An diesem Tag

Evelyn Hartnick-Geismeier

Deutsche Bildhauerin und Medailleurin

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Evelyn Ida Berta Hartnick-Geismeier (* 17. Juli 1931 in Finsterwalde (Niederlausitz); † 24. August 2017 in Berlin) war eine deutsche Bildhauerin und Medailleurin. Sie trug diesen Namen seit 1990 und lebte in Berlin. Bis 1983 war ihr Name Evelyn Nitzsche-Hartnick, ihr Geburts- und Künstlername war Evelyn Hartnick.

Der Vater von Evelyn Hartnick war der Künstler Bruno Hartnick, so dass sie von Kind auf mit Kunst und Künstlern vertraut war. Der für das junge Mädchen schmerzliche Tod des Vaters im Jahr 1945 löste in ihr den Wunsch aus, seinem Beruf als Malerin zu folgen. Bereits mit sechzehn Jahren nahm sie im Jahr 1948 ein Studium an der Kunstgewerbeschule Leipzig auf, wo sie Malerei bei Max Schwimmer belegte. Nach drei Semestern wechselte sie 1949 an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Dort studierte sie Illustration und Porträtkunst bei Elisabeth Voigt sowie Aktzeichnen und plastisches Gestalten bei Walter Arnold. Bei Arnold entdeckte sie ihre Neigung zur Bildhauerei und wechselte 1951 an die Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Fünf Jahre studierte sie in der Bildhauerklasse bei Heinrich Drake. Im Jahr 1956 schloss sie ihr Studium als Diplom-Bildhauerin ab und war seitdem selbstständig tätig. Sie war von 1957 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und hatte in der DDR und im Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1962/1963, 1982/1983 und 1987/1988 an der Fünften Deutschen Kunstausstellung und der IX. und X. Kunstausstellung der DDR in Dresden.

Mit ihrem ersten Mann hatte Hartnick zwei Söhne, einer davon ist Jan-Pieter Nitzsche, Kunstschmied und Restaurator. 1990 heiratete sie Willi Geismeier, der 2007 starb. Im selben Jahr stürzte sie 77-jährig in Berlin in einem Bus bei einer Notbremsung so schwer, dass einer ihrer Oberschenkelknochen zertrümmert wurde.

Evelyn Hartnick war Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst und gehörte dem Künstlerkreis der Berliner Medailleure an.

Ihre Grabstätte befindet sich mit der ihres Mannes auf dem Französischen Friedhof in Berlin.

In der Bildhauerei blieb Hartnick den klassischen Vorbildern verpflichtet und folgte konsequent dem in ihrer bildhauerischen Ausbildung beschrittenen Pfad. Die an der Realität orientierte Gestaltungsweise galt ihr als ein adäquates Ausdrucksmittel der modernen zeitgenössischen Kunst. Das Sängerlieddenkmal von Finsterwalde (1999–2001) verdeutlicht ihre Vorliebe für Gruppenkompositionen in der Freiplastik, bei der jede einzelne Figur in einem Bezugssystem zu allen anderen steht. Ihre Reliefarbeiten fallen in zwei Gruppen: die vielfigurigen, vielteiligen und erzählerischen Kompositionen wie etwa Altes Berlin – Neues Berlin und die Reliefporträts wie etwa zu Max Planck, das schließlich auch als Vorlage für eine Gedenkmünze der DDR aus dem Jahr 1983 diente. Der Schritt vom Relief zur Gussmedaille mit den diesen Objekten innewohnenden Gesetzmäßigkeiten war relativ klein. Die Gussmedaille wurde von Evelyn Hartnick in klassischer Manier für Porträts genutzt, aber auch zu Stellungnahmen zum Zeitgeschehen. Mehrfach hat sie an Editionen des Künstlerkreises Berliner Medailleure teilgenommen, so zu den Themen Kunstgeld – Geldkunst (1993), Balance halten (1994) und 1945–1995 – 50 Jahre Frieden? (1995). Etwas anders ist die Welt der Prägemedaille. Hier steht meist die Umsetzung von Vorstellungen der staatlichen oder privaten Auftraggeber im Vordergrund, die Herstellung der Gipsmodelle erfordert millimetergenaue präzise Arbeit, die meist zur Verfügung stehende Reliefhöhe muss genau eingehalten werden.

In Evelyn Hartnicks Werk scheinen immer wieder biographische Bezüge auf. Das Sängerlieddenkmal in Finsterwalde durch die Hand dieser Künstlerin erhält seine besondere Bedeutung durch den Umstand, dass der Urgroßvater Hartnicks, Herrmann Gerhardt, der letzte Sänger von Finsterwalde war. Zu den Personen, die Evelyn Hartnick wichtig waren, gehört Käthe Kollwitz, bei der ihr Vater 1921/22 studierte, während Elisabeth Voigt als Kollwitzschülerin ihre eigene Lehrerin war. Den Maler Otto Nagel lernte sie selbst noch als Studentin kennen. In einem drei Meter großen Relief-Zyklus (1974/76) stellte sie unter anderem Otto Nagel mit Heinrich Zille und Käthe Kollwitz zusammen und wies so auf die sozialkritischen Gemeinsamkeiten dieser drei Künstler hin. An dem Porträt von Otto Nagel blieb sie interessiert. 1997 schuf sie unter Verwendung von dessen Totenmaske eine Plakette, mit der sie auch auf die Brüche in Leben und Werk hinwies. Bei Nagel war das 1934 durch die Nationalsozialisten ausgesprochene Malverbot der große Bruch im Leben, Evelyn Hartnick selbst hat drei ganz unterschiedliche Regierungsformen erlebt.

Bildhauerische Arbeiten im öffentlichen Raum

Bauarbeiter, 1961, Bronze, 1,40 m, Einweihung 1965, Berlin-Niederschönhausen, Mendelstraße/Stiftstraße

Parkweg, Zweifigurengruppe, Bronze; 1962/1963 auf der Fünften Deutschen Kunstausstellung

Pharmakologie und Toxikologie, Aluminiumguss, 2,80 × 1,35 m, Berlin-Mitte, Charité der Humboldt-Universität zu Berlin

Otto-Nagel-Zyklus, 1975, Bronzerelief, 3 × 3 m, Lessingstraße 85, Berlin-Wilhelmsruh

Altes Berlin und Neues Berlin, Bronzespritzverfahren, 4,10 × 1,62 m

2. Exemplar: Berlin-Mitte (früher Berolina-Haus, nicht mehr vorhanden)

Reliefporträt Otto Nagel (Profil), Bronzerelief, 0,80 × 1,20 m, Berlin: Mitte Museum

Zille, Kollwitz und Nagel im Gespräch, Bronzerelief, 0,75 × 0,80 m,

1. Exemplar: Bezirksamt Berlin-Prenzlauer Berg

2. Exemplar: Stadtmuseum Berlin im Ephraim-Palais

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