Ferdinand III. (* 13. Juli 1608 in Graz; † 2. April 1657 in Wien), geboren als Ferdinand Ernst, Erzherzog von Österreich aus dem Hause Habsburg, war vom 15. Februar 1637 bis zu seinem Tode 1657 Römisch-deutscher Kaiser, zudem bereits ab 1625 bzw. 1627 König von Ungarn, Kroatien und Böhmen.
Ferdinand III. trat während des Dreißigjährigen Krieges die Herrschaft als Kaiser an und war bereits ab dem 2. Mai 1634 Oberbefehlshaber des Heeres.
In seine Regierungszeit fällt der Niedergang des unter seinem Vater gesteigerten kaiserlichen Machtanspruchs. Er wollte den Krieg früh beenden, sah sich aber nach militärischen Niederlagen und vor dem Hintergrund nachlassender Macht gezwungen, in vielen Punkten auf bisherige Positionen der Habsburger zu verzichten. Er gab damit den lang verzögerten Weg zum Westfälischen Frieden frei, obwohl die kaiserliche Macht nach dem Friedensschluss schwächer war als vor dem Krieg. In Böhmen, Ungarn und den österreichischen Erblanden war die Stellung von Ferdinand als Landesherr stärker als zuvor.
Ferdinand war der erste Herrscher aus dem Hause Habsburg, der auch als Komponist hervortrat.
Ferdinand III. war der Sohn Ferdinands II. und Maria Annas von Bayern. Er wuchs unter liebevoller Zuwendung der Eltern in Graz auf. Er selbst entwickelte große Zuwendung für seine Geschwister und seinen Vater, mit dem er bei späteren Meinungsverschiedenheiten immer zu einem Ausgleich kam. Im Alter von 7 Jahren verlor Ferdinand Anfang 1616 seine Mutter. Sein Vater, der für die Nachfolge des kinderlosen Kaisers Matthias vorgesehen war, wurde im Folgejahr zum König von Böhmen gekrönt und kam danach nur noch selten nach Graz. Ferdinand zog vielleicht schon ab 1616, aber spätestens im Jahr 1618 in den Unterhofstaat seines älteren Bruders Johann Karl. Dort wurde er unter dem Hofmeister Christoph Simon von Thun als weltlicher Fürst erzogen. Als nachgeborener Sohn sollte er wahrscheinlich die Statthalterschaft für ein habsburgisches Territorium antreten.
Durch die Jesuiten erhielt Ferdinand seine religiöse und wissenschaftliche Ausbildung. Viel Einfluss auf die Erziehung des Erzherzogs übten auch die Malteserritter Johann Jacob von Dhaun und Christoph Simon von Thun aus. Letzterer unterwies ihn in militärischen Dingen. Ferdinand soll sieben Sprachen, neben Deutsch und Latein auch Italienisch, Spanisch, Französisch, Tschechisch und Ungarisch, gesprochen haben. Neuere Autoren sind da etwas vorsichtiger; gesichert ist jedoch, dass er ausgezeichnet Italienisch sprach; dasselbe gilt vermutlich für Latein und Spanisch. Wie groß seine ungarischen und tschechischen Kenntnisse waren, ist unklar. Nach dem Tod seines Bruders Johann Karl Ende 1619 wurde er zum Nachfolger seines Vaters bestimmt und systematisch auf die Übernahme der Herrschaft vorbereitet. Er war wie sein Vater ein frommer Katholik. Eine gewisse Abneigung hegte er gegenüber dem Einfluss der Jesuiten, die den Hof seines Vaters beherrscht hatten.
Am 8. Dezember 1625 wurde er zum König von Ungarn, am 27. November 1627 zum König von Böhmen gekrönt. Die Wahl zum römischen König konnte sein Vater auf dem Regensburger Kurfürstentag von 1630 nicht durchsetzen. Nachdem er sich vergeblich um den Oberbefehl des kaiserlichen Heeres und die Teilnahme an Feldzügen bei Wallenstein beworben hatte, schloss er sich am kaiserlichen Hof in Wien den Gegnern Wallensteins an und wirkte seitdem an den Absprachen zu dessen zweiter Absetzung am Jahresanfang 1634 mit.
Im Jahr 1631 heiratete er nach jahrelangen Verhandlungen mit den spanischen Verwandten die spanische Infantin, seine Cousine Maria Anna von Spanien. Obwohl mitten im Krieg, wurde diese aufwändige Hochzeit über einen Zeitraum von vierzehn Monaten gefeiert. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, darunter der ursprünglich als Nachfolger vorgesehene Ferdinand IV. und der spätere Kaiser Leopold I. Seine um zwei Jahre ältere, liebevolle und intelligente Frau und auch deren Bruder, der spanische Kardinalinfant Ferdinand von Spanien hatten großen Einfluss auf Ferdinand III. und bildeten in der für Habsburg schwierigen Zeit des Dreißigjährigen Krieges nach dem Tod von Wallenstein das wichtigste Bindeglied zwischen den Höfen der Habsburger in Madrid, Brüssel und Wien.
Nach dem Tod Wallensteins wurde Ferdinand III. am 2. Mai 1634 Oberbefehlshaber, unterstützt von den Generälen Gallas und Piccolomini, dem militärischen Ratgeber Johann Kaspar von Stadion und dem politischen Berater Obersthofmeister Graf Maximilian von und zu Trauttmansdorff. Seine ersten großen militärischen Erfolge erreichte Ferdinand im Juli 1634 durch die Rückeroberung der seit November 1633 von den Schweden besetzten Stadt Regensburg, gefolgt im August 1634 durch die Eroberung Donauwörths. Die Erfolge wurden im September 1634 gekrönt durch den gemeinsam mit dem spanischen Heer des Kardinalinfanten Ferdinand von Spanien errungenen Sieg in der Schlacht bei Nördlingen. Mit diesem Sieg wurden zwei schwedische Heere vernichtet und die Schweden aus Süddeutschland vertrieben. Ferdinand gewann an politischem Einfluss, auch wenn seine persönlichen Beiträge zu den militärischen Erfolgen in Regensburg und Nördlingen begrenzt waren und eher seinem im Hintergrund wirkenden Generalleutnant Gallas zukamen. Sein Einfluss am Hof in Wien verstärkte sich noch nach dem Sturz des bis dahin sehr einflussreichen Ministers Hans Ulrich von Eggenberg. Zunächst behielt er den Oberbefehl über die Kriegsführung, übergab ihn aber später zweimal (September 1639 bis Februar 1643, und Mai 1645 bis Dezember 1646) an seinen vielseitig begabten Bruder, Erzherzog Leopold Wilhelm. Dieser war allerdings aufgrund mangelnder militärischer Ausbildung auf die Beratung durch erfahrene Offiziere wie Piccolomini angewiesen und gab sein Amt jeweils trotz anfänglicher Erfolge nach unglücklichen Niederlagen wieder auf. Ferdinand beschäftigte sich auch nach der Abgabe des Oberbefehls weiterhin theoretisch mit Militärfragen, später widmete ihm Raimondo Montecuccoli eines seiner Werke.
1635 wirkte Ferdinand als kaiserlicher Kommissar an den Schlussverhandlungen zum Prager Frieden mit und versuchte dabei, die Kurfürsten für die Zeit nach dem Friedensschluss zu einer gemeinsamen Kriegsführung zu bewegen. Auch bemühte er sich, die noch widerstrebenden protestantischen Stände zu überzeugen, dem geplanten Friedensvertrag beizutreten. Anfangs knüpfte seine Friedensstrategie noch an die Politik des Vaters an. Zunächst galt es, im Abschluss des Prager Friedens den Ausgleich mit dem bisherigen Gegner, dem protestantischen Kurfürstentum Sachsen zu suchen und die Einigkeit zwischen allen Teilen des Reiches und dem Kaiser wiederherzustellen. Außerdem sollte durch Kooperationen mit einem spanischen Heer unter Befehl seines Cousins, dem Kardinalinfanten Ferdinand von Spanien und mit dem bayerischen Liga-Heer unter Befehl seines Onkels Kurfürst Maximilian die militärische Überlegenheit hergestellt werden. Durch die Kriegserklärung Frankreichs an Spanien im Mai 1635 trat der Krieg in eine neue Phase, in dem die Habsburger unmittelbar gegen Frankreich Krieg führen mussten, das bisher ihre Gegner nur finanziell unterstützt hatte. Die schwierige Koordination mit Sachsen, Bayern und Spanien führte jedoch nicht dazu, Frankreich und Schweden vom Reichsgebiet zu vertreiben, sondern eher zum Niedergang der Habsburger.
Der Frankreichfeldzug scheitert
Der militärische Niedergang begann mit dem Scheitern des Angriffs auf Paris 1636, den Ferdinand mit seinem Cousin, dem spanischen Kardinalinfanten Ferdinand vorgeplant hatte. Von Norden her sollte Paris aus den spanischen Niederlanden mit einem spanischen Heer angegriffen werden, unterstützt von kaiserlichen und bayerischen Truppen unter Piccolomini und Johann von Werth. Von Süden her sollte der zum Vorhaben skeptisch eingestellte Generalleutnant Matthias Gallas, der bereits 1635 mit einem kaiserlichen Heer in Lothringen Fuß gefasst hatte, von Burgund aus nach Norden vordringen. Der Angriff von Süden scheiterte schon, bevor er begann, am im Weg stehenden Heer Bernhard von Sachsen-Weimars, dem sich Gallas nicht überlegen fühlte und einen Angriff ablehnte, später scheiterte auch der Versuch zu einem Feldzug „zur linken Hand“ in eine alternative Richtung am Widerstand der französisch verteidigten Stadt Saint-Jean-de-Losne Anfang November 1636. Im Norden hatten die mit der Eroberung der französischen Grenzfestung Corbie erzielten Anfangserfolge keinen Bestand. Die von der bayerischen Kavallerie unter Johann von Werth geführten spektakulären Vorstöße auf Paris verschafftem dem Reitergeneral Werth zwar Ruhm, waren aber politisch eher kontraproduktiv. Die Vorstöße verbreiteten zwar Schrecken, führten aber zur Solidarisierung und Versöhnung der Bevölkerung mit König Ludwig XIII. und mit Richelieu. Am Ende kam es zur Bildung eines französischen Volksheeres, das die an die Spanier verlorene Grenzfestung Corbie Mitte November 1636 wieder zurückeroberte.