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Evelyn Waugh

Britischer Schriftsteller (1903-1966)

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Arthur Evelyn St. John Waugh [ˈɑːθə ˈiːvlɪn ˈsɪndʒən wɔː] (* 28. Oktober 1903 in London; † 10. April 1966 in Taunton) war ein britischer Schriftsteller.

Mehrere seiner Romane gelten als Klassiker der englischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Das Time-Magazin wählte Wiedersehen mit Brideshead und Eine Handvoll Staub zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden. 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler die satirischen Romane Scoop und Verfall und Untergang unter die bedeutendsten britischen Romane.

Evelyn Waugh war der jüngere Sohn des Verlegers und Schriftstellers Arthur Waugh und seiner Ehefrau Catherine Charlotte. Beide elterlichen Familien stammten ursprünglich aus Schottland. Arthur Waugh war im Jahr vor Evelyns Geburt Leiter des Verlages Chapman & Hall geworden, der einstmals die Werke von Charles Dickens herausgegeben hatte. Der Verlag war seitdem geschrumpft, die Familie verfügte über nur begrenzte finanzielle Mittel.

Arthur Waugh war früher Schüler der Sherborne School gewesen, ebenso Alec Waugh (1898–1981), der fünf Jahre ältere Bruder Evelyns, der ebenfalls Schriftsteller wurde. Alec war noch vor seinem Abschluss des Internats verwiesen worden und verarbeitete seine Schulzeit in dem 1917 erschienenen Roman The Loom of Youth. Das Werk, als dessen Handlungsort Sherborne School leicht auszumachen war, löste einen Skandal aus, da Alec darin homosexuelle Beziehungen unter Schülern angedeutet hatte. Das Internat weigerte sich daraufhin, seinen jüngeren Bruder aufzunehmen. Daher besuchte Evelyn Waugh schließlich das Internat Lancing College, nachdem er zuvor Tagesschüler an einer vorbereitenden Schule im Londoner Stadtteil Hampstead gewesen war. Am Lancing College, an dem er seine Neigung zum Theologiestudium überprüfen wollte, fühlte er sich zunächst sehr unglücklich. Die Einschränkungen auf Grund des Ersten Weltkriegs waren deutlich spürbar, und es war an Internaten damals üblich, mit neuen Schülern besonders ruppig umzugehen. Lancing College gab ihm jedoch die Möglichkeit, seinen Interessen an Malerei und Kalligraphie nachzugehen, und Waugh wurde unter anderem Herausgeber des Schulmagazins. Am Ende seiner Schulzeit erhielt er ein Stipendium für das Hertford College der Universität Oxford.

Studium und erste Veröffentlichungen

Waugh nahm im Januar 1922 ein Studium am Hertford College auf. Die Jahre dort empfand er als ausgesprochen glücklich. Er litt zwar zunächst unter dem zweifelhaften Ruf seines älteren Bruders, fand aber bald zahlreiche Freunde in den verschiedenen Colleges der Universitätsstadt. Das Leben mit seinen Freunden und der damit verbundene Alkoholgenuss spielten häufig eine größere Rolle als das Studium. Nach dessen Ende arbeitete Waugh als Lehrer an verschiedenen Internaten und Tagesschulen. Zwar war er bei seinen Schülern nicht unbeliebt, geriet jedoch häufig in Konflikte mit den jeweiligen Schulleitern. In seiner Autobiografie A Little Learning berichtete er, dass er sich als so ungeeignet für den Lehrerberuf empfand, dass er während seiner Zeit an einem Internat in Denbighshire sogar einen halbherzigen Selbstmordversuch unternommen habe.

Noch während seiner Zeit als Lehrer schrieb Waugh einen Essay über die Präraffaeliten, der 1926 als Privatdruck erschien und die Aufmerksamkeit des Verlagshauses Duckworth auf ihn lenkte. Der Verlag legte ihm nahe, ein Buch über Dante Gabriel Rossetti zu verfassen. Im April 1927 gab Waugh seine Laufbahn als Lehrer auf und erwog ernsthaft, Kunsttischler zu werden. Im Dezember 1927 verlobte er sich mit Evelyn Gardner, der jüngsten Tochter des verstorbenen Lord Burghclere. Die Verlobung traf auf heftigen Widerstand der Mutter der Braut, da Evelyn Waugh weder über Einkommen noch eine Beschäftigung verfügte. 1928 erschien sein Buch über Rossetti und erhielt einige gute Besprechungen, löste aber seine finanziellen Probleme nicht. In dieser Lage verfasste Waugh den satirischen Roman Verfall und Untergang (engl. Originaltitel: Decline and Fall), der von seinen Erfahrungen als Schüler des Lancing College, als Student in Oxford und als Lehrer stark beeinflusst war. Der Verlag Duckworth verlangte einige Überarbeitungen, und schließlich wurde der Roman von Chapman und Hall angenommen. Sein Vater war an dieser Entscheidung nicht beteiligt. Er hätte vermutlich gezögert, im eigenen Verlag das Werk seines Sohnes zu veröffentlichen.

Der Roman war sofort ein großer Erfolg und erhielt zahlreiche positive Besprechungen, unter anderem von Arnold Bennett, einem damals sehr einflussreichen Kritiker und Schriftsteller. Der Erfolg des Buchs beendete Waughs finanzielle Probleme. Im Juni 1928 heirateten er und Evelyn Gardner, ohne dass sie deren Mutter darüber informierten. Da Waugh und seine Frau denselben Vornamen trugen, nannten Freunde sie He-Evelyn und She-Evelyn („Er-Evelyn“ und „Sie-Evelyn“). Die Ehe wird als kurz und unglücklich beschrieben. Noch während Waugh an dem Roman Lust und Laster (Vile Bodies) arbeitete, einer karikierenden Darstellung der englischen Partygesellschaft der 1920er Jahre, die 1930 erschien und ein großer Verkaufserfolg wurde, begann seine Ehefrau Affären mit anderen Männern. Bereits 1930 wurde die Ehe geschieden. Die Trennung von Evelyn Gardner beschrieb Waugh in A Handful of Dust (1934).

Nach der Trennung bereiste er 1929 einige Mittelmeerländer, u. a. auch Ägypten. Darüber berichtete er in Labels (1930).

Konversion und Etablierung als Schriftsteller

Im Jahr 1930 konvertierte Waugh zum Katholizismus, obwohl er befürchten musste, dadurch kein zweites Mal heiraten zu können. Doch 1936 gab die Kirche seinem drei Jahre zuvor gestellten Antrag auf Annullierung seiner ersten Ehe statt. Dies ermöglichte es ihm, im Jahre 1937 die ebenfalls katholische Laura Herbert zu heiraten. Aus der Ehe mit ihr, die bis zu seinem Tod hielt, gingen sieben Kinder hervor, von denen eines im Kindesalter starb. Sein ältester Sohn, Auberon Waugh (1939–2001), sollte später ein bekannter Journalist und Kolumnist werden.

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau und der Konversion wurde Waugh gesellschaftlich zunehmend isoliert. Einer seiner wenigen Freunde war der Schriftsteller Graham Greene, auch er ein katholischer Konvertit, dessen erste Ehe annulliert wurde. Waugh hatte sich damals als Schriftsteller etabliert, arbeitete in den 1930er Jahren aber auch als Korrespondent. So berichtete er 1930 aus Abessinien über die Krönung von Haile Selassie und im August 1935 war er als Korrespondent des Daily Mail vor Ort, um über den drohenden Angriffs- und Eroberungskrieg durch das faschistische Italien zu berichten. In seinem Vorwort zu Scoop schreibt Waugh über seine dortige Tätigkeit:

Die Erfahrungen in Afrika verarbeitete er in den Romanen Schwarzes Unheil (Black Mischief, 1932) über einen fiktiven afrikanischen Staat, in dem die fragwürdigen Segnungen der modernen Zivilisation eingeführt werden sollen, und Scoop (1938). Seine Reiseerlebnisse flossen in mehrere Berichte ein: in Befremdliche Völker, seltsame Sitten (Remote People, 1931), Waugh in Abyssinia (1936) und Ninety-Two Days. The Account of a Tropical Journey Through British Guiana and Part of Brazil (1934). Letzterer basierte auf einer Reise nach Südamerika in den Jahren 1932/1933. In diesen Büchern beschreibt er bizarre, unverständliche Welten.

Als 1939 der Krieg ausbrach, gehörte Waugh wie Henry Green und Virginia Woolf zu den meistbeachteten britischen Autoren. Seine Biografie über Edmund Campion (1935) hatte ihm den Hawthornden-Preis eingebracht. Er besaß ein Landhaus in Gloucestershire und hatte eine Familie gegründet. Aber da er noch jung genug für den Militärdienst war und ihm bewusst war, dass eine Zivilaufgabe wenig Stoff für schriftstellerische Werke liefern würde, bemühte er sich sofort um eine Offiziersstelle. Mit großer Mühe gelang ihm der Eintritt bei den Royal Marines und er wurde 1941 in den Nahen Osten versetzt. Während der Luftlandeschlacht um Kreta diente er als persönlicher Adjutant von Robert Laycock, dem Kommandeur einer Kommandoeinheit. 1942 wechselte er zu den Royal Horse Guards der British Army. Gegen Ende des Krieges war er Verbindungsoffizier zu den jugoslawischen Partisanen. Sein Biograf Douglas Woodruff hielt fest, dass seine Vorgesetzten den Umgang mit ihm wegen seiner Skepsis schwierig fanden und Waugh auch bei den Soldaten, die unter ihm dienten, nie sonderlich beliebt war.

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