Das Fürstentum Moldau (rumänisch Principatul Moldovei oder Voievodatul Moldovei, veraltet Țara Moldovei (= „Moldauer Land/Staat“) oder Moldovlahia (= „Moldauwalachei“); lateinisch Terra Moldaviae oder Terra Moldauana, altkirchenslawisch Землѧ Молдавскаѧ Zemlya Moldavskaya; ungarisch Moldvai Fejedelemség) war ein Staat in Südosteuropa und Osteuropa, dessen Territorium sich heute in Rumänien (Westmoldau), der Republik Moldau (ohne Transnistrien) und der Ukraine (Budschak, Herza-Gebiet bzw. Nordbukowina im Oblast Tscherniwzi) befindet. Sowohl Rumänien als auch die Republik Moldau sehen sich als Nachfolgestaat dieses Fürstentums. In zahlreichen Schriften wird es auch Fürstentum Moldawien genannt.
Die Namen Moldavia und Moldova leiten sich vom Namen des Flusses Moldova ab. Die Etymologie ist jedoch nicht bekannt und es gibt mehrere Varianten:
eine in der Descriptio Moldaviae (1714) von Dimitrie Cantemir erwähnte Legende verbindet den Namen mit einer Auerochsenjagd des Woiwoden Dragoș und dessen Verfolgung eines sternengeprägten Auerochsen. Dragoș wurde von seiner Hündin Molda begleitet. Als sie das Ufer eines unbekannten Flusses erreichten, holte Molda das Tier ein und wurde von ihm getötet. Der Name des Hundes wäre dem Fluss gewidmet und auf das Land übertragen worden.
die gotische Mulda (gotisch: 𐌼𐌿𐌻𐌳𐌰, Runen: ᛗᚢᛚᛞᚨ) bedeutet „Staub“, „Schmutz“ und bezieht sich auf den Fluss.
nach slawischer Etymologie ist das Suffix -ova eine slawische Genitivform und gibt das Eigentum bezogen auf das Substantiv „Molda“ („von Molda“) an.
ein Grundbesitzer namens Alexa Moldaowicz, der durch den Namen seine Herkunft aus der Stadt Melden verrät, wird in einem Dokument aus dem Jahr 1334 als lokaler Bojar im Dienste von Bolesław Georg II. erwähnt. Dies zeugt von einer möglichen Verwendung des Namens vor der Gründung des moldawischen Fürstentums und könnte die Quelle für den Namen der Region sein.
Auf einer Münzserie von Peter I. und Stephan I., geprägt von sächsischen Meistern und mit deutschen Sagen, ist auf den Rückseiten der Name Moldaus in der Form Molderlang/Molderlant (recte: Molderland) abgebildet.
In mehreren frühen Referenzen wird „Moldavia“ unter der zusammengesetzten Form Moldo-Wallachia wiedergegeben (so wie die Walachei als Hungro-Wallachia erscheinen kann). Osmanisch-türkische Verweise auf Moldau umfassen Boğdan Iflak (bedeutet „Bogdans Walachei“) und Boğdan (gelegentlich Kara-Boğdan – „Schwarzer Bogdan“).
Um 1354 gründeten Siedler aus Maramuresch (laut Tradition „der Fürst Dragoș und seine Leute“) das Fürstentum Moldau, zunächst als Vasallenstaat des Königreichs Ungarn. 1359 wurde das Land unter Fürst Bogdan I. von Ungarn unabhängig, geriet aber ab 1387 für mehr als ein Jahrhundert unter das nominelle Supremat des Königreichs Polen.
Die meiste Zeit danach reichten die Grenzen bis an den Dnister. Während der Regierungszeit Stephans des Großen (reg. 1457–1503) erlebte das Fürstentum einen kulturellen und politischen Höhepunkt. Stephan gelang es, sich gegen ungarische, polnische und osmanische Expansionsgelüste zu behaupten. Dennoch verlor er 1484 den Süden seines Landes (ein schmaler Gebietsstreifen zwischen den Festungen Kilija und Akkerman) an die Osmanen, die das Gebiet später als Sandschak Budschak administrativ organisierten. Dadurch verlor das Fürstentum Moldau die Landverbindung zum Schwarzen Meer und wurde ein Binnenstaat. Gegen Ende seiner Regierungszeit geriet Stephan in einen Konflikt zum Königreich Polen und besiegte eine polnische Armee in der Schlacht bei Codrul Cosminului (polnisch Bitwa pod Koźminem) 1497. Die polnischen Herrscher erhoben auch nach dieser Niederlage weiterhin den Anspruch auf Suzeränität über das Fürstentum Moldau.
Ab 1512 wurden die moldauischen Fürsten bei Erhaltung innerer Autonomie zur Vasallentreue (inkl. Heeresfolge und Tributpflicht) gegenüber der Hohen Pforte verpflichtet. Nach dem vermeintlichen Gründer des Fürstentums nannte die türkische Administration das ihrer Suzeränität unterworfene Fürstentum Boğdan. Unter Stephans Nachfolgern als Landesherren ging trotz nomineller Unterwerfung unter das Supremat des Sultans zu Konstantinopel 1538 Tighina (Bender) mit Umland an das Osmanische Reich verloren und wurde in den Sandschak Budschak integriert. 1711 folgte schließlich auch die Festung Hotin (Khotin, Cochim), die ab da auch unter der direkten osmanischen Herrschaft stand.
Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geriet das Gebiet des Fürstentums in die Interessenssphären von Russland und Österreich. 1774/1775 trat der Suzerän des Fürstentums, der osmanische Sultan, nördliche Teile des Fürstentums Moldau (die Bukowina mit Czernowitz und Suceava) an Österreich ab.
Von 1799 bis 1801 war Konstantin Ypsilantis als Gospodar der Moldau unter osmanischer Oberhoheit tätig. Durch die Tilgung von Schulden in Höhe einer Million Groschen sowie Steuererleichterungen trug er zur Stabilisierung und einem wirtschaftlichen Aufschwung bei. 1806, nun unter russischer Herrschaft, gelang ihm die kurzzeitige Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei – ein Erfolg, der zuvor nur Mihai Viteazul beschieden war.
1812 trat der osmanische Sultan die Osthälfte des Fürstentums Moldau zusammen mit dem Budschak, der bereits ab 1484 unter der direkten osmanischen Verwaltung gestanden hatte, an Russland ab. Das Gebiet erhielt von der russischen Verwaltung die Bezeichnung Bessarabien und wurde als Gouvernement organisiert. 1834 wurde Michael Stourdza zum Fürsten der Moldau gewählt. Nach dem Vertrag von Balta-Limani 1849 musste er zurücktreten.
Etwa zwei Drittel dieses Gebiets gehören zur heutigen Republik Moldau. In den Jahren 1856–1878 erhielt das Fürstentum Moldau bzw. Rumänien, bedingt durch Russlands Niederlage im Krimkrieg, das Gebiet Cahul, Bolgrad und Ismail im südlichen Budschak vorübergehend zurück.
Sieben Prozent der Bevölkerung, die sogenannten Ṭigani (Roma), waren Sklaven. Sie wurden seit dem 14. Jahrhundert bis zur endgültigen Abschaffung der Sklaverei 1856 von der Kirche und von Klöstern, als Staatssklaven und von Privatleuten als Bauern und Gesinde gehalten, die Mehrheit wurde als nomadische Goldwäscher, Jäger, Handwerker oder Musiker eingesetzt.
1859 wurde das Fürstentum Moldau mit dem Fürstentum Walachei zu den „Vereinigten Fürstentümern der Walachei und Moldau“ (rumänisch Principatele Unite ale Țării Românești și Moldovei), deren Hauptstadt bis 1861 Jassy war. Am 24. Dezember 1861 proklamierte Fürst Alexandru Ioan Cuza offiziell das Fürstentum Rumänien. Die Hauptstadt des Fürstentums Rumänien wurde ab 1862 Bukarest. Nach fast vier Jahrhunderten osmanischer „Schutzherrschaft“ erlangte Rumänien durch den Berliner Kongress 1878 die Anerkennung seiner staatlichen Souveränität vom Osmanischen Reich.
Das Fürstentum, nach dem Fluss Moldova benannt, wurde im Westen durch die Ostkarpaten von Siebenbürgen begrenzt. Im Süden grenzte es entlang der Flüsse Milcov und Sereth an die Walachei, entlang der Donau an die Norddobrudscha und an das Schwarze Meer. Im Nordwesten grenzte das Fürstentum an Galizien, im Norden und Osten an den Dnister.