Sir Evelyn Henry Wood VC, GCB, GCMG (* 9. Februar 1838 in Cressing, Braintree (Essex); † 2. Dezember 1919 in Harlow (Essex)) war ein britischer Feldmarschall, Sirdar (Oberbefehlshaber) der ägyptischen Armee und später Generalquartiermeister und Generaladjutant der britischen Armee.
Evelyn Wood war zu seiner Zeit – neben Roberts, Kitchener, Gordon und Wolseley – einer der wichtigsten Offiziere der britischen Armee und wesentlich an der militärischen Eroberung des viktorianischen Kolonialreiches beteiligt. Er zeichnete sich als 16-jähriger Seekadett auf der Krim aus, erwarb sich bei der Niederschlagung des Aufstandes in Indien das Viktoriakreuz, kämpfte an der Goldküste, in Südafrika, Ägypten und im Anglo-Ägyptischen Sudan, bevor er schließlich in die oberste Führungsspitze der britischen Streitkräfte aufstieg. Er wurde 1903 zum Feldmarschall ernannt und verfasste einige militärhistorische und autobiographische Werke, die zum Teil noch heute verlegt werden.
Evelyn Wood wurde am 9. Februar 1838 im Pfarrhaus von Cressing geboren, wo sein Vater, Reverend Sir John Page Wood, 2. Baronet (1796–1866), ehedem Kaplan und Privatsekretär der Königin Caroline, Vikar war. Evelyns Mutter war Emma Caroline Michell, Tochter des Marineoffiziers Sampson Michell, der 1783 an Portugal 'ausgeliehen' und 1807 Oberbefehlshaber der portugiesischen Marine geworden war. Ihr Bruder war Sir Frederick Thomas Michell, Admiral der Royal Navy.
Die Woods waren zwar nicht wohlhabend, aber wegen ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen nicht ohne Einfluss. Der Großvater väterlicherseits, Sir Matthew Wood, war von 1809 bis 1810 High Sheriff und von 1816 bis 1817 Lord Mayor of London gewesen. Er hatte neunmal hintereinander die City of London im Unterhaus vertreten und war 1837 von Königin Victoria als Baronet, of Hatherley House in the County of Gloucester, geadelt worden. Sein Sohn, Evelyns Onkel Sir William Page Wood, später Baron Hatherley, wurde 1868 unter Gladstone Lordkanzler. Ein weiterer Onkel, Western Wood, saß ebenfalls für die City of London im Parlament.
Das Ehepaar Wood hatte dreizehn Kinder, von denen sechs im Kindesalter starben. Evelyn war der dritte und jüngste der Söhne und das zweitjüngste Kind. Seine 1845 geborene jüngere Schwester war Katharine O’Shea, die Geliebte und Ehefrau des irischen Nationalistenführer Charles Stewart Parnell. Nach Erziehung und Ausbildung auf dem Marlborough College in Wiltshire, einer Internatsschule, die 1843 speziell für die Söhne anglikanischer Kleriker gegründet worden war, trat Evelyn am 15. April 1852 als 13-jähriger Midshipman in die Royal Navy ein.
Im Jahr 1854 gehörte der Evelyn Wood zur Besatzung des Linienschiffes HMS Queen und nahm als Angehöriger der Naval Brigade (Marinebrigade) am Krimkrieg gegen Russland teil, in den das Vereinigte Königreich im März des Jahres auf der Seite des Osmanischen Reiches eingetreten war.
Die Naval Brigade war im September 1854 aus Besatzungsmitgliedern der vor der Halbinsel Krim liegenden britischen Kriegsschiffe zusammengestellt worden, weil sich die Notwendigkeit ergeben hatte, Schiffsgeschütze an Land zu bringen und von dort aus als Belagerungsartillerie einzusetzen. Die Matrosen und Seesoldaten wurden dort, insbesondere als Bedienmannschaften für die Geschütze, aber auch als Infanterie, an Land eingesetzt.
Wood nahm an der Schlacht von Inkerman und der Belagerung von Sewastopol teil. Am 18. Juni 1855, dem 40. Jahrestag der Schlacht bei Waterloo, begleitete er den stellvertretenden Kommandeur der Naval Brigade, Captain William Peel, der eine Gruppe mit Sturmleitern führte, beim erfolglosen Sturmangriff auf den Redan (eine Bastion der Befestigungen von Sebastopol) und wurde dabei schwer verwundet. Ein Schrapnellteil traf ihn unterhalb des linken Ellbogengelenks und zersplitterte den Knochen. Der Armeechirurg wollte den Unterarm zunächst amputieren, aber Wood weigerte sich und wurde zur Genesung nach England zurückgeschickt. Da eine Verwendung an Land mehr nach seinem Geschmack war als das Leben an Bord, verließ Wood die Royal Navy und wechselte am 7. September 1855 zu einem leichten Dragonerregiment, den 13th Light Dragoons. Seinen Dienstposten und sein Offizierspatent als Cornet erhielt er nicht – wie damals üblich – durch Kauf, sondern wegen seiner Verdienste auf der Krim unentgeltlich. Ein Empfehlungsschreiben seines ehemaligen Oberkommandierenden, Lord Raglan, hatte ihm den Weg geebnet. Als er sich in der Garnison der 13th Light Dragoons in Dorchester meldete, trug er noch immer den Arm in einer Schlinge.
Nachdem seine Wunde verheilt war – er hatte sich mehrere Knochensplitter mit eigener Hand entfernt –, wurde Wood Ende 1855, jetzt als Kavallerist, wieder Richtung Krim in Marsch gesetzt. Er kam am 22. Januar 1856 in Scutari (heute Stadtteil von Istanbul) an, infizierte sich mit Typhus und lag innerhalb weniger Wochen im Lazarett. Sein Zustand war so schlecht, dass man mit seinem baldigen Tod rechnete und die Eltern benachrichtigte. Seine Mutter, die sofort nach Scutari gereist war, nahm ihren Sohn mit nach England. Schon während der Heimreise besserte sich sein Zustand.
Midshipman Wood wurde während des Krimkriegs zweimal im Kriegsbericht erwähnt und mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt – siebzehnjährig – die türkische und die britische Krim-Medaille (Crimean War Medal) mit zwei Spangen („Inkerman“ und „Sebastopol“), wurde Ritter der Ehrenlegion und Mitglied der 5. Klasse des türkischen Mecidiye-Ordens. Für das 1856 geschaffene Victoriakreuz, die höchste britische Tapferkeitsauszeichnung, war er als dritter von sieben Angehörigen der Marinebrigade vorgeschlagen worden, hatte es aber nicht erhalten. Der genaue Grund dafür ist nicht bekannt. Wood selbst vermutete, dass die Admiralität keinem aus der Marine ausgeschiedenen Seemann einen so bedeutenden Orden verleihen wollte. Selbst die persönliche Intervention des Oberbefehlshabers der britischen Schwarzmeerflotte, Admiral Lord Lyons, konnte diese Entscheidung nicht ändern.
Seine Erinnerungen an den Krimkrieg, basierend auf seinem täglich geführten Tagebuch, veröffentlichte Wood 40 Jahre später in seinem Buch The Crimea (London, 1896).
Sepoy-Aufstand und Victoriakreuz
Am 1. Februar 1856 stieg Wood in den Rang eines Lieutenant der 13th Light Dragoons auf (sein Onkel William hatte ihm die Stelle gekauft) und wechselte am 9. Oktober 1857 zu den 17th Light Dragoons (Lancers), weil diese sich gerade nach Indien einschifften. Dort war im Mai der Sepoy-Aufstand ausgebrochen, der sich rasch zu einem Volksaufstand ausgeweitet hatte. Das Regiment kam im Dezember in Indien an und war im Mai 1858 einsatzbereit, als der Aufstand schon fast niedergeschlagen war.
Auch nachdem das britische Parlament in Erwartung des nahen Sieges im August 1858 den Government of India Act verabschiedet hatte, setzten Gruppen von Freischärlern den Kampf fort. Lieutenant Wood führte eine nächtliche Attacke von 15 Ulanen und einem Guide gegen 80 Aufständische im Dschungel von Sironji. Er konnte seine Feinde überraschen, einige von ihnen töten, ihre Waffen erbeuten und drei Gefangene befreien. Für diese Attacke am 19. Oktober 1858 wurde Wood mit dem Victoriakreuz, der höchsten Auszeichnung Großbritanniens für überragende Tapferkeit im Angesicht des Feindes, ausgezeichnet. Nach dem Sepoy-Aufstand erwarb Wood im April 1861 den Rang eines Captain der 17th Light Dragoons und im August 1862 wurde er zum Brevet-Major befördert. Im Oktober 1862 wechselte er zur Infanterie und wurde 1861 Captain des 73rd (Perthshire) Regiment of Foot. Von 1863 bis 1864 absolvierte er eine Generalstabsausbildung am Staff College Camberley. Im Juli 1865 wechselte er zum 17th (Leicestershire) Regiment of Foot. 1867 heiratete er Hon. Mary Pauline Southwell (um 1842–1891), die Schwester des 4. Viscount Southwell. Zeitweise unter Halbsold vom Armeedienst freigestellt begann er 1870 auch eine juristische Ausbildung am Middle Temple und wurde dort schließlich 1874 als Barrister zugelassen. 1871 wurde er Major des 90th Regiment of Foot und 1873 wurde er zum Brevet-Lieutenant-Colonel befördert.