Felix Dahn (Ludwig Sophus Felix Dahn; * 9. Februar 1834 in Hamburg; † 3. Januar 1912 in Breslau) war ein deutscher Rechtswissenschaftler, Schriftsteller und Historiker.
Felix Dahn war der Sohn des Schauspielers und Theaterregisseurs Friedrich Dahn und dessen erster Ehefrau Constance geb. Le Gaye. Die Mutter war eine Schauspielerin mit französisch-hugenottischen Wurzeln. Die Ehe der Eltern verlief unglücklich und wurde 1850 geschieden, was den jungen Felix nach eigenem Bekunden schwer belastete. Sein jüngerer Bruder Ludwig wurde ebenfalls Schauspieler, außerdem hatte er noch eine Schwester, Constanze, die sich später als Schriftstellerin betätigte.
Dahn besuchte das Wilhelmsgymnasium München. Nach dem Abitur begann er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Rechtswissenschaft, Geschichte und Philosophie zu studieren. Vorübergehend wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und wurde, zurück in München, mit 21 Jahren summa cum laude zum Dr. iur. promoviert. Das zweite juristische Staatsexamen bestand er 1856 in Bayern als Jahrgangsbester.
Dahn heiratete 24-jährig in erster Ehe die Malerin Sophie Fries (1835–1898), mit der er einen Sohn bekam; allerdings entwickelte sich die Beziehung unglücklich. 1867 nahm Therese Freiin Droste zu Hülshoff, eine Nichte zweiten Grades der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, bei ihm in Würzburg Unterricht zur Verfeinerung ihrer Poesie. Nach anfänglicher gegenseitiger Abneigung entwickelte sich daraus eine stürmische Liebe zwischen der damals 22-jährigen katholischen Baronesse und dem elf Jahre älteren Professor. Dies führte letztendlich zum Zerbrechen und der Scheidung seiner Ehe, nachdem die preußische Regierung dies ermöglicht hatte.
Schließlich heiratete das Paar – gegen den heftigen Widerstand beider Familien – im Jahr 1873 in der Burgkirche im ostpreußischen Königsberg. Diese Liebesgeschichte verarbeitete Felix Dahn schriftstellerisch in seinem Werk Sind Götter? (1874). Das Ehepaar bekam keine Kinder, führte aber eine Ehe, über die Felix Dahn 1894 schrieb: „Und ich hatte das ebenfalls unaussprechliche Glück, meine Therese gefunden und schließlich erkämpft zu haben. Ich glaube nicht, dass es eine glücklichere Ehe geben kann, als die unsere seit nun zwanzig Jahren“. Therese führte, besonders in Breslau, eine Art literarischen Salon, in dem zahlreiche Gelehrte und künstlerisch Interessierte ihrer Zeit verkehrten. Nach Mitteilung von Felix Dahn sind ihre Charakterzüge in der Figur der Hukberta in seinem Roman Die schlimmen Nonnen von Poitiers angedeutet.
Weltanschauliche und politische Einstellungen
Felix Dahn wuchs als Sohn protestantischer Eltern in München auf, wo er eine deutliche Aversion gegen den Katholizismus entwickelte. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der unglücklichen und schließlich zerbrechenden Ehe seiner Eltern wandte er sich indes bereits als Kind immer mehr vom Christentum insgesamt ab und gewann eine zutiefst pessimistische Weltsicht. Das Leiden sowohl in der Natur als auch unter den Menschen, ja die „unverschuldete“ Tragik ganzer Völker vermochte er nicht mit der Vorstellung von einem gerechten Gott in Einklang zu bringen. In seinem Schauspiel König Roderich (1875) vertrat er eine klare antiklerikale Haltung, und auch wenn er nicht in allen Einzelheiten zustimmte, so stand er im Kulturkampf doch im Großen und Ganzen auf der Seite Bismarcks. Sich selbst bezeichnete er als Anhänger des jüdischen Philosophen Baruch Spinoza.
Politisch engagierte sich Dahn im Alldeutschen Verband. Dessen völkischem Gedankengut war er sehr zugeneigt („Das Volk ist des Mannes höchstes Gut“). Diese Einstellung verband sich bei ihm indes keineswegs mit grundsätzlichem Antisemitismus, im Gegenteil sprach er über die Notwendigkeit, sich vom Antisemitismus zu „bekehren“; Juden zählten zu seinen besten Freunden. Insgesamt zeigte er – trotz teils auch kritischer Äußerungen – eine unumwundene Bewunderung für die Juden und deren Fähigkeit, ihre Identität zu bewahren, während er andererseits gerade die gerühmten germanischen Tugenden kritisch bewertete (so schrieb er in seinem Werk Gelimer von maßlosem germanischen Trotz und einem „dumme[n] Heldenthum der Ehre“). Folgerichtig zeigte Dahn – gerade vor dem Hintergrund seiner völkischen Denkweise – auch für den Zionismus starke Sympathien und äußerte 1901 im Rahmen einer Rezension für Das literarische Echo: „Wäre ich ein Jude, würde ich ein begeisterter Zionist sein.“ Indes glaubte Dahn nicht, dass sich ethnische Unterschiede durch Assimilation angleichen lassen, sondern sah das Ideal vielmehr in einer freundschaftlichen, aber gleichwohl getrennten Koexistenz der Völker. Konsequent setzte er sich zwar sehr für die Überwindung der deutschen Kleinstaaterei ein, doch eine Überwindung völkischer Grenzen im Sinne einer Globalisierung blieb ihm fremd.
In seinen letzten Lebensjahren engagierte er sich für den Bau des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig, dessen Einweihung (zum 100. Jahrestag) er im Jahre 1913 allerdings nicht mehr miterlebte.
Akademische Laufbahn und Forschungstätigkeit
Im Anschluss an sein Studium konzentrierte Dahn sich ganz auf das juristische Fachgebiet, nachdem ihm sein Lehrer Karl von Prantl von einer Promotion im philosophischen Fachgebiet abgeraten hatte. Schon 1857 habilitierte er sich in München mit der Schrift: Studien zur Geschichte der germanischen Gottes-Urteile. Dieses Erstlingswerk wird heute noch gedruckt. Anschließend übernahm er dort eine Dozentur u. a. für Deutsches Recht, Rechtsphilosophie, Handelsrecht und Staatsrecht. 1863 wurde er außerordentlicher und 1865 ordentlicher Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Hier beteiligte er sich aktiv an der Hochschulpolitik. So soll es einer flammenden Rede von Dahn vor dem Universitätssenat zu verdanken gewesen sein, dass 1872 der auf der Kippe stehende Ankauf der italienischen Sammlung Feoli für die Antikensammlung des Martin von Wagner Museums zustande kam.
Der Deutsch-Französische Krieg, an dem Dahn als Johanniter teilnahm, unterbrach seine akademische Karriere nur kurzzeitig. 1872 wechselte er auf einen Lehrstuhl der Albertus-Universität Königsberg. Für das akademische Jahr 1877/78 wählte sie ihn zum Rektor. 1888 ging er schließlich an die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau. 1895/96 war er auch ihr Rektor.
Seine Universitätskarriere trieb Dahn nicht nur mit einer Fülle von juristischen Fachpublikationen von Handels- bis hin zu Völkerrecht voran, sondern auch als Historiker mit Forschungen zur Geschichtswissenschaft und zahlreichen Veröffentlichungen über die Geschichte der Spätantike und Völkerwanderungszeit. Sein wissenschaftliches Hauptwerk Die Könige der Germanen erschien in 11 Bänden (1861–1909). Zudem gilt Dahn dank seiner Theodor Mommsen gewidmeten Monographie über Prokopios von Caesarea (1865) als Begründer der modernen Forschung über diesen antiken Historiker. Dahns Werke über die Spätantike und die Völkerwanderung sind heute bekannter als die seiner früheren Königsberger Kollegen Wilhelm Drumann und Friedrich Wilhelm Schubert und werden teils weiterhin aufgelegt. Daneben veröffentlichte Dahn auch eine kaum überschaubare Fülle juristischer Fachliteratur, die von handels- bis zu völkerrechtlichen Themen reicht.
Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit betätigte sich Dahn auch als Dichter und Romanautor, wobei ihm seine historischen Forschungsergebnisse vielfach als Grundlage dienten. Insofern hatte der weitaus größte Teil seiner poetischen Werke die Lebenswelt und das Schicksal der germanischen Völker bis zur Völkerwanderungszeit zum Thema. In den 1860er Jahren wurde Dahn zum Hausautor der Zeitschrift Die Gartenlaube, der damals mit weitem Abstand auflagenstärksten deutschsprachigen Publikation. Hier veröffentlichte er über viele Jahre hinweg zahlreiche Gedichte, die drei Gesamtausgaben (die letzte in 16 Bänden mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren) erreichten. Er war Mitglied in dem auch politisch einflussreichen, unter der Ägide Emanuel Geibels stehenden Münchner Dichterkreis sowie in dessen Berliner Pendant Tunnel über der Spree.