Als Fasten wird die völlige oder teilweise Enthaltung von allen oder bestimmten Speisen, Getränken und Genussmitteln über einen bestimmten Zeitraum hinweg, üblicherweise für einen oder mehrere Tage, bezeichnet. Wird nur eine ganz konkrete Art der Nahrung oder ein Genussmittel weggelassen oder eingeschränkt, spricht man von Enthaltung oder Abstinenz.
Der Begriff kommt schon in allen altgermanischen Sprachen vor, so gotisch (ga)fastan, althochdeutsch fastēn, altenglisch fæstan und altnordisch fasta. Die ursprüngliche Bedeutung ist unsicher. Sie könnte „(an den Geboten der Enthaltsamkeit) festhalten“ sein, wobei die gebotene Enthaltsamkeit als ein „Fest-Sein“ gedacht würde. Nach anderer Sicht könnte das germanische Wort ein alter Terminus für das kultische Fasten sein und als indogermanisch *pwost-to- „rein, rechtschaffen, gewissenhaft“ näher zu lateinisch pūrus „rein“ und lateinisch pius „rechtschaffen“ gehören.
Fasten als Gestaltungselement des Lebens ist historisch in zahlreichen Kulturen belegt und kommt in vielfältigen Formen sowie in teilweise festgelegten Ritualen vor: für bestimmte Jahreszeiten oder Zeitabschnitte, kollektiv oder individuell, als völliger oder teilweiser Verzicht auf Nahrungsmittel sowie auf Genussmittel, Fleisch, Alkohol, Sexualität u. a. Kulturhistorisch überwiegen Fastenzeiten zu bestimmten Terminen, wo sie neben religiösen Aspekten auch als medizinisch nützlich angesehen wurden.
Die (religiöse) Fastenpraxis in Antike und Mittelalter unterschied drei Stufen:
Vollfasten (lateinisch ieiunum naturale): keine Nahrungsaufnahme und kein Trinken
Halbfasten (lateinisch ieiunum plenum): eine Mahlzeit pro Tag und erlaubte Flüssigkeitsaufnahme
Abstinenz-Fasten (lateinisch ieiunum semiplenum): (im Gegensatz zum Vegetarismus periodischer) Verzicht auf bestimmte Speisen (etwa Fleisch von an Land oder in der Luft lebenden Warmblütern) und Getränke (etwa Wein)
In der Neuzeit finden sich Formen des therapeutischen Fastens, etwa eine Diät begleitend oder in der Trauerarbeit, bis hin zu Formen des Protestes im Hungerstreik und des politischen Fastens, z. B. eines Mahatma Gandhi. Andererseits lässt sich der Trend erkennen, alte medizinische oder religiöse Traditionen neu zu entdecken.
Im religiösen Kontext schließlich dient das Fasten unter anderem der Reinigung der Seele, der Buße im Christentum, der Abwehr des Bösen, dem Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erlösung.
Allgemein soll das Fasten mittels Verzicht oder reduzierter Nahrungsaufnahme mehreren Zwecken dienen:
der religiösen Praxis, unter anderem in der christlichen Fastenzeit und im islamischen Fastenmonat Ramadan
in mehreren Religionen der Vorbereitung auf große Feiertage
einer Förderung der Wahrnehmung
einer Erhöhung der Willenskraft und Vorbereitung auf spezielle Herausforderungen
dem Zuwachs an psychischer und sozialer Kontrolle (siehe z. B. Mahatma Gandhi oder allgemein Hungerstreik)
der Erhöhung der Lebenserwartung und einer Verzögerung des Alterungsprozesses (siehe Hauptartikel → Kalorienrestriktion beziehungsweise intermittierendes Fasten)
(bei gezielter Methodik) dem Abnehmen bzw. der Kontrolle des Körpergewichts
im Rahmen einer Therapie von Krankheiten.