Ferdinand Johannes Wit von Dörring (* 22. August 1799 in Hamburg; † 9. Oktober 1863 in Meran) war ein deutsch-dänischer Schriftsteller, Journalist und Politiker.
Ferdinand Johannes Wit von Dörring wurde als Sohn des aus Holland stammenden Pferdehändlers Jacob Wit und dessen Ehefrau Johanne Ferdinande, geb. Eckstein, gebürtig aus Kopenhagen, geboren. Der Wohnort der Familie war zwar in Eimsbüttel bei Pinneberg. Weil der Wohnort auf dänischem Staatsgebiet lag, wurde Wit von Dörring jedoch in Hamburg geboren, um der dänischen Militärpflicht vorzubeugen. Als geborener Däne galt nur, wer in Dänemark geboren oder von dänischen Eltern außerhalb des Landes geboren wurde. Gemäß dem Taufbuch der St. Johanniskirche in Eppendorf wurde er 1799 geboren und nicht 1800, wie häufig in der Literatur erwähnt. Seine Mutter, eine Schwester des Baron Ferdinand von Eckstein, ließ sich kurz nach der Geburt ihres Sohnes von Jacob Wit scheiden und heiratete den dänischen Major und Kammerherrn von Dörring, nahm jedoch das Kind nicht mit in die Ehe.
In jungen Jahren benannte er sich bereits nach seinem Stiefvater als „Wit genannt von Dörring“; am 7. September 1830 erhielt er mit einem königlich dänischem Diplom die Erlaubnis zur Führung dieses Namens.
Seine ersten sieben Lebensjahre verbrachte er in Altona bei der Familie seines Cousins Ferdinand Teuffer und die darauffolgenden zwei Jahre bei einem Pfarrer in Plön. Vom neunten bis zum zwölften Lebensjahr wurde er auf der dänischen Insel Alsen vom Pfarrer Meier unterrichtet. Sein nächster Lehrer war in Bernstofsminde bei Brahetrolleborg im Schullehrerseminar. Nach dem Tod seines Stiefvaters kehrte er noch einmal kurz nach Plön zurück und besuchte dann von 1815 bis 1817 das Christianeum in Altona sowie das Johanneum in Hamburg.
Er begann im Herbst 1817 ein Studium der Rechtswissenschaften und der Philologie an der Universität Kiel. Weil er sich mehrfach duellierte und deswegen mit einer Karzerstrafe belegt wurde, musste er das Semester vorzeitig beenden.
Beeinflusst von den Berichten zum Jenaer Burschenleben und von der Feier des Wartburgfestes 1817, an dem auch Kieler Studenten wie August Daniel von Binzer teilnahmen, führten dazu, dass er sich am 6. April 1818 an der Universität Jena zum Diplomatik-Studium immatrikulieren ließ. Im Sommersemester 1818 wurde er Mitglied der Urburschenschaft, die sich erst ein Jahr davor gegründet hatte. Gemeinsam mit Karl Ludwig Sand, der am 23. März 1819 August von Kotzebue ermorden wird, gehörte er bereits sehr früh zu dem von Robert Wesselhöft gegründeten politisch aktiven „engeren Verein“ der Jenaischen Burschenschaft, der den inneren Zirkel bildete. In den Pfingstferien 1818 lernte er in Gießen den Privatdozenten Karl Follen kennen, der das Haupt des radikalen Flügels der Burschenschaft war. Dieser Flügel wurde auch als „Gießener Schwarze“ bezeichnet oder auch die „Unbedingten“, die einen deutsch-christlichen Einheitsstaat, Volksherrschaft und eine republikanisch-demokratische Verfassung forderten und in ihrem Idealismus auch den Opfertod und die Ermordung politischer Gegner nicht ausschloss. Karl Follen war auch Mitgründer des geheimen radikalen „Jünglingsbundes“, dem Ferdinand Johannes Wit von Dörring frühzeitig beitrat.
Nach seiner Rückkehr aus Gießen schloss er sich im Sommer 1818 einem, wahrscheinlich von Robert Wesselhöft und August Daniel von Binzer gegründeten und in der „Grünen Tanne“ tagenden, „Wissenschaftlichen Verein“ an. Weitere Mitglieder waren Uwe Jens Lornsen, Heinrich Leo, Karl Ludwig Sand und Heinrich von Gagern. Dieser kleine Kreis von Burschenschaftern traf sich vierzehntäglich, um Vorträge u. a. von Jakob Friedrich Fries und Karl Follen zu hören und zu diskutieren.
Im August 1818 musste er Jena verlassen, weil er auf dem Weg nach Gießen in Fulda Offiziere des Regimentes „Landgraf Karl“ wegen ihrer Zöpfe verspottet hatte und mit ihnen in Streit geraten war. Dies hatte eine Verbannung aus der Stadt Fulda, die ihm auch 1831 noch angelastet wurde, zur Folge. So machte er sich, teils zu Fuß und teils mit der Postkutsche über Heidelberg, Frankfurt, Mainz und Metz auf dem Weg nach Paris. Dort suchte er seinen Onkel Baron Ferdinand von Eckstein auf, der Generalinspektor der Pariser Polizei war und mit dem damaligen französischen Justizminister Hercule Comte de Serre befreundet war.
Vermutlich hatte Karl Follen ihn auf die damalige Stimmung und Stellung der politischen Parteien in Frankreich aufmerksam gemacht. So sollte Ferdinand Johannes Wit von Dörring für die „Unbedingten“ erkunden, ob die französischen Revolutionäre zum Umsturz bereit wären. Aufgrund seiner Kontakte zu einflussreichen Kreisen wurde er nun häufig in die verschiedenen Pariser Salons eingeladen, kam mit den Vertretern der verschiedenen Parteien in Kontakt und erfuhr hierbei auch von deren Plänen. Seine gewonnenen Kenntnisse teilte er seinem Onkel, dem Baron von Eckstein, und dem Justizminister de Serre mit. Dabei ging er jedoch nicht diplomatisch und ehrlich vor, sondern wollte vielmehr sein bereits ausgeprägtes Selbstbewusstsein weiter stärken. In seinen späteren Aufzeichnungen verurteilte er sein damaliges Verhalten.
Er kam auch mit dem Bischof Henri Grégoire und anderen französischen Liberalen in Kontakt. Allerdings missfielen seinem Onkel Baron von Eckstein diese liberalen Kontakte, und er befürchtete für sich selbst politische Nachteile. Er gab seinem Neffen ausreichend finanzielle Mittel, damit dieser die Rückreise nach Jena antreten konnte.
Nach seiner Ankunft in Jena wohnte er mit Karl Follen zusammen, der im Oktober 1818 als Privatdozent an die Universität Jena gekommen war.
Weil durch das Erscheinen Karl Follens die Stimmung in Jena eskalierte, kam es am 15. Dezember 1818 zu einer Beschädigung des Triumphbogens, den der Wirt des Burgkeller zu Ehren der Zarentochter und Großherzogin Maria Pawlowna errichtet hatte, die zu Besuch in Jena weilte. Der Triumphbogen war durch Karl Ludwig Sand und Graf Dieterich von Bocholtz eingerissen worden. Dazu erschien auch noch eine aufreizende Schrift Ein teutsches Wort zur Feier des Blücherfestes.
Ferdinand Johannes Wit von Dörring beschuldigte sich selbst beim Universitäts-Syndicus Ludwig Christoph Ferdinand Asverus (1760–1830), den Triumphbogen zerstört zu haben. Zudem geriet er in Verdacht, beim Druck und der Verteilung der obigen Schrift beteiligt gewesen zu sein. Hierauf erbat er die Erlaubnis zur Abreise, um so auch der drohenden Relegation zu entgehen. Er erhielt Ende Dezember 1818 vom Prorektor die Erlaubnis hierzu und so verließ er Jena Ende Dezember und fuhr nach Altona.
Im Sommersemester 1819 versuchte Ferdinand Johannes Wit von Dörring vergeblich die radikalen Ideen von Karl Follen in Kiel zu verbreiten. Nach der Ermordung Kotzebues wurde Karl Follen als geistiger Anstifter verhaftet, Ferdinand Johannes Wit von Dörring versuchte diesen zu entlasten, indem er sich in einem Brief vom 26. Oktober 1819 aus Hamburg an den Staatsminister Wilhelm von Humboldt als den Verfasser und Verbreiter von Karl Follens revolutionärem „Großem Lied“ mit der Aufforderung zur Ermordung der fürstlichen deutschen Tyrannen, bezichtigte. Als Freund und „Unbedingter“ hielt er es für seine Pflicht, Karl Follen zu schützen, auch wenn ihm daraus selbst Nachteile entstanden.
Ende Oktober 1819 floh er nach London, weil er als Freund von Karl Ludwig Sand und Karl Follen seine Verhaftung fürchtete. Nach seiner Ankunft in London trat er als führender Repräsentant der deutschen Revolutionäre auf. Er schrieb in englischen und französischen Zeitungen Artikel gegen die deutschen Regierung. Er erhielt auch Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten, wie etwa Henry Brougham und Jeremy Bentham sowie zu Mitgliedern der Regierungspartei, den sogenannten „Ministeriellen“, bei denen er sich als Führer oder Mitwisser der deutschen Revolutionäre ausgab. Er glaubte daran, durch seine „Diplomatie“ eines Paktierens zwischen den Parteien, Liberalen und Ultras, vermitteln zu können. Die englische Regierung ließ ihn aufgrund seiner Kontakte zur Opposition polizeilich überwachen und auch die preußische Regierung, auf seine Aufsätze aufmerksam geworden, beauftragte ihren Geschäftsführer in London dagegen einzuschreiten. Ende Januar 1820 wurde Ferdinand Johannes Wit von Dörring von der englischen Regierung des Landes verwiesen. Er kehrte zu seinem Onkel Baron Eckstein in Paris zurück, der ihn gleichzeitig zurückrufen ließ. Dieser handelte vermutlich im Auftrag vom Justizminister de Serre, der Ferdinand Johannes Wit von Dörring an Freunde in England empfohlen hatte und sich durch dessen revolutionäre Auftritte kompromittiert fühlte und dessen Übersiedlung nach Paris wünschte, um ihn besser beobachten zu können. Die englischen Häfen hatten Anweisung ihn nicht mehr nach England einzulassen.