Ferdinando Paër (* 1. Juli 1771 in Parma; † 3. Mai 1839 in Paris) war ein italienischer Komponist österreichischer Abstammung.
Ferdinando Paërs Vater Giulio war Hornist im Hoftheater in Parma. Von ihm erhielt er nach 1778 seinen ersten Musikunterricht. Später studierte er in seiner Heimatstadt bei dem Hofkapellmeister Gian Francesco Fortunati. 1791 entstand sein erstes bekanntes Bühnenwerk, Orphée et Euridice, in französischer Sprache. Es wurde in Parma uraufgeführt. 1791 wurde er Theaterkapellmeister in Venedig. Hier entstand 1792 seine erste italienische Oper: Circe. Auf Grund der ersten Erfolge wurde zum ehrenamtlichen Hofkapellmeister in Parma. 1797 übte er diese Tätigkeit dann in Wien aus.
1797 heiratete er die italienische Opernsängerin Francesca Riccardi (1778–1845) und siedelte mit ihr nach Wien über. Dort erhielt sie ein Engagement als erste Sängerin an der Italienischen Hofoper. 1801 folgte das Ehepaar einem Ruf an das Dresdner Hoftheater.
Von 1802 bis 1806 war Paër Kapellmeister am Morettischen Opernhaus in Dresden, von 1812 bis 1827 Kapellmeister an der italienischen Oper in Paris. Ab 1831 war er Mitglied der Académie des Beaux-Arts, 1832 wurde er Kapellmeister der dortigen Königlichen Kapelle. Paër war unter anderem Franz Liszts Lehrer in Paris, welchem er auch bei der Verfeinerung von dessen 1824 bis 1825 entstandener Oper Don Sanche ou Le château d’amour half.
Der Musikwissenschaftler Wolfram Enßlin verfasste ein Chronologisch-thematisches Verzeichnis der Werke Ferdinando Pae͏̈rs (PaWV). Bislang ist Bd. 1 mit seinen Opern erschienen (2004). Bd. 2 mit den übrigen Werken befindet sich in Arbeit.
Paër schrieb ungefähr 43 Opern, die zu seiner Lebenszeit sehr erfolgreich und bekannt waren, nach seinem Tode aber in Vergessenheit gerieten; außerdem Oratorien, Kantaten, Gesangswerke, Klavierstücke u. a. Seiner Oper Leonora liegt der gleiche Stoff zu Grunde wie Beethovens Oper Fidelio.
Paër war unter anderem Franz Liszts Lehrer in Paris, welchem er auch bei der Verfeinerung von dessen 1824 bis 1825 entstandener Oper Don Sanche ou Le château d’amour half.
Die folgende Liste basiert auf den Angaben im Werkverzeichnis (PaWV), Corago (jeweils die Opern betreffend) sowie im Personenartikel zu Ferdinando Paër in Musik in Geschichte und Gegenwart.
Orphée et Euridice (PaWV 1), mélodrame (Schauspiel mit Musik), Libretto: Duplessis; 1791, Parma, Hof
Circe (PaWV 2), dramma per musica; Libretto: Domenico Perelli; Karneval 1792, Venedig, Teatro San Samuele
Le astuzie amorose, ossia Il tempo fa giustizia a tutti (PaWV 3) (auch La locanda de’ vagabondi, als Einakter L'inganno in trionfo), dramma [giocoso] per musica; Libretto: Antonio Brambilla; Herbst 1792, Parma, Teatro Regio Ducale; 1793 in Reggio Emilia, Piacenza und Venedig, 1794 in Florenz (L'inganno in trionfo) Padua, Turin und Monza, 1795 in Lodi, 1796 in Cremona und Varese, 1797 in Genua und Mailand, 1801 in Treviso, 1803 in Palermo und Florenz, 1804 in Siena, 1806 in Ascoli Piceno und Cagliari, 1809 in Florenz, 1810 in Rieti, 1813 in Dresden, 1872 in Florenz
Laodicea (PaWV 4), dramma per musica; Libretto: Giuseppe Maria Foppa; Juni 1793, Padua, Teatro Nuovo; 1798 in Verona, 1799 als Tegene e Laodicea in Florenz, 1803 in Cesena
I pretendenti burlati (PaWV 5), dramma giocoso per musica; Libretto: Gian Carlo Grossardi; Sommer 1793, Medesano, Teatrino Grossardi
L’oro fa tutto (PaWV 6), dramma giocoso per musica; Libretto: Angelo Anelli; Herbst 1793, Mailand, Teatro alla Scala; 1795 als Geld ist die Lösung in Dresden, 1804 in Palermo
Il nuovo Figaro (auch Il matrimonio di Figaro) (PaWV 7), dramma giocoso per musica; Libretto: Lorenzo Da Ponte; Karneval 1794, Parma, Teatro Ducale
Il matrimonio improvviso (auch I due sordi burlati oder Gli due vecchi burlati) (PaWV 8), commedia con musica; Libretto: Giuseppe Maria Foppa; 22. Februar 1794, Venedig, Teatro San Moisè; 1796 in Salò, 1797 in Lissabon und Mailand, 1798 in Barcelona und Madrid, 1800 in Varese, 1801 in Venedig
I molinari (PaWV 9), commedia per musica; Libretto: Giuseppe Maria Foppa; 22. Februar 1794, Venedig, Teatro San Moisè; 1796 in Lissabon, 1797 in Madrid und Mailand, 1805 in Pillnitz (Dresden)
L’Idomeneo (PaWV 10), dramma serio per musica; Libretto: Gaetano Sertor; 21. April 1794, Florenz, Teatro degli Intrepidi