An diesem Tag

Eva von Redecker

Deutsche Philosophin, Autorin und freischaffende Publizistin

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Eva Katharina von Redecker (* 2. Februar 1982 in Kiel) ist eine deutsche Philosophin, Autorin und Publizistin. Ihre Forschungsthemen liegen an der Schnittstelle von Kritischer Theorie und feministischer Philosophie. Thematisch handeln ihre Publikationen von Eigentum, sozialem Wandel, dem Verhältnis von Struktur und Handlungsfähigkeit sowie moralischem Urteilen.

Eva von Redecker wurde in Kiel geboren und verbrachte ihre Kindheit auf dem Biobauernhof Schoolbek in Kosel, den ihre Eltern betrieben. Nach dem Abitur am Jungmann-Gymnasium in Eckernförde studierte sie in Kiel, Tübingen, Cambridge und Potsdam Philosophie, Germanistik und Geschichte. Sie gibt an, begonnene Studien der Medizin und des Lehramts abgebrochen zu haben. Ihr Studium schloss sie 2009 mit dem Magister im Hauptfach Philosophie ab.

Zwischen 2009 und 2019 war von Redecker wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für praktische Philosophie/Sozialphilosophie der Humboldt-Universität Berlin. Sie hat ab 2017 als stellvertretende Direktorin das Center for Humanities and Social Change mitaufgebaut. Von 2013 bis 2014 war sie als Gastwissenschaftlerin am philosophischen Institut der Universität Cambridge (UK). Ihr Mentor dort war Raymond Geuss, der gemeinsam mit der Erstbetreuerin Rahel Jaeggi auch ihre 2015 abgeschlossene Promotion betreute. Im Wintersemester 2015/2016 lehrte von Redecker als Gastdozentin an der New School for Social Research in New York. Sie hatte 2020/21 eine Marie-Skłodowska-Curie-Fellowship an der Universität Verona inne und forschte in diesem Rahmen zum autoritären Charakter. Eva von Redecker ist assoziiertes Mitglied des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität Berlin und seit 2024 Mitglied des Kuratoriums der Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin.

Zum Sommersemester 2026 ist von Redecker designierte Vertretungsprofessorin für Philosophie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK).

Im Rahmen der COVID-19-Pandemie trat Eva von Redecker als Erstunterzeichnerin der Zero-Covid-Kampagne für eine Zero-Covid-Strategie ein, welche das Ziel verfolgte, das Coronavirus durch einen mehrwöchigen Total-Lockdown zu eliminieren. Zur Europawahl 2024 war von Redecker Erstunterzeichnende der Kampagne Wir wählen links. Mitte Juni 2024 forderte sie mit mehreren tausend weiteren Dozenten den Rücktritt der Bildungs- und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger aufgrund ihrer damals stark kritisierten Erwägungen zur Sanktionierung von Hochschulangehörigen.

Von Redecker wurde christlich erzogen, bezeichnet sich als ungläubige Christin und lebt offen lesbisch. Sie ist in der Prignitz in Brandenburg ansässig.

Revolutions- und Gewaltbegriff

In ihrem Buch Praxis und Revolution plädiert Eva von Redecker für ein neues Revolutionsverständnis. Radikaler Wandel, so die vor dem Hintergrund einer materialistischen Sozialtheorie entwickelte These, vollzieht sich prozessual über die sukzessive Übertragung von abseitiger Praxis zu neuen Paradigmen. Daneben verfasste von Redecker eine Einführung in die Philosophie Judith Butlers, in der Butlers Gesamtwerk in verschiedenen Facetten als eine Analyse von „Gewalt vor der Gewalt“ verständlich gemacht wird, sowie eine Monografie über Hannah Arendts Moralphilosophie.

In Revolution für das Leben und ihren akademischen Arbeiten definiert Redecker das Konzept des „Phantombesitzes“ als historisch begründeter „Verfügungswillen […], wo gar kein institutionell abgesicherter Herrschaftsanspruch mehr besteht“. Demnach bestünden verschiedene Formen der Diskriminierung und Unterdrückung Benachteiligter intersektional fort und würden im neoliberalen Kapitalismus als Eigentum vormals rechtlich Privilegierter beansprucht. Hierdurch ließen sich gesellschaftliche Backlashes wie auch individuelle Gewalttaten erklären.

Auch die Entwicklung generativer ‚KI‘ sieht von Redecker als Anspruch auf einen Phantombesitz an Intelligenz durch finanzstarke Personen und Unternehmen, der sich durch offene Einhegung geistigen Eigentums und die in Teilen des Longtermismus’ angestrebte digitale Unsterblichkeit vollziehe.

In ihrem Buch Bleibefreiheit definiert sie den meist räumlich verwendeten Freiheitsbegriff zeitlich um. In Zeiten der Klimakrise und umweltschädlichen Mobilitätsverhaltens erscheint es ihr zukunftsfähiger, Freiheit als die Möglichkeit, an einem Ort zu bleiben, zu verstehen, um Lebensgrundlagen zu erhalten. Erst auf diese Weise führe „Bleibefreiheit“ nicht zur Vereinzelung, sondern fördere gemeinsame Verantwortung für die Umwelt. Ihre Umdeutung des Freiheitsbegriffes wurde kontrovers diskutiert.

In Dieser Drang nach Härte urteilt von Redecker, „die Sprache, mit der wir über den Faschismus reden, [scheine] kaputtgegangen zu sein“. So habe die Verwendung als gegenseitiger Vorwurf zu einer Entwertung des diffusen Begriffes geführt, der angesichts nicht zu leugnender zeitgenössischer Phänomene eine Aktualisierung erforderlich mache. Faschismus sei nicht nur durch die sozialdarwinistische Naturalisierung des Konkurrenzkampfes zu definieren, sondern – im Gegensatz zum Kollektivismus als Merkmal früherer Definitionen – auch durch einen von Individualität und Eigentum geprägten „Anspruch auf Destruktion“, der sich letztlich in „liquidierender Phantombesitzverteidigung“ äußere.

Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus. S. Fischer, Frankfurt am Main 2026, ISBN 978-3-10-397724-0.

Bleibefreiheit. S. Fischer, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-10-397499-7.

mit Maja Göpel: Schöpfen und Erschöpfen, hrsg. v. Margarita Tsomou und Maximilian Haas. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0546-9.

Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen. S. Fischer, Frankfurt am Main 2020, ISBN 978-3-10-397048-7.

Praxis und Revolution. Eine Sozialtheorie radikalen Wandels. Campus, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-593-44016-3.

englische Ausgabe: Praxis and Revolution. A Theory of Social Transformation. Columbia University Press, New York 2021, ISBN 978-0-231-19823-3.

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