An diesem Tag

Fabio Luisi

Italienischer Dirigent

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Fabio Luisi (* 17. Januar 1959 in Genua) ist ein italienischer Dirigent und Parfümeur. Er gilt als einer der führenden Interpreten italienischer Opern und des spätromantischen Repertoires und wurde für seine Aufnahmen mehrfach mit internationalen Schallplattenpreisen ausgezeichnet. Seit 2017 ist er Chefdirigent des Dänischen Radio-Sinfonieorchesters, außerdem ist er seit 2020 Musikdirektor des Dallas Symphony Orchestra und seit September 2022 Chefdirigent des NHK-Sinfonieorchesters in Tokio.

Er war Künstlerischer Direktor der Grazer Symphoniker (1990–1996), Chefdirigent des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich (1994–2000), Chefdirigent des MDR-Sinfonieorchesters (1996–2007), Musikdirektor des Orchestre de la Suisse Romande (1997–2002), Chefdirigent der Wiener Symphoniker (2005–2013) und Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden (2007–2010), wo er gleichzeitig als Generalmusikdirektor (GMD) der Semperoper wirkte. 2010/11 vertrat er den erkrankten Musikdirektor James Levine als Erster Gastdirigent an der Metropolitan Opera in New York; von 2011 bis 2017 war er dort Principal Conductor. Von 2012 bis 2021 leitete er als GMD am Opernhaus Zürich die dortige Philharmonia.

Als künstlerischer bzw. musikalischer Direktor stand er u. a. dem Pacific Music Festival in Japan (2004, 2008 und 2010–2012) und der Opera di Firenze / dem Maggio Musicale Fiorentino (2018–2019) vor und leitet als Musikdirektor das Festival della Valle d’Itria (seit 2015).

Fabio Luisi wurde 1959 als Sohn eines toskanischen Lokomotivführers in Genua geboren. Luisi begann im Alter von vier Jahren mit einer Klavierausbildung. Wegen einer ernsthaften Asthmaerkrankung suchten seine Eltern eine Möglichkeit der Ablenkung, die Entscheidung fiel auf die Musik. In seiner Heimatstadt besuchte Luisi das humanistische Gymnasium „Cristoforo Colombo“ und absolvierte sein Abitur im Jahr 1978, nur wenige Wochen bevor er seine Klavierdiplomprüfung mit 9,6 von 10 Punkten als Privatschüler von Memi Schiavina am Konservatorium „Niccolò Paganini“ in Genua ablegte.

Danach schrieb er sich zunächst an der Universität Genua in Griechisch und Latein ein, absolvierte aber keine Prüfungen und wandte sich weiter der Musik zu. Im gleichen Sommer lernte er im südfranzösischen Orange den italienischen Pianisten Aldo Ciccolini kennen, der ihn für einen Meisterkurs und weitere Klavierstudien nach Paris einlud. Bei ihm vertiefte Luisi insbesondere das französische Repertoire von Claude Debussy und César Franck. Gleichzeitig setzte er sein Klavierstudium in Italien bei Antonio Bacchelli fort. Im Jahr 1979 nahm er an einem Meisterkurs für Klavier bei Adam Harasiewicz auf Schloss Grafenegg in Niederösterreich teil.

Zwei Begegnungen ließen in Fabio Luisi den Wunsch reifen, zu dirigieren: mit der Sopranistin Leyla Gencer, mit der er als Korrepetitor für Oper und Lied arbeitete, und mit Rodolfo Celletti, der ihn als Korrepetitor zum im Sommer stattfindenden Festival della Valle d’Itria nach Martina Franca einlud. Nach zwei Jahren als Vertragslehrer für Musiktheorie und Kammermusik am Konservatorium „Giacomo Puccini“ im norditalienischen La Spezia zog Luisi nach Österreich, um sein Kapellmeisterstudium zu beginnen. Der ehemalige Chefdirigent des Radio-Symphonieorchesters Wien, Milan Horvat, den er in Genua kennengelernt hatte, und der Operettenchef der Grazer Oper, Walter Goldschmidt, wurden seine wichtigsten Lehrer an der Musikhochschule in Graz. Im Jahr 1983 erhielt er sein Kapellmeisterdiplom mit Auszeichnung und wurde wenig später Assistent von Milan Horvat.

Nach seiner Assistenzzeit trat er sein erstes Engagement als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung an der Grazer Oper an. Er debütierte 1984 als Dirigent in Martina Franca (Requiem von Domenico Cimarosa), im selben Jahr auch an der Grazer Oper mit der Opera buffa Viva la Mamma von Gaetano Donizetti und am Teatro dell’Opera Giocosa in Genua mit Il turco in Italia von Gioachino Rossini. In den folgenden Jahren dirigierte Luisi an der Grazer Oper weitere Opern, Operetten und Ballette.

Luisi trennte sich 1987 von der Grazer Oper und begann eine internationale Dirigiertätigkeit, die ihn als Gast in renommierte Opernhäuser und zu Sinfonieorchestern brachte, u. a. Staatstheater Stuttgart (1987), Nationaltheater Mannheim (1987), hr-Sinfonieorchester in Frankfurt (1988), Deutsche Oper Berlin (1988), Opéra national de Bordeaux (1988), Münchner Rundfunkorchester (1989) und Gewandhausorchester Leipzig (1989). Die in dieser Zeit angebotene Nachfolge von GMD Gabriele Ferro an der Stuttgarter Oper lehnte er ab, weil er gleichzeitig andere Vertragsverhandlungen führte. Im Jahr 1989 debütierte er durch Vermittlung von Wolfgang Sawallisch an der Bayerischen Staatsoper in München, an der Berliner Staatsoper Unter den Linden und an der Wiener Staatsoper. Seitdem ist Luisi ständiger Gast dieser Opernhäuser, mit zahlreichen Dirigaten von Repertoirevorstellungen, Wiederaufnahmen und neuen Produktionen. Im Jahr 1990 wurde unter seiner künstlerischen Leitung, die er bis 1996 innehatte, das Grazer Symphonische Orchester neu gegründet.

Im Jahr 1995 wurde Luisi Chefdirigent des Niederösterreichischen Tonkünstlerorchesters in Wien. Mit diesem Klangkörper unternahm er 1998 eine Tournee nach Japan und dirigierte bis zum Ende seines Mandats im Jahr 2000 über 250 Konzerte, die meisten im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.

Gemeinsam mit den Dirigentenkollegen Marcello Viotti und Manfred Honeck übernahm Fabio Luisi im Jahr 1996 die Nachfolge von Daniel Nazareth und damit die künstlerische Leitung des MDR-Sinfonieorchesters in Leipzig. Jenes „Triumvirat“ bestand bis 1999, danach wurde Luisi alleiniger Chefdirigent des Orchesters. Im Jahr 2005 brachte er mit Rundfunkchor und -orchester Jean-Luc Darbellays Requiem zur Uraufführung. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war, neben Auslandstourneen und Konzerten im Sendegebiet, die Leitung von Rundfunkproduktionen. Es entstanden Aufnahmen u. a. von Werken Mahlers, Verdis, Berlioz’, Francks und Bizets. Luisi ließ seinen Vertrag 2007 trotz angebotener Verlängerung bis 2009 auslaufen.

Im Jahr 1997 wurde er als Nachfolger von Armin Jordan Musikdirektor des Orchestre de la Suisse Romande in Genf (bis 2002). Mit dem Orchester nahm er mehrere CDs auf u. a. eine Gesamtaufnahme der symphonischen Werke von Arthur Honegger und zwei Operngesamtaufnahmen für Philips. Auslandstourneen führten ihn nach Japan (1999) und Österreich. In der Schweiz brachte er 2000 Jean-Luc Darbellays Oyama zur Uraufführung. Im Jahr 1997 debütierte er an der Opéra Bastille in Paris. Im Februar 2000 gab Fabio Luisi seinen Einstand in den Vereinigten Staaten mit einem Konzert mit dem New York Philharmonic Orchestra und wenige Monate später an der Lyric Opera in Chicago.

Anfang des Jahres 2000 war Luisi auf Wunsch des Intendanten Udo Zimmermann (2001–2003) als Nachfolger des scheidenden GMD Christian Thielemann designierter Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. In den nächsten Monaten kam es allerdings zu öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen mit dem Land Berlin, dessen Senat schließlich den Vertrag aufgrund vermeintlich überhöhter Gehaltsforderungen Luisis nicht genehmigte. Nachdem sich Fabio Luisi nach eigenen Aussagen dem „nicht sehr theaterkompetenten Kultursenator und einigen Westberliner Politikern“ ausgesetzt sah, verzichtete er Ende 2000 auf Anraten Zimmermanns auf sein Amt. Hinter den Kulissen sprachen sich die überwiegende Mehrheit der Orchestermitglieder und die Fraktionsvorsitzenden der beiden Volksparteien Klaus-Rüdiger Landowsky (CDU) und Klaus Wowereit (Regierender Bürgermeister, SPD) für den Verbleib des alten GMD aus, des Berliners Christian Thielemann.

In den Jahren 2004, 2008 und 2010–2012 war er künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Pacific Music Festival in Sapporo/Japan.

Engagements in Dresden und Wien

Im Jahr 2002 debütierte Luisi in einer Neuproduktion des Regisseurs Günter Krämer mit der Oper Die Liebe der Danae von Richard Strauss bei den Salzburger Festspielen. Erneut wurde er 2003 und 2006 eingeladen. Damals begann eine stetige Zusammenarbeit mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Nächste Aufgaben brachten ihn zur Staatsoper Unter den Linden in Berlin und nach Dresden zur Semperoper für Neuproduktionen von Verdi und Puccini (2004). Luisi gab 2005 mit Verdis Don Carlos sein Debüt an der Metropolitan Opera in New York. An der Bayerischen Staatsoper in München dirigierte er 2005 zwei Neuproduktionen von Verdi und Humperdinck. Seinen ersten Ring des Nibelungen leitete er 2006 an der Semperoper.

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