Johann Bernhard Ferdinand Jühlke (* 1. September 1815 in Barth; † 12. Juni 1893 in Potsdam) war ein deutscher Gartenbau-Lehrer, Gartenbau-Autor und Gartengestalter.
Ferdinand Jühlke wurde als drittes Kind des Tischlers Johann Martin Jühlke und dessen Ehefrau Dorothea Ilsabe, geborene Sandhof, in Barth in Neu-Vorpommern geboren. Seine Eltern ließen sich kurz nach seiner Geburt scheiden; sein Vater heiratete 1818 erneut, aus dieser Ehe ging eine Halbschwester Jühlkes hervor.
Ferdinand Jühlke besuchte die Höhere Bürgerschule seiner Geburtsstadt. Sein Onkel, der die Gärtnerei eines Rittergutes in der Nähe leitete, führte Jühlke schon früh an die praktische Gärtnerei heran und weckte sein Interesse für den Garten- und Obstbau.
Im Jahr 1830 begann Jühlke deshalb eine Ausbildung zum Gärtner im Botanischen Garten der Universität Greifswald. Dessen Leiter, der Professor für Naturgeschichte und Botanik an der Universität Greifswald, Christian Friedrich Hornschuch, versuchte sowohl in der Lehre als auch in der Gestaltung des botanischen Gartens auf der einen Seite wissenschaftliche, botanische und auf der anderen Seite künstlerisch-ästhetische Aspekte des Gartenbaus zu vereinen. So sollte der botanische Garten nicht allein wissenschaftlichen Studienzwecken dienen, sondern auch breiten Kreisen der Bevölkerung die Freude an der Gartenkultur nahebringen. 1831 gründete Hornschuch eine Lehranstalt für Gartenarbeiter, zu deren ersten Absolventen Jühlke gehörte.
Schon während seiner Ausbildung legte Jühlke großen Wert darauf, auch Kenntnisse in den gartenbaulichen Hilfswissenschaften zu erlangen, weshalb er Privatunterricht in Botanik, Physik, Mathematik und Vermessungstechnik nahm. Während der Zeit in Greifswald entwickelte sich eine enge Freundschaft zu dem Gärtner Langguth, der für Jühlke zum Mentor und Berater wurde.
Tätigkeit an der Königlichen Landwirtschaftlichen Akademie Eldena
Hornschuch empfahl Jühlke 1834 als akademischen Gärtner an der Königlichen Staats- und landwirtschaftlichen Akademie Eldena bei Greifswald. Als Leiter der Lehr- und Versuchsgärten betreute Jühlke hier den botanischen Garten, die Obstbaumschule und die Versuchsfelder. Diese Anlagen dienten zum einen als Hilfsmittel für den Unterricht in den Fächern Botanik und Pflanzenkunde, für den die Studenten Herbarien und Pflanzensammlungen
anlegten, und zum anderen für Züchtungsversuche und die Erprobung neuer Kultursorten und -verfahren. Jühlke stand in engem Kontakt mit verschiedenen Handelsgärtnereien, Baumschulen und Botanischen Gärten, aus denen er Pflanzgut und Samen bezog, um Neuzüchtungen für den Anbau unter den norddeutschen Klimabedingungen zu erproben.
Als Gärtner erteilte Jühlke an der Akademie zunächst nur praktischen Unterricht in den Fächern Obstbaumzucht und -veredlung. Ab dem Wintersemester 1843/44 hielt er auch Vorlesungen im Fach Gartenbaulehre und übernahm 1846 den neu geschaffenen Lehrstuhl für Gartenbau, wodurch er die Gartenbaulehre als eigenständigen Fachbereich an der Akademie etablieren konnte.
Neben dem Unterricht an der Landwirtschaftsakademie trug Jühlke auch durch seinen zahlreichen Publikationen in Fachzeitschriften, durch die Organisation von Landwirtschaftsausstellungen und durch sein Engagement in landwirtschaftlichen Vereinen zur Verbreitung gartenbaulicher Erkenntnisse bei. Er engagierte sich im Baltischen Verein zur Förderung der Landwirtschaft und gehörte 1845 zu den Gründungsmitgliedern des Gartenbauvereins für Neuvorpommern und Rügen, dessen Sekretär er auch bis 1858 war.
In Eldena lernte er Otto von Bismarck kennen, der die Akademie während seiner Militärzeit besuchte, um landwirtschaftliche Kenntnisse für die geplante Bewirtschaftung der Familiengüter zu erwerben. Mit Bismarck pflegte Jühlke eine lebenslange Freundschaft und beriet ihn oft in gartenbaulichen Fragen.
Sein eigenes Wissen erweiterte er durch Studienreisen. 1844 bereiste er Deutschland und Belgien, 1853 besichtigte er Gärtnereien und Gärten in England, Schottland, Belgien, Holland, Frankreich und Süddeutschland.
Im Jahr 1854 wurde er zum Königlichen Gartenbauinspektor ernannt.
Jühlke veröffentlichte 1856 die erste Pomologische Beschreibung der Apfelsorte Pommerscher Krummstiel, die vermutlich bereits um 1800 in Mecklenburg entstanden ist.
Handelsgärtnerei F. Jühlke, Erfurt
1858 entschloss er sich, aus dem Staatsdienst auszuscheiden; ein Angebot, als Direktor des Kaiserlichen Gartens nach Tiflis zu gehen, lehnte er ab. Stattdessen übernahm er am 1. September 1858 die bereits seit 1833 bestehende Handelsgärtnerei C. Appelius in Erfurt. Das Unternehmen war in der Erfurter Andreasvorstadt angesiedelt. Neben den renommierten Handelsgärtnereien von Ernst Benary, J. C. Schmitz und N.L. Chestensen gehörte Jühlkes Handelsgärtnerei bald zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Gartenbauunternehmen in Erfurt.
In Erfurt leistete Jühlke ein großes ehrenamtliches Engagement. Schon 1860, nur zwei Jahre nach seinem Umzug, wurde er zum Direktor des Erfurter Gartenbauvereins gewählt und wurde im gleichen Jahr in die Erfurter Freimaurerloge Carl zu den drei Adlern aufgenommen. Er war Mitglied der Erfurter Stadtverordnetenversammlung und wurde 1861 durch den Finanzminister zum Mitglied der Bezirkskommission für die Regulierung der Grundsteuer ernannt.
Auch als Handelsgärtner unternahm er weiterhin Studienreisen, die ihn im Sommer 1860 nach Österreich, Böhmen, Mähren, Ungarn und Schlesien führten, wo er verschiedene Gärtnereien besuchte, um Anregungen für sein eigenes Unternehmen zu sammeln.