenegger zum dritten Mal als Stadtrat bestätigt. Im Februar 2025 gab er bekannt, 2026 nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten. Daraufhin verlor die FDP ihren zweiten Stadtratssitz an den Grünen-Politiker Balthasar Glättli, der die Leitung des Schul- und Sportdepartements am 27. Mai 2026 übernahm.