An diesem Tag

Eva Erben

Tschechische Schriftstellerin

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Eva Erben (Erbenová) (hebräisch אווה ארבן; geboren am 24. Oktober 1930 in Tetschen, Tschechoslowakei als Eva Löwidt (Löwitová bzw. Löwidtová)) ist eine Holocaust-Überlebende und eine tschechisch-israelische Schriftstellerin, die als Zeitzeugin auftritt. International bekannt wurde sie durch die Publikation ihres Buchs Mich hat man vergessen: Erinnerungen eines jüdischen Mädchens, in dem sie das Martyrium ihrer Familie in KZs und auf Todesmärschen beschreibt. Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Eva Löwidt (Löwitová bzw. Löwidtová) wurde 1930 in Tetschen unweit der deutschen Grenze in der Tschechoslowakei geboren. Ihr Vater Jindřich (* 18. Januar 1895) war Chemieingenieur, Erfinder und besaß eine Gummifabrik in Volyně, ihre Mutter Marta (* 17. Juli 1901) war gelernte Bürokauffrau und Hausfrau. Evas Familie war eine jüdische, assimilierte Familie, welche ihren Glauben nicht streng orthodox lebte. Zuhause stellte man einen Weihnachtsbaum auf, Kerzen zu Chanukka und feierte die hohen jüdischen Feiertage. Sie spielte mit christlichen und jüdischen Freunden und Freundinnen. Sie ging in einen deutschen Kindergarten. Zuhause sprach Eva Deutsch und Tschechisch.

Ab 1936 lebte die Familie in Prag mit der Adresse Prag XIII, V Olšinách 1330. Das Unglück brach 1939 in ihr Leben ein, als sie beim Kauf von Eis ein Plakat vor der Konditorei las: „Hunde und Juden haben keinen Zutritt“. Es gab von Freunden für Eva die Möglichkeit der Auswanderung nach Großbritannien und danach in die USA, was aber von Eva verweigert wurde, da sie allein ohne Eltern hätte emigrieren müssen. In den folgenden Jahren verschlechterte sich die Lage dramatisch. Das Bankkonto wurde gesperrt, ihr Vater aus seiner Firma gedrängt. Vermögenswerte wie Auto, Radio, Pelze und Skier wurden von der Gestapo konfisziert. Auch ihr Kanarienvogel sollte abgeliefert werden, den sie aber frei ließ. Ab Sommer 1939 wurde der Schulbesuch für jüdische Kinder verboten. Eva erhielt zusammen mit anderen jüdischen Kindern Privatunterricht von einer Lehrerin, die als Jüdin ebenfalls entlassen wurde.

1938 fragte ihre Elterngeneration: „Wie lange kann Hitler noch existieren?“. 1938 zu den Novemberpogromen fragten sich die Leute, wie das in einem so zivilisierten Land passieren konnte, im Land von Johann Wolfgang von Goethe.

Deportation ins Ghetto Theresienstadt

Mit elf Jahren wurde Eva Erben Ende 1941 mit ihrer Familie nach Theresienstadt, dann 1944 nach Auschwitz deportiert. Der Deportationsbescheid zur Zwangsumsiedlung wurde einen Tag vorher überreicht. Eva konnte nur ihre Puppe Hanna, ein paar Malstifte und das Tagebuch einpacken. Wäsche, Strümpfe und Jacken musste sie doppelt anziehen.

Auf diesem Fußmarsch vom Bahnhof Bauschowitz ins Ghetto Theresienstadt wurde der elfjährigen Eva schlagartig klar:

1942 als zwölfjähriges Mädchen trat Eva Erben in der Kinderoper Brundibár in 55 Vorstellungen im Ghetto Theresienstadt auf. Von dem Theresienstädter Kindertheater-Ensemble überlebten nur vier Kinder, alle anderen wurden in Auschwitz ermordet. Ihr gab die Kinderoper den Mut, „dass das Gute gewinnen wird, das Schlechte kann nicht ewig dauern“. Mit 13 Jahren herrschte Arbeitspflicht, sie musste in den Festungsgräben Gemüsebeete anlegen.

Trotz Ghetto blickte Eva Erben später mit vielen schönen Erlebnissen mit viel Musik, Theater, Literatur und Kunst auf diese Zeit zurück, als gute Lehre fürs Leben. Das reiche, kulturelle Leben half die schrecklichen Zeiten und schwierigen Umstände (keine Medikamente, Essen etc.) zu überleben. Ältere Generationen haben dies so nicht wahrgenommen. Für sehr viele Häftlinge, besonders für Kinder, Jugendliche unter 18, Ältere und Kranke, bedeutete das Ghetto Theresienstadt den sicheren Tod in Auschwitz.

Eva Erben hat in Theresienstadt den für die Ermordung von über 6 Mio. Juden verantwortlichen Adolf Eichmann erlebt, der für „Verbrechen gegen das jüdische Volk“, „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, „Kriegsverbrechen“ und die „Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation“ 1962 in Israel zum Tode verurteilt wurde. Auch wenn die Lebensbedingungen im Muster-Ghetto Theresienstadt besser waren als in anderen Lagern, gab es harte Strafen, Folterungen und Hinrichtungen. Innerhalb von 3 Jahren starben mehr als 30.000 Menschen. Von den mehr als 15.000 Ghetto-Kindern (unter 14) wurden die meisten nach Auschwitz deportiert und dort getötet, überlebt haben nur wenige, darunter Eva.

KZ Auschwitz-Birkenau und Außenlager Schlesiersee des KZ Groß-Rosen

Am 4. Oktober 1944 erfolgte die Deportation (Transport Cr, Nr. 177) ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Eva wurde von ihrer Mutter getrennt und gab als Alter 18 (geb. 26. Oktober 1926) an. Ältere Mütter und Kinder (unter 15) wurden direkt in den Gaskammern ermordet. Sie war zeitgleich mit der fast gleichaltrigen Anne Frank im KZ Auschwitz-Birkenau, welche im März 1945 im KZ Bergen-Belsen an Fleckfieber verstarb. Die Frauen mussten Panzergräben ausheben. Wer keine Kraft mehr hatte oder sonst als schwächlich auffiel, wurde selektiert und ermordet u. a. vom SS-Lagerarzt Josef Mengele. Eva und ihre Mutter überstanden dreimal diese Selektionen, wo sie z. T. stundenlang nackt zum Appell antreten mussten. Von den 2484 von Theresienstadt nach Auschwitz im Transport Cr, Nr. 177 Deportierten, wurden 2452 ermordet, überlebt haben bis Kriegsende nur 32. Eva Erben entkam nur knapp dem Schicksal der 216.300 deportierten jüdischen Kindern. Nur 451 jüdische Kinder unter 14 Jahren überlebten Auschwitz, alle anderen Kinder wurden ermordet. Ihre KZ-Nummer war A 1673. Das A stand dabei für Transportjuden.

Von Birkenau erfolgte ca. 6 Wochen später die Verlegung ins KZ-Außenlager Schlesiersee ein Außenkommando des Konzentrationslagers Groß-Rosen. Der sogenannte Einsatzträger war die Organisation Todt. An das KZ-Außenlager Schlesiersee erinnert eine Gedenkstätte der Gesellschaft für Sächsisch-Polnische Zusammenarbeit.

Tod von Evas Vater nach der Deportation von Auschwitz zum KZ-Außenlagerkomplex Kaufering

Ihr Vater Jindřich wurde am 28. September 1944 nach Auschwitz (Transport Ek, Nr. 308) deportiert, danach mit einem der sogenannten Evakuierungstransporte aus dem frontnahen Konzentrationslager zum KZ-Außenlagerkomplex Kaufering. Dieser Ort waren dramatisch überfüllt; die Gefangenen waren mörderischen Haft- und Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Die katastrophalen Lebensbedingungen führten zum Ausbruch einer Typhusepidemie. Am 24. Januar 1945 starb Jindřich Löwidt im KZ-Außenlagerkomplex Kaufering des KZ-Dachau an Typhus. Von den etwa 41.500 Menschen, die zwischen 1933 und 1945 ihr Leben im KZ Dachau mit Außenstellen verlieren, stirbt über ein Drittel im letzten halben Jahr des Krieges.

700 km Todesmärsche und Rettung

Erster Todesmarsch zum KZ Flossenbürg

Eva Erben wurde mit ihrer Mutter Marta am 21. Januar 1945 auf einen sogenannten Todesmarsch zum KZ-Außenlager Helmbrechts des KZ Flossenbürg nach Bayern gezwungen. Endziel war ursprünglich das KZ Dachau. Der Todesmarsch nach Volary dauerte mit Zwischenstationen 106 Tage. Wer unterwegs zu erschöpft war, um zu marschieren, wurde erschossen. Die Häftlinge wurden von der für ihre Brutalität berüchtigten SS-Division Totenkopf bewacht. Am 28. Januar 1945 erreichten die Frauen aus Schlesiersee das Zwangsarbeitslager Grünberg nordwestlich von Breslau. Ein, zwei Tage später wurde das Lager evakuiert. Am 31. Januar erreichten sie das Lager Am Schwedenwall in Christianstadt, ein Arbeitslager für jüdische Frauen, das etwa 40 km südwestlich von Grünberg lag. Am 2. Februar 1945, nach einem Aufenthalt von etwa zwei Tagen im Lager Christianstadt, ging der Marsch weiter. Christianstadt war zu dieser Zeit von vielen Ost-Flüchtlingen völlig überlaufen und wurde wegen des Anrückens der russischen Armee vollständig evakuiert.

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