Eugene Andrew „Gene“ Cernan (* 14. März 1934 in Chicago, Illinois; † 16. Januar 2017 in Houston, Texas) war ein US-amerikanischer Astronaut. Er flog bereits 1969 mit Apollo 10 in einer Mondlandefähre in niedriger Höhe über dem Mond, und war im Dezember 1972 als Kommandant von Apollo 17 der elfte von zwölf Menschen, die den Mond betraten, und ist bis heute der letzte, der auf dem Mond gewesen ist.
Cernan stammt mütterlicherseits von tschechischen, väterlicherseits von slowakischen Einwanderern ab, seine Eltern waren jedoch beide in den USA geboren. Er besuchte die McKinley School in Bellwood und die Proviso High School in Maywood, die er im Juni 1952 als einer der Besten des Jahrgangs verließ. Schon früh hatte er den Wunsch, Marineflieger zu werden; deshalb bewarb er sich um ein Marine-Stipendium an der Purdue University, bekam aber nur ein Teilstipendium, das ihn trotzdem zum Dienst in der US-Marine verpflichtete.
Im Sommer 1955 diente er zum ersten Mal auf einem Schiff, der USS Roanoke, im Juni des folgenden Jahres schloss er an der Purdue mit einem Notenschnitt von 5,1 von möglichen 6 in Elektrotechnik ab. Von Juni bis Oktober 1956 diente er auf der USS Saipan. In dieser Zeit rückte er von der Reserve zur regulären Marine auf.
Im Jahre 1957 wurde er als Kampfpilot ausgebildet, ab Februar 1958 diente er auf der Naval Air Station Miramar in Kalifornien. Seine erste Fahrt in den Pazifik erfolgte vom März bis Oktober 1959 auf dem Flugzeugträger Shangri-La. Eine weitere Fahrt erfolgte von Juni 1960 bis März 1961 auf der Hancock. Am 6. Mai 1961 heiratete er Barbara Atchley, eine Stewardess der Continental Airlines, ihre Tochter Tracy wurde am 4. März 1963 geboren.
In der Zwischenzeit hatte Cernan ein Angebot der Marine angenommen und seine Verpflichtungszeit verlängert. Im Gegenzug konnte er an der Naval Postgraduate School in Monterey, Kalifornien, studieren, und erhielt dort 1963 den Master of Science in Luftfahrttechnik.
Cernan bewarb sich im Sommer 1963 bei der NASA als Astronaut, und obwohl er weniger Flugerfahrung als andere Bewerber hatte und kein Testpilot war, wurde er am 17. Oktober 1963 zusammen mit 13 anderen als dritte Astronautengruppe der NASA der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Ausbildung begann im Februar 1964. Cernan spezialisierte sich auf Raketen, sowohl auf die Titan-Rakete, die das Gemini-Raumschiff in die Erdumlaufbahn bringen sollte, als auch die Agena-Stufe, mit der Kopplungen im Orbit geplant waren.
Während der ersten Gemini-Missionen (Gemini 1 im April 1964 bis Gemini 5 im August 1965) arbeitete Cernan in der Leitzentrale und war dort für die Überwachung der Treibstofftanks während des Starts zuständig.
Das Gemini-Projekt sah zehn bemannte Flüge vor, also mussten 20 Plätze vergeben werden. Von den sieben Mercury-Astronauten waren noch fünf aktiv; einige von ihnen standen bereits als Kommandanten von Gemini-Flügen fest. Dazu kamen noch neun Astronauten aus der zweiten Auswahlgruppe, von denen einige für zwei Flüge vorgesehen waren. Somit konnten sich nur wenige Astronauten der dritten Gruppe Hoffnungen auf einen Platz in einem Gemini-Raumschiff machen.
Am 8. November 1965 wurde Cernan dann als Ersatzpilot für die Mission Gemini 9 nominiert. Damit hatte er auch große Chancen, für den letzten Flug mit Gemini 12 eingeteilt zu werden.
Während der Doppelmission von Gemini 7 und Gemini 6 im Dezember 1965 war Cernan Verbindungssprecher (Capcom).
Die Hauptmannschaft von Gemini 9 bestand aus dem Kommandanten Elliot See und dem Piloten Charles Bassett, der einen Weltraumausstieg (EVA: extra-vehicular activity; Außenbordeinsatz) unternehmen sollte. Ersatzkommandant war Tom Stafford.
Im Rahmen ihres Ausbildungsprogramms flogen die Haupt- und die Ersatzmannschaft von Gemini 9 am 28. Februar 1966 in zwei zweisitzigen Jets nach St. Louis, wo sie bei der McDonnell Aircraft Corporation am Gemini-Simulator trainieren sollten. Aufgrund schlechter Sicht stürzte die Maschine von See und Bassett ab, wobei beide ums Leben kamen. Noch am selben Tag wurden Stafford und Cernan als neue Hauptmannschaft bestätigt, somit hatte Cernan nun die Aufgabe, nach Edward White mit Gemini 4 den zweiten amerikanischen Weltraumausstieg (EVA) zu unternehmen.
Der Start von Gemini 9 war zuerst für den 17. Mai 1966 vorgesehen, wurde aber kurzfristig abgesagt, nachdem Stafford und Cernan bereits im Raumschiff waren. Der Start des Zielsatelliten, der kurz vorher erfolgte, war missglückt, so dass kein Kopplungspartner zur Verfügung stand.
Mit dem einfacheren Zielsatelliten ATDA sollte der Start am 1. Juni wiederholt werden. ATDA konnte dieses Mal problemlos in die Umlaufbahn gebracht werden, aber kurz vor der Zündung von Gemini 9 musste der Start abgebrochen werden, weil benötigte Daten von der Bodenstation nicht zum Raumschiff gesendet werden konnten.
Am 3. Juni klappte der dritte Startversuch endlich, und Cernan begann seinen ersten Raumflug. Damit war er der zweite Astronaut der dritten Auswahlgruppe, der zum Einsatz kam.
In der Erdumlaufbahn stellte sich jedoch heraus, dass sich die Verkleidung des Zielsatelliten nur teilweise gelöst hatte, so dass die geplante Kopplung unmöglich war. Bei der NASA wurde erwogen, dass Cernan aus dem Raumschiff aussteigen und die Verkleidung von Hand lösen sollte, aber das wurde als zu gefährlich angesehen. Die bisher einzige EVA hatte nur aus dem Aus- und Wiedereinstieg bestanden und man hatte keinerlei Erfahrungen mit Bewegungen und Arbeit in der Schwerelosigkeit.
Die geplante EVA war immer noch ambitioniert genug. Cernan sollte am 5. Juni 1966 das Gemini-Raumschiff durch die Luke verlassen, sich am Raumschiff entlang nach hinten hangeln und dort eine von der US-Luftwaffe entwickelte Manövriereinheit (AMU) umschnallen. Das war allerdings erheblich schwieriger als vorher angenommen. Es gab zu wenige Haltepunkte, so dass Cernan wesentlich langsamer als geplant vorankam. Als er endlich das Heck des Raumschiffs erreichte, war er weit hinter der Zeit und am Ende seiner Kräfte. Somit musste der Test der Manövriereinheit abgesagt werden. Der Rückweg zur Luke erwies sich als noch schwieriger und gefährlicher. Die Kühlung des Raumanzugs konnte die Wärmeabstrahlung des Körpers nicht ausgleichen, und Cernans Visier beschlug, so dass er keine Sicht mehr hatte und auch wegen der fehlenden Schwerkraft die Orientierung fast unmöglich wurde. Mit letzter Kraft konnte Cernan sich in das Raumschiff zurückhangeln. Das Zurückklettern durch die Luke ins Raumschiffinnere wurde zu einem zusätzlichen Kraftakt, denn wie schon bei Alexei Leonow und Ed White hatte sich der Raumanzug aufgebläht und machte den Wiedereinstieg fast unmöglich. Immerhin hatte er mit über zwei Stunden einen neuen Dauerrekord für Weltraumausstiege gesetzt.